Elektro-Boom: Produktion von Elektroautos steigt rasant

Der Boom der Elektromobilität in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt. Insgesamt wurden rund 328.000 Autos mit rein elektrischem Antrieb im Wert von 13,7 Milliarden Euro produziert, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag mit. Das war eine mengenmäßige Steigerung um 85,8 Prozent im Vergleich zu 2020 und um 268,0 Prozent gegenüber 2019. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 wurden hierzulande fast 176.400 E-Autos im Wert von 8,0 Milliarden Euro hergestellt, im Jahr 2019 waren es rund 89.000 E-Autos im Wert von 3,1 Milliarden Euro.

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Trotz der Zuwächse bei den reinen Elektroautos produzierte die deutsche Automobilindustrie auch im Jahr 2021 noch überwiegend Autos mit klassischem Verbrennungsmotor, allerdings ist die Tendenz stark rückläufig. Mit rund 2,2 Millionen Stück im Wert von 73,2 Milliarden Euro waren es 23,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor (2,8 Millionen Stück). Damit ändert sich auch das Verhältnis zwischen Elektroautos und Verbrennern.

Liefen im Jahr 2021 fast sieben Mal mehr Pkw mit ausschließlich Verbrennungsmotor vom Band als solche mit reinem Elektroantrieb, so waren es im Jahr 2020 noch rund 16 Mal mehr Verbrenner als Elektroautos. Im Jahr 2021 wurden rund 300.000 reine Elektro-Pkw im Wert von 12,6 Milliarden Euro exportiert. Das waren fast doppelt so viele (+92,4 Prozent) wie im Vorjahr und mehr als dreimal so viele (+210,7 Prozent) wie im Jahr 2019.

Auch bei den Importen gab es einen Anstieg: Mit 292.000 importierten Elektroautos für 7,5 Milliarden Euro stieg die Menge im Vorjahresvergleich um 75,8 Prozent – gegenüber dem Jahr 2019 sogar um fast das Vierfache (+382,3 Prozent). Im Jahr 2021 wurden unterdessen 1,6 Millionen Pkw mit klassischem Verbrennungsmotor (-22,5 Prozent gegenüber 2020) im Wert von 32,2 Milliarden Euro importiert und 1,7 Millionen Pkw (-27,8 Prozent) im Wert von 59,2 Milliarden Euro exportiert, so die Statistiker. Wichtigster Abnehmer für Elektro-Pkw waren im Jahr 2021 das Vereinigte Königreich (49.400 E-Pkw; +112,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2020), gefolgt von den Vereinigten Staaten (42.500 E-Pkw; +193,9 Prozent) und Norwegen (33.600 E-Pkw; +20,4 Prozent).

Nach Deutschland importiert wurden Elektro-Pkw hauptsächlich aus Frankreich. Von dort kamen 44.000 Elektroautos (+0,5 Prozent), gefolgt von der Slowakei (38.200 Pkw; +143,2 Prozent) und den Vereinigten Staaten (35.500 Pkw; +127,3 Prozent). Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im Jahr 2021 rund 356.000 reine Elektroautos neu zugelassen – ein Plus von 83,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (194.000 Neuzulassungen).

Der Bestand der Elektro-Pkw hat sich im selben Zeitraum verdoppelt: von rund 309.000 Elektroautos am 1. Januar 2021 auf 618.000 Elektroautos am 1. Januar 2022.

red / dts

Bericht: Neuer Kompromissvorschlag der Bundesregierung für Verbrenner-Aus

Die Regierungskoalition hat sich bei der EU-Abstimmung über das Verbrenner-Aus offenbar auf eine neue gemeinsame Position geeinigt. Das berichtet die „Welt“. Demnach würde die Bundesregierung dem Vorschlag der Europäischen Kommission zustimmen, ab 2035 nur noch Autos zuzulassen, die im laufenden Betrieb kein CO2 ausstoßen.

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Das wäre ein De-Facto-Verbot für Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig würden die EU-Mitgliedstaaten aber die Europäische Kommission beauftragen, neue Vorschläge zu machen, wie auch nach 2035 noch Autos und leichte Nutzfahrzeuge zugelassen werden könnten, die mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. Die FDP drängt seit Langem auf solch eine Ausnahme für synthetische Kraftstoffe.

In dem deutschen Vorschlag zu den laufenden Beratungen in Luxemburg heißt es dazu: „Nach Beratungen mit Stakeholdern wird die Kommission einen Vorschlag dazu machen, wie nach 2035 Fahrzeuge zugelassen werden können, die ausschließlich mit CO2-neutralen Kraftstoffen betrieben werden, außerhalb des Geltungsbereichs der Flottengrenzwerte und in Konformität mit den Zielen der Union für die Klimaneutralität.“ Die EU will ab 2050 klimaneutral wirtschaften. Die Bundesregierung hat sich zwar intern geeinigt, ob ihr Vorschlag aber die Zustimmung der anderen EU-Länder finden wird, ist völlig offen.

Würde der Kompromissvorschlag von einer qualifizierten Mehrheit von Mitgliedstaaten akzeptiert, könnten Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke, die an den Beratungen in Luxemburg teilnehmen, für den Kommissionsvorschlag und das De-Facto-Verbot der Verbrenner stimmen – gekoppelt an den Auftrag an die Kommission, Ausnahmen für synthetische Kraftstoffe auszuarbeiten. Synthetische Kraftstoffe oder E-Fuels werden in chemischen Prozessen aus CO2 hergestellt. Sie setzen zwar bei der Verbrennung wieder CO2 frei, aber weil bei der Herstellung CO2 gebunden wird, ist ihre Herstellung klimaneutral.

Sie gelten allerdings als nicht sehr energieeffizient, weil die Herstellung viel Energie benötigt.

red / dts