Landkreis Ludwigsburg wohnt auf 24,4 Mio. Quadratmetern – Gewerkschaft warnt vor Mietsteigerungen

Vergleicht man die 5 Landkreise in der Region Stuttgart, so glänzt der Landkreis Ludwigsburg mit der höchsten Anzahl an Wohnungen. Insgesamt sind es rund 24,4 Millionen Quadratmeter Wohnfläche, die sich auf insgesamt 260.600 Wohnungen im Landkreis verteilen. (Stand: 31.12.2021) Das teilt die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mit und beruft sich dabei auf aktuelle Daten zum Wohnungsbestand vom Statistischen Bundesamt, die vom Pestel-Institut (Hannover) für die IG BAU analysiert wurden.

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Demnach haben rund 30.200 Wohnungen im Kreis Ludwigsburg (siehe Grafik unten) sieben oder sogar mehr Räume. „Wer so eine große Wohnung hat, die ihm auch noch gehört, hat eine Sorge nicht: die Angst vor steigenden Mieten“, sagt Gerhard Neidling. Der Vorsitzende der IG BAU Stuttgart warnt die Immobilienwirtschaft davor, die Mietenspirale weiter nach oben zu drehen und damit die Inflation zusätzlich anzuheizen.

Neidling fordert Privatvermieter genauso wie Wohnungsgesellschaften auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Dies bedeute, bei den Mieten Maß zu halten und auf Steigerungen weitgehend zu verzichten. „Gerade jetzt geht es darum, eines für den Wohnungsmarkt klar auszusprechen: Es ist ungehörig, die Zitrone weiter auszupressen. Ein Großteil der Haushalte wird durch die Kostenexplosion bei den Heizkosten ohnehin schon finanziell in die Knie gezwungen. Da darf nicht auch noch die ‚Mietenkeule‘ hinterherkommen“, so Neidling.

Darüber hinaus warnt die IG BAU vor einer „Lähmungsphase beim Wohnungsbau“. Angesichts der aktuell schwierigeren Neubaubedingungen – hier vor allem Materialengpässe, steigende Materialpreise, hohe Baulandpreise und anziehende Bauzinsen – sei es dringend nötig, nach alternativen Wegen zu suchen. „Was wir jetzt brauchen, ist Flexibilität: Die Schaffung von neuem Wohnraum muss der Situation angepasst werden“, sagt der IG BAU-Bezirksvorsitzende Neidling.

Vor allem Wohnungsbaugesellschaften seien jetzt gefordert, Bauvorhaben zu switchen: „Wenn der Neubau nicht realisierbar erscheint, bietet gerade das Umbauen von vorhandenen Nicht-Wohngebäuden zu Wohnungen große Chancen. Der Umbau braucht deutlich weniger Material – und ist schon deshalb der passende Weg zu mehr Wohnungen in der Krise. Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Etablieren vom Homeoffice nicht mehr gebraucht werden, können viele neue Wohnungen entstehen. Und das deutlichkostengünstiger als im Neubau“, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende.

Darüber hinaus biete die Dachaufstockung bei Wohnhäusern, die in der Nachkriegszeit bis zum Ende der 90er-Jahre gebaut wurden, ein enormes Potential: „Viele neue Wohnungen sind allein hier durch On-Top-Etagen möglich – und ebenfalls günstiger als jeder Neubau“, sagt Gerhard Neidling. Es lohne sich, eine „Dachaufstockungs- und Umbau-Offensive“ zu starten.

Wohnungen 2021 nach der Zahl der Räume. Grafik: LB24 / Quelle: Statistische Bundesamt

red

Arbeitslosigkeit im Landkreis fast unverändert – Kriegsflüchtlinge verzerren Statistik

LANDKREIS LUDWIGSBURG. Im September waren nach Angaben der Agentur für Arbeit Ludwigsburg und dem kommunalen Jobcenter Ludwigsburg insgesamt 9.684 Menschen im Landkreis arbeitslos, ein Anstieg gegenüber August um 134 Personen oder 1,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen lag wie im Vormonat bei 3,1 Prozent (Vorjahresmonat: 3,2 Prozent), 0,6 Prozentpunkte unter der durchschnittlichen Arbeitslosenquote von Baden-Württemberg mit 3,7 Prozent (Vorjahresmonat 3,7 Prozent).

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„Der Arbeitsmarkt ist weiterhin stabil und durch Personalengpässe in vielen Bereichen gekennzeichnet. Der im September üblicherweise zu beobachtende Rückgang der Arbeitslosigkeit ist in diesem Jahr allerdings ausgeblieben. Dies ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass sich die im Landkreis Ludwigsburg aufgenommenen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine verstärkt beim kommunalen Jobcenter arbeitslos gemeldet haben.“, analysiert Martin Scheel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ludwigsburg, die jüngste Entwicklung.

Hoher Stellenbestand – weniger Stellenmeldungen nach der Sommerpause

Die Nachfrage nach Arbeitskräften im Landkreis ist nach wie vor hoch. Der Stellenbestand der Agentur für Arbeit Ludwigsburg lag im September bei 4.839 offenen Stellen, 7 (0,1 Prozent) weniger als im August und 719 (17,5 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Im September konnte der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur 836 neue Stellenmeldungen entgegennehmen, 390 (31,8 Prozent) weniger als im August und 89 (- 9,6 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn wurden der Agentur 730 oder 8,6 Prozent mehr Arbeitsstellen zur Besetzung gemeldet als im Vorjahreszeitraum.

In der aktuellen Arbeitsmarktstatistik zeigen sich besonders im Bereich der Grundsicherung die Folgen der Fluchtmigration von Menschen aus der Ukraine. Dieser Personenkreis wird seit dem 1. Juni 2022 vom kommunalen Jobcenter Landkreis Ludwigsburg betreut. Insgesamt waren 3.176 Ausländer beim Jobcenter arbeitslos gemeldet, ein Anstieg zum Vormonat um 486 oder 18,1 Prozent. Darunter befanden sich 989 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit (Vormonat 543 Personen). Erfreulich ist, dass die Anzahl der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen in der Grundsicherung zum Vorjahresmonat um 340 oder 13,8 Prozent zurückgegangen ist. Im September waren 2.132 Personen ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet, teilt die Ludwigsburger Behörde mit

Bundesweite Arbeitslosenzahl legt im Vorjahresvergleich zu

Nürnberg – Die Arbeitslosenzahl hat im September um 21.000 gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit am Freitag mit. Gegenüber dem Vormonat sank die Zahl um 62.000 auf 2.486.000 Arbeitssuchende.

Die Arbeitslosenquote veränderte sich gegenüber gegenüber August um -0,2 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent. „Der Arbeitsmarkt ist trotz steigender Preise und der Sorge vor Energieknappheit insgesamt weiter stabil“, sagte BA-Chefin Andrea Nahles in Nürnberg. Die Arbeitskräftenachfrage gebe aber „auf sehr hohem Niveau leicht nach“, so Nahles.

Die Anstiege hängen demnach auch mit der Erfassung der arbeitslosen ukrainischen Geflüchteten zusammen. Ohne Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit wäre die Entwicklung deutlich besser ausgefallen, so die BA. 698.000 Personen erhielten im September 2022 Arbeitslosengeld, 51.000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im September bei 3.809.000. Gegenüber September 2021 war dies ein Anstieg um 110.000 Personen.

7,0 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig, so die Bundesagentur.

red