Sind winzige Proteinfaser die Auslöser von Alzheimer ?

Die Gehirn-Erkrankung Alzheimer, die Erinnerungen löscht, geistige Fähigkeiten und Persönlichkeiten langsam zerstört, lässt sich noch immer nicht gut therapieren. Forscher sind nun einer gefährlichen Verbindung auf der Spur.

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Eines der Hauptmerkmale der Alzheimer-Krankheit sind Eiweißablagerungen im Gehirn. „Wir wissen, dass dabei zwei körpereigene Proteine mit sich selber aggregieren, sich also auf spezielle Art zusammenballen“, sagt Prof. Dr. Susanne Aileen Funke, Alzheimer-Forscherin an der Hochschule Coburg. Das sei zum einen das Amyloid-beta-Peptid: Es bilde so genannte Oligomere. Das seien Makromoleküle, aus denen später so genannte Fibrillen entstehen. „Das sind im Grunde winzige Protein-Fasern, die sich zwischen den Nervenzellen als Plaques ansammeln.“ Zum anderen gebe es noch das Tau-Protein. „Es bildet ebenfalls Oligomere und Fibrillen, diese verklumpten Proteine lagern sich aber als so genannte Tangles in den Hirnzellen ab.“

Viele Menschen stellen sich die Krankheit so vor, dass wir verkalken – und man nur die Ablagerungen entfernen müsste. Vergangenes Jahr wurde in den USA vorläufig ein Medikament zugelassen, dass die Verklumpungen abbaut. Aber der Hersteller stellte den Vertrieb wieder ein.

Aducanumab war unter Wissenschaftlern sehr umstritten und in der EU war das Medikament nicht zugelassen. „Es reduziert zwar die Plaques, aber den Patienten ging es dadurch nicht deutlich besser“, sagt die Forscherin. Zudem habe es teilweise starke Nebenwirkungen gegeben. „Alzheimer ist eine sehr komplexe Erkrankung.“ Es sei offensichtlich, dass die Eiweißablagerungen damit zusammenhängen. „Aber wir wissen nicht, warum es dazu kommt, und wir kennen den konkreten Auslöser der Krankheit nicht – möglicherweise sind es mehrere, vielleicht auch sehr viele Auslöser, die zusammenwirken.“

Heute gehe man davon aus, dass die festen, großen Ablagerungen vielleicht nicht einmal das Problem sind, sondern die kleineren löslichen Aggregate: Die Oligomere können im Gehirn umherdiffundieren und an verschiedene Rezeptoren binden. Sie können sich von einer Zelle in die nächste fortpflanzen. Deswegen werden vermehrt Ansätze gesucht, um die Oligomere zu bekämpfen.

„An der Hochschule Coburg erforschen wir sehr kleine Eiweiße, die an Tau oder dessen Aggregate in jeglicher Größe andocken sollen, damit diese Tau-Moleküle sich nicht mit anderen Tau-Proteinen verbinden und nicht die gefährlichen Oligomere oder Fibrillen bilden“, berichtet die Forscherin. Unter anderem hätten zwei Doktorandinnen, Dr. Isabelle Aillaud und Dr. Marwa Malhis, erfolgversprechende Ansätze entwickelt.

„Im Reagenzglas zeigte sich, dass unsere Peptide verhindern, dass sich die gefährlichen Verbindungen bilden – oder sie sorgen dafür, dass gefährliche Verbindungen in ungefährliche umgewandelt werden.“ Außerdem konnte man auch bereits in Zellkulturen positive Auswirkungen zeigen. „Um zu prüfen, ob unsere Peptide das Potenzial haben, zu einem Therapeutikum entwickelt zu werden, sind eine Reihe weiterer Untersuchungen nötig.“

Ist absehbar, wann es Heilung für diese Krankheit gibt? „Unsere Arbeit in Coburg ist einer von vielen Beiträgen“, sagt Funke.“Die Wissenschaft leistet große Arbeit, weltweit wird in diesem Bereich wahnsinnig viel geforscht und viel Geld investiert.“ Bisher wären die klinischen Studien leider nicht besonders erfolgreich gewesen. Aber es laufe viel – ob da in den nächsten fünf Jahren das Therapeutikum der Zukunft dabei sei, könne noch niemand sagen.

mp/wal

 

Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt: „Bei einem Teil der Krankenhäuser können sehr bald die Lichter ausgehen“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Bund und Länder davor gewarnt, die Kliniken bei der Ausgestaltung des dritten „Entlastungspakets“ aus dem Blick zu verlieren. „Wir haben den Eindruck, dass die Bundesregierung glaubt, mit ihrem 200-Milliarden-Hilfspaket Krankenhäuser und andere Unternehmen über einen Kamm scheren zu können“, sagte DKG-Chef Gerald Gaß dem „Spiegel“. Das werde aber nicht funktionieren.

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Gaß bezog sich auf einen Beschlussvorschlag des Bundes für die Ministerpräsidentenkonferenz am Dienstag. Demnach sollen Bürger sowie Unternehmen zielgerichtet bei den gestiegenen Energiekosten entlastet werden – allem voran mit der derzeit erarbeiteten „Gaspreisbremse“. Die Runde der Ministerpräsidenten hatte in der vergangenen Woche noch ausdrücklich eine Hilfe für die Krankenhäuser in ihrem Beschluss gefordert, doch im Entwurf des Bundes finden die von hohen Energiekosten und steigender Inflation betroffenen Kliniken keine ausdrückliche Erwähnung.

„Während andere Unternehmen einen Teil der Kostensteigerungen zumindest über Preisanhebungen ausgleichen können, ist dies für Krankenhäuser unmöglich“, sagte Gaß. „Wir können auch nicht zeitweise unseren Betrieb einstellen oder Temperaturen absenken, um Kosten einzusparen.“ Er forderte eine konkrete Hilfszusage des Bundes und der Länder bei der MPK am Dienstag.

„Wenn im November in den Kliniken die Weihnachtsgelder ausgezahlt werden müssen, könnten ansonsten bei einem Teil der Krankenhäuser sehr bald die Lichter ausgehen.“ Nach Angaben der DKG sehen derzeit rund 40 Prozent der Krankenhäuser ihre wirtschaftliche Situation so gefährdet, dass Insolvenzen drohen.

red