Was eine KI namens „Ursel“ mit dem Hundertwasser-Abend im Kunsthaus Watzl zu tun hatte

Friedensreich Hundertwasser fasziniert bis heute Menschen mit seiner eigenwilligen Bildsprache, seinen Farben und seiner Haltung zur Kunst. Rund 100 Gäste kamen am Mittwoch zum Pre-Opening der Originalgrafik-Ausstellung ins Kunsthaus Watzl nach Ludwigsburg – zu einem Abend mit Geschichten, Gesprächen und einem Hundertwasser-Experten, der mit persönlichen Anekdoten durch die Ausstellung führte.

Von Ayhan Güneş – 14.05 Uhr

ANZEIGE

Ludwigsburg. Schon die Begrüßung machte deutlich, dass dieser Abend nicht nach dem üblichen Vernissage-Schema ablaufen sollte. Keine lange kunsthistorische Einführung, keine Rede, die den Gästen erklärt, was sie in den Bildern zu sehen haben. Stattdessen wurden die Besucher in vier Gruppen durch die Ausstellung geführt. Wer am Empfang einen grünen Punkt bekommen hatte, war zuerst an der Reihe, danach folgten Gelb, Rot und Blau.

Hundertwasser-Experte Gregor Wörner übernahm die Führungen und erzählte persönliche Geschichten und Anekdoten über den Künstler. Wer gerade nicht an der Reihe war, konnte einen Film sehen, den das Kunstforum Hundertwasser in Lindau eigens für diesen Abend zur Verfügung gestellt hatte.

ANZEIGE

Auch sonst blieb der Ton bewusst locker. Gastgeberin Barbara Watzl erzählte mit einem Augenzwinkern, wie sie und ihr Team nach einem passenden Rahmen für den Abend gesucht hatten. Was Hundertwasser wohl am liebsten gegessen habe, wollten sie wissen – und fragten „Ursel“, ihre KI-Assistentin. Die Antwort: „Brennnesselsuppe“.

Zum Sammeln blieb laut Watzl jedoch keine Zeit. Also entschied man sich für Käse und Brot, „zwei elementare Lebensmittel“, wie es in der Begrüßung hieß. Beim Getränk lautete die Antwort „Kräutertee“. Den wollte man zunächst tatsächlich anbieten, entschied sich dann aber anders. „Wir haben uns erinnert, dass wir feiern und nicht gesund werden wollen“, hieß es in der Rede. Also gab es Sekt, Wein und Wasser.

Nicht die erste Hundertwasser-Ausstellung für die Watzls

Dass Barbara und Peter Watzl dem Werk Hundertwassers nun erneut eine Ausstellung widmen, kommt nicht von ungefähr. Seit 1988 sind die beiden mit ihrem Kunsthaus in Ludwigsburg tätig.

Eine besondere Verbindung zu Hundertwasser entstand spätestens mit der Ausstellung „Hundertwasser – Liebe zu Natur“, die sie gemeinsam mit dem Wörner Verlag 2022 und 2023 im Residenzschloss realisierten. Nach Angaben der Veranstalter kamen damals mehr als 50.000 Besucher.

Das Thema ließ die beiden nicht los. Neue Inspiration fanden sie am Bodensee: im Kunstforum Hundertwasser in Lindau, wo das grafische Werk des Künstlers derzeit in einem vierteiligen Ausstellungszyklus gezeigt wird.

„Hundertwassers Originalgrafiken stehen für uns für Schönheit, Komplexität und Einzigartigkeit“, erklären Barbara und Peter Watzl. Die Lindauer Ausstellung habe ihr Gefühl noch einmal bestätigt, dass Hundertwasser „ein wahrer Meister der Grafik“ sei.

Jetzt zeigen sie diese Arbeiten in ihrer eigenen Galerie in Ludwigsburg.

Bei vielen Gästen blieb Wörners Art zu erzählen hängen

Gesprochen wurde an diesem Abend nicht nur über die Bilder. Viele Gäste erwähnten später vor allem Gregor Wörners Führung.

„Gregor Wörner ist so einfühlsam und brennt für Hundertwasser – wir haben etliches dazugelernt“, lautete eine der Rückmeldungen, die das Kunsthaus nach dem Abend erreichten.

Nach Angaben der Gastgeber folgten weitere Nachrichten, Anrufe und persönliche Reaktionen. Auch Oberbürgermeister Matthias Knecht, der an diesem Abend zu den Gästen gehörte, fasste seinen Eindruck kurz zusammen: „Wunderbarer Abend!“

Dazu passte ein Hundertwasser-Zitat, das Barbara Watzl in ihrer Begrüßung aufgriff: „Um glücklich zu sein, braucht der Mensch keinen äußeren Reichtum – sondern einen inneren Reichtum der Seele.“

Mehr als 30 Originalgrafiken

Die Verkaufsausstellung zeigt mehr als 30 Arbeiten aus Hundertwassers grafischem Werk. Zu sehen sind Radierungen, Lithografien, Siebdrucke, japanische Farbholzschnitte und Mixed-Media-Arbeiten.

Der Begriff „Originalgrafik“ ist dabei wichtig. Es handelt sich nicht um Originalgemälde, sondern um eigenständige grafische Arbeiten, die mit unterschiedlichen Drucktechniken entstanden sind.

Viele Werke gibt es innerhalb einer Auflage in verschiedenen Farbvarianten. Hundertwasser wollte nach Angaben von Wörner nicht einfach identische Blätter vervielfältigen. Auch innerhalb einer Serie sollte Vielfalt entstehen – ähnlich wie bei den Blättern eines Baumes, die sich gleichen und trotzdem nicht identisch sind.

Hundertwasser selbst sagte 1972 über die Druckgrafik: „Mit der Druckgrafik betrete ich ein Paradies, das der Malerpinsel nicht mehr erreicht.“

Anders als in einer klassischen Museumsausstellung können die gezeigten Arbeiten nicht nur betrachtet, sondern auch gekauft werden.

Ausstellung bei freiem Eintritt

Die Hundertwasser-Ausstellung ist seit Donnerstag, 17. September, regulär geöffnet. Das Kunsthaus Watzl in der Schorndorfer Straße 120 öffnet donnerstags von 16 bis 19 Uhr sowie freitags, samstags und sonntags jeweils von 12 bis 17 Uhr.

Sonderbesichtigungen können per E-Mail an info@artmix24.de oder telefonisch unter 07141 890080 vereinbart werden. Ab November gelten neue Öffnungszeiten.

Der Eintritt ist frei.