
Monatelang herrschte Stillstand, jetzt kommt Bewegung in den Tarifstreit bei Birtat in Murr: Erstmals zeigt sich der Dönerfleischhersteller verhandlungsbereit. Die NGG fordert 375 Euro mehr Lohn für die rund 125 Beschäftigten – Warnstreiks sind vorerst ausgesetzt. Rückendeckung kommt von Grünen-Politiker Tayfun Tok, der prekäre Arbeitsverhältnisse in der Branche scharf kritisiert.
Murr/Ludwigsburg. Im Tarifkonflikt bei der Dönerfleischfabrik Birtat in Murr gibt es eine neue Entwicklung: Die Arbeitgeberseite hat sich laut Gewerkschaft NGG am Montagabend (04.08.2025) erstmals bereit erklärt, über einen Tarifvertrag zu verhandeln. Ein Termin zwischen Arbeitgebern und der Tarifkommission der NGG wurde für Donnerstag, den 7. August 2025, angesetzt.
„Dass der Arbeitgeber von seiner Blockadehaltung abgerückt ist und der Verhandlung über einen Tarifvertrag zugestimmt hat, ist ein wichtiges Zeichen in Richtung der Beschäftigten und ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärte Magdalena Krüger, Geschäftsführerin der NGG Region Stuttgart und Verhandlungsführerin auf Arbeitnehmerseite. „Jetzt sind wir gespannt, welches Angebot die Arbeitgeberseite am Donnerstag mitbringen wird.“
Die NGG fordert eine Pauschalerhöhung um 375 Euro. Bis zur Verhandlung seien die geplanten Ausstände ausgesetzt, doch die Warnwesten blieben laut NGG „griffbereit“.
Tok: „Die Beschäftigten haben Recht“
Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Tayfun Tok (Wahlkreis Bietigheim-Bissingen) äußerte sich zum Konflikt – ungewöhnlich für ein laufendes Tarifverfahren. „Die Streitfrage betrifft die gesamte Lebensmittelbranche und kann politisch eingeordnet werden: Die Beschäftigten haben Recht“, sagte Tok.
Er hält die Forderung nach einem Haustarifvertrag für gerechtfertigt: „Wer die ganze Woche hart körperlich arbeitet, muss von seinem Lohn leben können“, so Tok weiter. Er verweist darauf, dass in der Fleischindustrie häufig ungelernte Arbeitskräfte aus dem europäischen Ausland beschäftigt seien, die unter körperlich anstrengenden Bedingungen in Schichten arbeiten und teils in Betriebsunterkünften leben. „Es schadet der Gesellschaft, wenn Menschen durch Niedriglöhne zum Aufstocken mit Sozialhilfe gezwungen werden.“
Da in der Fleischindustrie viele Arbeiten noch von Hand erledigt werden, gilt das Lohnniveau als Kostentreiber. Dies kann jedoch kein Argument gegen eine auskömmliche Entlohnung sein. Den Döner am Imbiss muss sich auch der Arbeiter leisten können. Tok gibt außerdem zu bedenken, dass sich die Entscheidung für einen Tarifvertrag auf dem umkämpften Arbeitsmarkt als Standortvorteil etablieren könnte. Weite Teile der baden-württembergischen Wirtschaft waren stets erfolgreich gerade wegen ihrer hohen tariflichen Standards und dem großen Engagement der Beschäftigten.
red


