Gewerkschaft kritisiert Arbeitsbedingungen bei Lieferando

Fahrrad-Kuriere im Corona-Stress: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Arbeitsbedingungen beim Essenslieferdienst Lieferando kritisiert. „In Zeiten geschlossener Restaurants bestellen immer mehr Menschen auch im Landkreis Ludwigsburg ihr Essen im Internet. Das führt zu glänzenden Geschäften beim Marktführer Lieferando. Aber die Fahrerinnen und Fahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind, arbeiten zu Niedriglöhnen und teils am Rand der Belastungsgrenze“, sagt Hartmut Zacher, Geschäftsführer der NGG-Region Stuttgart.

Durch Corona boomt Liefergeschäft im Kreis Ludwigsburg

Die Gewerkschaft kritisiert insbesondere den „Anreiz zur Akkordarbeit“. Um über den Einstiegsverdienst von nur zehn Euro pro Stunde hinauszukommen, müssten die Beschäftigten möglichst viele Bestellungen in möglichst kurzer Zeit ausliefern. Ab der
25. Bestellung zahle Lieferando einen Zuschlag von 25 Cent pro Order, ab dem 100. Auftrag gebe es einen Euro mehr. „Dieses System führt zu großem Stress bei den Fahrern, denen jede rote Ampel wertvolle Zeit kostet. Um schnell voranzukommen, setzen sie häufig ihre Gesundheit aufs Spiel“, so Zacher.

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Außerdem werde der Arbeitsschutz nach Beobachtung der NGG nicht ernst genug genommen. Die von Lieferando gestellten E-Bikes seien häufig nicht richtig gewartet und nur bedingt verkehrssicher. „Und wer mit dem eigenen Fahrrad unterwegs ist, muss für die Reparaturen meist selbst aufkommen“, moniert Zacher. Zudem setzten sich die Kuriere beim Abliefern der Bestellung vor der Wohnungstür einer erhöhten Corona-Infektionsgefahr aus. Nach der neuen Corona-Testverordnung in Betrieben muss Lieferando seinen Fahrerinnen und Fahrern zwei kostenlose Corona-Tests pro Woche anbieten, weil sie viel Kundenkontakt haben. Nach Beobachtung der NGG sind die Testangebote des Anbieters bislang aber unzureichend.

Es könne nicht sein, dass Essenslieferdienste, die zu den Gewinnern der Corona-Krise gehörten, ihre Geschäfte auf dem Rücken der Beschäftigten machten. „Lieferando muss sich endlich zu fairen Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. Das Unternehmen darf der Gründung von Betriebsräten nicht länger Steine in den Weg legen“, so Zacher mit Blick auf bisherige Versuche des Anbieters, die Wahl von Arbeitnehmervertretungen zu verhindern. An die Beschäftigten appelliert der Gewerkschafter, Rat bei der NGG zu suchen. Je mehr Fahrerinnen und Fahrer sich für ihre Belange einsetzten, desto schneller könnten tarifliche Standards für die Lieferbranche ausgehandelt werden.

Zudem sollten Beschäftigte ihre Lohnabrechnungen genau prüfen. Nach Gewerkschaftsinformationen passiere es immer wieder, dass Zahlungen zu spät kämen oder sogar ausblieben. „Für die Fahrer kommt es aber auf jeden Euro an. Im Ernstfall sollten sie sich von der NGG beraten lassen“, so Zacher. Für Gewerkschaftsmitglieder sei ein Lohn- Check kostenlos.

Nach dem Verschwinden von Marken wie Lieferheld, Foodora, Deliveroo und pizza.de gilt Lieferando unter den Online-Essensbestelldiensten in Deutschland als unangefochtener Marktführer. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des Mutterkonzerns „Just Eat Takeaway“ nach Unternehmensangaben um 54 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen steht immer wieder im Zusammenhang mit prekären Arbeitsbedingungen in der Kritik. Gastronomen, die wegen der Corona-Beschränkungen nur außer Haus verkaufen können, kritisieren die hohen Provisionen von bis zu 30 Prozent des Umsatzes.

red

Inzidenzwert im Kreis Ludwigsburg sinkt deutlich

Die Verordnung, die vollständig geimpften und genesenen Personen in Deutschland wieder mehr Rechte einräumt, ist heute im Bundesanzeiger veröffentlicht worden und tritt damit um Mitternacht in Kraft. (Link)

Und so sehen die Corona-Zahlen am Dienstag (11.05. – 16 Uhr) für den Landkreis Ludwigsburg aus: Das Landratsamt meldete binnen 24 Stunden in der Summe weitere 163 Corona-Infizierte. Aus der Stadt Ludwigsburg wurden 50 bestätigte Corona-Neuinfektionen gemeldet. Am Dienstag vor einer Woche waren es 210 bestätigte Neuinfektionen, gestern waren es 38 Fälle.

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Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner lag laut dem Landratsamt am heutigen Dienstag kreisweit bei 136,6. Am Vortag hatte das Kreisgesundheitsamt die Sieben-Tage-Inzidenz mit 152,4 angegeben, vor genau einer Woche mit 168,3. (Stand – 11.05. – 16Uhr)

Laut der RKH-Klinik beträgt die Zahl der COVID-19 Patienten, die in stationärer Behandlung im Klinikum Ludwigsburg liegen, 54. Auf der Normalstation werden 39 (+2) Patienten behandelt. 15 (-2) Patienten befinden sich auf der Intensivstation, von denen 11 (-5) beatmet werden. (Stand: 11.05.)

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut dem Landratsamt mindestens 25.033 Menschen im Landkreis Ludwigsburg nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion steigt um 1 auf 476. Rund 23.121 (+171) Menschen haben die Infektion nach Schätzungen vom Landratsamt überstanden. (Stand: 11.05.- 16Uhr)

Aktuelle Impfzahlen für den Kreis Ludwigsburg: 

Screenshot: Landratsamt Ludwigsburg

Infizierte nach Gemeinde (Quelle: Landratsamt Ludwigsburg – Stand: 11.05.)

Affalterbach ( 149 | 1 )
Asperg ( 691 | 6 )
Benningen am Neckar ( 240 | 2 )
Besigheim ( 617 | 4 )
Bietigheim-Bissingen ( 2.342 | 12 )
Bönnigheim ( 512 | 0 )
Ditzingen ( 1.128 | 10 )
Eberdingen ( 289 | 2 )
Erdmannhausen ( 159 | 1 )
Erligheim ( 152 | 0 )
Freiberg am Neckar ( 564 | 3 )
Freudental ( 157 | 0 )
Gemmrigheim ( 253 | 0 )
Gerlingen ( 680 | 6 )
Großbottwar ( 331 | 2 )
Hemmingen ( 304 | 0 )
Hessigheim ( 68 | 0 )
Ingersheim ( 256 | 2 )
Kirchheim am Neckar ( 354 | 3 )
Korntal-Münchingen ( 809 | 2 )
Kornwestheim ( 1.869 | 8 )
Löchgau ( 268 | 0 )
Ludwigsburg ( 4.529 | 50 )
Marbach am Neckar ( 670 | 0 )
Markgröningen ( 711 | 7 )
Möglingen ( 628 | 4 )
Mundelsheim ( 125 | 0 )
Murr ( 239 | 2 )
Oberriexingen ( 117 | 1 )
Oberstenfeld ( 361 | 5 )
Pleidelsheim ( 290 | 4 )
Remseck am Neckar ( 1.155 | 8 )
Sachsenheim ( 969 | 6 )
Schwieberdingen ( 433 | 3 )
Sersheim ( 290 | 0 )
Steinheim an der Murr ( 445 | 1 )
Tamm ( 400 | 0 )
Vaihingen an der Enz ( 1.348 | 8 )
Walheim ( 131 | 1 )

red