
Mit 24 Jahren übernahm Eberhard Bezner nach dem plötzlichen Tod seines Vaters die Hemdenfirma Olymp und machte sie zu einer international erfolgreichen Marke. Am 29. September ist der Unternehmer, langjährige Stadtrat und Mäzen, der Bietigheim-Bissingen sein Leben lang verbunden blieb, mit 90 Jahren gestorben.
Von Ayhan Güneş (ag)- 17.35 -Uhr
Bietigheim-Bissingen. Als Eberhard Bezner ins Berufsleben startete, war er gerade mal 14 Jahre alt. Es war 1950, fünf Jahre nach Kriegsende. Bei einem Textilgroßhandel in Ludwigsburg begann er eine Lehre zum Textil- und Einzelhandelskaufmann. Drei Jahre später wechselte er in den Betrieb seines Vaters. Nicht als Juniorchef, sondern als einfacher Mitarbeiter.
Der Betrieb hieß Olymp und war noch klein. Firmengründer Eugen Bezner soll die ersten Hemden in der Waschküche gefertigt haben. „Wir wollten vorwärts“, sagte Eberhard Bezner Jahrzehnte später dem „Spiegel“ über diese Zeit. Der Satz passt zu einem Unternehmer, dessen berufliches Leben über Jahrzehnte von Aufbau und Wachstum geprägt war.
Mit 24 plötzlich Chef
Im Januar 1960 starb Eugen Bezner überraschend. Sein Sohn war 24. Von einem Tag auf den anderen trug er die Verantwortung für das Unternehmen und seine Beschäftigten. Er musste eine Firma weiterführen, die sich gerade im Aufschwung befand und Entscheidungen treffen, die ihre Zukunft bestimmen sollten.
Es waren die Jahre des Wirtschaftswunders. Wer ins Büro ging, trug Hemd und Krawatte. Die Nachfrage wuchs, und Olymp wuchs mit.
Gegen den Strom
Ende der 1960er-Jahre wurde es eng. Im Mittleren Neckarraum herrschte nahezu Vollbeschäftigung, die Arbeitskräfte zog es in den Maschinenbau und zur Autoindustrie. Die Textilbetriebe fanden kaum noch Personal.
Bezner verlagerte früh Teile der Fertigung ins Ausland. Dafür musste er sich Kritik anhören. Er blieb bei seiner Entscheidung: „Wäre ich seinerzeit nicht ins Ausland gegangen, gäbe es das Unternehmen Olymp nicht mehr“, sagte er der „FAZ“.
Nach Angaben von Olymp ging es bei dieser Entscheidung auch darum, das Unternehmen und damit Arbeitsplätze am Standort Deutschland langfristig zu sichern. Der Firmensitz blieb in Bietigheim-Bissingen.
Der Perfektionist
Manche nannten ihn den „Hemdenpapst“. Im Unternehmen galt Bezner als Perfektionist und Tüftler, der sich nicht allein mit Absatzmärkten und Unternehmenszahlen beschäftigte.
Er arbeitete immer wieder daran, die Hemden weiterzuentwickeln – bei Bügelfreiheit und Knitterarmut ebenso wie bei Atmungsaktivität, Tragekomfort und Haltbarkeit.
Rund fünf Jahrzehnte führte er Olymp, dann übergab er die Verantwortung vollständig an seinen Sohn Mark. Ganz zurückgezogen hat er sich nie: Bis zuletzt war er Mitgesellschafter.
Heute beschäftigt Olymp nach Unternehmensangaben rund 860 Menschen. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen laut „Manager Magazin“ einen Umsatz von rund 198 Millionen Euro.
36 Jahre im Gemeinderat
So international sein Geschäft wurde, so fest blieb Bezner in Bietigheim verwurzelt. Von 1968 bis 2004 saß er für die CDU im Gemeinderat, zeitweise als dienstältestes Mitglied seiner Fraktion. Unter Oberbürgermeister Manfred List war er zudem ehrenamtlicher Stellvertreter des Stadtoberhaupts.
Das alles neben der Führung eines wachsenden Unternehmens.
Für seinen Einsatz erhielt Bezner die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg und das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Oberbürgermeister Jürgen Kessing würdigte ihn nach seinem Tod als „herausragende Unternehmerpersönlichkeit“ und als Bürger, der sich über viele Jahrzehnte in besonderer Weise für seine Heimatstadt eingesetzt habe.
Handball, Schwimmen, Jazz
Bezner war Gründungsmitglied und lange Vorsitzender des Schwimmvereins Bietigheim. Seine große Leidenschaft aber war der Handball. Er förderte ihn über Olymp und auch persönlich und galt als leidenschaftlicher Fan.
Mit den Frauen der SG BBM erlebte er die großen sportlichen Jahre: deutsche Meisterschaften 2017 und 2019, den ersten DHB-Pokalsieg 2021 und 2024 den historischen Einzug ins Final Four der Champions League – als erstes deutsches Team überhaupt.
Auch die Musik lag ihm am Herzen. 2001 holte er den Jazz auf das Firmengelände. „Jazz im Olymp“ findet seitdem regelmäßig statt und bringt Musiker und Bands aus aller Welt nach Bietigheim-Bissingen.
2010 eröffnete Bezner an der Enz, direkt neben dem Viadukt, das Hotel und Restaurant „Eberhards“.
„Geben ist weit seliger denn Nehmen“
Dieser Satz aus der Apostelgeschichte war nach Angaben des Unternehmens sein Leitspruch.
2008 gründete Bezner gemeinsam mit seinem Sohn Mark und seiner Tochter Birgit Bezner-Fischer die Olymp-Bezner-Stiftung. Ausgestattet wurde sie mit einer Million Euro privatem Stiftungskapital.
Die Stiftung unterstützt weltweit Kinder und Jugendliche in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Erziehung.
2013 zeichnete das Wirtschaftsforum Baden-Baden Bezner für sein Lebenswerk als Unternehmer und prägende Persönlichkeit der deutschen Hemdenindustrie aus.
Was bleibt
Wer durch Bietigheim-Bissingen geht, begegnet seinem Lebenswerk an vielen Stellen: am Firmensitz von Olymp, beim „Eberhards“ an der Enz, beim Jazz auf dem Firmengelände oder in der Halle beim Handball.
Was er aufgebaut hat, liegt heute in den Händen der Familie. Sohn Mark führt Olymp in dritter Generation, Enkel Bastian Fischer das „Eberhards“.
Eberhard Bezner starb am Dienstag, 29. September, friedlich zu Hause im Kreis seiner Familie.
„Die Stadt Bietigheim-Bissingen wird seiner stets in Dankbarkeit und Wertschätzung gedenken“, schrieb Oberbürgermeister Jürgen Kessing.


