
Ein geregelter Tagesablauf, eine Aufgabe und irgendwann die feste Stelle: Bernd Maaß kam 2017 über eine Arbeitsgelegenheit zu den Technischen Diensten Ludwigsburg. Hinter ihm lagen damals viele Jahre ohne festen Wohnsitz und schwere persönliche Krisen. Heute gehört der 45-Jährige fest zum Team der Stadtreinigung.
Von der Redaktion (hp/ag) – 13.42 Uhr
Ludwigsburg. Wenn Bernd Maaß morgens die Bärenwiese gereinigt hat, bleibt er manchmal noch einen Moment stehen. Er schaut zurück auf die Fläche, die gerade noch voller Arbeit war.
„Das ist einfach ein schöner Anblick – dann weiß ich, es hat sich gelohnt.“
Der Satz klingt unspektakulär. Für Maaß steckt darin allerdings viel mehr als ein sauberer Platz. Denn sein Weg in diesen Arbeitsalltag war alles andere als selbstverständlich.
Nach Angaben der Stadt Ludwigsburg lebte Maaß über viele Jahre ohne festen Wohnsitz. Alkohol und Drogen bestimmten zeitweise sein Leben. Zwar schaffte er eine Ausbildung zum Maler und arbeitete später auf dem Bau, doch dauerhaft Fuß zu fassen gelang ihm zunächst nicht.
Nach gesundheitlichen Krisen und zwei Entgiftungen kam im August 2017 der Wendepunkt.
Vier Stunden am Tag – und wieder ein Ziel am Morgen
Das Jobcenter vermittelte Maaß damals als sogenannte AGH-Kraft zu den Technischen Diensten Ludwigsburg. AGH steht für „Arbeitsgelegenheit“, umgangssprachlich oft als Ein-Euro-Job bezeichnet.
Solche Stellen sollen Menschen, die lange nicht im regulären Arbeitsleben standen, langsam wieder an einen geregelten Alltag heranführen. Bei den Technischen Diensten unterstützen die Teilnehmer die Stadtreinigung, maximal vier Stunden am Tag.
Für Maaß wurde genau diese Struktur wichtig. „Morgens nach dem Aufstehen wusste ich einfach, wo ich hinmusste“, erinnert er sich.
Er blieb zuverlässig, arbeitete sich ein und bekam schließlich 2020 einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei der Stadt.
Heute einer von 44 Mitarbeitern der Stadtreinigung
Mittlerweile gehört Maaß ganz selbstverständlich zu den 44 Beschäftigten der Ludwigsburger Stadtreinigung.
Sein Vorgesetzter Thomas Kaltwasser kennt ihn seit rund neun Monaten. „In dieser Zeit war Bernd nie krank oder zu spät bei der Arbeit. Er gehört zu den Mitarbeitenden, auf die ich immer zählen kann“, sagt Kaltwasser.
Auch andere Dinge haben sich verändert. Maaß machte bei der Stadt seinen Führerschein und den Anhängerführerschein. Seine Schulden konnte er über eine Privatinsolvenz hinter sich lassen. Alkohol und Drogen spielen nach Angaben der Stadt heute keine Rolle mehr in seinem Leben.
Geblieben ist seine Freude an einer Arbeit, deren Ergebnis unmittelbar zu sehen ist.
35.000 Kehrkilometer und 138 Tonnen illegaler Müll
Maaß und seine Kollegen kümmern sich täglich um Straßen, Gehwege, Bushaltestellen und öffentliche Flächen in Ludwigsburg.
Nach Angaben der Stadt kommen dabei pro Jahr rund 35.000 Kehrkilometer zusammen. Die Stadtreinigung leert etwa 1.500 Mülleimer und 49 Unterflurbehälter, säubert mehr als 200 Bushaltestellen und 144 Treppenanlagen.
Hinzu kommen jährlich rund 138 Tonnen illegal entsorgter Müll sowie Einsätze nach Veranstaltungen, im Herbstlaub und im Winterdienst.
Für Maaß ist aus einer zunächst auf wenige Stunden begrenzten Arbeitsgelegenheit längst ein regulärer Beruf geworden.
Einen Wunsch hat er dennoch.
Seine heutige Unterkunft wurde ihm weiterhin über die Wohnungslosenhilfe vermittelt. Nun möchte er den letzten Schritt schaffen: eine eigene Wohnung auf dem freien Markt.
„Das ist jetzt noch mein größter Wunsch: als ganz ‚normaler‘ Mieter eine Wohnung zu finden.“


