Zwei Kreuzbandrisse, ein Achillessehnenriss: Wie ein Ludwigsburger-Basketballprofi seinen zweiten Weg fand

Mit 18 unterschrieb David Michalczyk seinen ersten Profivertrag in Ludwigsburg. Heute kommen Profis zu ihm, um zu trainieren. Dazwischen liegen eine Basketballkarriere, drei schwere Verletzungen und die Erkenntnis, wie wichtig gezieltes Athletiktraining für junge Sportler sein kann.

Von Ayhan Güneş – 22.55 Uhr

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Ludwigsburg. Es gibt diesen einen Satz, der vieles in David Michalczyks Geschichte zusammenfasst. „Hätte ich als junger Spieler so eine Trainingsmöglichkeit gehabt, wäre meine Verletzungskarriere anders verlaufen.“

Michalczyk sagt ihn ohne Bitterkeit. Eher wie jemand, der lange darüber nachgedacht hat.

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Mit 18 unterschreibt er seinen ersten Profivertrag beim heutigen Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg, der damals noch EnBW Ludwigsburg hieß. Vier Jahre lang spielt er in Kooperation mit den Kirchheim Knights für beide Vereine. Danach folgen weitere Stationen, unter anderem bei den Hanau White Wings, den Hertener Löwen und den Fellbach Flashers.

Und dazwischen: zwei Kreuzbandrisse. Ein Achillessehnenriss.

Der Punkt, an dem man anfängt, sich umzuschauen

Wer als Profisportler mehrfach schwer verletzt aus dem Spiel genommen wird, merkt früh, dass der eigene Körper keine Garantie für die Zukunft ist.

„Durch meine beiden Kreuzbandrisse und meinen Achillessehnenriss habe ich mich schon früh in meiner Basketballkarriere nach Alternativen umgeschaut“, sagt Michalczyk.

Die erste findet er parallel zum aktiven Sport bei Fitness First in Esslingen. Zunächst arbeitet er dort im Vertrieb. Als später die Trainingsleitung frei wird, übernimmt er die Stelle nach einer entsprechenden Trainer-Weiterbildung.

Der eigentliche Wendepunkt kommt allerdings durch eine Begegnung im Studio. Dort arbeitet Paolo Malacrino als Personal Trainer. Michalczyk beobachtet, wie individuell er mit seinen Kunden arbeitet.

„Ich habe mir angeschaut, was er macht, und mich sofort darin wiedererkannt – das war genau mein Ding.“

Aus dem Interesse wird nach und nach ein zweites berufliches Standbein. Michalczyk baut sich eigene Kunden auf und reduziert Schritt für Schritt seine Stunden in der Festanstellung.

Ein Start zur denkbar schwierigen Zeit

Im November 2021 folgt schließlich der Schritt in die Selbstständigkeit. Michalczyk gründet in Ludwigsburg DaFITs.

Der Start fällt ausgerechnet in eine schwierige Phase der Corona-Zeit.

„Die ersten Monate haben wir mitten im Lockdown verbracht, weshalb wir ausschließlich 1:1 Coachings angeboten haben“, erinnert er sich. „Das hat den Start natürlich nochmal schwieriger gemacht.“

Ein Trainerteam gibt es zunächst nicht. Jeden Termin betreut Michalczyk selbst. Die Tage werden lang, gleichzeitig wächst nach und nach der Kundenstamm.

Auf die Frage nach der größten Herausforderung der vergangenen Jahre nennt er keine einzelne Krise. Für ihn sei entscheidend gewesen, „immer hungrig zu bleiben und nicht aufzuhören, an mir selbst, am Studio und an den Abläufen drumherum zu arbeiten und sie stetig zu verbessern“.

Die Entwicklung geht weiter. Die Zahl der Mitglieder wächst nach Angaben von Michalczyk von Jahr zu Jahr. Irgendwann reichen die bisherigen Räume nicht mehr aus.

Vor rund drei Monaten zieht DaFITs deshalb in größere Räume an der Osterholzallee.

Was er jungen Sportlern heute mitgeben will

Dort geht es inzwischen nicht mehr nur um klassisches Personal Training. Unter demselben Dach ist auch die Young Athletic Nation zuhause.

Das Angebot richtet sich an Sportlerinnen und Sportler zwischen acht und 16 Jahren – unabhängig davon, ob sie Basketball, Fußball oder eine andere Sportart betreiben. Im Mittelpunkt stehen Schnelligkeit, Explosivität und Kraft.

Für Michalczyk schließt sich damit ein Kreis zu seiner eigenen Vergangenheit.

„Athletiktraining gewinnt mittlerweile in fast jeder Sportart an Bedeutung. Genau da wollte ich ansetzen und jungen Talenten die Chance geben, sich gezielt und professionell auf ihre Sportart vorzubereiten“, sagt er.

Und dann fällt jener Satz vom Anfang.

„Hätte ich als junger Spieler so eine Trainingsmöglichkeit gehabt, wäre meine Verletzungskarriere anders verlaufen.“

Was ihm selbst in jungen Jahren gefehlt habe, möchte er heute anderen Sportlern ermöglichen.

Basketball ist geblieben

Ganz verschwunden ist der Basketball aus Michalczyks Leben ohnehin nie.

„Basketball wird immer eine große Rolle in meinem Leben spielen, weil ich diesem Sport so viel zu verdanken habe“, sagt er.

Aus dieser Zeit sind auch Freundschaften geblieben – etwa zu David McCray von den MHP Riesen Ludwigsburg, den Michalczyk zu seinen besten Freunden zählt.

Nur die Rollen haben sich verändert. Früher trainierte Michalczyk selbst für den nächsten Einsatz als Basketballspieler. Heute kommen andere zu ihm, um an ihrer Fitness und Athletik zu arbeiten.

„Es sind die Menschen, die diesen Ort mit Leben füllen“

Am vergangenen Samstagabend war von den schwierigen Anfängen wenig zu sehen. Rund 80 Mitglieder, Freunde und Gäste kamen zum jährlichen Sommerfest in die neuen Räume an der Osterholzallee.

Drei Monate nach dem Umzug und wenige Wochen vor dem fünften Geburtstag von DaFITs war der Abend für Michalczyk auch ein Moment, um auf das Erreichte zu schauen.

„Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung – genau so eine Location habe ich mir immer gewünscht“, sagt er.

Wichtiger scheint ihm allerdings etwas anderes zu sein. Etwas, das sich nicht in Quadratmetern oder Mitgliederzahlen ausdrücken lässt.

„DaFITs ist nicht nur ein Ort zum Trainieren. Es sind die Menschen, die diesen Ort mit Leben füllen.“

Im November wird DaFITs fünf Jahre alt. Für David Michalczyk ist das weniger ein Endpunkt als ein Zwischenstand auf einem Weg, der einmal mit einem Profivertrag im Basketball begann – und durch drei schwere Verletzungen eine ganz andere Richtung bekam.