So viel Elektroschrott verursachen deutsche Haushalte

Wenn Fernseher und Kühlschränke ausgedient haben, müssen sie entsorgt werden. Das sieht nicht immer schön aus. Und der Müllberg wächst rasant. Doch das müsste in vielen Fällen gar nicht sein.

Jährlich 436.548 Tonnen Elektroschrott verursachen deutsche Haushalte, indem sie defekte Geräte nicht reparieren lassen, sondern entsorgen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der imug Beratungsgesellschaft im Auftrag des Spezialversicherers Wertgarantie.

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Die Studie zeigt: Knapp die Hälfte aller untersuchten Geräte weisen innerhalb der ersten zehn Jahre einen Defekt auf, der zur Funktionsunfähigkeit führt. 78 Prozent der Befragten entscheiden sich in diesem Fall gegen eine Reparatur, auch wenn diese möglich wäre. Bei nicht vorgenommener Reparatur entsorgen anschließend 84 Prozent das funktionsunfähige Gerät – was zu großen Mengen an Elektroschrott führt.

„Der stetig wachsende Berg von Elektroschrott ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt“, sagt Wertgarantie-Vorstand Konrad Lehmann. „Die Studienergebnisse belegen das große Umweltschutz-Potenzial, das in Geräte-Reparaturen steckt.“

Eine zentrale Botschaft der Studie lautet: Je mehr Elektrogeräte repariert werden, desto mehr Elektroschrott kann vermieden werden. Dabei hätte bereits ein kleiner Anstieg der Reparaturhäufigkeit einen großen Einfluss auf die Elektroschrottmenge: Wenn sich die aktuelle Reparaturhäufigkeit (von durchschnittlich 22 Prozent) um ein Viertel auf 27,5 Prozent erhöhen würde, könnten allein in Deutschland schon mehr als 100.000 Tonnen Elektroschrott vermieden werden.

Lediglich zwei Prozent der Deutschen schließen aktuell eine Versicherung für ihre Elektrogeräte ab, die im Schadensfall für eine Reparatur aufkommt. Dabei tragen Geräteversicherungen dazu bei, die Lebensdauer von Geräten zu verlängern und Ressourcen zu schonen.

Ralf Loweg / glp

„Ich bin ein ziemlich schlechter Verlierer“: Ludwigsburg24 trifft VfB-Präsident Claus Vogt

Am 18. Juli findet in der Mercedes-Benz-Arena die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart statt. Seit Dezember 2019 ist Claus Vogt Präsident des 1893 gegründeten Vereins für Bewegungsspiele und will es auch nach der Wahl weiter sein. Im Interview mit Ludwigsburg24 spricht der Unternehmer Vogt, wie er die Mitglieder überzeugen will ihn erneut zu wählen, zu seinem Verhältnis mit Präsidentschafts-Mitbewerber Pierre-Enric Steiger, zum Datenskandal beim Bundesligisten und wie der 51-Jährige den Jahrhundertorkan beim VfB überstanden hat.

Ein Interview von Patricia Leßnerkraus und Ayhan Güneş

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Herr Vogt, vor der letzten Präsidentenwahl sagten Sie: „Ich will kommen, um zu bleiben.“ Was sagen sie am 18. Juli vor der erneuten Wahl?
Passend wäre die Aussage: „Ich will bleiben, um unseren positiv begonnenen Weg weiter voranzutreiben“.

Sie wollen somit also unbedingt gewinnen…
Ich wünsche mir, dass mir die Mitglieder ihr Vertrauen aussprechen und mich wählen. Von daher soll es weder einen Gewinner noch einen Verlierer geben. Die Mitglieder sollen denjenigen wählen, von dem sie sich am besten vertreten und repräsentiert fühlen.

Sie sind seit eineinhalb Jahren im Amt, in der Zeit ist jede Menge passiert. Was haben Sie aus Ihrer Sicht seither gut gemacht, um die Mitglieder von sich zu überzeugen?
Wenn sich jemand in der 2. Liga dem Verein für den Präsidentschaftsposten zur Verfügung stellt, ohne die Garantie des Aufstiegs zu haben, ist das erstmal ein klares Bekenntnis zum VfB. Und wenn er das dann in einer Corona-Pandemie aufrechterhält, plötzlich noch mit einer Datenschutzaffäre, für die er nichts kann, konfrontiert wird und mit beidem umgeht, ohne Planungssicherheit zu haben, dass er bleiben kann, aufzusteigen und sportlichen Erfolg zu haben – dann honorieren das die Mitglieder hoffentlich. Sie können aus meinem Engagement ableiten, dass sie einen verlässlichen, berechenbaren Präsidenten haben, der für ihre Rechte einsteht, sie auch in schweren Zeiten vertritt und nicht einfach alles hinwirft, wenn’s mal richtig schwierig wird. Deshalb möchte ich für alle, die mir damals ihr Vertrauen ausgesprochen und mich gewählt haben, bis zum 18. Juli – und nach Möglichkeit darüber hinaus – mit ganzer Kraft da sein.

Übersetzt heißt das, dass Sie zufrieden sind mit dem Ergebnis, das Sie während Ihrer bisherigen Amtszeit erzielt haben?
Es war die schwierigste Zeit, die der VfB und seine Mitglieder bislang zu überstehen hatte. Ich glaube, es ist uns gelungen, dass wir – trotz der schweren Zeiten und den im Vorfeld durchaus vorhandenen Vertrauensstörungen bei Fans, Mitgliedern, Partnern und Sponsoren zum Verein – relativ viel aufgebaut haben. Die Datenschutzaffäre musste ich als Präsident sehr ernst nehmen und diese Affäre haben wir gegen alle Widerstände sauber aufgearbeitet, haben die gemachten Fehler eingestanden und haben, auch wenn es hart war, die notwendigen Konsequenzen gezogen. Gerade sind wir dabei, gemeinsam mit dem untersuchenden Unternehmen und dem Datenschutzbeauftragten Maßnahmen zu ergreifen, damit so etwas nie wieder passiert. Auch glaube ich bewiesen zu haben, dass ich für die Mitglieder ein Präsident bin, der Angriffe aushält, diese nicht persönlich nimmt und sich somit nicht selbst übers Amt setzt, sondern der sich im Sinne des Vereins eher zurücknimmt und sogar ein paar unsportliche Schläge wegsteckt, der verzeihen kann, der nicht nachtragend ist. Wenn wir es schaffen, dies auf allen Positionen konstant zu halten, tut das dem VfB gut.

Was haben Sie inhaltlich umgesetzt?
Wir haben begonnen die Satzung mit ihren Geburtsfehlern durch eine interne Kommission zu korrigieren, wir haben das Thema „Zukunft Profi-Fußball“ angestoßen, wir haben eine Kommission zum Thema „Fan-Belange“ aufgemacht zur Weiterentwicklung des Fan-Ausschusses und der Stärkung der Fan-Rechte, wir haben eine Frauen-Fußballabteilung gegründet, wir haben die Datenschutzaffäre vernünftig aufgearbeitet. Auch auf der sportlichen Ebene passt es mit Trainer, Kader und allen, die da noch mit dranhängen. Ich finde, wir haben jede Menge gut hinbekommen und das innerhalb der kurzen und schweren Zeit.

Üben Sie rückblickend gelegentlich Kritik an sich nach dem Motto: An der einen oder anderen Stelle hätte ich auch anderes reagieren können oder müssen?
Selbstverständlich tue ich das, sogar recht häufig. Rückblickend könnte man sicherlich auch das eine oder andere anders machen. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Aber in dem Moment macht man es immer nach bestem Wissen und Gewissen.

Gibt es speziell beim VfB etwas, was Sie heute anders machen würden?
Was beim VfB schwer war und was man anders hätte machen können, war die Gremien- und Lobbyarbeit. Die kannte ich bislang aus meinem beruflichen Umfeld so nicht und hätte dafür vielleicht mehr Zeit investieren sollen. Denn im Fußball geht es nicht nur rein um fachlich-sachliche Entscheidungen, sondern auch um sehr viel Emotionen, die da reinspielen. Allerdings wäre eine intensivere Gremien- und Lobbyarbeit unter diesen Corona-Umständen auch nicht möglich gewesen.

Im Vorfeld ist sehr viel passiert, unter anderem gab es ein heftiges Scharmützel zwischen Ihnen und Thomas Hitzlsperger. Wie ist der aktuelle Stand zwischen Ihnen beiden?
Unser Verhältnis ist inzwischen wieder gut und hochprofessionell. Wir arbeiten im Sinne des VfB zusammen und wollen gemeinsam nur das Beste für den Verein. Wahrscheinlich müssen Sie eher Thomas fragen, warum er sich überhaupt bewerben wollte. Für mich ist es nicht erklärbar, außer dass wir in einer schwierigen Lage mit enormem Druck waren, die für uns alle neu war. Er hat sich aber inzwischen entschuldigt und ich habe die Entschuldigung angenommen. Von daher ist die Sache ausgeräumt. Ich bin nicht nachtragend und kann verzeihen. Mir selbst hat man ja auch verziehen, denn ich habe wohl ebenfalls Fehler gemacht. Ich glaube, wir sind beide aus dieser Situation gestärkt hervorgegangen. Wenn man so etwas gemeinsam übersteht, dann schweißt einen das sogar zusammen.

Eigentlich standen Sie in dieser Phase tatsächlich mutterseelenallein gegen einen Jahrhundertorkan, angefangen vom Daimler-Vorstand über den Ex-Aufsichtsrats-Boss vom VfB bis hin zu anderen Leuten, die den Verein inzwischen verlassen haben. Trotzdem stehen Sie immer noch fest auf beiden Beinen, wie kommt das?
Ich stand nie allein da, nie. Es ist gut, dass die Mitglieder, die Fans, die Menschen außerhalb des Vereins, ein ganz feines Gespür haben dafür, wer sie ehrlich und richtig vertritt. Ich habe unglaublich viel Zuspruch erfahren, woran ich gesehen habe, dass ich mich für das Richtige einsetze. Dafür musste ich zwar Schläge einstecken, obwohl ich zuvor nie ausgeteilt habe, aber ich tue das für den VfB und muss mich in diesen Momenten eben selbst als Person zurückstellen. Ich glaube, dies muss jeder gute Präsident tun, denn solche Situationen können immer passieren, das liegt einfach an dieser Branche Profi-Fußball. Das muss man wissen und damit entsprechend umgehen. Für mich war das eine Schnellschulung als Präsident in nur 16 Monaten, die mich gestärkt hat, an der ich gewachsen bin. Ich kenne keinen Präsidenten, der Ähnliches in so einer kurzen Zeit mitgemacht hat.

Für Sie persönlich war das sicherlich eine wichtige Erfahrung. Aber wie sehr schadet so ein Zwist dem Verein?
Grundsätzlich gilt für jeden Verein, für jedes Unternehmen: so öffentlich ausgetragene Diskussionen sind absolut schädlich. Das ist keine vertrauensbildende Maßnahme – weder für die Mitglieder noch für die Mitarbeiter, Fans, Partner oder Sponsoren. So eine Situation muss man vermeiden und die würde bzw. werde ich immer vermeiden. Bislang habe ich das jedoch nicht in der Hand gehabt. Deswegen muss ich damit bestmöglich umgehen, Ruhe bewahren, besonnen und ein seriöser und souveräner Präsident sein.

Waren Sie in der Zeit mal davor, alles hinzuwerfen?
Nein, in diesem Zustand war ich nie. Der Zuspruch der Mitglieder, die mich gewählt haben, der war so groß, dass ich täglich erklären konnte, was ich gemacht habe und warum. Und jeder hat gesagt, dass ich es richtig gemacht habe.

Wie ist Ihre Familie mit dem öffentlichen Gegenwind für Sie umgegangen?
Meine zwei Töchter sind mit ihren 22 Jahren durchaus in der Lage, solche Attacken vernünftig einzuordnen. Selbst mein 15-jähriger Sohn Moritz weiß das alles inzwischen gut einzuschätzen. Wir reden daheim darüber, damit die Familie die Zusammenhänge versteht. Aber sie stehen alle hinter mir und unterstützen mich darin, meinen Weg genauso weiterzugehen. Dieser Rückhalt gibt enorme Kraft, das ist ein schönes Gefühl. Die Menschen in meinem Umfeld, viele Mitglieder und Fans stehen hinter mir, als VfB-Präsident, auch weil sie merken, dass ich mir nichts darauf einbilde und immer noch der Selbe geblieben bin. Ich gehe vernünftig damit um, bin bodenständig und versuche, ein guter Vertreter der Mitglieder zu sein.

Kommen wir zur Wahl zurück. Der Vereinsbeirat hat sich entschieden, mit Pierre-Enric Steiger einen zweiten Kandidaten aufzustellen. Kennen Sie sich?
Wir haben uns erst ein einziges Mal gesehen, weshalb ich mir noch kein Bild von ihm machen konnte.

Bei Ihrer ersten Wahl postete Herr Steiger anschließend auf Facebook, dass er Sie gewählt hätte, wenn es ihm zeitlich gereicht hätte, da Sie der richtige Kandidat waren. Ist das rückblickend nicht ein klassisches Eigentor von ihm?
Als wir uns vor einer gemeinsamen Pressekonferenz kurz trafen, habe ich mich nachträglich für seine Glückwünsche zu meiner Wahl bedankt. Er erzählte mir dann, dass er damals nicht zur Wahl kommen konnte, weil sein Vater an diesem Tag seinen 90. Geburtstag hatte. Dafür darf er mich im Juli gerne wieder wählen, so viel hat sich ja nicht geändert. Spaß beiseite: Er meinte, dass er es schade fand, dass es keinen Gegenkandidaten gegeben hätte, wäre schon im März gewählt worden. Das hat ihn wohl aus einem demokratischen Ansatz heraus zu seiner Kandidatur motiviert.

Ist er der angenehmere Gegner für Sie als Volker Zeh, der sich ebenfalls für eine Kandidatur beworben hatte?
So sehe ich das nicht, zumal ich auch ihn persönlich überhaupt nicht kenne. Ehrlicherweise bedauere ich es ein bisschen, dass er in der Öffentlichkeit so schlecht dargestellt wird. Er hat sich im Dezember als Kandidat zur Verfügung gestellt, zu einem Zeitpunkt, wo der Verbleib in der 1. Liga noch nicht gesichert war, wo niemand wusste, wie es mit Corona weitergeht und wo die Datenaffäre auf ihrem Höhepunkt tobte. Niemand wusste, was noch passiert. Und da steht er trotzdem auf und stellt sich für den Verein zur Verfügung. Das zollt mir wirklich Respekt ab. Und obwohl er abgelehnt wird, rafft er sich ein zweites Mal zu einer Kandidatur auf, das finde ich bemerkenswert.

Wie enttäuscht wären Sie, sollten Sie im Juli nicht wiedergewählt werden?
Ich würde es bedauern, aber Wahlen sind ein demokratischer Prozess, die Mitglieder entscheiden. Natürlich würde ich gerne im Amt bleiben, der VfB würde Kontinuität beweisen und dass wir das fortsetzen, was wir jetzt trotz aller Schwierigkeiten gut begonnen haben.

Sie sind Doppelchef als VfB-Präsident und Unternehmer. Was für ein Typ Chef sind Sie – Autoritätsperson, Kumpeltyp oder eher hochexplosives Pulverfass?
Letzteres auf keinen Fall. Ich kann von mir sagen, dass ich es bislang geschafft habe, noch nie aus der Hose zu springen, weder hier im Unternehmen noch daheim bei der Familie oder beim VfB. Ich bin überall gleich, verstelle mich nicht, bin ehrlich, glaubwürdig und nahbar. Jeder kann mit seinen Problemen zu mir kommen, weil ich sie ernstnehme und versuche, immer zu helfen. Außerdem behandele ich jeden Menschen nach dem Motto: Mein Vertrauen kann man nicht gewinnen, sondern nur verlieren.

Selbst beim VfB sind Sie Doppelchef. Wie schwer ist das?
Zugegebenermaßen ist das nicht immer einfach. Im e.V. bin ich demokratisch gewählter Vertreter der Mitglieder, deren Interessen und Rechte ich wahrnehmen muss. Zeitgleich bin ich Aufsichtsratsvorsitzender einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft einer Aktiengesellschaft. Das heißt, dass ich oftmals bei ein und derselben Frage zwei unterschiedliche Antworten geben könnte. Deshalb muss ich bei allem, was ich tue, meine Entscheidungen stets abwägen und auf jeder Seite dafür um Verständnis werben und bitten.

Was sagen Sie als VfB-Chef, wenn plötzlich Daimler noch mehr Anteile haben will, aber die Fans dagegen sind?
Daimler passt sehr gut zum VfB und wir sollten wirklich sehr froh sein, so ein Unternehmen aus der Region beim VfB zu haben. Diese beiden Marken verbinden sich richtig klasse, auch wenn wir leider sportlich ein wenig hinterherhinken. Sollte Daimler mehr Anteile wünschen, würde das bei mir und sicherlich auch bei vielen anderen Mitgliedern auf Zuspruch stoßen. Da bin ich mir relativ sicher. Ich bin stolz, dass ein solcher Weltkonzern mit uns als Fußballverein zusammenarbeitet. Daimler ist ein guter Partner für den VfB und ein glaubwürdiger für die Region.

Sollten Sie wiedergewählt werden, dann arbeiten Sie wohl künftig mit einem neuen Aufsichtsratsmitglied, da Herr Porth anscheinend nicht mehr mit Ihnen zusammenarbeiten will.
Gehört und gelesen habe ich das auch, ich kann aber nichts dazu sagen. Das ist seine Entscheidung.

Bislang arbeiten Sie beim VfB ehrenamtlich. Finden Sie das okay?
Es ist wohl beschlossen, dass es künftig ein Auto sowie eine Aufwandsentschädigung fürs Präsidium geben soll. Aber mir geht es nicht ums Geld, sonst würde ich mich nicht so engagieren. Allerdings würde ich mir persönlich wünschen, dass nicht nur im Fußball, sondern auch in der Politik, marktübliche Gehälter bezahlt werden, damit man die Besten der Besten für diese Aufgaben bekommt.

Bezahlung ist ein gutes Stichwort: Corona hat viele Vereine in eine finanzielle Schieflage gebracht, weshalb Transfereinnahmen notwendiger sind denn je. Muss der VfB jetzt seine Juwelen verkaufen?
Das ist jetzt der Bereich von Thomas Hitzlsperger und er hat mal gesagt: Niemand ist unverkäuflich. Aber die Frage ist doch, ob der Zeitpunkt für Verkäufe derzeit richtig ist, wenn gar nicht so viel Geld auf dem Transfermarkt vorhanden ist. Es wäre doch schade, einen Spieler unter Wert abgeben zu müssen. Wir haben viele gute Spieler mit einem hohen Entwicklungspotential, die unter normalen Umständen nochmals einen viel höheren Wert haben werden. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass wir es finanziell schaffen, die ganze Mannschaft langfristig zusammenzuhalten, damit wir sportlich erfolgreich sind.

Sie haben Ihr eigenes Unternehmen mit 50 Millionen Umsatz jährlich, reiben sich zeitgleich noch beim VfB auf. Bleibt da eigentlich noch Zeit für die Familie?
Es bleibt für alles zu wenig Zeit, vor allem unter Corona-Bedingungen plus Datenschutz-Affäre. Überall könnte ich mehr machen und ich versuche natürlich, alles so gut wie möglich zu organisieren. Zum Glück stehen meine Frau und die Kinder zu 100 Prozent hinter mir, denn sie wissen, dass ich alles, was ich tue, mit ganzem Herzen mache. Fürs Unternehmen habe ich mir einen Interimsmanager reingeholt, dem ich ständig verlängert habe. Deshalb wünsche ich mir, dass es mit der Wahl im Juli für die nächsten vier Jahre eine Planungssicherheit gibt – für den VfB, für mich als Unternehmer und als Mensch.

Wir sind noch so ein bisschen auf der Suche nach Ihren Ecken und Kanten. Haben Sie denn Schwächen?
Ja klar, Schwächen habe ich auch. Ich bin beispielsweise ein ziemlich schlechter Verlierer und das nicht nur beim Tischkicker. Wenn der VfB verliert, versuche ich mich ruhig zu verhalten und mir nichts anmerken zu lassen. Im Stadion funktioniert es meist noch ganz gut, während der Autofahrt nach Hause geht es meist auch noch, aber daheim bekommt meine Familie meine Enttäuschung sofort mit. Bei einem Sieg schaue ich mir dazu im Fernsehen alles an. Bei einer Niederlage hat dann das Wochenende sportlich quasi nicht stattgefunden. Aber meine Familie kennt das und kann damit umgehen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie würde er lauten?
Rein sportlich gesehen wäre mein Wunsch, dass der VfB sportlich erfolgreich mit schönem Fußball dauerhaft in der 1. Bundesliga bleibt. Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass wir der stolze Mittelpunkt der Region sind. Der Erfolg eines Präsidenten ist ja nicht so messbar wie bei Trainer oder Mannschaft am wöchentlichen Spiel und Tabellenplatz. Ein Präsident hält keinen Ball und schießt kein Tor. Der Präsident muss langfristig strategisch für den Verein da und ein ruhiger, besonnener sowie berechenbarer Mensch sein, der nicht beim ersten Sturm ins Ruderboot springt und abhaut. Deshalb erhoffe ich mir für den VfB, dass wir es schaffen, dass Menschen, Mitglieder, Fans, Stadt, Region, Bundesland stolz auf den VfB auch unabhängig vom sportlichen Erfolg sind. Das wäre mein Ziel und ist mein Ansporn, denn dann hätten wir es geschafft, ein Werteverständnis zu verändern.

Was vermissen Sie derzeit am meisten?
Ich vermisse sehr, die nötige Ruhe beim VfB.

Wir hätten gedacht, dass Sie die Zuschauer im Stadion am meisten vermissen.
Ja, natürlich vermisse ich unsere singenden, anfeuernden und mitfiebernden Superfans im Stadion sehr. Auf den Rängen ist es nämlich zu lange schon zu ruhig. Das Paradoxe daran ist doch, dass der Profi-Fußball ausgerechnet nicht von denen gerettet werden kann, die ihn groß gemacht haben.

Herr Vogt, wir danken Ihnen für das Gespräch!