Supersportwagen mit großer Klappe – so fährt sich der McLaren GT

McLaren GT – so fährt sich der geflügelte Supersportwagen: Sportlich hart, aber trotzdem bequem. Und genug Platz für den Urlaub zu zweit. Mit dem neuen GT möchte McLaren ein alltagstaugliches Rennauto auf den Markt bringen. Der mid machte die Probe aufs Exempel. Noch hat die Hybrid-Welt beim Supersportwagenbauer von der Insel keinen Einzug gehalten. Erst 2021 kommt mit dem Artura der erste seiner Art, bis 2025 will man alle Modelle elektrifiziert haben. Bye, bye Achtzylinder heißt es bei den Engländern dann zumindest beim Artura. Das neue entwickelte Turbo-Triebwerk hat zwei Brennkammern weniger, wird dafür von einem E-Motor unterstützt. Aber bis es soweit ist, können sich die Fans der britischen Sportwagen-Schmiede noch mit dem doppelt aufgeladenen Achtzylinder verlustieren, der im GT 620 PS und 630 Newtonmeter Drehmoment auf die Hinterräder bringt.

Kultiviert, aber durchzugsstark geht der Motor schon bei den unteren Drehzahlen ab und erreicht bereits bei 3.000 U/min 95 Prozent seines maximalen Drehmoments. Der Motor ist eine Macht. Die Straßenlage sowieso. Wenig Gewicht (1.530 Kilo), tiefer Schwerpunkt, optimale Gewichtsverteilung – und Heckantrieb. Sportwagen-Herz was willst Du mehr? Beim Spurt auf die 100er-Marke braucht der McLaren nur 3,2 Sekunden. Das bringen andere Sportwagen auch, aber beim doppelten Tempo zeigt der Engländer erst, was wirklich in ihm steckt. 0 auf 200 km/h in 9,5 Sekunden – ein Traumwert für Freunde der gepflegten Beschleunigung. Dieser Wert ist nicht unbedingt verwunderlich, wenn man auf das Leistungsgewicht schaut. Beim McLaren muss eine einzige Pferdestärke nur 2,47 Kilogramm Auto bewegen. Die Beschleunigung fühlt sich dadurch entspannt und ehrlich an, nicht so verkünstelt wie das bei vergleichsweise schweren Hybridautos durch den Boost des Elektromotors oft der Fall ist.

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Um die Segnungen des Achtzylinders erfahren zu können, muss die eher durchschnittliche Körpergröße des Testers von 1,78 Metern aber erst einmal in den Sportwagen hinein. Das ist nicht ganz einfach, weil der Einstieg doppelt so breit ist wie bei einem normalen Auto, und natürlich auch sehr viel tiefer liegt. Spektakulär ist das Einsteigen auch für die Schaulustigen, die sich auf dem Gehweg versammeln, wenn sich die Flügeltüren nach oben öffnen. Wehe, wenn man jetzt patzt und nicht mit einem einzigen Körperschwung über den breiten Einstieg kommt und sich womöglich auch noch den Kopf am Fahrzeugrahmen anhaut.

Spektakulär sieht es auch aus, wenn man an den Kofferraum will. Der McLaren dürfte mit einer Länge von 1,88 Meter die längste Heckklappe auf dem Markt haben. Beim Öffnen sieht es so aus, als ob man das halbe Auto abdecken wollte. Dafür hat man wirklich ordentlich Platz. Die Briten werben sogar damit, dass der GT ein für diese Klasse konkurrenzlos großes Kofferraumvolumen von 570 Litern bietet. Vorne 120 und unter der Heckklappe sogar 450 Liter. Erstmals kann der McLaren-Kunde somit ein ganzes Golf-Bag unterbringen oder zum Skifahren gehen. Sofern es im Winter überhaupt Sinn macht, mit so einem Sportwagen durch den Schnee zu pflügen.

Bei den Bord-Instrumenten bleibt der Engländer nüchtern und spartanisch. Das kleine Display in der Mitte der Konsole erinnert an ein großes Smartphone, bietet das Nötigste – aber vor allem keinen Schnickschnack. Mit einer Ausnahme: Der Orientierungspfeil auf der Navigationskarte zeigt die aktuell gefahrene Geschwindigkeit. Das ist nicht nur lässig, sondern auch praktisch, weil man mit dem McLaren schnell mal das Tempolimit übertritt, vielleicht gerade dann, wenn man sich auf dem Navi orientiert. Nicht unbedingt optimal ist das Sound-System. Damit ist nicht der standesgemäß sonore und bei Bedarf trompetende Sportwagen-Klang aus den Auspuffrohren gemeint, sondern die HiFi-Anlage. Sie ist bei den Bässen schwach auf der Brust und auch bei der Lautstärke geht ihr die Puste aus. Nicht standesgemäß für ein Auto, das selbst nicht gerade ein Leisetreter ist und allein schon deshalb ein sattes Klangbett vertragen könnte. Und auch bei der Verarbeitung haben die Engländer Probleme. Einmal zu fest angezogen, schon hat man beispielsweise die Plastik-Abdeckung des Handbrems-Schalters in der Hand.

Wie alltagstauglich ist der McLaren GT nun tatsächlich? So gut wie es bei einem straßentauglichen Rennwagen halt geht. Das Kofferraumvolumen ist in der Tat großzügig, hinten passt allerdings von der Höhe her kaum ein Träger Bier hinein, da braucht man dann schon flachere Objekte. Was den Komfort und die Bequemlichkeit angeht, so ist der bollernde Brite sicherlich auch für Langstrecken geeignet. Und wenn man das Ein- und Aussteigen als Teil der Körper-Stretching-Übungen betrachtet, dann ist dieses Auto tatsächlich für den alltäglichen Gebrauch geeignet.

Rudolf Bögel / mid

Technische Daten McLaren GT:

– Länge / Breite / Höhe: 4,68 / 2,10, 1,21 m

– Motor: 4,0 Liter-Benziner

– Hubraum: 3.994 ccm

– max.Leistung: 456 kW/620 PS bei 7.500 U/min

– max.Drehmoment: 630 Nm bei 5.500 – 6.500 U/min

– 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Heckantrieb

– 0-100 km/h: 3,2 Sekunden

– 0-200 km/h: 9,0 Sekunden

– Spitze: 326 km/h

– Normverbrauch Benzin: 11,9 l/100 km

– CO2-Emission: 270 g/km

– Preis: ab 198.000 Euro

Gewerkschaft NGG: 17 Prozent weniger Minijobs im Gastgewerbe im Landkreis Ludwigsburg

Wenn die Pandemie den Job kostet: Im Zuge der Coronakrise ist die Zahl der Minijobs im Landkreis Ludwigsburg um 6 Prozent gesunken. Mitte vergangenen Jahres gab es rund 47.500 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse – ein Jahr zuvor waren es noch 50.400. Besonders stark war der Rückgang im Gastgewerbe. In der Branche gingen binnen eines Jahres 867 Minijobs verloren – ein Minus von 17 Prozent. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich hierbei auf neueste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. „450-Euro-Kräfte zählen zu den Hauptverlierern der Wirtschaftskrise. Sie haben bislang keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, werden häufiger gekündigt und sind sozial kaum abgesichert“, sagt Hartmut Zacher, Geschäftsführer der NGG-Region Stuttgart.

Die Statistik spiegele eine „enorme Unwucht“ auf dem heimischen Arbeitsmarkt wider. Während dank staatlicher Hilfen wie der Kurzarbeit die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen in der Region nahezu konstant geblieben sei, treffe die Pandemie prekär Beschäftigte besonders hart. Nach dem Prinzip „Hire and Fire“ (Heuern und Feuern) lebten sie in ständiger Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. „Betroffen sind gerade Frauen, die eine 450-Euro- Stelle als Kellnerin oder Küchenhilfe oft als einzige Einnahmequelle haben. Auch für viele Studierende, die sich nebenher etwas hinzuverdienen, sind die Folgen des Jobverlustes dramatisch“, betont Zacher.

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Der Gewerkschafter kritisiert die Entlassungen, hat aber angesichts der historischen Krise Verständnis für die Lage der Hotels und Restaurants. „Das Problem ist vielmehr, dass die Politik durch abgabenfreie Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize setzt. Es ist höchste Zeit, diese Stellen sozialversicherungspflichtig zu machen.“ Nur wenn Sozialabgaben, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge gezahlt würden, könnten Beschäftigte wirksam geschützt werden.

Eine Heraufsetzung der Verdienstgrenze bei den Minijobs auf monatlich 600 Euro, wie sie derzeit Teile der Union fordern, gehe dagegen „in die völlig falsche Richtung“, so Zacher. Damit werde eine prekäre Beschäftigungsform weiter ausgebaut, statt sie einzudämmen. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) würden durch eine Heraufsetzung bundesweit rund 470.000 Menschen mit regulären Stellen ungewollt zu Minijobbern. „Die Coronakrise hat den Blick auf viele gesellschaftliche Probleme gelenkt. Dazu gehören die Minijobs. Die Politik muss hier arbeitsmarktpolitisch umsteuern“, fordert Zacher.

Zum Vergleich: Laut Arbeitsagentur nahm die Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen im Landkreis Ludwigsburg zwischen Juni 2019 und Juni 2020 um lediglich 0,5 Prozent ab.

red