Umfrage: Mehrheit der Internetnutzer hält Daten im Netz für unsicher

Berlin  – 77 Prozent der Internetnutzer in Deutschland halten ihre Daten im Netz für unsicher. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Im Vergleich zum Vorjahr (68 Prozent) ist dieser Wert demnach deutlich gestiegen.

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Nur noch ein Fünftel (20 Prozent) hält seine Daten im Netz für sicher. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Angst vor fast allen potenziellen Szenarien deutlich gestiegen. Aktuell fürchten sich 85 Prozent vor einer illegalen Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen (2020: 79 Prozent), 83 Prozent vor Schadprogrammen (2020: 75 Prozent).

Eine illegale Nutzung von Passwörtern und Konten befürchten 62 Prozent der Internetnutzer. Besonders stark gestiegen ist die Sorge, mit extremen Inhalten oder Aussagen konfrontiert zu werden. 27 Prozent fühlen sich von Hassrede im Netz bedroht (2020: 18 Prozent), 26 Prozent fürchten Beleidigungen oder Mobbing (2020: 21 Prozent) sowie sexuelle Belästigung im Netz (2020: 19 Prozent).

Beim Umgang mit persönlichen Daten misstrauen die deutschen Verbraucher vielen Institutionen. 59 Prozent vertrauen der Politik im Allgemeinen weniger stark oder überhaupt nicht. Bei 60 Prozent gilt das für die Polizei, bei 61 Prozent für die Nachrichtendienste und bei 63 Prozent für die Verwaltung.

Das Misstrauen gegenüber sozialen Netzwerken ist mit 68 Prozent nur unwesentlich höher. Sehr stark oder stark vertrauen indes 47 Prozent den Online-Händlern, bei denen sie bestellen. 46 Prozent vertrauen ihren E-Mail-Anbietern sehr stark oder stark.

Bei vier von zehn Netznutzern gilt das für traditionelle Banken. Für den Schutz ihrer Daten sehen sich 88 Prozent der Internetnutzer vorrangig selbst verantwortlich. Nur acht Prozent sehen den Staat in der Pflicht, zwei Prozent Internet-Anbieter oder Hersteller von Hard- und Software.

Im Jahr 2019 sah insgesamt noch ein Fünftel den Staat (15 Prozent) sowie die Wirtschaft (5 Prozent) beim Datenschutz in der Pflicht. Für die Erhebung befragte Bitkom Research im November 2021 telefonisch 1.011 Internetnutzer in Deutschland ab 16 Jahren.

red / dts

Im Visier: Datenschutz-Aufsichtsbehörde nimmt sich Instagram, Tiktok & Co. vor

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hat Bedenken gegen die Nutzung der sozialen Netzwerke Instagram, Tiktok und Clubhouse in Bundesbehörden geäußert. „In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) führen wir eine technische Prüfung der jeweiligen Apps durch“, sagte Kelber dem „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe). „Es geht dabei um die Software, die auf Geräten der Bundesbehörden und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laufen.“

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Erste Erkenntnisse wiesen auf „datenschutzrechtliche Probleme“ hin, so Kelber. Die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen. „Als Behörde müssen wir da sehr konkret sein.“

Kelber bekräftigte zugleich seine Kritik an den sogenannten Facebook-Fanpages. Diese Seiten könnten „wegen der unklaren geteilten datenschutzrechtlichen Verantwortung zwischen Facebook und dem Betreiber der Seite nach wie vor nicht rechtskonform betrieben werden“, sagte der Datenschützer. Von der Bundesregierung und den obersten Bundesbehörden hatte Kelber deshalb im vergangenen Jahr verlangt, ihre Facebook-Seiten bis Ende 2021 abzuschalten.

Dies ist bislang nicht geschehen. Kelber sieht aber keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. „Mein Ziel ist nicht zwingend die Abschaltung von Facebook-Fanseiten, sondern ich will eine datenschutzkonforme Kommunikation zwischen der Bundesregierung und den Bürgerinnen und Bürgern erreichen“, sagte er.

Ob dies gelingt, ist indes fraglich. „Wir haben jetzt noch einmal mit der Bundesregierung und Facebook Gespräche geführt und werden sehen, was das Ergebnis sein wird“, sagte Kelber. „Ich hoffe, dass Facebook endlich ein Einsehen hat und nicht nur die Fanpages der Bundesregierung, sondern alle Fanpages in eine Form bringt, die europäischen Datenschutzvorgaben entspricht.“

red / dts