Herzschrittmacher ohne Elektroden: Forscher stellen neue Technik vor

Der Ruhepuls eines gesunden Erwachsenen liegt bei etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Schlägt das Herz aufgrund einer Erkrankung zu langsam oder unterbrochen, kann das zu Schwindel, Müdigkeit, Atemnot oder sogar Ohnmacht führen. Ein Herzschrittmacher kann diese Symptome lindern. Die Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bietet als eine der ersten Kliniken in Deutschland die Implantation eines solchen Gerätes ohne Elektroden an.

In Deutschland werden pro Jahr rund 110.000 Herzschrittmacher implantiert. Der Schrittmacher wird normalerweise unterhalb des Schlüsselbeins platziert oder unter den Brustmuskel gesetzt. Von dort aus führen drahtförmige Elektroden über Venen bis ins Herz. Bei Bedarf sendet der Schrittmacher elektrische Impulse an die Elektroden. Mit jedem Impuls zieht sich der Herzmuskel zusammen und das Herz schlägt wieder im richtigen Takt.

Herzschrittmacher dieser Art haben sich bewährt und sind millionenfach erfolgreich im Einsatz. “Dennoch kann es vereinzelt zu Komplikationen kommen. Die Elektroden können beispielsweise kaputtgehen, einwachsen oder auch Infektionen verursachen”, erklärt Professor Dr. David Duncker, Leiter des Hannover Herzrhythmus Centrums an der Klinik für Kardiologie und Angiologie.

Der Kardiologe ist deshalb froh, bestimmten Patienten eine Therapie mit einem alternativen Gerät anbieten zu können. Dabei handelt es sich um den elektrodenlosen Herzschrittmacher AVEIR VR. Er eigne sich besonders für Menschen mit hohem OP-Risiko, Infektanfälligkeit, fehlenden Zugangswegen für normale Schrittmacher oder schweren Herzklappenundichtigkeiten.

Bei dem neuen Modell stecken alle Funktionen in einer kleinen Kapsel – es sieht aus wie eine AAA-Batterie, ist allerdings noch kleiner. “Wegen der geringen Größe kann der Schrittmacher direkt in die rechte Hauptkammer des Herzens implantiert werden”, erläutert Professor Duncker.

Da die Elektroden entfallen, gibt es auch keine dauerhafte Belastung von Venen und Herzklappen. Einen weiteren Vorteil bringt das sogenannte Mapping. Durch Mapping kann der Arzt vor der Implantation die elektrischen Signale im Herzen messen und so die optimale Position für den Herzschrittmacher ermitteln. “Danach wird das Gerät in den Herzmuskel geschraubt. Sollte es anders positioniert oder entfernt werden müssen, kann es geborgen und neu platziert werden”, sagt der Kardiologe. Ein Pluspunkt des Modells ist außerdem seine Lebensdauer. Laut Hersteller Abbott liegt sie bei 17 Jahren. Das sei beeindruckend lang, bestätigt Professor Duncker.

Die Implantation eines Herzschrittmachers dauert bei einem unkomplizierten Eingriff etwa 30 Minuten. Die Patienten müssen danach in der Regel eine Nacht in der Klinik bleiben und können dann nach Hause.

mp/asg

So gefährlich sind Elektroautos für Herzpatienten

Bei Elektroautos ist zunächst immer von Reichweite und Ladestationen die Rede. Was vielleicht die wenigsten wissen: Es gibt auch einen wichtigen medizinischen Aspekt zu beachten. Was ist mit Menschen, die an einer Herzerkrankung leiden und deshalb einen Schrittmacher oder einen Defibrillator (ICD) implantiert haben? Dürfen sich diese Herzpatienten bedenkenlos ans Steuer eines Stromers setzen?

Der Hintergrund für diese Fragen ist aus ärztlicher Sicht eindeutig definiert. Beide genannten Herzimplantate können störanfällig auf starke elektromagnetische Felder reagieren und dadurch ein gefährliches Aussetzen der Pumparbeit des Herzens bewirken, erläutern Spezialisten am Deutschen Herzzentrum München (DHM). Und da Elektroautos ein elektromagnetisches Feld erzeugen, könnten von diesen Fahrzeugen eventuell Störeinflüsse auf Herzschrittmacher und ISD ausgehen, so die allgemeine Annahme.

Aussagekräftige Studien dazu gibt es bislang aber nicht. Aus diesem Grund hat Kardiologe Carsten Lennerz, Oberarzt am DHM, jetzt eine Untersuchung durchgeführt, die klären sollte, ob für Schrittmacher- und Defi-Patienten bedenkliche Störeinflüsse von Elektroautos ausgehen – beim Fahren des Autos und beim Aufladen. Eine Zahl unterstreicht die Bedeutung: Rund 110.000 Herzschrittmacher und ICD werden laut Deutschem Herzbericht pro Jahr in Deutschland neu implantiert.

Zurück zur Studie: Dr. Lennerz und Kollegen haben vier Elektroauto-Modelle mit dem höchsten Marktanteil bei 108 Probanden mit Herzschrittmacher und ICD getestet. Jeder Patient bekam eines der vier Elektroautos zugeteilt und hat es auf einem Rollenprüfstand maximal beschleunigt, bis 120 km/h ausgefahren und das Auto anschließend mit Strom aufgeladen. Gemessen wurde das elektromagnetische Feld im und außerhalb des Autos beim Fahren und Aufladen. Während der Fahrt auf dem Rollenprüfstand wurde bei den Probanden ein Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet, um durch elektromagnetische Felder ausgelöste Störungen zu registrieren.

Und zu welchen Ergebnis sind die Mediziner gekommen? “Unsere Untersuchungen ergaben keinen Hinweis darauf, dass von Elektroautos für Herzpatienten bedenkliche elektromagnetische Interferenzen ausgehen”, sagt Dr. Lennerz. Fehlfunktionen der Herzimplantate aufgrund der Nutzung von Elektroautos seien somit unwahrscheinlich. Eine dauerhafte Entwarnung sei jedoch nicht möglich: “Elektroautos entwickeln sich in Bauweise und Ladetechnik rapide weiter, was zukünftig neue Untersuchungen erforderlich macht.”

Ralf Loweg / mid mid/rlo

Erfolg bei Forschung mit Schweineherzen

Organmangel ist ein gravierendes Thema, die Zahl der Spenderorgane ist auf einem historischen Tiefstand. Und die Aussichten sind weiter schlecht. Deshalb arbeiten Wissenschaftler seit Jahren an der sogenannten Xenotransplantation – also der Übertragung von Schweineherzen auf Menschen. Jetzt ist einem internationalen Team um Forscher des LMU-Klinikums in München ein wichtiger Schritt gelungen.

Erstmals haben sie es geschafft, genetisch veränderte Schweineherzen lebenserhaltend langfristig in Paviane zu verpflanzen: “Das Pavianherz wurde mithin durch ein Schweineorgan ersetzt”, heißt es bei den Experten. Paviane mit transplantierten, genetisch modifizierten Schweineherzen überlebten bis zu sechseinhalb Monate.

Zu diesem Erfolg führte eine neue Behandlungstechnik für das entnommene Organ bis zur Verpflanzung und eine neue Medikamenten-Kombination für die Empfänger, mit der ein Weiterwachsen des Herzens und damit die Sprengung des Pavian-Brustkorbs und die Quetschung von dessen Leber unterdrückt wird. Um heftige Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, wurde außerdem noch das Erbgut des Schweineherzens modifiziert.

Jetzt werden Spenderherzen und das Procedere der Xenotransplantation weiter verbessert – mit einem klaren Zeithorizont: In drei Jahren könnte bereits der erste menschliche Patient mit einem solchen Herzen im Rahmen einer klinischen Studie behandelt werden. mp/rhu

Laufen macht müde Zellen munter

Bewegung ist nicht nur gesund, sondern hält uns auch jung. Kardiologen des Universitätsklinikums Leipzig konnten in einer aktuellen Studie zeigen, dass Ausdauertraining wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen die zelluläre Alterung vermindert.

In der klinisch-experimentellen Studie im Bereich Kardiologie und Sportmedizin wurden die molekularen und zellulären Wirkungen von körperlicher Aktivität untersucht und verglichen. Das Ergebnis sind neue Erkenntnisse zu den Effekten von Ausdauersport und Krafttraining auf die Zellalterung.

“Wir konnten anhand von Blutzellen belegen, dass beide Ausdauertrainingsarten wichtige Regulatoren der Zellalterung, und zwar die Telomeraseaktivität und die Telomerlänge, günstig beeinflussten”, erklärt Prof. Ulrich Laufs, Leiter der Studie und Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. “Bei Krafttraining hingegen war dies nicht der Fall.”

In dieser ersten Studie zu diesem Thema wurden 266 im Schnitt etwa 50 Jahre alte gesunde Probanden ohne vorherige Sporterfahrungen untersucht. Die Studienteilnehmer absolvierten ein genau dosiertes, kontrolliertes und überwachtes Training über sechs Monate, jeweils drei Mal 45 Minuten pro Woche. Vor und nach der Studie erfolgten Belastungstests und Blutentnahmen zur Isolation von Zellen aus dem Blut.

“Unsere Ergebnisse zeigen, dass durch gezieltes Training ein eindeutiger positiver Vorsorge-Effekte erzielt werden kann”, so Laufs. Gerade die kardiovaskuläre Zellalterung könne günstig beeinflusst werden, zudem könnte auf der Basis telomer-abhängiger Parameter die zelluläre Antwort auf ein Training gemessen und gesteuert werden. Laufs: “Unseren Patienten können wir also künftig auf der Basis dieser Ergebnisse mit Blick auf die Herzgesundheit klar raten: Krafttraining kann eine Ergänzung zum Ausdauertraining sein, aber kein Ersatz.” mp/rlo