Unruhige Zeiten: Warum klarer Journalismus heute wichtiger ist denn je

Liebe Leserinnen und Leser,

vor etwas mehr als einem Jahr habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass Mut und Hoffnung unsere treuesten und wichtigsten Wegbegleiter bleiben müssen. Dass Menschlichkeit, Verantwortung und Zusammenhalt gerade dann zählen, wenn die Welt unruhig ist. Heute, ein Jahr später, spüre ich: Diese Gedanken sind nicht kleiner geworden; sie sind gewachsen und fordern heute mehr denn je Gehör.

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Inzwischen folgen unserer Nachrichtenseite allein auf Facebook mehr als 28.000 Menschen. Dafür bin ich zutiefst dankbar.  Nicht, weil Zahlen allein entscheidend wären, sondern weil hinter jeder Zahl ein Mensch steht. Jemand, der wissen will, was in unserer Stadt, in unserer Region, in unserem Land und in der Welt geschieht. Jemand, der Orientierung sucht. Jemand, der nicht nur informiert werden möchte, sondern verstehen will. Und vor allem: jemand, der uns sein Vertrauen schenkt.

Genau darin liegt für uns als Ludwigsburg24 eine große Verantwortung.

Wenn wir auf die Welt blicken, scheint es an vielen Tagen fast nur noch um eine Person zu gehen: Donald Trump. Um seine Drohungen, seine Auftritte, seine Provokationen. Manchmal wirkt es, als würde eine einzige Person die mediale Aufmerksamkeit der ganzen Welt in Geiselhaft nehmen. Doch wir müssen uns ehrlich fragen: Geben wir ihm nicht immer wieder genau jene Bühne, die er sucht? Verwandeln wir nicht jede Ankündigung in ein Spektakel und jeden Aufreger in eine Eilmeldung?

Natürlich dürfen wir Angriffe auf demokratische Institutionen nicht verharmlosen. Wegschauen wäre falsch. Aber es macht einen Unterschied, ob man einordnet oder verstärkt. Ob man Haltung zeigt oder nur dem nächsten Sturm hinterherläuft. Denn alles hängt zusammen.

Wenn die Wirtschaft unter Druck gerät, spüren es Unternehmen und Beschäftigte auch hier bei uns. Wenn Kommunen finanziell kaum noch Luft bekommen, betrifft das unsere Schulen, Straßen, die Sicherheit, Kultur und soziale Angebote. Wenn Demokratien weltweit unter Druck stehen, dann ist das nicht weit weg. Dann betrifft es auch die Frage, wie wir hier miteinander umgehen. Wie wir streiten. Wie wir zuhören. Wie wir andere Meinungen aushalten.

Und wenn Medien ihre Verantwortung vergessen, dann verliert eine Gesellschaft einen wichtigen Teil ihres inneren Kompasses.

Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe unserer Zeit: Nicht lauter zu werden, sondern klarer. Nicht härter zu werden, sondern standfester. Nicht vor jedem Sturm in Deckung zu gehen, sondern sich diesem entschlossen zu stellen.

Für uns bei Ludwigsburg24 bedeutet das: Wir wollen nicht nur berichten, was passiert. Wir wollen diese Zusammenhänge sichtbar machen. Zwischen der großen Weltpolitik und dem Leben vor Ort. Zwischen Entscheidungen in Berlin, Stuttgart oder Washington und den Menschen in Ludwigsburg, Kornwestheim, Bietigheim-Bissingen, Marbach, Vaihingen, Remseck oder Freiberg.

Ich glaube fester denn je: Hoffnung ist keine Schwäche. Hoffnung ist eine Kraft. Sie bedeutet nicht, blind zu sein. Sie bedeutet, sich nicht vom Dunkel bestimmen zu lassen.

Bleiben wir wach. Bleiben wir mutig. Bleiben wir gerecht. Und vor allem: Bleiben wir menschlich.

Danke, dass ihr uns nicht alleine lasst.

Euer

Ayhan Güneş – Chefredakteur