„Wir bremsen nicht“: Ludwigsburgs OB Knecht kontert im Stadtbahn-Streit

Nach der öffentlich scharfen Kritik von Landrat Dietmar Allgaier am Kurs der Stadt beim Stadtbahnprojekt LUCIE reagiert Ludwigsburgs OB Matthias Knecht gelassen. Die Stadt bremse nicht, sondern verlange Klarheit, sagt der Rathauschef. Im Hintergrund stehen offene Fragen und die umstrittene Ausgleichszahlung, die Ludwigsburg übernehmen soll.

Von Ayhan Güneş – 19.53 Uhr

ANZEIGE

Ludwigsburg. Beim Stadtbahnprojekt LUCIE geht es inzwischen nicht mehr nur um Schienen, Haltepunkte und technische Details. Es geht auch um Geld, Verantwortung und Vertrauen zwischen den beteiligten Kommunen. Nachdem Landrat Dietmar Allgaier dem Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht indirekt eine mögliche Verschleppungstaktik vorgeworfen hatte, weist Knecht diesen Eindruck zurück.

„Wir wollen nicht bremsen, wir alle brauchen Klarheit – das sind wir uns und der Bevölkerung schuldig“, sagte Knecht im Gespräch mit Ludwigsburg24. Die offenen Fragen seien nicht neu. Sie müssten aber geklärt werden, bevor weitere Schritte gegangen werden könnten. „Es geht nicht um Verzögerung, sondern um belastbare Entscheidungsgrundlagen.“

Hintergrund ist der Beschluss des Ludwigsburger Gemeinderats vom November 2025. Damals hatte sich eine Mehrheit gegen den ursprünglichen Projektumfang ausgesprochen. Statt des bisherigen Gesamtnetzes soll aus Ludwigsburger Sicht nur noch die Reaktivierung der Strecke von Markgröningen nach Ludwigsburg weiterverfolgt werden.

Genau daraus ergibt sich nun ein zentraler Streitpunkt: die Ausgleichszahlungen zwischen den Kommunen. Nach Knechts Darstellung steht die Frage im Raum, in welcher Höhe Ludwigsburg Zahlungen übernehmen soll, weil andere Kommunen durch die veränderte Projektlinie weniger oder keinen Nutzen mehr aus dem ursprünglich geplanten Gesamtnetz hätten.

Nach Informationen von Ludwigsburg24 geht es dabei um eine Summe von etwa zwei bis 2,5 Millionen Euro. Ludwigsburg soll nach der bisherigen Forderung offenbar 100 Prozent dieser Ausgleichszahlungen tragen. Die Stadt selbst ist nach Knechts Darstellung bereit, 70 Prozent zu übernehmen. Zur Begründung wird seitens der Stadt Ludwigsburg darauf hingewiesen, dass jedes Projekt ein gewisses Risiko mit sich bringe und auch der Zweckverband seinen Anteil an der aktuellen Situation habe.

Die genaue Summe wird derzeit von Fachleuten des Landratsamts und der Stadt Ludwigsburg berechnet.

Drei offene Fragen aus Sicht der Stadt

Knecht verweist außerdem auf drei Punkte, die aus Sicht der Stadt noch geklärt werden müssen. Erstens geht es um die Frage der Barrierefreiheit am Ludwigsburger Bahnhof. Zweitens um die Frage, ob die Strecke ein- oder zweigleisig geführt werden soll. Drittens auch um den zukünftigen Takt.

Besonders beim Bahnhof sieht der Oberbürgermeister noch Klärungsbedarf. „Der Bahnhof ist kein Detail, sondern der zentrale Punkt“, sagte Knecht.

Den Vorwurf, Ludwigsburg verzögere das Projekt, weist Knecht zurück. Genau das Gegenteil sei der Fall. Der Gemeinderat habe ihn am vergangenen Mittwoch klar mandatiert, die Frage der Ausgleichszahlungen in den kommenden Wochen zu klären. Das Thema solle schnell gelöst werden.

Knecht betont zugleich, er wolle in der angespannten Debatte kein Öl ins Feuer gießen. „Ich trage Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, genauso wie es die anderen Bürgermeister auch für ihre Kommunen tun“, sagte der Oberbürgermeister.

Allgaier hatte Kritik scharf zurückgewiesen

Zuvor hatte Landrat Dietmar Allgaier als Vorsitzender des Zweckverbands Stadtbahn die Vorwürfe aus Ludwigsburg zurückgewiesen. Nach Darstellung des Zweckverbands seien alle planerischen und technischen Fragen, die zum aktuellen Planungsstand beantwortbar seien, geprüft und beantwortet worden.

Allgaier sieht derzeit keine Veranlassung, weitere Steuergelder für zusätzliche technische Untersuchungen auszugeben. Solange die Ausgleichszahlungen nicht geklärt seien und die Kommunen entlang der Stammstrecke keine gemeinsame Entscheidung zur Reaktivierung Ludwigsburg-Markgröningen getroffen hätten, solle der Zweckverband keine weiteren Untersuchungen finanzieren.

Der Landrat hatte zudem davor gewarnt, dass Verbandsmitglieder wie Remseck oder Kornwestheim nicht für Planungen belastet werden dürften, die dem ursprünglich vereinbarten Gesamtnetz nicht mehr zugutekommen. Wenn immer neue Fragen aufgeworfen würden, obwohl die aktuell beantwortbaren fachlichen und technischen Fragen beantwortet seien, entstehe der Eindruck einer Verschleppungstaktik, so Allgaier.

Bahnhof bleibt Knackpunkt

Ein offener Punkt bleibt auch aus Sicht des Zweckverbands die dauerhafte Einbindung der Stadtbahn im Bereich des Ludwigsburger Bahnhofs. Dort soll gemeinsam mit der Stadt Ludwigsburg eine tragfähige Lösung gefunden werden, die anschließend mit der Deutschen Bahn abgestimmt werden müsste.

Damit steht das Projekt LUCIE weiter an einem heiklen Punkt. Ludwigsburg will vor einer endgültigen Entscheidung zentrale Fragen geklärt haben. Der Zweckverband drängt darauf, auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse politisch weiterzukommen.

Entscheidend dürfte nun sein, ob sich Stadt, Landkreis und die übrigen Kommunen bei den Ausgleichszahlungen und beim Bahnhof auf eine gemeinsame Linie verständigen. Denn je länger der Streit dauert, desto stärker rückt die eigentliche Frage in den Hintergrund: ob und in welcher Form die Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg noch gemeinsam umgesetzt werden kann.