Mit der Bahn durch die Corona-Krise

Die Deutsche Bahn rollt langsam wieder an. Im Regionalverkehr läuft fast alles nach Fahrplan, und auch immer mehr Fernzüge sind im Einsatz. Aber welche Regeln gelten, um eine Ansteckung der Reisenden mit dem Coronavirus zu verhindern?

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist laut Bahn in allen Fern- und Regionalverkehrszügen Pflicht, ebenso wie auf Bahnhöfen und an Haltestellen. Ausnahmen gelten im Fernverkehr für Kinder unter sechs Jahren und für Menschen, die essen oder trinken.

Das Abstandsgebot von mindestens 1,5 Meter ist in Bahnen, S-Bahnen und Bussen kaum einzuhalten und wird in den entsprechenden Verordnungen der Bundesländer offiziell ausgenommen. Deshalb setzt die Deutsche Bahn neben der Maskenpflicht auf die verstärkte Lüftung und Reinigung der Züge und auf Desinfektionsspender in Waschräumen, was auch von Medizinern und Wissenschaftlern als sinnvoll erachtet wird.

Darüber hinaus rät die Bahn, möglichst nicht zu Hauptverkehrszeiten zu fahren, sondern auf andere Zeiten und Tage auszuweichen. Tickets werden nur noch auf Sicht kontrolliert, also von den Zugbegleitern nicht mehr in die Hand genommen, heißt es. Auch die Türen der Bahnen sollen nach Möglichkeit automatisch öffnen.

Zugbegleiter sollen darauf achten, dass Reisende sich gleichmäßig im Zug verteilen und Abstand zueinander halten – soweit es ihnen möglich ist und wenn die Auslastung der Züge es zulässt. Strafen verhängen dürfen sie aber nicht, wenn sich jemand zum Beispiel nicht an die Maskenpflicht hält oder zu eng an anderen Fahrgästen sitzt. Das dürfen nur Polizei und Ordnungsamt. Allerdings hat die Bahn in ihren Zügen Hausrecht, darf Menschen also auffordern, den Zug zu verlassen – notfalls mit Unterstützung der Polizei.

Ralf Loweg

 

Die Angst vor dem Facharzt

Fachärzte sind in der Corona-Krise offenbar nicht gefragt. Viele Patienten verzichten aus Angst vor einer Infektion mit dem Virus auf einen Besuch oder sagen bereits vereinbarte Termine ab. In einer bundesweiten Umfrage des NDR äußerten Vertreter von Berufsverbänden, Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen jetzt die Sorge, der Ausfall von Terminen könne zu lebensbedrohlichen Verschlechterungen der Gesundheit der Patienten geführt haben.

Kardiologen und Onkologen melden für ihre Patienten, die in der Regel zu einer Risikogruppe gehören, Rückgänge der Termine zwischen 30 und 50 Prozent. Zahnärzte verzeichnen sogar ein Minus von bis zu 80 Prozent. Bei vielen Termin-Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen nahmen die Anfragen laut der NDR-Umfrage um bis zu 50 Prozent ab.

Besonders stark war der Rückgang Mitte März 2020 bis Anfang Mai, als viele den Gang zum Arzt aus Sorge über eine Corona-Infektion mieden. Alle Vereinigungen wiesen darauf hin, dass es sich bei den Zahlen nur um Schätzungen handele, bis das laufende Quartal abgerechnet sei. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtet, dass sich Krankheiten durch den Ausfall von Terminen verschlimmert haben könnten.

Die Kardiologin Kristina Brinkmann aus Hamburg erzählt, dass ihre Praxis etwa 30 Prozent weniger Patienten als im gleichen Zeitraum des Vorjahres gehabt habe. Oft seien sie einfach nicht erschienen – wie zum Beispiel ein junger Mann, der sich vor dem Lockdown mit Herzbeschwerden vorgestellt hatte, seinen Folgetermin aber nicht wahrnahm.

Ralf Loweg