
Viele Menschen möchten im Alter zu Hause bleiben. Im Landkreis Ludwigsburg könnte genau das für viele schwierig werden: Von knapp 263.000 Wohnungen sind laut einer Untersuchung des Pestel-Instituts nur rund 18.800 so gebaut, dass ältere Menschen mit Rollator oder Rollstuhl darin gut zurechtkommen.
Von Ayhan Güneş – 08.49 Uhr
Ludwigsburg. Alt werden in den eigenen vier Wänden. Für viele klingt das selbstverständlich. Doch oft entscheidet nicht der Wunsch darüber, sondern die Wohnung: Gibt es Stufen? Ist der Flur breit genug? Kommt man mit einem Rollator durchs Bad? Und lässt sich die Dusche überhaupt noch sicher betreten?
Eine regionale Analyse des Pestel-Instituts, im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), zeigt nun, wie groß der Nachholbedarf im Landkreis Ludwigsburg ist. Demnach erfüllen nur rund sieben Prozent aller Wohnungen im Kreis den Standard, der nötig ist, um auch mit körperlichen Einschränkungen oder als Pflegefall darin wohnen zu bleiben.
Besonders deutlich wird das im Bad. Zwar geht es beim altersgerechten Wohnen um viele Details, doch eine gut begehbare, möglichst bodengleiche Dusche gilt als entscheidender Punkt. Nach Angaben des Instituts gibt es eine solche Dusche im Landkreis Ludwigsburg derzeit nur in rund 70.400 Wohnungen. Das entspricht 27 Prozent des Wohnungsbestands.
Viele Wohnungen sind zu eng
Auch an anderen Stellen wird es schwierig. Rund 76.300 Wohnungen im Landkreis haben nach der Untersuchung Hausflure, die für Rollstühle nicht ausreichend breit sind. In etwa 82.400 Küchen können Menschen mit einem Rollstuhl nicht gut wenden. Bei den Bädern gelten rund 120.300 als zu klein.

Der Befund trifft auf eine Entwicklung, die sich in den kommenden Jahren verschärfen dürfte. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel gehen im Landkreis Ludwigsburg in den nächsten zehn Jahren rund 80.800 Menschen in Rente. Viele von ihnen gehören zur Babyboomer-Generation.
Das Pestel-Institut sieht deshalb einen erheblichen Bedarf, bestehende Wohnungen altersgerecht umzubauen. Neubau könne helfen, löse das Problem aber nicht allein. Entscheidend sei vor allem der Umbau der Wohnungen, in denen die Menschen heute bereits leben.
Oft beginnt das Problem schon am Hauseingang. „30 Prozent aller Hausflure im Landkreis Ludwigsburg sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 76.300 Wohnungen“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Häufig seien sogar schon die Haustüren zu schmal.
Förderung aus Berlin gefordert
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel fordert deshalb eine breite Umbau-Offensive und sogenannte „Boomer-Zuschüsse“ für altersgerechte Sanierungen. Gemeint sind staatliche Zuschüsse, mit denen Schwellen, Stufen, enge Bäder oder schwer zugängliche Duschen umgebaut werden können.
Aus Sicht des Pestel-Instituts reichen die bisherigen Fördermöglichkeiten nicht aus, um eine größere Sanierungswelle auszulösen. Gerade Menschen kurz vor dem Ruhestand würden davor zurückschrecken, für den altersgerechten Umbau noch einen Kredit aufzunehmen.
Für den Landkreis Ludwigsburg zeigt die Untersuchung damit ein Problem, das viele Familien früher oder später betrifft. Wenn Wohnungen nicht zum Alter passen, wird der Wunsch, zu Hause zu bleiben, schnell zur Frage von Geld, Umbau und Barrierefreiheit.

