„Was für ein Abend“: Schlossfestspiele starten mit Überraschungsgast, Nabucco und einem Bekenntnis zum Forum

Volles Haus trotz Fußball-Länderspiel, ein Überraschungsgast aus Stuttgart und ein deutliches Bekenntnis zur Zukunft des Forums am Schlosspark: Mit Verdis Freiheitsoper „Nabucco“ haben die Ludwigsburger Schlossfestspiele ihre Festspielzeit 2026 eröffnet. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die Musik, sondern auch die Bedeutung von Kultur in schwierigen Zeiten.

Von Ayhan Güneş – 08.53 Uhr

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Ludwigsburg. Während die deutsche Nationalmannschaft zeitgleich gegen Curaçao ihr erstes WM-Spiel absolvierte, war das Forum am Schlosspark bis auf den letzten Platz gefüllt. Und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir machte gleich zu Beginn deutlich, dass er seine Entscheidung für Ludwigsburg nicht bereute.

„Was für ein Abend – phänomenal“, sagte Özdemir nach der Aufführung. „Ich habe es heute nicht bereut, das Nationalmannschaftsspiel nicht anzuschauen.“

Mit dieser Mischung aus Leichtigkeit, Wertschätzung und kulturpolitischer Botschaft traf der Ministerpräsident den Ton eines Abends, der weit mehr war als eine Festspieleröffnung. Im ausverkauften Forum wurden am Sonntag die Internationalen Ludwigsburger Schlossfestspiele 2026 eröffnet. Unter den Gästen befanden sich neben Özdemir auch Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht, zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie Ludwigsburgs Ehrenbürgerin Eva Luise Köhler.

Musikalisch bot der Abend ein hochkarätig besetztes Opernereignis. In der Titelrolle von Giuseppe Verdis „Nabucco“ war der französische Bariton Ludovic Tézier zu erleben, an seiner Seite sang Csilla Boross die Abigaille. Begleitet wurden die Solisten vom Opernchor und Orchester des Nationaltheaters Mannheim unter der Leitung von Roberto Rizzi Brignoli.

„Kultur kann, was keine Rede schafft“

In seiner Ansprache würdigte Özdemir die Verbindung zwischen Ludwigsburg und Mannheim. Dabei erinnerte er auch an Friedrich Schiller, dessen Werke einst in Mannheim aufgeführt wurden, als dies in Württemberg noch nicht möglich war.

Vor allem aber sprach der Ministerpräsident über die Kraft der Kultur in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen.

„Diese 200 Jahre alte Oper passt doch in die Zeit“, sagte Özdemir. Beim Zuhören habe er „immer wieder den Atem anhalten“ müssen.

Dann folgte einer der prägendsten Sätze des Abends: „Ich glaube, keine Rede kann das herstellen, was die Kultur vermag.“

Gerade vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Kassen verteidigte Özdemir die Bedeutung kultureller Investitionen ausdrücklich: „Die Kultur kostet Geld, für die Stadt, für das Land, nicht einfach für alle, aber ich glaube, es ist verdammt gut angelegtes Geld in den Zusammenhalt und die Kultur unseres Landes.“

Knecht macht klares Versprechen für das Forum

Auch Oberbürgermeister Matthias Knecht nutzte den Abend für eine deutliche Botschaft. Er erinnerte daran, dass das Forum am Schlosspark trotz seines gepflegten Erscheinungsbildes vor einer umfassenden Generalsanierung steht.

„Dieses Gebäude sieht nach außen richtig gut aus. Keiner denkt, dass dieses Gebäude eine Generalsanierung vor sich haben muss“, sagte Knecht.

Seit Jahren wird in Ludwigsburg über die Zukunft des Forums diskutiert. Das Gebäude gilt als sanierungsbedürftig, gleichzeitig steht die Stadt angesichts ihrer angespannten Haushaltslage unter erheblichem finanziellem Druck.

Umso deutlicher fiel Knechts Bekenntnis aus: „Wir müssen alles unternehmen, um das Forum in Ludwigsburg zukunftsfähig aufzustellen.“

Und weiter: „Ich werde nicht ruhen, bis wir dieses Ding vernünftig generalsaniert gesichert haben für die Zukunft.“

Mit Blick auf das 100-jährige Jubiläum der Schlossfestspiele im Jahr 2032 fügte der Oberbürgermeister hinzu: „Wir brauchen das Forum. Es ist für das Land und die Stadt unverzichtbar.“

Freundeskreis fördert Eröffnung erstmals allein

Eine besondere Rolle spielte in diesem Jahr auch der Freundeskreis der Ludwigsburger Festspiele. Der Verein trat erstmals als alleiniger Förderer der Festspieleröffnung auf.

Seit fast drei Jahrzehnten unterstützt der Freundeskreis die Schlossfestspiele, fördert junge Musikerinnen und Musiker sowie ermäßigte Jugendtickets und finanzierte unter anderem den Steinway-Flügel, der regelmäßig im Ordenssaal zum Einsatz kommt.

Die Vorsitzende Stefanie Knecht zeigte sich nach dem Abend begeistert: „Wir möchten mit der Förderung des Eröffnungskonzerts einen Schritt in die Öffentlichkeit gehen, bekannter werden und neue Mitglieder, neue Freunde für die Festspiele begeistern.“

Mit Blick auf die Stimmung im ausverkauften Forum fügte sie augenzwinkernd hinzu: „Der Abend war beeindruckender als das 7:1 gegen Curaçao.“

Die stehenden Ovationen nach dem Schlussakkord ließen erkennen, dass viele Besucher diese Einschätzung teilten. Mit einem festlichen Opernabend, prominenten Gästen und einem klaren Bekenntnis zur Zukunft des Forums haben die Ludwigsburger Schlossfestspiele damit einen eindrucksvollen Start in ihre neue Saison hingelegt.