Movember Bull Run mit Lamborghini

 Nein, in die Überschrift hat sich kein Schreibfehler eingeschlichen. Die Supersportwagen-Schmiede Automobili Lamborghini S.p.A. hat im Zuge der „Movember“-Stiftung zu einer Ausfahrt für den guten Zweck nach Stuttgart geladen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) war vor Ort dabei.

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Der Stiftungsname „Movember“ setzt sich aus den Worten „Moustache“ (deutsch: Schnurrbart), beziehungsweise dessen Kurzform „Mo“ und November zusammen. Im Jahre 2003 in Australien mit dem Ziel gegründet, der Männergesundheit etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wurden bisher 1.250 Männergesundheitsprojekte auf der ganzen Welt finanziert. Es geht primär um die Vorbeugung und bessere Behandlung von Prostata- und Hodenkrebs, sowie der Erforschung von Depressionen, Bipolaren Störungen und Selbstmordprävention – weit verbreitete Krankheiten, die oft unterdiagnostiziert sind und nie oder zu spät behandelt werden.

Die gesammelten Spenden der „Movember“-Aktion werden nationalen Organisationen zur Verfügung gestellt, um weitere Forschungen zu unterstützen. Das zentrale Kommunikationswerkzeug des Movember ist der „Mo“, mit dem Motto „Lass‘ Dir einen Schnurrbart wachsen“. Man beginnt den November glattrasiert und lässt sich bis Ende des Monats einen Schnauzer wachsen. Durch die optisch auffällige Verwandlung kommt man leicht in ein Movember-Gespräch und kann dann Themen rund um die Stiftung und das Thema Männergesundheit ansprechen.

Rund 1.500 Lamborghinis mit dem Stier-Logo sind weltweit am 6. November 2021 zum Bull Run gestartet. Sei es aus New York, London, Sydney, Bangkok, Rom, Kapstadt oder wie in unserem Falle: Stuttgart. Der aktuelle Spendenstand der Lamborghini-Teams liegt Stand heute bereits bei 200.592 US-Dollar.

Vor Ort wurde uns ein Fahrzeug zugeteilt: ein Lamborghini Huracan. Und zwar in der jüngsten und brutalsten Interpretation, die es erst seit Februar 2021 zu erwerben gibt. Der „Super Trofeo Omologata“ (kurz: STO). Das Rennauto „Super Trofeo“ homologiert mit Straßenzulassung, passend mit aufgeklebtem „Mo“.

Angetrieben durch den bekannten 10 Zylinder 5.2 Liter Hubraum fassenden Saugmotor mit 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe werden 640 PS und 565 Nm Drehmoment auf die Hinterachse losgelassen. Bei einer Karosserie, die zu 75 Prozent aus Carbon besteht, liegt das Leergewicht bei nur 1.339 Kilogramm. Das verhilft dem Sprint von 0 auf 100 km/h in 3.0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h. Die Bremsen wurden gemeinsam mit Brembo nochmals verbessert und sollen nun 25 Prozent bessere Leistung bieten als normale Carbon-Keramik Bremsen – der Bremsweg von 100 auf 0 km/h liegt bei sagenhaften 30 Metern.

Doch wie fährt sich das Rennauto für die Straße im Alltag? Er ist brutal laut. Da Lamborghini mit unter 10.000 Fahrzeugen im Jahr als Kleinserienhersteller gilt, ist ein Ottopartikelfilter nicht vorgeschrieben, heißt es gibt bis zu 115 Dezibel auf die Ohren. Passend dazu geht der Drehzahlmesser erst bei 8.500 U/min in den roten Bereich über. Da ist auch zu verschmerzen, dass das eingebaute Soundsystem eher im Hintergrund spielt.

Wer gerne massiert wird, darf sich auf die brettharte Federung und die Carbon-Schalensitze freuen, wir merken wieder einmal, dass diverse Straßen doch stark ausbaufähig sind. Die Lenkung ist extrem präzise und der Wagen klebt dank ausgefeilter Aerodynamik kombiniert mit Bridgestone Potenza Sport Bereifung (245/30 R20 vorn, 305/30 R20 hinten) förmlich auf der Straße.

Der Innenraum ist auch eher spärlich aufgestellt, Türtafeln und Fußmatten bestehen aus Carbon, alles im Sinne der Gewichtsoptimierung. Den Rückspiegel hätte man da eigentlich auch direkt weglassen können, da man nach hinten hinaus quasi nichts sieht – auf der Autobahn aber nicht so wichtig, es werden höchstwahrscheinlich wenig Fahrzeuge drängeln. Als Parkassistent gibt es immerhin eine Rückfahrkamera.

In der 27 Fahrzeuge fassenden Kolonne fallen wir übrigens richtig auf, etliche Passanten zücken ihr Mobiltelefon und machen fix ein paar Fotoaufnahmen oder kurze Videos – wann sieht man schon einmal 27 Lamborghinis (mit Schnurrbart) gemeinsam auf der Straße? Oft ist ein Einziger schon eine Sensation. Die Modellpalette war großumfänglich vertreten, es gab: Huracan STO, Huracan Performante, Huracan EVO, Huracan EVO RWD, Huracan EVO RWD Spyder, Urus, Aventador S und Aventador SVJ zu bestaunen.

Die Gesamtleistung von 17.500 PS ist genauso beeindruckend wie der Gesamtpreis aller Fahrzeuge, der bei rund 8.5 Millionen Euro liegt. Das macht im Schnitt grob 314.000 Euro und 648 PS pro Fahrzeug. Unser Lamborghini Huracan STO liegt im Startpreis leicht unter diesem Schnitt, aber trotzdem noch bei stolzen 296.800 Euro.

Lamborghini’s Chefdesigner Mitja Borkert hatte noch ein besonderes Geschenk dabei, eine original Konzeptzeichnung des Huracan Performante, die dann am Abend zur Auktion für die Movember Stiftung versteigert wurde.

Nachdem wir auf dem Rückweg wieder aus dem Fahrzeug geklettert sind (und das ist wörtlich zu verstehen, der Ein/Ausstieg ähnelt einer Akrobatik), bemerken wir, dass trotz diverser Komfortabstriche das schelmische Grinsen noch eine ganze Zeit lang im Gesicht verweilt. So geht Fahrspaß par excellence. Die harten Fakten können die Emotionen, die so ein Lamborghini weckt, nicht beschreiben, das muss man selbst erlebt haben. Als Alltagsauto eher nur für Puristen zu empfehlen, dafür als Tracktool über alle Zweifel erhaben.

Mike Neumann / mid

Nissan Qashqai in der dritten Generation

Im Jahr 2007 hatte Nissan den richtigen Riecher und brachte den Nissan Qashqai als einen der ersten Kompakt-SUVs auf den Markt. Sieben Jahre später – 2014 – kam dann die zweite Generation und weitere sieben Jahre später – 2021 – läuft die aktuellste dritte Generation vom Band. Der Motor-Informations-Dienst (mid) konnte das mittlerweile über 5 Millionen Mal verkaufte Automobil im Praxistest unter die Lupe nehmen.

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Wir haben den Nissan Qashqai in der „N-Connecta 1.3 DIG-T Mild-Hybrid 140 PS 6 MT“ Ausführung im Test. Dieser baut auf die in Kooperation mit Renault entwickelten CMF-C-Plattform auf, ein Renault Schwestermodell auf dieser Plattform soll ebenfalls 2022 erscheinen. Doch was bedeutet jetzt der kryptische Name des Qashqai in technischen Daten ausgedrückt?

Das Fahrzeug wird von einem Reihen-Vierzylinder-Turbomotor mit 1,3 Litern Hubraum angetrieben. Zur Hilfe kommt außerdem ein Mild-Hybrid-System mit 12V Bordnetz, welches einen Riemenstartergenerator antreibt, der beim Anfahren und Beschleunigen unterstützt. Die Systemleistung beläuft sich auf 103 kW/140 PS bei 5.000 U/min, das maximale Drehmoment von 240 Nm liegt zwischen 1.650 – 4.000 U/Min an.

Bei einem Leergewicht inklusive Fahrer je nach Ausstattung zwischen 1.405 – 1.534 kg beschleunigt der Fronttriebler mit der 6-Gang Handschaltung von 0 auf 100 km/h in 10,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 196 km/h erreicht. Bei den Verbrauchswerten gibt Nissan im Mix einen Verbrauch von 5,8 l/100 km und einen CO2-Ausstoß von 131 g/km an. In unserem Test mit Winterbereifung und aktiver Klimaanlage lagen wir real zwischen 7 und 8 Litern auf 100 km, dabei waren wir aber hauptsächlich in den Fahrmodi Standard und Sport unterwegs. Sparsame Fahrer können im ECO Modus den Verbrauch sicherlich noch etwas geringer gestalten. Für ein Automobil aus dem SUV-Segment, das im Vergleich zum Vorgänger um 3,5 Zentimeter in der Länge, 3 Zentimeter in der Breite und 3 Zentimeter in der Höhe gewachsen ist, gute Werte (Außenabmessung: 4,43 m Länge x 1,84 m Breite x 1,64 m Höhe). Der Qashqai fährt sich angenehm laufruhig und ist auch langstreckentauglich.

Äußerlich fällt sofort die moderne Optik mit dem neuen Kühlergrill auf, welcher fließend in die langgezogenen LED-Scheinwerfer übergeht, die es bereits ab der Einstiegsversion serienmäßig gibt. Sehr passend ist die Lackvariante „Ceramic Grey“ (Aufpreis 850 Euro), eine von 11 auswählbaren Lackierungen. Auch Zweifarbenlackierungen sind bei der Konfiguration möglich.

Der Testwagen steht auf 18-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 235/55er Winterbereifung rundum. Als Kunde hat man die Wahl zwischen 17 – 20 Zoll Bereifung, da der Qashqai aber kein Adaptives Fahrwerk mitbringt, empfiehlt es sich des Komforts wegen, nicht die größtmögliche Bereifung zu wählen.

Im Innenraum gibt es viel moderne Technik, die Anzeigen teilen sich in ein aufgesetztes Nissan-Connect Touch-Infotainment-System mit 9 Zoll, ein digitales Cockpit mit 12,3 Zoll und ein sehr helles, jederzeit gut ablesbares, projiziertes Head-up-Display mit 10,8 Zoll. Der Homebildschirm lässt sich individuell konfigurieren und die wichtigsten Funktionen (Lautstärke, Klimasteuerung) werden weiterhin über haptische Tasten bedient. Das generelle Bedienkonzept ist sehr intuitiv gehalten, man steigt ein und kann direkt loslegen, ohne groß nach Einstellungen zu suchen – entweder über das Menü im Infotainment-System oder über die Tasten am unten abgeflachten Multifunktionslenkrad. Sehr schön auch die Parkkamera mit Hilfslinien, 360 Grad Ansicht und hochaufgelöstem Bild.

Um das Mobiltelefon zu verbinden gibt es in der Mittelkonsole jeweils einen USB-C und einen USB-A Anschluss, die gleiche Anschlussvielfalt findet sich im Fondbereich. Android Auto und Apple Car Play sind ebenfalls mit an Bord. Und eine Ladeschale zum Kabellos Laden, welche ausreichend dimensioniert ist, darf da natürlich nicht fehlen.

Erwähnenswert: Die Sitze gibt es in den Bezügen Stoff oder Kunstleder, es wird kein Tierleder mehr verbaut! Die Türen sind von innen ebenfalls mit Kunstleder verkleidet (in der Front und im Fondbereich) und das allgemeine Interieur wirkt sehr wertig.

Im Innenraum ist reichlich Platz, es gibt diverse Ablagemöglichkeiten (es passt eine 1,5 Liter Flasche in die Türablagen vorn) und auch im Fond nehmen zwei Erwachsene bequem Platz, der „Notsitz“ in der Mittelreihe ist eher nur für die Kurzstrecke ausgelegt. Um Kindersitze zu befestigen gibt es im Fond zwei Isofix Anschlüsse an den äußeren Sitzen.

Für den Großeinkauf reicht das Ladevolumen vom Kofferraum mit 479 Litern ebenfalls aus. Wird mehr Platz benötigt, lässt sich die Rückbank in 60/40 Aufteilung umklappen (mit sehr geringer Ladekante im Übergang) und zwei Zwischenböden entfernen. So erweitert sich das Platzangebot auf 1.447 Liter.

Der Einstiegspreis für die Qashqai Welt liegt bei 25.790 Euro, ist also im Compact-SUV Segment im Vergleich mit den Mitbewerbern (VW Tiguan, Ford Kuga) im unteren Preisbereich anzusiedeln. Der Testwagen mit etwas mehr Sonderausstattung liegt bei 35.990 Euro.

Mike Neumann / mid