Waren Schulschließungen während der Corona-Pandemie notwendig ? RKI-Präsident Wieler stellt Notwendigkeit infrage

Der scheidende Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, äußerte sich kritisch über die Schulschließungen während der Corona-Pandemie. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte Wieler, dass es „nie nur die Alternative: Entweder wenige Tote oder Schulen offen halten“ gab und dass der vorhandene Spielraum während der Pandemie „nicht ausreichend mit der nötigen Sorgfalt, Ruhe und Sachlichkeit betrachtet worden“ sei.

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Wieler betonte, dass das RKI „immer Empfehlungen abgegeben“ habe, „mit denen man den Betrieb in Schulen und Kitas hätte laufen lassen können, wenn auch unter Anstrengung.“ Er forderte eine Aufarbeitung der Pandemie, um herauszufinden, welche Maßnahmen adäquat waren und welche Kosten-Nutzen-Effekte es gab.

Im Bezug auf Forderungen, das RKI künftig institutionell unabhängig vom Bundesgesundheitsministerium aufzustellen, erteilte Wieler eine klare Absage. Er betonte, dass dies die „entscheidende Funktion“ des RKI als „gesetzlich legitimierte Schnittstelle von Wissenschaft zu Politikberatung“ beeinträchtigen würde.

Wieler räumte ein, dass er „nicht optimal kommuniziert“ habe und „mehr Gespräche“ hätte führen sollen, um „diese komplexen Geschehnisse besser einzuordnen.“ Er wird sein Amt als Präsident des RKI am 1. April 2023 niederlegen.

red

Krankenhäuser in Deutschland am Rande der Insolvenz: Grünen-Politiker fordert Soforthilfe

Der Härtefallfonds wird nach Einschätzung der Grünen nicht ausreichen, um Krankenhäuser vor der Insolvenz zu retten. Die Lage der Kliniken sei jetzt schon dramatisch, sagte der Grünen-Politiker Armin Grau dem „Spiegel“. Grau ist in seiner Bundestagsfraktion für Krankenhäuser zuständig.

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Die Krankenhäuser brauchten kurzfristig mehr Geld, sagte Grau. Die von der Ampelkoalition geplante Krankenhausreform, zu der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Sommer einen Gesetzentwurf vorlegen will, werde für viele zu spät wirksam. „Wenn wir die Kliniken retten wollen, brauchen wir mehr als eine Reform, die erst in ein paar Jahren wirken wird“, sagte Grau.

Er befürchtet, dass viele Häuser so lange nicht durchhalten werden. Auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hofft auf baldige Hilfen für insolvenzgefährdete Kliniken: „Viele Krankenhäuser stehen wirklich finanziell mit dem Rücken zur Wand, einige sind akut insolvenzgefährdet“, sagte sie dem „Spiegel“. Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft haben 2022 rund 60 Prozent der deutschen Krankenhäuser rote Zahlen geschrieben.

In diesem Jahr, so die Befürchtung, könnten es noch mehr werden.

red