Ausbau des schnellen Internets nimmt im Landkreis Ludwigsburg an Fahrt auf

Von Uwe Roth

Homeoffice und Homeschooling – die Menschen sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie aufs schnelle Internet angewiesen wie nie zuvor. Noch immer beklagen Gewerbetreibende und Privathaushalte, dass Dokumente und sonstige Dateien im Schneckentempo durchs Kupferkabel-Netz kröchen und Internetfernsehen (Streaming) oder Online-Videokonferenzen eine Geduldsprobe seien. Doch das ändert sich gewaltig, glaubt man jüngsten Berichten des Verbands Region Stuttgart und der Kreisverwaltung Ludwigsburg. Überall in den Kommunen der Region Stuttgart werden Gräben für Glasfaserstränge gelegt, die dem Datenverkehr Tempo machen. Dabei stehen der Verband Region Stuttgart und die zugehörigen fünf Landkreise sowie die Landeshauptstadt in einer engen Kooperation.

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So hängen seit diesem Jahr alle Berufsschulen im Landkreis Ludwigsburg am schnellen Netz. Das sagt Victor Kostic. Er ist Im Landkreis der Koordinator für den Breitbandausbau. „Aktuell bereiten wir die Ausschreibung aller förderfähigen Schulen im Landkreis vor. Unser regionales Ausbauziel, bis 2023 alle Schulen an einem Gigabitfähigen Anschluss zu haben, ist im Plan“, betont er. Die Kosten tragen der Landkreis, die Städte und Gemeinden nicht allein. Dafür gibt es Bundes- und Landesförderprogramme. Zahlreiche Schulen haben Anspruch auf Fördermittel und sollen von einem schnellen Ausbau profitieren. Schulen, die nicht förderfähig sind, liegen nach Angaben des Verbands Region Stuttgart bereits in einem Kabelgebiet. Sie verfügen über einen Koaxial-Kabelanschluss, der mit einem Glasfasernetz verbunden und so mit einem HFC-Anschluss und Download-Bandbreiten bis ein Gigabit pro Sekunde bereits recht leistungsfähig ist. HFC steht für Hybrid Fiber Coax und ist ein Strang aus Glasfaser, der aber in einem langsameren Koaxialanschluss endet.

Die Kreiskommunen hatten Ende 2018 eigens einen Zweckverband gegründet, um in Kooperation mit der Telekom aus dem löchrigen Flickenteppich ein feinmaschiges Versorgungsnetz fürs schnelle Internet zu machen. Beim Zweckverband ist man mit dem Erreichten im zurückliegenden Jahr sehr zufrieden: „Wir haben einen Riesensprung gemacht und sind mit dem Ausbau absolut im Zeitplan“, schwärmt Kostic. Im Landkreis habe der Grad der Glasfaserversorgung zum Jahresende 2020 etwa 50000 Haushalte erreicht. Das sei eine Steigerung um etwa drei Prozent. Das scheint nicht all zu viel. Doch der Beauftragte für den Breitbandausbau relativiert: Durch die Kooperation mit der Deutschen Telekom seien in den vergangenen 18 Monaten mehr Glasfaseranschlüsse im Landkreis gebaut worden als in den vorangegangenen 15 Jahren.

Die Pläne zum Ausbau, der jahrelang stockte, sind ehrgeizig: Bis 2025 sollen im Landkreis alle Industrie-, Dienstleistungsunternehmen und Gewerbe Zugang zu einem Glasfaser basierten Gigabitfähigen Internetzugang haben. Gleichzeitig sollen 50 Prozent und bis zum Jahr 2030, also weitere fünf Jahre später, mindestens 90 Prozent der Haushalte Zugang zu einem gigabitfähigen Internetzugang haben.

Das Glasfaserkabel reicht dann bis an die Gebäude. Die Fachbezeichnung lautet FTTH-Anschluss. Das steht für Fibre to he home – Faser bis in die Wohnung. Die Nutzer müssen einen Vertrag mit einem Anbieter abschließen. Fürs Verlegen der Leitung zahlen sie nichts. Voraussetzung ist aber, dass die dreimonatige Vorvermarktungsfrist gut läuft: Bevor in einem Gebiet nicht mindestens 30 Prozent der potenziellen Nutznießer Interesse bekunden, wird nicht gegraben. Bei 1000 Haushalten wären das 300.

Es war lange umstritten, ob die Kommunen in der Region Stuttgart für den Breitbandausbau das Heft selbst in die Hand nehmen sollen. Insbesondere der Telekom schlug einiges Misstrauen entgegen. Das Staatsunternehmen habe häufig Ankündigungen gemacht und letztlich nichts unternommen, hatte die Kritik gelungen. Die ist inzwischen abgeklungen. In den Rathäusern wird die Zusammenarbeit mit dem Staatsunternehmen als eng und konstruktiv bezeichnet. Zuerst hatte der Verband Region Stuttgart die „Gigabit Region Stuttgart GmbH“ gegründet, dann folgte auf Kreisebene die Gründung eines Zweckverbands.

Auch bei 5G, der Datenübertragung von morgen, geht es voran. Hier steht die Deutsche Telekom mit Vodafone im Wettbewerb. Die deutsche Tochter der britischen Vodafone Group hat nach eigenen Angaben seine ersten neun 5G-Mobilfunkstationen im Landkreis Ludwigsburg in Betrieb genommen und damit das 5G-Ausbauprogramm gestartet. Die neuen Stationen mit 5G-Antennen in Ludwigsburg (3x), Vaihingen an der Enz, Sachsenheim, Steinheim an der Murr, Gerlingen, Remseck am Neckar und Asperg versorgen erste Bewohner der Orte und ihre Gäste mit der mobilen Breitbandtechnologie 5G.

Mittelfristiges Ziel des neuen Infrastrukturprogrammes sei es, so eine Mitteilung des Unternehmens, möglichst die gesamte Bevölkerung in der Region an das 5G-Netz anzuschließen – so wie es bei der Mobilfunkversorgung bereits nahezu der Fall sei. Parallel zum Aufbau des 5G-Netzes will Vodafone sein LTE-Netz (gleich 4G) in der Region weiter ausbauen.

Beim Projekt „5G für den Kreis Ludwigsburg“ wird Vodafone zunächst die bereits vorhandene Mobilfunk-Infrastruktur weitgehend mitnutzen und seine 5G-Antennen, wo immer es möglich ist, zunächst an den 147 Mobilfunkstandorten im Landkreis anbringen – zum Beispiel an Masten, Aussichtstürmen, Kirchtürmen sowie auf den Dächern von öffentlichen Gebäuden (wie Rathäusern und Verwaltungssitzen) sowie Wohngebäuden. Dies geschieht Zug um Zug. Die bestehenden Mobilfunkstandorte werden also aufgewertet, indem dort zusätzliche 5G-Technologie installiert wird.

Stand Ausbau des Breitbandnetzes im Landkreis Ludwigsburg (Quelle Zweckverband):

Ausbau Gewerbegebiete (insgesamt 24) im Jahr 2020: Erligheim, Schwieberdingen, Korntal-Münchingen, Ditzingen, Besigheim, Bietigheim-Bissingen, Hemmingen (Vodafone) und Steinheim an der Murr.

Weiterer Ausbau im laufenden Jahr 2021: Kirchheim am Neckar, Löchgau, Möglingen, Pleidelsheim, Sersheim, Tamm, Vaihingen an der Enz, Ludwigsburg (5 St.), Freiberg a. Neckar (3 St.) sowie Murr an der Murr über die Firma Vodafone.

Ausbau Privathaushalte (Anzahl Haushalte) im Jahr 2020: Ditzingen (5400), Gemmrigheim (1450), Korntal-Münchingen (6000), Steinheim an der Murr (1900) und Gerlingen (3300).

Weiterer Ausbau im laufenden Jahr 2021: Markgröningen- Unterriexingen (1200) sowie Vaihingen an der Enz-Horrheim (1500).

Wahlkreis Ludwigsburg: Sechs Kandidierende proben ihren ersten Sprung in den Landtag

Von Uwe Roth

Corona gibt den Kandidierenden für die Landtagswahl am 14. März selten Gelegenheit zu einem persönlichen Schlagabtausch – in einem echten Raum und nicht auf einer Videoplattform von Zuhause aus. Am Dienstag hatten die sechs Bewerber*innen des Wahlkreises Ludwigsburg die Chance, in einer klassischen Diskussionsrunde ihre politischen Argumente auszutauschen. Da saßen sie mit gebührendem Abstand an kleinen Tischchen im großen Kinosaal des Scala Ludwigsburg. Publikum war logischerweise keines in den Rängen. Dafür standen mehrere Videokameras im Raum. Wenn es interessierte, verfolgte die knapp zweistündige Veranstaltung auf YouTube. 430 Zuschaltungen waren es.  Auf der populären Videoplattform ist diese weiterhin abrufbar. Organisatorin war die Landeszentrale für politische Bildung (LpB), die demnächst in Ludwigsburg eine Außenstelle eröffnen wird. LpB-Mitarbeiterin Rebecca Beider und der SWR-Journalist Jonas Keinert moderierten den Abend, wobei sie sich über den Ablauf der verschiedenen Fragerunden nicht immer einig war.

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Das Besondere an dieser Zusammensetzung der Kandidierenden im Wahlkreis Ludwigsburg ist, dass es keinen Platzhirsch gibt, also keinen Landtagsabgeordneten, der sein Mandat verteidigt. Bei der vorangegangenen Wahl 2016 hatte die CDU ihr Mandat im Wahlkreis verloren. Die Grünen entthronten kurz vor der Nominierungsveranstaltung ihren langjährigen Vertreter Jürgen Walter. Die übrigen Parteien waren damals leer ausgegangen.

Die Grünen ersetzten den Asperger Jürgen Walter mit der Ludwigsburgerin Silke Gericke. Die CDU schickt ebenfalls aus Ludwigsbug Professorin Dr. Andrea Wechsler ins Rennen und die SPD den Remsecker Colin Sauerzapf (SPD). Stefanie Knecht ist gleichfalls aus Ludwigsburg und bewirbt sich für die FDP. Nadia Schmidt ist auch aus Ludwigsburg und steht für Die Linke bereit. Friedemann Johannes Meyer von der AfD kandidiert zudem für den Wahlkreis Vaihingen. Er sagt von sich, dass er nicht vorhatte zu kandidieren. Aber als es seiner Partei an Freiwilligen fehlte, habe er nicht Nein sagen können. In jedem Fall ist die Konstellation so: Wer aus dem Sechserkreis die meisten Stimmen der rund 125000 Wahlberechtigten im Wahlkreis 12 (Ludwigsburg) erhält, wird als Neuling in den Landtag von Baden-Württemberg einziehen.

Gericke und Meyer kennen den Landtag als Mitarbeitende im Büro einer Abgeordneten und eines Abgeordneten. Die Grünen-Politikerin erlebt zumindest zeitweise die Regierungsarbeit der grün-schwarzen Koalition aus nächster Nähe mit. Gericke hat als Gemeinderätin in Ludwigsburg zudem kommunalpolitische Erfahrung wie auch FDP-Frau Knecht. Sauerzapft ist Gemeinderat in Remseck. Denjenigen, denen es an eigener landespolitischer Erfahrung mangelte, brachten im Wesentlichen die Vorgaben ihrer jeweiligen Partei in die Gesprächsrunden ein. Kandidatin Knecht tat dies von Beginn an mit viel Angriffslust, wie es derzeit ihr Parteikollege, der Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke vormacht.

Die Ludwigsburger Gemeinderätin ließ kein gutes Haar an der Landesregierung und deren Corona-Politik. Sie sprach von einer “bräsigen Politik”, die “undurchdacht und planlos” sei und forderte beinahe aggressiv eine sofortige Abschaffung des Lockdowns mit einer durchdachten Öffnungsstrategie. Da fühlte sich sogar Sauerzapf aufgerufen, der mit 23 Jahren jüngste Kandidat in der Runde, die Landesregierung zu verteidigen, obwohl die SPD im Landtag in der Opposition ist. Es sei nicht fair, “einfach nur gegen die Landesregierung zu schießen”, sagte er. Es gebe keine Erfahrung im Umgang mit einer solchen Pandemie. “Wir sind noch lange nicht überm Berg und müssen vorsichtig sein”, warnte er vor voreiligen Schlüssen, wie sie aus seiner Sicht Knecht aus der aktuellen Lage ziehe. Damit war er sich mit der CDU-Politikerin Wechsler einig. Auch Gericke und Schmidt widersprachen der Liberalin.

Wechsler sprach von der Notwendigkeit einer “intelligenten Öffnungsstrategie” und möglichst baldigen Rückkehr zu einer freien Marktwirtschaft – “weg von der Rettungsschirmpolitik”. So bald wie möglich müsse die Sparpolitik wieder greifen. “Die CDU steht weiter klar hinter der schwarzen Null”, versicherte sie. Gericke zeigte sich überzeugt, dass dies nicht so schnell gelingen werde. Corona werde ein großes Thema bleiben. Dementsprechend sei weiteres Geld notwendig, um aus der Krise zu kommen. Sauerzapf plädierte dafür, gegebenenfalls Kredite bereitzustellen, um den Investitionsstau abzubauen, der aus seiner Sicht durch die CDU-Sparpolitik entstanden sei. Den Investitionsstau beizubehalten, sei für die junge Generationen eine größere Belastung, als Schulden beizubehalten, sagte er. Für was der AfD-Kandidat seht, ist in seinen Antworten nicht deutlich geworden. Meyer sprach von einer “individuellen Freiheit”, die es zu sichern gelte. “Lassen Sie sich nicht leben, sondern leben Sie selbst”, wandte er sich an die Zuschauer der Wahlveranstaltung.