
Vor dem Rückrundenauftakt war die Spannung spürbar – nach 90 Minuten war sie verflogen. Der SGV Freiberg gewinnt bei der TSG Balingen mit 6:0 und nutzt den Patzer von Großaspach zur Rückkehr an die Tabellenspitze. Leon Petö glänzt mit zwei Treffern und einem herausgeholten Elfmeter.
Von Ayhan Güneş – 21.58 Uhr
Balingen. Vor dem ersten Ligaspiel nach der Winterpause war die Anspannung im Lager des SGV Freiberg deutlich zu spüren. Die Niederlage im letzten Vorbereitungsspiel gegen Oberligist VfR Mannheim hatte für Irritation gesorgt. Wie würde der Tabellenführer in die Rückrunde starten? War der Rhythmus schon da – oder würde der Fehltritt nachwirken?
Die Antwort folgte auf dem Platz. Und sie fiel deutlich aus.
Mit einem 6:0-Auswärtssieg bei der TSG Balingen meldete sich der SGV eindrucksvoll zurück und eroberte nach dem Patzer von Großaspach in Trier die Tabellenführung der Regionalliga Südwest zurück. Mittendrin: Leon Petö, der mit zwei Treffern und einem herausgeholten Strafstoß zum prägenden Gesicht des Nachmittags wurde.
Geduld und ein kurzer Moment des Glücks
Dabei begann die Partie keineswegs einseitig. Balingen, tief im Abstiegskampf, spielte mutig nach vorne.
„Wir haben uns intensiv mit Balingen beschäftigt. Die Tabellenkonstellation spielte dabei keine Rolle. Balingen hat Offensiv-Qualitäten“, sagt Petö im Gespräch mit Ludwigsburg24.
In den ersten 20 Minuten hatten die Gastgeber durchaus ihre Möglichkeiten. „Da hatten wir auch etwas Glück“, räumt der Offensivspieler ein. Eine strittige Strafstoßsituation und weitere gefährliche Szenen hätten das Spiel in eine andere Richtung lenken können.
Doch Freiberg hielt stand und schlug dann eiskalt zu.
Der Büchsenöffner und das Momentum
In der 29. Minute war es Valpoort, der mit einem wuchtigen Abschluss unter die Latte das 1:0 erzielte. Es war der Wendepunkt. Zwei Minuten später erhöhte Neuzugang Hetemaj nach einer Freistoßhereingabe auf 2:0. Als Petö nach einem Foulspiel selbst vom Punkt antrat und sicher zum 3:0 traf (37.), war die Partie praktisch entschieden.
„Wir waren dann sehr effizient. Aus wenigen klaren Aktionen haben wir Tore gemacht. Die Treffer haben uns in die Karten gespielt“, erklärt Petö. Doch Verwaltungsmodus kam nicht infrage.
Zweite Halbzeit wie beim Stand von 0:0
Was folgte, war eine Demonstration von Spielfreude und Konsequenz. Gouras erhöhte auf 4:0, Grobelnik legte das 5:0 nach. In der Schlussphase krönte Petö seine Leistung mit einem Solo zum 6:0.
„Wir sind in die zweite Halbzeit so reingegangen, als würde es noch 0:0 stehen. Wir wollten nicht verwalten, sondern weiter Druck machen“, betont der 23-Jährige. „Das Ergebnis hätte am Ende sogar noch höher ausfallen können.“
Mit nun neun Saisontoren und fünf Vorlagen ist Petö aktuell teaminterner Topscorer und einer der konstanten Faktoren im Offensivspiel des Tabellenführers.
Denkzettel zur richtigen Zeit?
Die deutliche Reaktion auf die Generalprobe gegen den Oberligisten VfR Mannheim ordnet Petö nüchtern ein. „Wir haben uns wegen der Niederlage keinen großen Kopf gemacht. Vielleicht war das sogar ein Denkzettel zur richtigen Zeit. Testspiele sind etwas anderes als Ligaspiele.“
Tatsächlich wirkte der SGV in Balingen fokussiert, klar in den Abläufen und mental stabil – trotz nervöser Anfangsphase.
Tabellenkontext: Zurück auf Platz eins
Der Erfolg wiegt auch deshalb schwer, weil parallel die SG Sonnenhof Großaspach in Trier verlor. Damit führt Freiberg die Regionalliga Südwest wieder an – in einer Phase der Saison, in der jeder Punkt zählt.
Petö denkt von Spiel zu Spiel: „So aus der Winterpause zu starten, ist extrem wichtig. Das gibt Selbstvertrauen. Aber am Dienstag gegen Trier wird es ein komplett anderes Spiel.“
Heimspiel – aber nicht zuhause
Das Nachholspiel gegen Eintracht Trier findet allerdings nicht in Freiberg statt, sondern in Nöttingen. Grund ist der Zustand des Rasens im Wasenstadion. Nach den Wintermonaten ist der Platz derzeit in keinem guten Zustand, um ein Regionalligaspiel auszutragen. Die Kombination aus Witterung und dichtem Spielplan lässt dem Naturrasen kaum Zeit zur Regeneration. Deshalb weicht der SGV erneut aus – offiziell Heimspiel, praktisch jedoch auf neutralem Boden.
„Es fühlt sich eher wie ein Auswärtsspiel an, weil wir dort noch nie gespielt haben“, sagt Petö. „Aber der Platz ist in einem besseren Zustand als aktuell in Freiberg – das kann auch ein Vorteil sein.“


