
Was als Leuchtturmprojekt für eine klimafreundliche Mobilität begann, ist zum Symbol eines tiefen Konflikts geworden. Die Stadt muss angesichts der prekären finanziellen Haushaltslage sparen, der Zweckverband hält dagegen: Im Streit um die Stadtbahn LUCIE zieht Ludwigsburg eine Grenze, die der Landkreis nicht akzeptiert. Nun droht das gemeinsame Verkehrsprojekt zur Zerreißprobe für die Region zu werden.
Von Ayhan Güneş – 07.37 Uhr
Ludwigsburg. Der Zweckverband Stadtbahn hat am Montag den Antrag der Stadt Ludwigsburg, die geplante Stadtbahnlinie LUCIE zu verkürzen, mehrheitlich abgelehnt. Die Stadt hatte beantragt, die Strecke nach dem Bahnhof Ludwigsburg nicht mehr in Richtung Osten bis nach Pattonville und Remseck fortzuführen. Der Beschluss sorgt für neue Spannungen im seit Monaten kontrovers diskutierten Projekt.
Landrat Allgaier: „Nicht vereinbar mit dem Grundgedanken des Projekts“
Verbandsvorsitzender und Landrat Dietmar Allgaier erklärte nach der Sitzung, der Ludwigsburger Antrag stehe im Widerspruch zur Satzung des Zweckverbands und gefährde das gesamte Gemeinschaftsprojekt.
„Was 2022 mit großer Einigkeit und Zuversicht begann, droht nun ausgebremst zu werden“, betonte Allgaier. „Das Projekt ist zu wichtig, um es leichtfertig aufzugeben – für die Mobilitätswende, für die Klimaziele und für die Lebensqualität der gesamten Region.“ Die Vorteile des Projekts seien durch die standardisierte Bewertung klar belegt: Der gesamtwirtschaftliche Nutzen übersteigt die Kosten deutlich. Bund und Land hätten ihre Förderzusagen erneuert und signalisiert, dass sie den Bau und den Betrieb der Stadtbahn weiterhin großzügig unterstützen. Die Planungen seien weit fortgeschritten, die Einreichung der Planfeststellung für den ersten Abschnitt war für Sommer 2026 vorgesehen.
Widerstand gegen Kurswechsel aus der Stadt
Mit dem Vorstoß wollte die Stadt Ludwigsburg die Planungen auf die Reaktivierung der bestehenden Bahnstrecke zwischen Markgröningen, Möglingen und Ludwigsburg beschränken. Die Fortführung über Pattonville bis Remseck sollte zunächst ruhen – ein Kurs, der innerhalb des Zweckverbands auf deutliche Kritik stieß.
Der stellvertretende Vorsitzende und Markgröninger Bürgermeister Jens Hübner bezeichnete LUCIE als ein „zentrales Infrastrukturprojekt für den gesamten Landkreis“, das nicht allein nach städtischen Interessen bewertet werden könne.
Auch Kornwestheims Oberbürgermeister Nico Lauxmann betonte die Bedeutung einer abgestimmten Vorgehensweise: „Solange nicht alle Partner zur Anbindung Pattonvilles stehen, haben wir die projektbezogenen Ausgaben im Wirtschaftsplan 2026 mit einem Sperrvermerk versehen – das ist aus meiner Sicht ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuermitteln. Wir sind jederzeit gerne bereit, in Gesprächen gemeinsam nach einer tragfähigen Lösung im Sinne des Gesamtprojekts zu suchen.“
Der Erste Bürgermeister von Remseck, Jo Triller, ergänzte: „Wir sind nach wie vor von dem Projekt überzeugt. Es ist wichtig, im Landkreis Ludwigsburg nicht nur auf Busse als ÖPNV zu setzen, sondern eine qualitativ hochwertige Schienen-Verbindung bis Pattonville und der Haltestelle Hornbach zu haben“.
Appell an Ludwigsburg
Der Zweckverband appellierte an die Stadt Ludwigsburg, ihren Beschluss zu überdenken und zum ursprünglichen, gemeinsam vereinbarten Ausbauziel zurückzukehren. Die Entscheidung gilt als Weichenstellung für die Zukunft des Stadtbahnprojekts, das bereits seit Jahren als Schlüsselvorhaben für eine klimafreundliche Verkehrswende im Landkreis gilt.
Hintergrund: Streit um das Stadtbahnprojekt LUCIE
Die Stadtbahn LUCIE soll den Landkreis Ludwigsburg besser an die Region Stuttgart anbinden. Vorgesehen war ursprünglich eine Strecke von Markgröningen über Möglingen und Ludwigsburg bis nach Pattonville und Remseck.
Der Ludwigsburger Gemeinderat hatte im November 2025 beschlossen, nur die Reaktivierung des westlichen Abschnitts bis zum Bahnhof Ludwigsburg zu unterstützen.
Die östliche Fortführung nach Pattonville und Remseck soll dagegen vorerst ruhen – begründet wurde dies mit der sehr angespannten Haushaltslage.
Landrat Dietmar Allgaier und der Zweckverband Stadtbahn hatten diesen Kurs mehrfach kritisiert und vor dem Verlust von Fördermitteln gewarnt. Mit der jetzigen Entscheidung bekräftigt der Verband seine Haltung, das Projekt in voller Länge umzusetzen.



