Warum in Ludwigsburg gerade so viele Baustellen gleichzeitig laufen

Sperrungen, Umleitungen, Baustellen an mehreren Stellen zugleich: Wer derzeit durch Ludwigsburg fährt, braucht Geduld. Ein erheblicher Teil der Arbeiten hängt mit Fernwärme und neuen Leitungen zusammen. Warum ausgerechnet jetzt so viel gebaut wird und weshalb selbst sorgfältig geplante Projekte plötzlich ins Stocken geraten können.

Von Ayhan Güneş – 08.55 Uhr

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Ludwigsburg. Eine Straße ist gesperrt, an der nächsten wird umgeleitet, anderswo geht es nur noch einspurig weiter. Für viele, die derzeit durch Ludwigsburg fahren, gehören Umwege und Wartezeiten zum Alltag. Für Anwohner kommen Baulärm und eingeschränkte Zufahrten hinzu, für Handel, Gastronomie und Gewerbe eine mitunter erschwerte Erreichbarkeit.

Dass die vielen Baustellen Geduld verlangen und mitunter auch an den Nerven zehren, bestreiten weder Stadt noch Stadtwerke.

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„Mir ist bewusst, dass Baustellen oft Geduld verlangen und im Alltag manchmal auch Nerven kosten“, sagt Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht. Gerade die Sorgen von Anwohnerinnen und Anwohnern, aber auch von Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbetreibenden nehme er sehr ernst.

Hinter einem Teil der Baustellen steckt allerdings ein größerer Umbau, der Ludwigsburg noch länger beschäftigen dürfte: der Ausbau der Fernwärme und die Erneuerung alter Leitungsnetze. Wie die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) mitteilen, ist ihr Fernwärmenetz in den vergangenen Jahren bereits auf rund 86 Kilometer gewachsen. Langfristig soll es bedarfsorientiert deutlich weiter ausgebaut werden.

Warum ausgerechnet im Sommer so viel gebaut wird

Dass viele Arbeiten in die Ferienzeit fallen, ist nach Angaben der SWLB kein Zufall.

„Es fahren keine Schulbusse, die meisten Pendler haben zumindest zeitweise Urlaub und der Umstieg aufs Fahrrad fällt auch leichter als in den Wintermonaten“, erklärt Stefan Seele, SWLB-Bereichsleiter Wärme und Erzeugung.

Die planmäßigen Baumaßnahmen würden zudem mit den Städten, Verkehrsbetrieben und weiteren Beteiligten abgestimmt. Wo mehrere Arbeiten technisch miteinander verbunden werden können, sollen sie gebündelt werden, statt eine Straße mehrfach hintereinander aufzureißen.

Ein Beispiel ist die Richard-Wagner-Straße in Ludwigsburg. Während die Stadt dort den Kanal saniert, verlegt die SWLB parallel neue Fernwärmehauptleitungen und tauscht zugleich ältere Gas-, Wasser- und Stromleitungen aus.

Wenn der Untergrund die Planung durchkreuzt

Doch selbst detaillierte Planung stößt unter der Erde an Grenzen. Das zeigt sich derzeit in der Ludwigsburger Schillerstraße.

„Während der Grabungsarbeiten am Schillerplatz sind wir auf alte Asbestleitungen und in den Plänen nicht verzeichnete Stromkabel gestoßen, außerdem gab es im Untergrund weitaus mehr Beton und Fels, als unsere Bodenproben erwarten ließen“, schildert Seele.

Solche Funde erfordern nach seinen Worten zusätzliche Arbeiten und können den Zeitplan verschieben. Dann müsse flexibel reagiert und teilweise auf Sicht weitergeplant werden.

Die Folgen reichen über die einzelne Baustelle hinaus. Verschiebt sich eine Bauphase auch nur um eine Woche, kann eine neue verkehrsrechtliche Anordnung notwendig werden. Umleitungen müssen dann erneut geprüft und mit anderen Baustellen abgestimmt werden.

„Die Verkehrsbehörden der Städte müssen dies in die Gesamtsituation einordnen und gegebenenfalls auch bereits angeordnete Umleitungsstrecken neu festlegen – was verständlicherweise auch nicht von heute auf morgen geht“, sagt Seele.

Für Verkehrsteilnehmer bedeutet das am Ende vor allem eines: Einschränkungen können länger dauern als ursprünglich vorgesehen.

Fernwärme muss unter der Bahn hindurch

Der Ausbau kann außerdem nicht überall dort stattfinden, wo es verkehrlich am einfachsten wäre.

Die meisten Erzeugungsanlagen der SWLB liegen westlich der Bahnlinie. Die dort produzierte Wärme soll aber auch in die Innenstadt und in den Osten Ludwigsburgs gelangen. Dafür muss das Leitungsnetz die Bahntrasse an geeigneten Stellen queren.

Genau deshalb wird derzeit auch am Schillerdurchlass gearbeitet. Dort entsteht eine weitere Querung, die unter anderem das Biomethan-Blockheizkraftwerk im Gewerbegebiet Waldäcker III besser an das Fernwärmenetz anbinden soll.

Auch in Kornwestheim gibt es vergleichbare Engstellen. Dort muss unter anderem die stark befahrene Stuttgarter Straße gezielt gequert werden.

„Die kommunalen Wärmeplanungen unserer Gesellschafterstädte sehen die Fernwärme als Heiztechnologie Nummer eins vor – weshalb wir als Stadtwerk hier klar in der Pflicht stehen“, sagt SWLB-Geschäftsführer Johannes Rager.

Notwendig heißt nicht unbelastend

Die Stadtwerke begründen die vielen Eingriffe mit dem langfristigen Ausbau der Wärmeversorgung und der Erneuerung bestehender Infrastruktur. Gleichzeitig räumt die SWLB ein, dass Baustellen bei Verkehrsteilnehmern und Anwohnern kaum auf Begeisterung stoßen.

Auch Knecht verweist auf den langfristigen Nutzen. „Gleichzeitig dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, wofür diese Maßnahmen stehen: Wir investieren heute in eine moderne, zuverlässige Infrastruktur für morgen.“

Für diejenigen, die heute im Stau stehen, Umwege fahren oder unmittelbar neben einer Baustelle leben und arbeiten, macht das die aktuelle Situation allerdings nicht automatisch leichter.

Genau darin liegt der Spagat dieses Baustellensommers: Die Infrastruktur von morgen entsteht mitten im Alltag von heute.

Und der verlangt in Ludwigsburg derzeit an vielen Stellen vor allem eines – Geduld.