Befreiung von Zuzahlung für Medikamente

Wenn es nur ab und zu vorkommt, tut es vielen gesetzlich Versicherten nicht weh: Die fünf oder zehn Euro, die sie für ein per Kassenrezept verschriebenes Medikament in der Apotheke draufzahlen müssen. Anders sieht es aus, wenn sie dauerhaft verschiedene Medikamente benötigen.

„Betroffene mit geringem Einkommen müssen keine Angst haben, sich nötige Medikamente nicht leisten zu können“, sagt Thorben Krumwiede, Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). „Auf Antrag befreit die Krankenkasse Versicherte für das aktuelle Jahr von weiteren Zuzahlungen, wenn sie an ihre so genannte persönliche Belastungsgrenze stoßen. Diese Grenze ist erreicht, wenn Versicherte zwei Prozent ihres jährlichen Bruttoeinkommens für Zuzahlungen aufgewendet haben. Für chronisch Kranke gilt eine niedrigere Belastungsgrenze von einem Prozent.“

Gesetzlich Versicherte müssen nicht nur für Medikamente, sondern auch für sonstige Hilfs-, Arznei- und Verbandsmittel oder eine stationäre Krankenhausbehandlung Zuzahlungen zwischen fünf und zehn Euro leisten. Diese werden in die persönliche Belastungsgrenze eingerechnet.

Einen Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung stellen gesetzlich Versicherte bei ihrer Krankenkasse, das dafür notwendige Formular ist bei der jeweiligen Kasse erhältlich. Der Antrag wird zusammen mit Belegen über die bereits geleisteten Zuzahlungen sowie Einkommensnachweisen bei der Krankenkasse eingereicht. Für chronisch Kranke gilt: Sie müssen dem Antrag einen Nachweis ihres Arztes oder ihrer Ärztin über die Erkrankung beifügen. Bei Bewilligung sind die Versicherten bis zum Jahresende von Zuzahlungen befreit. Im laufenden Jahr bereits zu viel geleistete Zuzahlungen werden zurückerstattet.

Lars Wallerang / glp

 

Die Influenza im Blick

Die Corona-Impfung ist zwar nach wie vor in aller Munde. „Trotzdem ist es im Herbst Zeit, auch an die Grippeschutzimpfung zu denken“, heißt es bei der Krankenkasse KKH. Der Pieks biete den besten Schutz gegen die ‚echte‘ Grippe, auch Influenza genannt.

Im vergangenen Winterhalbjahr, in dem die Corona-Pandemie begann, haben sich erheblich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen als in der Wintersaison 2019/2020. Das zeigt eine Datenerhebung der KKH. So entschieden sich deutschlandweit mehr als 300.000 KKH-Versicherte für die Impfung gegen diese schwere Infektionskrankheit und damit rund jeder sechste (plus 14 Prozent). Frauen haben hier deutlich die Nase vorn.

Bemerkenswert: Von den über 60-Jährigen ließen sich rund acht Prozent mehr impfen. „Das ist eine erfreuliche Steigerung“, sagt KKH-Apotheker Sven Seißelberg, „denn laut Ständiger Impfkommission wird über 60-Jährigen die Grippeschutzimpfung ohnehin empfohlen, da das Immunsystem im Alter anfälliger ist und die Grippe häufig schwerer verläuft.“ Unter den Jüngeren ließen sich sogar rund 36 Prozent mehr Menschen impfen als im Winterhalbjahr davor. „Hier wirkt sich der Corona-Effekt aus“, ist sich Sven Seißelberg sicher. „Wegen der schweren Covid-19-Fälle war die Versorgungssituation in vielen Krankenhäusern angespannt. Eine Corona-Impfung gab es noch nicht. Das hat viele aus Vorsicht dazu bewogen, sich wenigstens vor einer Grippe zu schützen.“

Auch für die kommenden Monate rechnet die Krankenkasse mit einer hohen Impfquote. Wer sich impfen lässt, mindert sein Erkrankungsrisiko und entlastet so indirekt das Gesundheitswesen – insbesondere für den Fall einer schweren Grippewelle parallel zu einer möglicherweise erneut angespannten Corona-Situation in Kliniken.

Rudolf Huber / glp