Was die „Besenreiser“ anzeigen

Allein die Namen klingen nicht gut. Wenn von „Besenreisern“ und „Krampfadern“ die Rede ist, bekommen empfindliche Zeitgenossen schon vom bloßen Zuhören Schmerzen. Dabei könnten Frauen bei diesem Thema durchaus gelassener reagieren.

Warum? Frauen haben von Natur aus ein schwächeres Bindegewebe als Männer. Und das kann ein Vorteil sein: Denn Besenreiser oder Krampfadern werden bei ihnen schneller entdeckt als bei Männern, deren straffere Beine krankhafte Veränderungen der Venen kaschieren.

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„Schwellungen und Krampfadern sind kein rein kosmetisches Problem, sondern zeigen früh an, dass das Blut in den Venen nicht richtig fließt“, sagt Professor Markus Stücker, Präsident der Gesellschaft für Phlebologie im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“.

Mangels anderer Warnzeichen suchen Männer den Arzt oft erst dann auf, wenn bereits massive Beschwerden auftreten – etwa schlecht heilende Wunden an den Unterschenkeln infolge einer mangelhaften Durchblutung.

Je früher die Venenprobleme erkannt werden, desto höher sind die Chancen, die Krankheit in Griff zu bekommen und eine Operation zu vermeiden. „Eine gute Wadenmuskulatur pumpt langfristig gegen Venenschwäche und ihre Folgen an“, sagt Stücker.

Viel Bewegung und Sport helfen – auch bei gesunden Venen – die Beinmuskeln zu trainieren, die das Blut nach oben pressen. Weitere Möglichkeiten, um die Venen zu entlasten, sind Kneipp-Anwendungen wie Güsse oder Wassertreten. Durch die Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen, was den Blutstrom verbessert – allerdings nur für ein bis zwei Stunden.

Kompressionsstrümpfe helfen ebenso, indem sie die Venen zusammendrücken und die Muskelpumpe unterstützen. Sie lindern Symptome, können Venenschwäche aber nicht heilen.

Hohes Alter, wenig Bewegung und Übergewicht und eine entsprechende Veranlagung gelten als Ursachen für die Veneninsuffizienz. Gesunde Beinvenen sind in regelmäßigen Abständen mit Klappen versehen, die das Blut mit Unterstützung der Muskelpumpe in Richtung Herz befördern. Versagen die Klappen, dehnt sich das Gefäß und es entstehen Gerinnsel und Entzündungen, die die Klappen zerstören. Dann kann es schnell lebensgefährlich werden, wenn sich etwa ein Gerinnsel ganz oder teilweise löst und mit dem Blutstrom in die Lunge schwimmt.

Ralf Loweg

Auf dem Weg in den Profifußball: Der Bietigheimer Arel Demir (18) kämpft gegen Ungewissheit

Von Uwe Roth

Arel Demir hat einen festen Plan A: Der 18-Jährige, der in Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg bei seiner Familie lebt, möchte Profifußballer werden. „Ich arbeite seit Jahren darauf hin“, sagt er diese Woche im Gespräch mit Ludwigsburg24. Schon als Kind sah er sich in der höchsten Liga mitspielen. Mit zehn Jahren begann er in einem Verein ernsthaft zu kicken, damals beim SGV Freiberg. Seine Chance, dieses Traumziel der Nachwuchstalente zu erreichen, standen bislang nicht schlecht. Der Gymnasiast trainiert im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC. Dieses gehört zu den renommiertesten in Deutschland. Dort reinzukommen, war ein Etappensieg: „Man hat überzeugt, dass man an sich glaubt und es schaffen will.“ Seit Juli 2019 spielt Arel in der U19. Aktuell ist sein Team auf Platz 10 in der Bundesliga Süd/Südwest. Es läuft, könnte man feststellen, gäbe es Corona nicht. Der Virus wirbelt Trainings- und Spielpläne durcheinander – und später vielleicht den Karriereplan.

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Arel Demir ist seit vier Jahren beim Karlsruher SC. Schritt für Schritt ging es aufwärts. Regelmäßig beobachteten Talentscouts vom Spielfeldrand seine Leistung auf dem Rasen. Nun sind wegen der Lockdown-Vorschriften seit bald einem Jahr die Zuschauerränge meistens leer gewesen. Kein Live-Scouting. Die Talentsucher schauen sich die Geisterspiele irgendwo später auf Video an, wenn mal eines stattfindet. In der laufenden Saison gab es bislang erst drei Begegnungen. „Wenn ich mir etwas wegwünschen könnte, dann wäre das die Ungewissheit. Sie ist momentan das Schlimmste. Nicht zu wissen, wie es weitergeht“, stellt er fest. Ihm bleiben ein paar Jahre, bis spätestens im Alter von Mitte 20 das Zeitfenster ins Profilager endgültig zugeht. Diese Zeit will er nutzen. Und er klagt nicht über die Umstände. Dass die Ungewissheit verschwindet und seine Familie gesundbleibt – „mehr wünsche ich mir nicht.“

Training der U19 geht weiter – Maskenpflicht gilt bis zum Spielfeldrand

Er kann von Glück sagen, dass er weiterhin mit seiner Mannschaft real trainieren darf. Seine U19 zählt zur Liga des Leistungssports, für den es Ausnahmen gibt. So pendelt er viermal in der Woche bereits in den Trainingsklamotten von Bietigheim-Bissingen nach Karlsruhe. Umkleideräume und Duschen sind geschlossen. Bis zum Spielfeld gilt Maskenpflicht. Dann wird trainiert, 2,5 Stunden. Die athletischen Trainingseinheiten absolviert er in Eigenverantwortung. „Das Trainingsniveau ist relativ gleichgeblieben. Es hat sich nicht so viel geändert.“ Arel will in seinem Leistungsniveau keinesfalls zurückfallen und unbedingt an seinem Plan A festhalten. Zu dem gehört ein Abitur, das er 2022 machen will. Danach hofft er, auf der Zielgerade zum Profifußballer sein. Sollte Plan A doch kippen, wird daraus ein Plan A-B: „Irgendwas mit Sport in jedem Fall. Trainer werden oder eine Fußballschule aufmachen“, überlegt er.

Laut der DFL werden aktuell etwa 5600 Jungs in Nachwuchsleistungszentren ausgebildet. Nur rund 70 davon schaffen jährlich den Sprung in die Profikader der 1. und 2. Bundesliga. Foto: KSC
Laut der Deutschen Fußball Liga (DFL) werden aktuell etwa 5600 Jungs in Nachwuchsleistungszentren ausgebildet. Nur rund 70 davon schaffen jährlich den Sprung in die Profikader der 1. und 2. Bundesliga. Foto: KSC

Michael Bischof ist der sportliche Leiter der GRENKE-aKAdemie des Karlsruher SC. Neben der U19 ist auch die U17 in der Jugendbundesliga. Somit stehen in zwei Mannschaften 40 junge Menschen im aktiven Training. Die Jüngeren müssen online am Ball bleiben, so gut es eben geht. Die Athletiktrainer haben Pläne ausgegeben, an denen sich der Fußballernachwuchs orientieren soll, um in Eigenverantwortung fitzubleiben. „Es ist schwer zu beurteilen, ob die Corona-Beschränkungen die Karrierepläne der jungen Spieler erschweren“, sagt Bischof. Klar, es fehlten Chancen, „sich und ihre Leistungen zu präsentieren“. Auch könnte der teilweise Wegfall des Trainings die Leistung schmälern. Wäre das der Fall, könnten die Spieler nach dem Lockdown die Leistungsdelle „relativ schnell kompensieren“, ist er überzeugt. Größere Nachteile sieht Bischof für den aktuellen Spielernachwuchs nicht: „Es muss ja etwas nachkommen.“ Der Spielermarkt funktioniere trotz der Einschränkungen. Die Erfolgsaussichten hingen aber auch davon ab, wie die Vereine nach Corona finanziell dastehen. Wenn das Geld wegen der aktuell fehlenden Einnahmen knapp bleibt, können die Ablösesummen und die Spielergehälter im Niveau sinken.

VfB Stuttgart setzt auf Trainingsdisziplin der Nachwuchskicker

Auch beim VfB Stuttgart sind die Jugendmannschaften seit drei Monaten auf einem Rasen nicht mehr im Wettbewerb eingetreten. Die Spiele der Jungen Wilden sind ausgefallen. Daniel Teufel ist einer der Ausbildungsleiter beim VfB. „Die U17 und die folgenden Mannschaften trainieren wie üblich auf dem Platz, sieben Mal die Woche“, berichtet der 35-Jährige. „Trotzdem fehlt ein Jahr in der Entwicklung“, stellt er fest. Die U16 und jünger trainieren virtuell. Obwohl es eine Genehmigung gebe, in abgespeckter Form auf einem Platz zu trainieren. Doch das Risiko wolle der Verein nicht eingehen. Inzwischen gebe es gute Apps, die jungen Leute online in ein Trainingsprogramm einzubinden.

Online sei es einfacher, Promis für die Jugend zu engagieren und ihre Begeisterung zu wecken. So habe es ein virtuelles Training mit einem Profi-Freestyler gegeben. Teufel betont die Vorteile eines vorübergehend anderen Trainingsprogramms: „Es ist für den Entwicklungsprozess gar nicht schlecht, eigenständig und ohne ständige Aufsicht zu trainieren. Es muss nicht immer ein Trainer sagen, was als nächstes getan werden muss.“ Über Apps und Fitnesstracker werden die Leistungen, Trainingsdaten festgehalten und dem Trainer übermittelt. „Aber es ersetzt nicht die Praxis“, gibt der Ausbildungsleiter zu. Der Profiverein betreut ungefähr 200 Spieler im Jugendbereich. Corona sieht er nicht als einen Karrierenkiller. „Corona oder nicht: Die wenigsten werden am Ende Profifußballer“, sagt er. Die Toptalente könnten aktuell weiter gefördert werden. Daniel Teufel sieht keinen Grund zu klagen. So wichtig Fußball für die Gesellschaft für den sozialen Frieden sei, die Bedeutung des Profisports dürfe in der aktuellen Lage nicht überhöht werden. „Es gibt andere, die unter der Corona-Krise mehr leiden müssen. Man beschwert sich im Moment viel zu viel.“ Arel Demir sieht das ähnlich. An seinem Ziel, Profifußballer zu werden, will er trotzdem weiter hart arbeiten.