
Aus einem gewerblich geprägten Gelände nahe der Vaihinger Altstadt soll ein neues Wohnquartier werden. Eine Jury hat dafür nun einen Siegerentwurf bestimmt. Doch noch bevor die Namen der Architekten öffentlich wurden, stellte der beteiligte Investor klar: In dieser Form hält er das Konzept wirtschaftlich nicht für umsetzbar.
Von Ayhan Güneş – 07.59 Uhr
Vaihingen an der Enz. Auf dem rund 7.140 Quadratmeter großen Areal zwischen Stuttgarter Straße und Ziegelgartenstraße soll nach dem geplanten Umzug eines Autohauses ein neues Wohnquartier entstehen. Wie die Stadt Vaihingen mitteilt, waren sechs Architekturbüros eingeladen worden, Konzepte für die künftige Bebauung zu entwickeln.
Die Jury entschied sich nach ihrer Sitzung am 16. Juli für den Entwurf der Schwarz Planungsgesellschaft aus Stuttgart gemeinsam mit SETUP Landschaftsarchitektur aus Leonberg. Auf den zweiten Rang kam Pesch Partner Architektur Stadtplanung, den dritten Platz belegte die ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart.
Die Jury empfiehlt mehrheitlich, das erstplatzierte Planungsteam auf Grundlage seines Konzepts und unter Berücksichtigung der geforderten Überarbeitungen mit der weiteren städtebaulichen Planung zu beauftragen.
Investor hält Siegerentwurf für nicht wirtschaftlich
Noch ist allerdings offen, ob der erstplatzierte Entwurf tatsächlich umgesetzt wird. Die Wohnbau Oberriexingen Gruppe als Investor und Mitauslober des Verfahrens verließ nach Angaben der Stadt die Sitzung noch vor der offiziellen Aufhebung der Anonymität. Zugleich erklärte sie, eine Realisierung der Siegerarbeit sei aus ihrer Sicht wegen der schlechten wirtschaftlichen Bewertung nicht möglich.
Das übrige Preisgericht sieht dagegen noch Spielraum. Durch Änderungen am Entwurf, vor allem durch eine höhere bauliche Dichte, könne sich die Wirtschaftlichkeit in der weiteren Planung verbessern.
Fachlich überzeugt der Entwurf die Mehrheit der Jury, wirtschaftlich fehlt ihm bislang jedoch die Zustimmung des Investors.
Durchwegung und Quartiersplatz vorgesehen
Der Siegerentwurf sieht entlang der Stuttgarter Straße eine dreigeschossige Bebauung vor, die sich am bestehenden Straßenbild orientieren soll. Nach Süden werden die Baukörper in ihrer Höhe und Proportion angepasst und abgestaffelt.
Geplant ist außerdem eine öffentliche Verbindung zwischen Stuttgarter Straße und Ziegelgartenstraße. Sie soll über einen zentralen Quartiersplatz führen und das neue Wohngebiet mit den angrenzenden Stadtbereichen verknüpfen.
Die Jury bewertete auch die Aufteilung der Wohnungen, die Belichtung und Belüftung sowie die Übergänge zwischen öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Flächen positiv. Viele Wohnungen sollen von zwei Seiten Licht und Luft erhalten und über eigene Außenbereiche verfügen.
Auch ein möglicher Standort der Lebenshilfe an der Stuttgarter Straße wurde wegen seiner Erreichbarkeit grundsätzlich begrüßt.
Höhere Dichte und kleinerer Platz denkbar
Trotz der positiven Bewertung sieht die Jury Überarbeitungsbedarf. Der Quartiersplatz soll kompakter gestaltet werden. Zugleich soll geprüft werden, ob durch eine kleinere Platzfläche, längere Baukörper oder zusätzliche Geschosse eine höhere bauliche Dichte erreicht werden kann.
Auch der Erhalt eines bestehenden Gebäudes wird als Möglichkeit genannt. Für den Quartiersplatz empfiehlt die Jury außerdem einen erdgebundenen Baumhain, der für Kühlung sorgen soll.
Ziel der Stadt ist ein Wohnquartier mit unterschiedlichen und möglichst bezahlbaren Angeboten, begrünten Freiräumen und einer guten Anbindung an die Umgebung. Ob und in welcher Form der Siegerentwurf weiterentwickelt wird, ist angesichts der unterschiedlichen Einschätzungen von Jury und Investor noch offen.
Entwürfe werden öffentlich gezeigt
Die eingereichten Wettbewerbsarbeiten werden am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Juli, in der Peterskirche in der Stuttgarter Straße 31 ausgestellt. Geöffnet ist jeweils von 10 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr.


