
Der Streit um die Altkleidersammlung im Landkreis Ludwigsburg spitzt sich zu. Die AVL weist Vorwürfe zurück, karitative Sammler im Stich zu lassen und verweist auf Recht, Marktkrise und die Pflicht zur Entsorgung.
Von Ayhan Güneş – 08.13 Uhr
Ludwigsburg. Hinter der Debatte um Altkleidercontainer steckt inzwischen mehr als nur eine Entsorgungsfrage. Es geht um einen eingebrochenen Markt, um gesetzliche Pflichten und um die Frage, wer am Ende die Verluste trägt.
Die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) hat nun Stellung bezogen und Vorwürfe zurückgewiesen, gemeinnützige Sammler nicht ausreichend zu unterstützen. AVL-Geschäftsführer Tilman Hepperle erklärte, die aktuelle Lage sei zwar auch für karitative und gewerbliche Sammler schwierig. Die kommunale Abfallwirtschaft dürfe deren Verluste aber nicht mit Gebührengeldern auffangen.
Markt für Alttextilien unter Druck
Nach Darstellung der AVL hat sich die Lage bei Alttextilien in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Als Gründe nennt das Unternehmen Fast Fashion, Billigimporte und sinkende Qualität der gesammelten Ware.
Noch vor wenigen Jahren seien mit Altkleidern hohe Erlöse erzielt worden. Inzwischen ziehe sich ein Teil der Sammler zurück, hochwertige Kleidung werde häufiger direkt über Online-Plattformen weiterverkauft, und in Containern bleibe vermehrt minderwertige Ware zurück. Ein Teil davon finde keinen Absatz mehr und müsse am Ende sogar verbrannt werden.
AVL verweist auf gesetzliche Grenzen
Genau hier setzt die Argumentation der AVL an. Die Gesellschaft betont, sie komme ihrer gesetzlichen Sammlungspflicht bereits nach: Verwertbare Altkleider könnten seit Jahren auf allen neun Wertstoffhöfen im Landkreis abgegeben werden.
Eine zusätzliche Unterstützung karitativer oder gewerblicher Sammler aus Abfallgebühren sei dagegen rechtlich nicht zulässig. Hepperle verweist dabei auf das Kommunalabgabengesetz. Seine Kritik richtet sich ausdrücklich gegen Aussagen des Kreisdiakonieverbands, wonach die AVL die gemeinnützigen Organisationen nicht ausreichend unterstütze.
Worum der Streit wirklich geht
Der eigentliche Konflikt liegt damit tiefer: Nicht die Frage, ob Alttextilien gesammelt werden müssen, ist umstritten. Sondern wer die wirtschaftlichen Folgen eines kaputten Marktes tragen soll.
Karitative Träger verweisen darauf, dass ihre Sammlungen seit Jahren Teil eines funktionierenden Systems waren und soziale Zwecke mitfinanziert haben. Die AVL hält dagegen, dass die Kommune zwar entsorgen müsse, aber nicht zur Stützung fremder Geschäftsmodelle da sei.
Für Bürger bleibt Verunsicherung
Zugleich versucht die AVL, die Verunsicherung in der Bevölkerung zu verringern. Seit dem 1. Januar 2025 gilt in der EU die Pflicht zur getrennten Sammlung von Alttextilien. Viele Menschen leiten daraus ab, dass sämtliche Stoffe in Altkleidercontainer gehören. Genau das sei jedoch falsch.
Die AVL nennt klare Regeln:
Gut erhaltene, saubere Kleidung, paarweise verbundene Schuhe und Heimtextilien wie Bettwäsche oder Handtücher sollen trocken und verpackt in Sammelcontainer oder direkt zu karitativen Einrichtungen gebracht werden.
Stark verschmutzte, nasse oder hygienisch problematische Textilien gehören dagegen in die Restmülltonne. Gleiches gilt für Stoffreste, zerrissene Textilien und einzelne Schuhe.
Auch Gegenstände wie Koffer, Teppiche, Spielzeug oder Elektrogeräte haben in Altkleidercontainern nichts zu suchen.
Wertstoffhof statt Fehlwurf
Für die AVL ist die kontrollierte Annahme auf den Wertstoffhöfen deshalb derzeit der sinnvollere Weg – ökologisch wie wirtschaftlich. Dort können Alttextilien während der Öffnungszeiten kostenlos abgegeben werden.
Einordnung
Die Stellungnahme der AVL macht deutlich: Der Altkleidermarkt ist längst nicht mehr nur ein Nebenschauplatz der Abfallwirtschaft. Er ist zu einem Konfliktfeld zwischen Kommune, karitativen Trägern und Marktrealität geworden.
Juristisch hat die AVL mit ihrem Hinweis auf die Zweckbindung von Gebühren einen starken Punkt. Politisch bleibt die Frage aber heikel: Wenn karitative Sammlungen wegbrechen, geht es nicht nur um Container, sondern auch um soziale Strukturen, die an diesen Erlösen hingen.
Damit ist die Debatte über Altkleider im Landkreis Ludwigsburg vor allem eines: ein Streit darüber, wer die Rechnung für ein aus dem Gleichgewicht geratenes System bezahlt.

