Stefanie Knecht: „Die Menschen haben die Nase voll – oder: wie denken wir Mobilität neu?“

Ein Gastbeitrag von Stefanie Knecht

Das Automobil – seit Jahrzehnten Garant unseres Wohlstands wird geächtet von einer eindimensionalen Verkehrspolitik in Baden-Württemberg. Dieselfahrverbote, einseitige Förderung und Fokussierung auf Elektromobilität setzen tausende von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie und deren Zuliefererbetriebe aufs Spiel.

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Um den Klimawandel aufzuhalten ist neues, intelligentes Denken in der Mobilität gefragt. Wir alle haben verstanden, dass unsere Straßenräume nicht für alle Verkehrsträger ausreichen. Konkurrenz- und Konfliktsituationen nehmen stetig zu, wir dürfen die einzelnen Verkehrsteilnehmer nicht weiter gegeneinander ausspielen.

Allzu oft werden in der Politik Entscheidungen getroffen, die von hoher Ideologie gegen das Automobil geprägt sind. Wir sollten alle gemeinsam mehr auf Innovationen und weniger auf Verbote, sondern auf attraktive Alternativen und Angebote setzen, die Schritt für Schritt langfristig allen Verkehrsteilnehmern und den Klimazielen gerecht werden.

Die Frage muss daher gestellt werden: ist es der richtige Weg, im ersten Schritt Busspuren – wie z.B. auf der Ludwigsburger Schloßstraße – einzurichten und somit neue und längere Staus heraufzubeschwören? Nutzt das dem Klima, werden dadurch Emissionen reduziert? Oder führt dies letzten Endes nur dazu, dass staugeplagte Autofahrer unsere Stadt meiden und dem innerstädtischen Einzelhandel der Garaus gemacht wird?

Dieses und viele weitere Beispiele zeigen, dass Mobilität nicht mehr eindimensional in einzelnen Verkehrsträgern gedacht werden darf: Mobilität braucht Freiheit. Freiheit im Denken, die verhindert, dass Ideologie zum Maß aller Dinge wird.

Ich bin davon überzeugt, dass es nicht Aufgabe der Politik ist, Entscheidungen der Bürger, wie sie sich fortbewegen, zu diktieren. Aufgabe der Politik ist es ebenfalls nicht, einzelne Verkehrsmittel oder Antriebsformen zu verteufeln. Aufgabe der Politik ist es, die richtigen Rahmenbedingungen für den Erhalt der individuellen Mobilität zu schaffen, die den individuellen Lebensentwürfen, Arbeitszeiten und Vorlieben der Menschen entsprechen. Sowohl aus ökonomischen als auch aus ökologischen Gründen können nur verschiedene Verkehrsträger gemeinsam die Mobilitätsnachfrage einer modernen Gesellschaft befriedigen.

Eine vernetzte und verkehrsträgerübergreifende, also intermodale Mobilität, sollte anstelle ideologischer, einseitiger Verbote das Leitbild sein.  Wir müssen vernünftige Angebote schaffen, die Menschen überzeugen, Verkehr zu vermeiden, wo er vermeidbar ist. Ebenso müssen wir die bestehende Infrastruktur den heutigen Anforderungen anpassen, besonders da, wo seit Jahren nicht mehr investiert wurde.

Ein Beispiel für intermodale Mobilität in Ludwigsburg: Ein neues Parkhaus im Westen der Stadt, nahe der A81 und der hoffentlich bald reaktivierten Bahnlinie nach Markgröningen gelegen, das Menschen animiert, ihr Auto abzustellen und sich mit dem ÖPNV, zu Fuß oder einem Leih-Fahrrad oder -Pedelec weiter fortzubewegen. (s. https://www.fdp-ludwigsburg.de/2020/09/28/stefanie-knecht-fdp-fordert-pr-stadtrandparkhaus-west/).

Diese Idee fand eine breite Unterstützung im Gemeinderat, leider nicht in der Grünen-Fraktion.

Aber gerade die Schaffung solcher neuer Mobilitätsdrehscheiben mit attraktiven Anschlussmöglichkeiten regen zum Umsteigen an und verringern, wie weitere Quartiersgaragen ebenso, innerstädtischen (Parksuch-)Verkehr. So können wir Raum für neue Trassen, z.B. Fahrradwege, schaffen.

Vernunftsorientierte, nachhaltige Verkehrspolitik, unterstützt von digitalen Mobilitäts-Apps und Sharing-Angeboten, nimmt den Menschen mit und regt sie zum Neudenken an.

Es bedarf allerdings auch regionale und -überregionale Maßnahmen, um durchfahrenden Verkehr in Ludwigsburg zu reduzieren, wie z.B. eine Nord-Ost-Umfahrung nach dem Alternativkonzept „Landschaftsmodell Nord-Ost-Ring“ als Tunnelvariante (https://www.landschaftsmodell-nordostring.de), die Pendler landschafts- und umweltschonend an unserer Stadt vorbeiführen.

Zudem hat sich der schienengebundene Verkehr seit 2011, dem Amtsantritt des grünen Verkehrsministers, nicht spürbar verbessert. Viele Verspätungen, hohe Ticketpreise und unzureichende Zusammenarbeit der Verkehrsverbünde steigern nicht die Attraktivität. So sind grüne Kollegen, auch im Stadtrat von Ludwigsburg, gegen eine schnelle Reaktivierung der Markgröninger Linie, die eine hohe Auslastung verspricht. Was den Schienen-Güterverkehr betrifft, stellen wir ebenfalls keinerlei Steigerung fest – die Straße ist auch hier nach wie vor attraktiver. Eins ist klar: wenn man die Verkehrswende möchte, dann muss man an vielen Rädchen drehen, nicht nur Dieselfahrverbote aussprechen und Autofahrer weiter gängeln.

Zudem brauchen wir mehr Mut für Innovationen und müssen Arbeitsplätze, Wohlstand und Klimaschutz zusammen denken!

Die einseitige Fokussierung auf Elektromobilität und Abkehr vom Verbrennungsmotor kostet Tausende von Arbeitsplätzen. Die technologieoffene Weiterentwicklung von Verbrenner, Batterieelektrik und Brennstoffzelle sind Voraussetzung zur Erreichung festgelegter Klimaziele. Elektroautos alleine schaffen das nicht. Ein klares Bekenntnis zum Verbrennungsmotor auf Basis synthetischer Kraftstoffe und Wasserstoff ist das Gebot der Stunde.

„E-Fuels“ sind z.B. synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von Öko-Strom, Wasser und CO2 aus der Atmosphäre hergestellt werden. Sie setzen im Gegensatz zu fossilen Kraftstoffen kein zusätzliches CO2 frei. Dieser klimaneutrale Treibstoff kann in sämtliche Verbrennungsmotoren eingesetzt und über das vorhandene Tankstellennetz vertrieben werden. Somit können mit E-Fuels Verbrennungsmotoren klimaneutral betrieben werden! Ganz sicher ist: ohne CO2-neutrale synthetische Kraftstoffe werden die Pariser Klimaziele nicht erreicht.

Lassen wir die Tüftler aus dem Ländle technologieoffen forschen und neue Produkte entwickeln, die wir in die Welt exportieren. Das erhält Arbeitsplätze und sichert unseren Wohlstand.

Info: 

Stefanie Knecht, FDP Kandidatin der Landtagswahlen 2021 im Wahlkreis 12 Ludwigsburg, Stadträtin und Mitglied im Ausschuss „Mobilität, Umwelt und Technik.

Rekord: 435 Millionen Pakete wurden vor Weihnachten in Deutschland versendet

Corona-Effekt: Die Paketbranche in Deutschland hat 2020 ihre eigenen Erwartungen übertroffen. Im Weihnachtsgeschäft 2020 (November und Dezember) beförderten die Paketdienste in Deutschland ein Rekordvolumen von rund 775 Mio. Kurier-, Express- und Paketsendungen (KEP-Sendungen). Treiber waren dabei vor allem die Paketsendungen an die Endverbraucher: Sie stiegen im Vergleich zum Weihnachtsgeschäft 2019 um 80 Mio. auf 435 Mio. Sendungen (B2C-Paketsendungen, ohne Express und Kurier). Das sind noch einmal rund 15 Mio. mehr Sendungen als im Oktober erwartet, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesverbands Paket & Expresslogistik (Biek).

Das Wachstum bei den Paketsendungen an Endverbraucher war Corona-bedingt verglichen mit dem Vorjahr mehr als 2,5-mal so hoch: 23 Prozent mehr B2C-Paketsendungen als im Weihnachtsgeschäft 2019 wurden befördert. Die Lockdown-Maßnahmen haben das im Oktober erwartete Wachstum von bis zu 20 Prozent nochmals gesteigert. Aber auch bei den Paketsendungen von Privatpersonen an Privatpersonen (C2C-Paketsendungen) konnte ein deutliches Plus verzeichnet werden.

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Von den 775 Mio. KEP-Sendungen waren 440 Mio. B2C-Sendungen (Kurier, Express und Paket) und rund 300 Mio. B2B-Sendungen (Kurier, Express und Paket). An einem typischen Spitzentag wurden rechnerisch insgesamt bis zu 22 Mio. Sendungen von den KEP-Unternehmen befördert. Um die hohen Mengen zu bewältigen, griffen die Unternehmen auf ca. 30.000 zusätzliche Arbeitskräfte zurück.

Der BIEK-Vorsitzende Marten Bosselmann: „Auch – und gerade – in dieser schwierigen Zeit haben die Paketdienstleister unter Beweis gestellt, dass auf sie Verlass ist. Das Weihnachtsgeschäft ist bereits ohne Corona eine herausfordernde Zeit, da im November und Dezember deutlich mehr Sendungen als in den restlichen Monaten verschickt werden.“

red