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Was wird aus den Azubis? Gewerkschaft NGG sorgt sich um „Generation Corona“

Wenn Corona die Karrierepläne durchkreuzt: Vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor gravierenden Folgen der Pandemie für Berufsanfänger im Landkreis Ludwigsburg gewarnt. Bereits im ablaufenden Lehrjahr hätten viele Firmen die betriebliche Ausbildung deutlich zurückgefahren oder ganz eingestellt. Nach Angaben der Arbeitsagentur sank die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze im Landkreis zwischen Oktober und Juli um 11,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, so die NGG in ihrer Mitteilung. „Trotz Krise sollten die Unternehmen alles daran setzen, die Ausbildung aufrecht zu erhalten und dafür die neuen staatlichen Fördermittel nutzen. Wer heute auf Azubis verzichtet, dem fehlen morgen die Fachkräfte“, betont der Geschäftsführer der NGG-Region Stuttgart, Hartmut Zacher.

Besonders dramatisch sei die Lage in Hotels und Gaststätten, aber auch im Lebensmittelhandwerk, so die Gewerkschaft. „Corona könnte den Fachkräftemangel ausgerechnet in Branchen verschärfen, die ohnehin seit Jahren kaum noch Nachwuchs finden“, warnt Zacher. Dabei greife die Politik betroffenen Firmen längst unter die Arme. Nach den Beschlüssen der Großen Koalition bekommen kleinere und mittlere Betriebe, die im Zuge der Coronakrise Umsatzeinbußen von mehr als 60 Prozent verzeichnet haben, einen Zuschuss von 2.000 Euro für jeden nicht gestrichenen Ausbildungsplatz. Wer zusätzliche Azubi-Stellen schafft, erhält pro Platz 3.000 Euro. Außerdem können sich Firmen, die wegen Corona Arbeitsausfälle von mindestens 50 Prozent haben, drei Viertel der Ausbildungsvergütung erstatten lassen.

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„Wer gut durch die Krise gekommen ist, sollte als Unternehmer eine besondere Verantwortung zeigen und Azubis aus insolventen Betrieben übernehmen“, fordert Zacher. Auch dafür hat die Bundesregierung eine Prämie beschlossen. Wer in technischen Berufen, etwa als angehender Mechatroniker, von der Pleite des Arbeitgebers betroffen ist, kann auch von einem Süßwarenhersteller oder einer Großbrauerei zu Ende ausgebildet werden. Wegen der vergleichsweise guten wirtschaftlichen Lage der Lebensmittelindustrie sei die Branche auch in der Region aktuell noch auf der Suche nach Azubis, so die NGG.

„In den kommenden Monaten müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass die Coronakrise nicht zu einer Azubi-Krise wird. Am Ende geht es auch darum, ob Gäste beim Restaurant- oder Hotelbesuch künftig noch den gewohnten Standard erwarten können. Den garantieren langfristig nur gelernte Köche und ausgebildete Hotelfachleute“, so Zacher.

red

Wahlen 2021: Der aktuelle Kandidaten-Überblick für den Landkreis Ludwigsburg

Von Uwe Roth

Samstag war im Landkreis Ludwigsburg großer Nominierungstag. Bis zum 14. März kommenden Jahres sind es knapp ein halbes Jahr. Dann sind in Baden-Württemberg Landtagswahlen. Wie es abzusehen ist, wird es in der nächsten Wahlperiode aus den drei Wahlkreisen einige neue Gesichter geben. Die Nominierung der Grünen ist Stand 19. September 2020 nicht abgeschlossen.

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Übersicht zur Landtagswahl 2021:

Grüne:

Die Grünen sind im Landtag die größte Fraktion. Den Wahlkreis Ludwigsburg hat viele Jahre Dr. Jürgen Walter aus Asperg vertreten. Nun könnte Silke Gericke aus Ludwigsburg seine Nachfolgerin werden. Die 45-Jährige bekam am Samstag in der Mehrzweckhalle Ossweil 65 der 104 abgegebenen Stimmen. Die Kornwestheimerin Edda Bühler, die erst einen Tag zuvor ihre Kandidatur bekanntgegeben hatte, verbuchte für sich immerhin 37 Stimmen. Die 49-Jährige begründete ihre kurzfristige Bewerbung damit, dass sie nach dem überraschenden Rückzug Walters für eine echte Wahl habe sorgen wollen. „Das gehört für mich zum demokratischen Verständnis der Grünen-Partei“, sagte sie. Der amtierende Mandatsträger war nicht anwesend. Noch am Donnerstag hatte Walter in einer Mail schwere Vorwürfe gegen Gericke und den Kreisvorstand erhoben. Sie hätten seine Kandidatur boykottiert, hatte der 63-Jährige darin behauptet (Ludwigsburg24 berichtete). Ersatzkandidat von Gericke wurde Max Girrbach aus Ludwigsburg. Der 24-jährigen ist der Jüngste im Ludwigsburger Gemeinderat und Student der Verwaltungshochschule.

Bei ihrer Nominierungsveranstaltung im Wahlkreis 14 Bietigheim-Bissingen hatten die Grünen-Delegierten am Dienstag zuvor für eine weitere Überraschung gesorgt: Daniel Renkonen ist seit 2011 im Landtag. Der 50-Jährige musste sich mit 47 zu 50 Stimmen seinem Herausforderer Tayfun Tok (34) geschlagen geben. Es steht noch die Nominierungsveranstaltung für den Wahlkreis Vaihingen an der Enz aus. Aufgestellt ist der Mandatsinhaber Dr. Markus Rösler (58). Geplant ist diese für Samstag, 26. September, in der Stadthalle Gerlingen.

 

Christdemokraten:

2016 hat die CDU das Direktmandat für den Wahlkreis Ludwigsburg an die Grünen verloren. Nun soll es Dr. Andrea Wechsler (43) zurückerobern. Neben der Juristin hatten sich Jens Wätjen, Medienexperte aus Korntal-Münchingen und Helge Hajek, Unternehmensberater aus Kornwestheim, beworben. Während die beiden männlichen Kandidaten als „Neulinge“ in der Partei, wie sie sich bezeichneten, auf Themen wie Kommunikation, Jugendliche und „kein weiter so“ gesetzt haben, präsentierte Wechsler als erfahrene CDU-Politikerin einen klaren Plan, wie sie als Abgeordnete den Kreis Ludwigsburg vertreten würde. Auch der Zweitkandidat, der sich zur Wahl stellte, ist in der CDU kein Unbekannter. Der CDU-Vorsitzende aus Remseck und dortige Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Steffen Kirsch wurde mit 94,6 Prozent und 70 von 74 Stimmen gewählt.

Auch die Christdemokraten im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen kürten am Samstag einen weiteren Kandidaten für den Landtag. In der Stichwahl setzte sich der Unternehmer Tobias Vogt, 35, aus Kirchheim gegen die Ministerialrätin Isabel Kling, 44, und den 48-jährigen Juristen Uttam Das durch. Vogt forderte Anreize für Investitionen und Innovationen. Als Spross „einer echten schwäbischen Handwerkerfamilie“ sei ihm der Ausbau von Straßen und Umgehungen wichtig. Dabei attackierte er die Grünen, sie seien grundsätzlich gegen das Auto. Im Wahlkreis 13 (Vaihingen/Enz) hat die CDU bereits im Februar den bisherigen Abgeordnete Konrad Epple aus Ditzingen erneut nominiert.

Sozialdemokraten:

Die SPD wählte am Samstag in Gerlingen ihre Kandidaten für alle drei Wahlkreise im Landkreis: Colin Sauerzapf ist es für Ludwigsburg mit 35 Ja-Stimmen einstimmig geworden. Der 22-jährige Juso-Kreisvorsitzenden und Remsecker Stadtrat will die Nachfolge des früheren Abgeordneten und Fraktionsvorsitzenden Claus Schmiedel antreten, der den Wahlkreis von 1992 bis 2016 ununterbrochen für die SPD im Landtag vertreten hat. Der Kreisvorsitzende Macit Karaahmetoglu sieht gute Chancen dafür, dass Sauerzapf an diese Tradition anknüpfen kann. Zweitkandidatin wurde Stefanie Liepins mit 31 Ja-Stimmen von 36 abgegebenen Stimmen, 4 nein, 1 Enthaltung.

Im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen kommt für die Genossen Daniel Haas zum Zug. Auch er wurde einstimmig gewählt. Zweitkandidatin Ute Rößner wurde mit 30 Ja-Stimmen von 34 abgegebenen Stimmen, 2 nein, 2 Enthaltungen. Für den Wahlkreis Vaihingen/Enz ist Torsten Liebig einstimmig ins Rennen gegangen. Zweitkandidatin wurde Anita Götz mit 46 Ja-Stimmen von 48 abgegebenen Stimmen, 1 nein, 1 Enthaltung. Kreisvorsitzender Karaahmetoglu kommentierte: „Der Kreisvorstand freut sich über die gute Beteiligung an allen drei Versammlungen und darüber, dass die Kandidaten und Kandidatinnen großen Rückenwind erhalten haben. Damit ist der Auftakt des Wahlkampfes sehr gut geglückt.“

 

Bundestagswahl:

Die Kreis-CDU hat ihre Kandidaten für die Bundestagswahl im Herbst nächsten Jahres bereits bestimmt: Steffen Bilger ist es erneut für den Wahlkreis Ludwigsburg. Fabian Gramling möchte für den Wahlkreis Neckar-Zaber Eberhard Gienger nachfolgen, der aus Altersgründen nicht mehr antritt (Ludwigsburg24 berichtete).