Wie markentreu sind die Autokäufer?

Wenn Käufer für ihren Neuwagen viel Geld auf den Tisch legen, setzen sie auf eine Vielzahl an Kriterien als Maßstab für den Pkw. Zuverlässigkeit, Aussehen und Design, aber auch der Anschaffungspreis gehören dazu, wie aus dem DAT-Report 2021 hervorgeht. Für den Report wurden die Autokäufer dahingehend befragt, welchen Bezug sie zu einer Marke haben und wie sie das beim Kauf beeinflusste.

In der Selbsteinschätzung gaben 37 Prozent der Neuwagenkäufer des Jahres 2020 an, dass sie absolut markentreu sind. Sie kaufen ihren Angaben zufolge immer dieselbe Marke, und ein Wechsel kommt nicht in Frage. Die Mehrheit der Neuwagenkäufer (63 Prozent) zählte sich dagegen zu den Markenwechslern. Diese Gruppe setzt sich zum einen aus Käufern zusammen, die komplett offen gegenüber der Marke sind (20 Prozent) und zum anderen aus einem Teil, der aus zwei bis drei Marken wählt (43 Prozent).

Heruntergebrochen auf Markenebene stachen die Käufer von deutschen Premiummarken mit einer selbst zugesprochenen Markentreue von 56 Prozent deutlich hervor. Bei sämtlichen deutschen Marken lag sie im Schnitt bei 47 Prozent, während die Käufer von Importeursmarken nur auf 24 Prozent kamen.

Die tatsächliche Markentreue, also welche Marke schlussendlich gekauft wurde, lag aber deutlich höher als bei der Selbsteinschätzung. Im Schnitt griffen 47 Prozent der Neuwagenkäufer 2020 zur bewährten Marke, die sie bisher auch gefahren hatten, 53 Prozent wechselten beim Kauf die bisherige Marke. Interessant in diesem Zusammenhang ist demnach auch die Frage, ob ein Autokäufer in der Vergangenheit bereits positive Erlebnisse mit einer oder „seiner“ Marke hatte. Die Aussage „Ich habe mich für die aktuelle Pkw-Marke entschieden, weil ich vor dem Kauf bereits positive Erfahrungen damit gemacht habe“, bestätigten 53 Prozent aller Neuwagenkäufer.

Bei allen Marken ist die tatsächliche Markentreue beim Kauf deutlich höher ausgeprägt, als in der Selbsteinschätzung angegeben. Käufer deutscher Premiummarken kommen auf 65 Prozent (+9 Prozentpunkte gegenüber Selbsteinschätzung), Käufer aller deutscher Marken auf 60 Prozent (+13 Prozentpunkte).

Was ebenfalls zu beobachten ist, ist eine sehr hohe Markenzustimmung nach dem Kauf. Wenige Wochen und Monate nach dem Autokauf wurden die Pkw-Käufer mit folgender Frage konfrontiert, um die hypothetische Markentreue festzustellen: „Einmal angenommen, Ihr jetziger Wagen würde Ihnen heute gestohlen und Sie bekämen den vollen Kaufpreis ersetzt. Welches Modell würden Sie sich in diesem Falle kaufen?“ Das Ergebnis von 99 Prozent bei Neuwagenkäufern zugunsten der aktuellen Marke zeigt, dass auch zu diesem Zeitpunkt eine hohe Bindung an Marke und Modell vorherrschte.

Andreas Reiners / glp

Mister 800 Volt aus Korea – Neuvorstellung Kia EV6

Kia bringt mit dem EV6 jetzt seinen ersten auf einer Plattform nur für Elektroautos basierenden Stromer an den Start. Bis 2030 sollen Elektro- und Hybridfahrzeuge 40 Prozent des gesamten Marktes der Koreaner ausmachen. Den ersten Schritt hin zu diesem ehrgeizigen Ziel macht jetzt der EV6, für den Kia eine Reichweite von bis zu 528 Kilometern und eine famose Ladezeit von 18 Minuten angibt, um von zehn auf 80 Prozent zu kommen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat den schicken E-Crossover mit sportlichem Antrieb und pfiffigen Extras in Andalusien getestet.

Ein Elektroauto mit 229 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmeter mit gerade mal 35 Prozent Ladestand durch einen Handlingkurs zu jagen, scheint gewagt. Der erste Weg führt also zu einem High-Power-Charger von Ionity. Für eine Pause an der nahen Raststätte reicht der Stopp, es sollte aber nicht mehr als ein Espresso sein. Mit einer maximalen Ladeleistung von 240 kW sind die Akkus binnen 17 Minuten von 28 auf beruhigende 85 Prozent aufgeladen.

Der Innenraum zeigt sich mit seinen beiden Zwölf-Zoll-Displays modern, aber nicht zu futuristisch. © Kia

Der knapp 4,70 Meter lange EV6 lässt sich an, eigentlich Elektroautos der Oberklasse vorbehaltenen, 800- sowie auch an 400 Volt-Ladestationen anschließen. Die Antriebsvarianten sind entweder heckgetrieben (270 und 229 PS) oder mit Allradantrieb (235 und 325 PS). Die Einstiegsmotorisierung ist mit einer 58-kW-Batterie kombiniert, alle anderen Antriebsvarianten kommen mit einem 77,4-kWh-Akku. Für das nächste Jahr kündigt Kia ein Spitzenmodell mit 585 PS an, was den Mittelklassestromer zu einem Supersportwagen mutieren lassen dürfte.

Das schicke Heck dominiert ein LED-Leuchtenband, das sich wie eine Sichel um den Kofferraum legt. © Kia

Doch für den Alltag reicht eigentlich schon die 229 PS starke heckgetriebene Variante des EV6 aus. Zum Bremstest auf dem abgesperrten Handlingkurs tritt der knapp zwei Tonnen schwere asiatische Stromer leichtfüßig und agil an. In 7,3 Sekunden gelingt der Spurt von 0 auf 100 km/h; zuverlässig unterbrochen von kräftig zupackenden Bremsen. Die Tempolimitierung von 185 km/h liegt für ein Elektroauto dieser Klasse im oberen Bereich.

Anders als das eher kantige und nüchterne Schwestermodell Hyundai Ioniq5, das auf der gleichen Plattform steht, aber einen etwas längeren Radstand hat, zeigt sich der Kia EV6 in einer auffallend emotional und elegant gezeichneten Hülle. Der neue Konzern-Chefdesigner Luc Donckerwolke, der früher für den Volkswagen-Konzern arbeitete, ließ sie in Anlehnung an den legendären Lancia Stratos zeichnen und modellieren. Das seinerzeit von Bertone gestylte Sport- und Rallyeauto gilt auch heute noch als eine der Design-Ikonen der 1970er Jahre.

Anders als viele Mitbewerber setzen die Koreaner bei ihrem ersten reinen Elektroauto nicht auf ein SUV-Konzept, sondern auf eine mit 1,55 Metern Höhe relativ flache Karosserie, die mit einem auch optisch niedrigen Schwerpunkt an einen Shooting Brake erinnert. Der Innenraum bietet bei einem Radstand von 2,90 Metern reichlich Platz für Passagiere und Gepäck. Der Kofferraum fasst 520 bis 1300 Liter, es gibt jede Menge Ablagen und zusätzlich noch einen kleinen Frunk (zusammengesetzt aus trunk und front), also einen kleinen Kofferraum unter der Fronthaube.

Dort findet sich auch neben dem Aufladekabel auch ein Adapter, über den man den Stromer entweder mit einem anderen Stromer, mit einer Kaffeemaschine oder einem Laptop verbinden kann. Der Kia EV6 kann nämlich durch seine intelligente Rekuperation, deren Elektronik in Abhängigkeit von Abstand, Tempo, Topografie und Streckenbeschilderung die maximale Effizienz regelt, im Akku gespeicherte Energie auch wieder abgeben. Sehr löblich. Auch das Thema Nachhaltigkeit nimmt Kia ernst. Pro Fahrzeug hat man 100 PET-Flaschen recycelt, um daraus die Sitzbezüge hinten zu fertigen.

Passend zum grünen Gewissen ertönt jetzt aus den 15 Lautsprechern der Premium-Audio-Anlage aus dem Hause Meridian Vogelgezwitscher. Alternativ sorgen ein Kaminfeuer, Meeresrauschen oder das Gemurmel in einem Straßencafe für eine gehörige Portion Ausgeglichenheit während der Fahrt über die Serpentinen hinauf nach Ronda. Der straff abgestimmte EV6 beeindruckt mit kraftvollem, gleichmäßigem Schub aus dem Heck und durcheilt die Kurven sportlich. Die leichtgängige Lenkung könnte etwas mehr Rückmeldung vertragen und das Navigationssystem etwas sorgfältiger arbeiten.

Den Kia EV6 gibt es zum Preis von ab 44. 900 Euro. Zieht man die Förderprämie ab, kostet er 35.420 Euro.

Technische Daten Kia EV6 RWD

Länge / Breite / Höhe: 4,68 / 1,79 / 1,88 Meter

Antrieb: Elektromotor, 168 kW / 229 PS, 350 Nm max. Drehmoment

Batteriekapazität / Reichweite nach WLTP: 77,4 kWH/ 528 km

Ladeleistung AC: bis 10,5 DC: bis 240 kW

Beschleunigung: 7,3 von 0 auf 100 km/h

Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h (abgeregelt)

Energieverbrauch: 17, 2 kW auf 100 km (WLTP)

Preis: ab 44.900 Euro

Solveig Grewe / mid