Wie Corona unsere Mobilität verändert

Die Corona-Krise verändert auch die Mobilität nachhaltig. Aufgrund der Abstandsregeln meiden viele Menschen in diesen schwierigen Zeiten Bus und Bahn. Auto und Fahrrad sind nach Einschätzung des Verkehrsforschers Robert Follmer vom Institut Infas in Bonn die Gewinner, falls man in so einer Situation überhaupt von Gewinnern sprechen kann.

„Der öffentliche Verkehr hat sich viel zu schnell eingeschränkt und Verbindungen ausgedünnt. Die Folge ist: Viele Leute kommen kaum noch mit Bus und Bahn zu ihrem Arbeitsplatz“, sagt Follmer im Gespräch mit der Zeitschrift „Auto Straßenverkehr“. Beschäftigte im Schichtbetrieb seien so gezwungen, ihren Arbeitsplatz mit dem Auto zu erreichen. „Durch die Ausdünnung der Takte sind die Busse zudem in manchen Fällen so voll, dass sich das Abstandsgebot gar nicht einhalten lässt.“

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Es sei auch falsch gewesen, dass die Verkehrsbetriebe abgelehnt hätten, ihre Fahrzeuge regelmäßig zu desinfizieren. „Das hinterlässt bei den Fahrgästen ein komisches Gefühl, ob berechtigt oder nicht. Also fahren die Leute lieber mit dem Auto“, so Follmer, „, der auch die Studie „Mobilität in Deutschland“ im Auftrag der Bundesregierung durchgeführt hat, eine der größten Mobilitätsstudien weltweit.

Es sei möglich, dass bisherige Bus- und Bahnfahrer auch in Zukunft stärker Auto und Fahrrad nutzen. Viele seien bei dem herrlichen Wetter auf das Fahrrad umgestiegen, viele Bus- und Bahnfahrer auf das Auto. Und das Auto biete dabei einen unschätzbaren Vorteil, wie übrigens auch das Rad, betont Follmer. Denn man könne das Ansteckungsrisiko stark vermindern.

Nach Ansicht des Experten könnte es sogar sein, dass die geringe Wertschätzung der öffentlichen Verkehrsbetriebe für die Fahrgäste dazu führt, dass Bus und Bahn dauerhaft Kunden verlieren werden. Follmer: „Das könnte sich zu einem langfristigen Trend entwickeln.“

Ralf Loweg

Russischer Impfstoff auch für Deutschland

Die Impfkampagne in Deutschland nimmt nach einem Stotterstart immer mehr an Fahrt auf. So sei geplant, dass 30 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V erworben werden. Das sagte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

„Wir wollen dreimal zehn Millionen Dosen – im Juni, Juli und im August – Sputnik V kaufen“, sagte Kretschmer nach einem Gespräch mit dem russischen Gesundheitsminister Michail Muraschko in Moskau. Voraussetzung sei die Zulassung durch die EU-Arzneimittelbehörde EMA.

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Die EMA-Zulassung bilde die nötige Vertrauensbasis. Es wäre ein großer Erfolg, wenn die Zulassung im Mai erfolgen würde, so Kretschmer. Derzeit befinde sich eine EMA-Delegation in Moskau. Man wolle gemeinsam diese Zulassung erreichen, habe der russische Gesundheitsminister versichert. „Der Minister ist guter Dinge, wir auch.“

Kretschmer geht davon aus, dass der russische Impfstoff in Sachsen eine große Zustimmung genießen wird. Sollte die Lieferung klappen, würde das Bundesland nach dem Verteilschlüssel der Bundesländer in den drei Monaten jeweils 500.000 Dosen bekommen. „Wir werden sehen, ob die Zustimmung überall so hoch ist wie in Sachsen und den neuen Ländern für den Impfstoff – vielleicht kriegen wir dann auch mehr“, sagte Kretschmer.

Kretschmer selbst will sich mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lassen. Er wolle ganz bewusst zeigen, dass dieser Impfstoff sicher sei, erklärte er.

Ralf Loweg / glp