
Von Ayhan Güneş
Ludwigsburg – Sechs Deutsche Meistertitel, ein Champions-League-Finale und zuletzt der Umzug in die neue Heimat Ludwigsburg – doch nun steckt Deutschlands erfolgreichster Frauenhandball-Verein in wirtschaftlicher Schieflage. Die HB Ludwigsburg GmbH & Co. KG hat beim Amtsgericht Ludwigsburg Insolvenz beantragt. Der Spielbetrieb soll zunächst weiterlaufen. Die Stimmung: zwischen kämpferischem Optimismus und stiller Sorge.
Die Nachricht platzte mitten in die Saisonvorbereitung. Während die Spielerinnen in der Halle in Pflugfelden unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren, versuchen Geschäftsführung und Insolvenzverwalter hinter den Kulissen, das Projekt HB Ludwigsburg zu retten. Das Ziel: Sanierung statt Abwicklung.
„Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, aber die Saisonvorbereitung läuft planmäßig. Unser Ziel ist es, Voraussetzungen für eine Fortführung des Handballstandorts Ludwigsburg zu schaffen“, sagt Dr. Holger Leichtle, der vom Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter. Gemeinsam mit dem Verein prüft er derzeit Sanierungsoptionen für den traditionsreichen Bundesligisten.
Geschäftsführer Sebastian Götz nennt insbesondere das gesamtwirtschaftlich angespannte Umfeld sowie das Scheitern kurzfristig vielversprechender Sponsorenverhandlungen als Auslöser für den Insolvenzantrag: „In den letzten Wochen befanden wir uns in sehr aussichtsreichen Verhandlungen, deren plötzliche Absage uns die wirtschaftliche Grundlage nahm.“
Das Ende eines Märchens?
Lange galt der Verein – früher unter dem Namen SG BBM Bietigheim – als Vorzeigemodell im deutschen Frauenhandball. Ein Etat von geschätzt drei bis vier Millionen Euro, größtenteils gesichert durch Hauptsponsor Olymp. Doch 2024 kündigte das Bietigheimer Modeunternehmen an, sein Engagement deutlich zu reduzieren. Laut Recherchen soll ein sehr erheblicher Anteil der zuvor überwiesenen Sponsorengelder wegfallen.
Die Folge: eine gefährliche Finanzierungslücke. Zwar bemühte sich der Club laut Vorstandschef Christian Köhle um neue Geldgeber – doch die Suche verlief weitgehend erfolglos. „Wir hätten vielleicht mehr intervenieren müssen“, räumt Köhle gegenüber SWR Sport selbstkritisch ein.
Auch Olymp-Geschäftsführer Marc Bezner äußert sich deutlich: „Die erforderliche Vorlaufzeit war gegeben, um sich auf die bevorstehende Situation einzustellen und entsprechende Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen.“
Zwischen Hoffnung und Realität
Die Stadt Ludwigsburg zeigt sich enttäuscht. Oberbürgermeister Matthias Knecht nennt die Entwicklung „eine bittere Entwicklung“ – auch für die Spielerinnen, die sich nach dem Umzug aus Bietigheim „toll integriert haben“.
„Ich bin ein bisschen pessimistischer, als ich es vor zwei oder drei Wochen war.“ Auf die größtenteils erfolglose Sponsorensuche will Knecht nicht näher eingehen. Doch er betont: „Wir können in Ludwigsburg nicht von Null auf 100 neue Sponsoren finden. Jetzt ist das Problem entstanden, weil keine neuen Sponsoren nachgezogen haben.“
Wie geht es weiter?
Vorstandschef Köhle gibt sich kämpferisch: Man wolle „mit offenem Visier“ auf Bestandssponsoren zugehen und „das Projekt retten“.
Ein Crowdfunding-Projekt mit dem Titel „Rettet die HB Ludwigsburg Damen“ läuft bereits. Das Spendenziel: 200.000 Euro. Stand 26. Juli wurden knapp 1.400 Euro gesammelt.
„Wir haben gute Gespräche“, sagt Köhle. „Wir werden nicht zulassen, dass das Team auseinanderfällt. Wir haben bei ihnen ein gutes Gefühl, dass sie uns sehr loyal gegenüberstehen.“
Ludwigsburgs OB Knecht bleibt hingegen verhalten: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“
Doch die Zeit läuft – für die Spielerinnen, für die Fans, für den gesamten Handballstandort Ludwigsburg.
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