Was die Pandemie mit Kindern und Jugendlichen gemacht hat: Ein Interview mit Christian Hofberger

Christian Hofberger ist nicht nur Lehrer am Schickhardt-Gymnasium in Stuttgart, sondern auch offizieller Ausbilder vom Württembergischen Fußballverband (WfV) für angehende Trainer im Jugend- und Erwachsenenbereich. Der in Ditzingen lebende 49-Jährige erzählt im Interview mit Ludwigsburg24, wie sehr die Corona-Pandemie die Entwicklung und das Verhalten von Schülern und Fußballern in seinen Augen beeinträchtigte, was er ehrgeizigen Fußballer-Eltern rät und was ein erneuter Lockdown für Kinder und Jugendliche bedeuten würde.

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Ein Interview von Ayhan Güneş

LB24: Wie kommt man dazu, in den Trainerlehrstab des WFV einzutreten?

Christian Hofberger: In diesen Trainerlehrstab wird man berufen. Voraussetzung ist die DFB Trainer A- Lizenz. Nachdem ich meine in der Tasche hatte, rieten mir ein paar ältere, erfahrene Trainer wie Lothar Mattner, Wolfgang Lamitschka oder mein damaliger Ausbilder an der Uni, Dirk Mack, mal eine Weile beim Trainerlehrstab reinzuschnuppern, da junge Leute gesucht wurden. Nach einer halbjährigen Hospitanz bei der ich mich hoffentlich nicht allzu unglücklich angestellt habe und aufgrund meiner schon längeren Trainertätigkeit im Amateurfußball wurde ich dann in den WFV Trainerlehrstab aufgenommen und bin nun um die 20 Jahre dabei.

Was sind Ihre konkreten Aufgaben dort?

Wir treffen uns mehrmals im Jahr, um neue Konzepte auszuarbeiten und zu erörtern, wo wir im „Forschungsbereich“ des Fußballs tätig werden können, welche neuen Entwicklungen sich ergeben haben, was man vom Profifußball auf den Amateurbereich oder den Jugendfußball runterbrechen kann. Dies fließt in unsere Dezentralen Fortbildungen ein, die zur Lizenzverlängerung dienen. Und natürlich kümmern wir uns vor allem um den Ausbildungsbereich. Es geht darum, wie wir möglichst viele Kinder- und engagierte Jugendtrainer erreichen, die Input wollen. Deshalb bin ich sowohl in Ruit, als auch dezentral in Basis-Lehrgängen tätig. Aktuell wird die Ausbildungsstruktur dahingehend verändert, dass es ab 2023 ein „Kindertrainerzertifikat“ geben wird und eine Ausbildung zum „DFB Basiscoach“.

Sie sind quasi Trainerlehrer. Vergleicht man die Zeit vor mit der nach Corona, was hat sich verändert?

Vor Corona hatten wir sehr viele Interessierte an den dezentralen Angeboten, da war ganz eindeutig ein Trend zu erkennen. Man kann nämlich nicht von jedem erwarten, dass er sich für den Erwerb einer C-Lizenz vier Wochen Urlaub nimmt, um den Schein in Ruit zu erwerben. Deshalb wollten wir versuchen vor allem die Basislehrgänge dezentral in den Bezirken und Vereinen anzubieten, damit man möglichst mit zwei Wochenenden schon den ersten Teil abdecken kann. Das kam sehr gut an. Während Corona mussten wir vorwiegend auf online umstellen, was aber nicht jeden Trainer ansprach. Wenn man vielleicht beruflich schon viel mit Videokonferenzen zu tun hat, will man nicht auch noch einen Trainerlehrgang online machen. Aber jetzt nach Corona ist es wieder besser und es boomt total. Wir haben wirklich eine große Nachfrage an Trainerausbildungen, so dass sehr viele Lehrgänge schon voll sind.

Woran liegt das?

Das liegt mit daran, dass viele Trainer ihre Ausbildung vor Corona begonnen haben und sie nun endlich beenden wollen. Aber es scheint auch so, dass viele „neue“ Trainer nach der langen Auszeit plötzlich Lust bekommen haben auf Fußball im Verein, mit Kindern, Fußball im Ehrenamt.

Hat sich bei den Trainertypen irgendetwas in den zwei Jahren der Pandemie verändert?

Eigentlich, von den Typen her, ist es in etwa gleichgeblieben. Es sind hauptsächlich Leute, die selbst mal gekickt haben und die jetzt eigene Kinder haben, die im Verein spielen. Das sind hauptsächlich Väter, die größtenteils in den Vereinen schon verwurzelt sind, werden dann oftmals von den Vereinsverantwortlichen angesprochen, ob sie nicht Lust hätten, eine Jugendmannschaft zu trainieren. Es handelt sich meist um sehr engagierte Leute, die Input suchen und dankbar sind, Wissen über neue Trainingsformen und deren Umsetzung für die jeweiligen Altersklassen zu erlernen. Immer mehr kommen aber auch schon junge, engagierte Mädels und Jungs in die Lehrgänge, die selbst aktiv spielen und oft noch zur Schule gehen oder studieren.

Sie bilden aber auch Trainer für den Erwachsenen-Fußball aus. Wie muss ein guter Trainer zu Kindern, wie zu Erwachsenen sein?

Trainer für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind eigentlich drei ganz unterschiedliche Felder. Im Kinderbereich ist es ganz wichtig, dass die Kinder Spaß haben, dass sie sich bewegen und austoben können. Mit ihnen kann ich viele Dinge machen, um sie zu motivieren, die manchmal auch nur am Rande mit Fußball zu tun haben. Bei Kindern muss ich als Trainer außerdem unbedingt darauf achten, dass jeder sehr oft am Ball ist, jeder mal die Möglichkeit hat, ein Tor zu schießen. Allein deswegen gehen Kinder nämlich zum Fußball. Ich selbst habe damals bis zum Alter von zehn oder elf Jahren meist nur auf der Kickwiese gespielt, konnte von daher schon spielen und bin dann erst in den Verein, um zu trainieren. Heutzutage kommen die Kinder schon mit fünf, sechs Jahren in die Vereine und haben oftmals noch große motorische Defizite. Mit diesen Kindern kann ich natürlich nicht trainieren, sondern muss deren Freude am Spielen aufrechterhalten.

Was ist beim Jugendtraining wichtig?

Mit den Jugendlichen können wir schon ins spezifischere Training einsteigen, können vor allem technische und koordinative Fertigkeiten schulen und den Kids den Teamgedanken beibringen. Wobei wir – und das hat gerade Corona wieder gezeigt -darauf achten müssen, dass in der heutigen Zeit verdammt viel auf die jungen Menschen einprasselt. Zu meiner Zeit ging man in die Schule, machte fix die Hausaufgaben, um dann schnell auf dem Bolzplatz sein zu können. Heute hat man 10.000 Möglichkeiten, dazu kommt zwei-, dreimal Nachmittagsunterricht sowie andere Anforderungen. Darauf müssen wir eingehen und immer genau schauen, wo steht der Jugendliche gerade, was ist im Elternhaus los, wie sieht es jetzt gerade durch Corona in der Schule aus. Da haben wir Jugendtrainer eine ganz besondere Verantwortung, da die Kinder uns ab einem bestimmten Alter als Vorbilder sehen, mehr noch als die Eltern.

Sind die Erwachsenen somit am unkompliziertesten?

Da kommt es immer darauf an in welchem Bereich man trainiert. Aber wenn es da um Leistung geht, dann kann ich diese hier auch einfordern- im Training wie im Spiel. Wobei für mich im Amateurfußball in allen Ligen auch das gemeinsame Miteinander außerhalb des Fußballplatzes eine zentrale Rolle spielt.

Während der zweijährigen Coronazeit konnten die Kinder die meiste Zeit nicht zum Training kommen. Inwiefern hat diese erzwungene Pause die Kinder verändert?

Den Kindern fehlt auf jeden Fall etwas, vor allem denen, die in zwei Lockdowns waren. In der Schule haben wir jetzt viel mehr Verhaltensauffälligkeiten als früher. Wir beobachten ausgeprägtere Konzentrationsprobleme und wir stellen, trotzdem wir eine Eliteschule des Sports und Fußballs sind, eine Gewichtszunahme bei vielen Schülern fest. Außerdem ist ein unglaublicher Drang vorhanden, ständig am Handy zu hängen. Das sind alles Punkte, die aus den vergangenen zwei Jahren resultieren, und die bei den Kindern Spuren hinterlassen haben. Deshalb müssen wir genau schauen, wie wir da gegensteuern können. Wir machen gerade am Ende dieses Schuljahres mit allen Klassen Schullandheime.

Zahlen wir als Gesellschaft für die Lockdowns einen hohen Preis, bzw. waren die Lockdowns gerechtfertigt?

Dazu kann ich mir kein finales Urteil anmaßen. Wer den Preis für diese Zeit gezahlt hat ist allerdings klar: das sind die Kinder und Jugendlichen. Sie sind zurückgetreten aus Verantwortung gegenüber den älteren Generationen, die die Gefährdetsten waren und noch sind. Das sollten wir nicht so schnell wieder vergessen. Allerdings habe ich momentan den Eindruck, als wäre schon wieder alles beim Alten und als würde man von allen das gleiche Leistungsvermögen erwarten wie vor Corona. Aber diejenigen, die jetzt oder im nächsten Jahr Prüfungen machen, waren auch in zwei Lockdowns. Von daher denke ich, dass wir da noch sehr aufpassen und nachsichtig sein müssen. Zwei Jahre sind sehr lange bei sehr jungen Menschen, die gehen nicht so schnell an ihnen vorbei.

Wie fatal wäre es, sollte es aufgrund steigender Inzidenzen zu einem dritten Lockdown kommen?

Für die Schüler wäre es sehr fatal, deshalb sollten wir unbedingt schauen, dass wir die Schulen nach Möglichkeit offenhalten, selbst wenn wir den Preis dafür zahlen, dass sowohl die Schüler als auch die Lehrer konsequent Masken tragen und wir permanent testen müssen. Natürlich schränkt das den Schulalltag extrem ein, aber es ist allemal besser als wieder zu schließen und die Schüler vor den PC zu verbannen, wo wir uns nur online bei mehr oder weniger guten Verbindungen sehen. Schule lebt von Interaktion und von Austausch. Wenn ich meine Schüler direkt vor mir sehe, kann ich ihre Reaktionen auf das Gesagte besser einschätzen als bei 16 Schüler-Kacheln auf dem IPad. Den Schülern geht es nicht anders. Von daher sollten Schulschließungen unbedingt vermieden werden.

Zurück zum Fußball: Speziell im Jugendbereich gibt es häufig extrem ehrgeizige Eltern, die auch nicht selten ihre Kinder nötigen, Höchstleistungen zu erbringen. Sie pushen ihre Kinder, auch wenn diese selbst vielleicht gar nicht den Drang dazu haben. Was raten Sie solchen Eltern?

Fußball nimmt mittlerweile in der Gesellschaft einen Stellenwert ein, der exorbitant hoch und nicht gerechtfertigt ist. Wenn ein Kind sich für Fußball interessiert und auch selbst spielt, dann hat es logischerweise seine berühmten Vorbilder. Das war früher auch schon so. Aber der Preis, den Kinder oftmals dafür zahlen den übertriebenen Vorstellungen ihrer Eltern nachzueifern, ist verdammt hoch. Das kann man mit der Schulkarriere vergleichen: Schickt man ein Kind auf eine Schule, für die es eigentlich nicht geeignet ist, wird es in der Mehrzahl Misserfolge haben. Muss es trotzdem dort bleiben und weitermachen, tut man dem Kind keinen Gefallen damit. Eher das Gegenteil ist der Fall, da es durch die Misserfolge automatisch die Lust und das Selbstvertrauen verliert. Baut man beim Fußball spielen einen zu großen Druck auf und überfordert das Kind, wird es wird kaum Leistung erbringen können. Es wird frustriert, weil es nicht mehr um den Sport und die Freude am Kick mit Kumpels geht, sondern nur noch darum, die Wünsche der Eltern zu erfüllen. Eltern tragen da eine ganz große Verantwortung.

Wie erklären Sie sich das?

Das liegt vielleicht daran, dass die Träume und finanziellen Möglichkeiten im Fußball unendlich sind und man immer von einem herausragenden Beispiel ausgeht. Es wird aber nicht jeder wie ein Bellingham mit 17 Jahren schon ein Weltstar, selbst wenn Talent vorhanden ist. Und wenn, sind die Wege nach oben sehr individuell und daher sehr unterschiedlich und andere Faktoren wie z.B. Verletzungen spielen eine oft nicht kalkulierbare Rolle. Das Wichtigste bei allem ist der permanente Spaß am Fußball und den erhält man durch die nötigen Erfolgserlebnisse. Ebenfalls wichtig ist breite Ausbildung statt einer zu frühen Spezialisierung.

Bis wann sollte ein Spieler den Sprung ins richtige Team geschafft haben? Gibt es aus Ihrer Sicht dafür eine Deadline?

Das ist schwer zu generalisieren, Ich persönlich halte vor dem 13., 14. Lebensjahr nichts vom Scouting und davon, Kinder quer durch Deutschland zu schicken, die dann irgendwo bei Gastfamilien leben. Ich finde es im jungen Alter besser, das Kind in seinem gewohnten Umfeld zu lassen. In Deutschland gibt es mit der U15 die erste Juniorennationalmannschaft, dafür schaut man natürlich nach den größten Talenten. Dann gibt es unterschiedliche Konzepte mit den Nachwuchsleistungszentren, die mit Sicherheit sinnvoll sind. Ich denke aber auch, dass ein regionaler Ansatz einfach mehr Sinn macht. Warum muss ein Spieler von Stuttgart nach Berlin wechseln, wenn er hier im Nachwuchsleistungszentrum unterkommen könnte. Dazu spielen so viele andere Faktoren eine Rolle wie Persönlichkeitsentwicklung, die schulische Entwicklung und wieder mögliche Verletzungen. Den goldenen Weg gibt es nicht, wenngleich es wichtig ist, dass man ab einem bestimmten Zeitpunkt gefordert und gefördert wird und im Training mit gleich starken Mannschaftskollegen spielt, man einen Trainer hat, der einen besser macht und man vor allem auch besser werden will. All das sind entscheidende Punkte. Und das alles spricht dann für die rund 200 bis 300 Toptalente in Deutschland, die es in die Bundesliga- Nachwuchsleistungszentren schaffen; und auch von denen schaffen es dann die wenigsten in die Bundesliga. Die große Masse des Fußballs sind aber Zehntausende. Nicht aus jedem kann ein Profi werden. Wer in seinem Heimatverein am Ende der Juniorenzeit in der zweiten Mannschaft kickt und dazu noch Betreuer macht, ist für seinen Verein genauso wichtig wie der Spieler, der in der 1. Mannschaft 18 Tore schießt. Fußball ist der beliebteste Sport in Deutschland und hat den größten Verband, in dem sich die meisten Menschen meist ehrenamtlich engagieren. Alle sollten sich dort zu Hause fühlen, wo sie einen Beitrag leisten können.

Sie haben die Trainer-A-Lizenz. Was bedeutet das in der Praxis?

Die Trainer-A-Lizenz gilt für den gesamten Amateurbereich. International gesehen ist es die UEFA-Pro-Licence, die höchste Lizenz in vielen europäischen Ländern. Bei uns berechtigt sie zu allem außerhalb des Profi-Fußballs. Als ich sie absolviert habe, war sie noch aufgesplittet in die beiden Teile Elite-Jugendlizenz und Erwachsenentraining, heute gehört alles zusammen. Ich habe damals meinen Schein für beide Bereiche gemacht. Von der Kreisliga A bis zur jetzigen Regionalliga habe ich alle Ligen mindestens ein Jahr trainiert. In der Amateurliga bin ich also gut durchgekommen, für den Profibereich bräuchte man jedoch den Fußball-Lehrer-Schein, dessen Erwerb für mich nicht mehr in Frage kommt.

Haben Sie nicht den Traum, einmal die Profis zu trainieren?

Natürlich hatte ich früher den Traum vom Profitrainer, doch die Zeit dafür ist (wahrscheinlich) vorbei. Die Bayern brauchen eh nicht bei mir anrufen, da ich 1860 Fan bin. Aber jeder andere Bundesligaverein dürfte sich gerne bei mir melden, wenn sie mich bräuchten. Doch das wird leider nicht passieren, weil wir jedes Jahr neue, gute DFB-Lehrer kriegen, die diese Posten besetzen. Ich habe damals entschieden, mich hauptsächlich auf den schulischen Bereich zu konzentrieren. Ich bin in erster Linie passionierter Lehrer, obwohl der Fußball als „schönste Nebensache der Welt“ in vielen Formen natürlich eine gewichtige Rolle in meinem Leben spielt. Glücklicherweise bin ich jetzt an einer Eliteschule des Fußballs, an der ich auch Sport als Hauptfach unterrichten darf.

Wie wurde Ihre Fußball-Leidenschaft ursprünglich geweckt? Liegt sie in der Familie?

Ja, mein Vater hat auch gekickt in der Kreisliga in Kochel am See und in Bichl in Oberbayern… da ging es ums Kicken und um das Bierchen danach – super! Ich habe heute noch genau vor Augen, als ich zum ersten Mal nach unserem Umzug ins „Ländle“ im Neckarstadion war beim Spiel VfB gegen den 1. FC Nürnberg, Anfang der Achtziger. Das war faszinierend. Und in meiner Freizeit war ich in jeder freien Minute mit den Kumpels auf dem Kickplatz. So ist alles entstanden. Im Verein habe ich in Hirschlanden in der E2 angefangen und spätestens ab da war Fußball fester Bestandteil meines Lebens. Meine Mutter und mein Vater haben mich in allem unterstützt und sich engagiert, manchmal natürlich zähneknirschend, wenn mal wieder ein Hallenturnier war und sie zehn Stunden dort verbringen mussten.

Sie leben in Ditzingen und haben sich im Landkreis Ludwigsburg sehr engagiert.

Als Trainer habe ich angefangen beim TSV Flacht im Jahre 1998, die sind damals abgestiegen in die Kreisliga A. Zu dieser Zeit habe ich noch bei Dirk Mack an der Uni Stuttgart Sport studiert und er ermunterte mich, nicht nur als Spieler, sondern gleichzeitig auch als Trainer in der Praxis erste Erfahrungen zu sammeln. Dann habe ich dort angefangen und wir sind sofort wieder in die Bezirksliga aufgestiegen und wurden in der nächsten Saison mit nur einem Punkt Rückstand Zweiter hinter 07 Ludwigsburg II. Damals gab es leider noch keine Relegation, deshalb war kein direkter Durchmarsch in die Landesliga möglich. Danach bin ich zum TSV Eltingen in die Landesliga gewechselt, dort hatte ich schon in der Jugend gespielt. Leider habe ich mir dort in der Vorbereitung direkt die Achillessehne gerissen, was ein großer Einschnitt in meine aktive Spielertrainerkarriere mit 28 Jahren war. Ich kam dann zwar auf den Platz zurück, aber war nie wieder so gut wie vor der Verletzung.

Für wen haben Sie danach noch gespielt?

Vier Spieltage vor Saisonende 2002 kam ich als „Feuerwehrmann“ nach Rutesheim in die Bezirksliga. Wir haben mit der Mannschaft den Abstieg damals abgewendet. Danach sind wir in die Landesliga aufgestiegen. Nach drei Jahren in Rutesheim bin ich für ein Jahr zum VFL Kirchheim, damals Oberliga und vierthöchste Spielklasse. Das schon interessant, wenn man dann Freitagabend gegen Waldhof Mannheim vor dreieinhalbtausend Zuschauern im Carl- Benz Stadion gespielt hat. Da war schon richtig was los. Nach einem weiteren Jahr in Gechingen bin ich erneut drei Jahre zurück nach Rutesheim. Danach war ich in der U21 der Sonnenhof Großaspach tätig. Die letzten Stationen waren im engeren Raum Ludwigsburg. Bei 07 war ich nur ein halbes Jahr, es war sehr chaotisch. Mein letztes Team war für eineinhalb Jahre bis kurz vor Corona der TV Pflugfelden.

Wer ist für Sie persönlich der beste Spieler?

Durch meine DFB-Referententätigkeit im Rahmen der „Fußballhelden- Bildungsreisen“ bin ich häufiger in Barcelona. Messi mal live zu sehen, war schon eine Offenbarung. Allein schon das Aufwärmen von Messi und Iniesta war sehenswert. Die haben sich volley die Bälle vom Sechzehner bis zur Mittellinie zugespielt, haben sich nebenher unterhalten. Der eine hat den Ball mit der Brust gestoppt, hat ihn volley zurückgespielt, dann hat der andere mit der Brust gestoppt und ebenfalls wieder volley zurückgespielt. Das ging über viele Minuten so, ohne dass der Ball einmal auf den Boden gefallen wäre. Die Selbstverständlichkeit hat mich total beeindruckt. Einmal durfte ich bei einem „Classico“ dabei sein, dem Abschiedsspiel von Iniesta. Da hat Real mit Cristiano Ronaldo, Benzema, Ramos und Co. auf der anderen Seite gestanden, das war schon großer Sport. Seit Messi in Paris ist, hat er für mich jedoch massiv an Sympathie verloren. Momentan finde ich Kevin De Bruyne wahnsinnig gut, er hat unheimlichen Einfluss auf das Spiel von Man City. Aber ich wüsste derzeit keinen Spieler, der alle anderen so in den Schatten stellt, wie das Messi die letzten zehn Jahre getan hat.

Herr Hofberger, wir danken Ihnen für das Gespräch!

„Am Tag kommen allein hier in die Saarstraße rund 160 Menschen“- Ulrike Bötcher im Interview

Vor wenigen Monaten übernahm die 52-jährige Ulrike Bötcher die Geschäftsführung der Ludwigstafel e.V. in der Ludwigsburger Saarstraße. Als sie sich auf die freiwerdende Stelle bewarb, ahnte die Mutter eines 20-jährigen Sohnes und einer 14-jährigen Tochter allerdings noch nicht das Ausmaß der neuen Herausforderungen, die auf sie und die Tafel zukommen würden. Im Interview mit Ludwigsburg24 spricht die studierte Sozialpädagogin offen über ihre zu kurze Einarbeitungszeit, über die wachsende Zahl der Bedürftigen, die Suche nach neuen ehrenamtlichen Mitarbeitenden und die Dankbarkeit ihrer Kunden.

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Ein Interview von Patricia Leßnerkraus und Ayhan Güneş

LB24: Frau Bötcher, seit vier Monaten sind Sie als Geschäftsführerin verantwortlich für die Ludwigstafel. Sind Sie im neuen Job schon richtig angekommen?

UB: (lacht) Das wäre schön, aber die Arbeit hier ist ein sehr weites Feld mit immer neuen Aufgaben. Ich lerne noch immer jeden Tag dazu.

Haben Sie sich auf die Stelle beworben oder wurden Sie abgeordnet?

Ja, ich habe mich auf die Stelle beworben. Nach 12 Jahren auf der Karlshöhe, wo ich mich mit Maßnahmen für Hartz 4-Empfängern beschäftigt und dabei regelmäßig die Tafel vorgestellt habe, wollte ich mal etwas Anderes machen. Ich kannte die Herausforderung, die mit dem Job verbunden ist, wusste zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts vom Ukraine-Krieg.

Bereuen Sie Ihre Entscheidung?

Es gibt immer mal richtig harte Tage, an denen ich abends fix und fertig bin, doch ich bereue den Wechsel deshalb nicht. Im Gegenteil, ich habe großen Ehrgeiz, hier alles richtig gut hinzukriegen und werde auch unterstützt, wo es geht.

Haben Sie schon eine Vorstellung, was und wie Sie hier etwas verändern wollen?

Jetzt habe ich mir mal ein Jahr Zeit gegeben, um zu hundert Prozent in allen Aufgaben mit allen Terminen und Veranstaltungen drin zu sein. Natürlich habe ich meine eigenen Vorstellungen, ob und was ich verändern oder neu einführen kann. Doch diese Gedanken stehen erstmal hinten an, bis ich in sämtlichen Bereichen einen wirklichen Überblick habe.

Was macht Ihre tägliche Arbeit aus, welche Hürden müssen Sie überwinden?

Momentan versuche ich vor allem, den Betrieb am Laufen zu halten. Das Problem liegt darin begründet, dass meine Einarbeitungszeit nur drei Monate betrug. In dieser kurzen Zeit bekommt man nur das Nötigste mit. Das gesamte Aufgabengebiet erfasst man allerdings erst Schritt für Schritt durch die tägliche Praxis.

Wie muss man sich Ihr Tätigkeitsfeld konkret vorstellen?

Morgens überfliege ich zuerst alle Mails, meist mache ich das noch von daheim aus. Heute habe ich noch vor der Arbeit Geburtstagssträuße für zwei Mitarbeiter besorgt und Karten für neue Ausweise abgeholt. Hier angekommen, höre ich zuerst den Anrufbeantworter ab, um zu prüfen, ob sich jemand krankgemeldet hat und ich Ersatz besorgen muss. Jeden Tag werden mit zwei, manchmal auch mit drei Autos zwei Touren gefahren, um die Lebensmittelspenden abzuholen. Diese Touren müssen logistisch und auch personell geplant werden. Wenn die Ware hier ist, muss sie sortiert werden, jedes Stück Obst oder Gemüse wird nochmals genau kontrolliert, bevor es neu verpackt in den Laden kommt. Viele Dinge sind jeden Tag gleich, und trotzdem ist jeder Tag anders, da immer wieder neue Herausforderungen dazukommen.

Neben der Saarstraße gehören außerdem die Außenstellen Kornwestheim, Eglosheim und Grünbühl zu Ihrem Aufgabengebiet.

Ja, weshalb die personelle und logistische Koordination durchaus eine Herausforderung ist. Wir sind zudem noch Regio-Tafel und erhalten Spenden vom Landesverband, die zu einer Firma in Schwieberdingen gebracht und vorbereitet werden, da wir mittwochs immer Austauschtag haben. Das bedeutet, dass dann die Tafeln von Bietigheim, Vaihingen, Marbach, Ditzingen, Waiblingen, Backnang und Heilbronn nach einem bestimmten Verteilerschlüssel die Ware erhalten. Zudem haben wir noch ein Lager in Renningen, an das die ganze Tiefkühlware geliefert wird.  Ich muss daher immer im Auge behalten, wann ich wieder neue Ware abrufen muss, um die Tiefkühltruhen aller Tafeln wieder auffüllen zu können.

Aus welchem räumlichen Umkreis erhalten Sie Ihre Spenden?

Die eine Tour geht bis Stuttgart-Münster und Aldingen, die andere bis Möglingen. Wir haben bestimmte Einkaufscenter, die zu unseren Spendern gehören, und täglich angefahren werden.

Reicht das, was täglich an Spenden reinkommt?

Ja, im Moment reichen die Spenden gut aus, auch wenn es bei den Milchprodukten und bei Fleisch- und Wurstwaren gerne mehr sein dürfte. Selbst in den Monaten vor den Ferien, als wir aufgrund der Ukraine-Flüchtlinge einen größeren Ansturm hatten, waren sie ausreichend. Allerdings sanktionieren wir die Waren auch, damit möglichst jeder etwas bekommt. Und im Zweifelsfall sagen wir halt mal: So, heute gibt es eben nur drei verschiedene Gemüsesorten, oder wir legen fest, dass es an diesem Tag entweder nur Wurst oder nur Käse gibt, aber nicht beides. Das entscheiden wir jeden Tag neu, da wir jeden Tag unterschiedlich Ware bekommen. Wir müssen das so handhaben, da bei uns die Menschen selbst einkaufen und nicht wie bei anderen Tafeln fertig gepackte Tüten ausgehändigt bekommen. Das hat damit zu tun, dass wir unseren Kunden die Würde lassen wollen, die Ware selbst auszusuchen und um zu verhindern, dass jemand etwas bekommt, was er gar nicht will und es dann vielleicht sogar einfach daheim entsorgt. Ich lege großen Wert darauf, dass wir in unserer Tafel die Kunden so behandeln, wie wir auch selbst behandelt werden wollen. Das ist mir ausgesprochen wichtig.

Die Sanktionen werden tatsächlich von jedem akzeptiert?

Nein, die Sanktionen stoßen nicht bei jedem auf Verständnis, aber es ist nun mal, wie es ist. Schließlich sind wir auch kein normaler Supermarkt wie REWE, Kaufland, Lidl oder Aldi, die ständig neue Ware nachlegen. Das können wir nicht. Wir haben zwar ein kleines Lager, in dem wir Festprodukte mit längerem Haltbarkeitsdatum aufbewahren, die wir im Zweifelsfall nachschieben, aber wir dürfen auf keinen Fall Ware dazukaufen, um das Angebot für alle aufrecht zu erhalten. Wenn ich gefragt werde, was wir an Spenden noch brauchen können, nenne ich sehr oft Konservendosen mit Fisch oder Wurst, die ich dann zum Ausgleich rauslegen kann, wenn es woanders fehlt.

Welche Produkte laufen bei Ihnen am besten?

Am besten laufen Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis oder Olivenöl. Und Toilettenpapier, das wir aber meist nur als Sonderaktionen anbieten können. Wir haben aber durchaus Firmen, die anfragen, was wir gerade benötigen und kaufen das dann für uns ein. Auf Wunsch bekommen sie natürlich eine Spendenquittung über den ausgegebenen Betrag.

Bekommen Sie gelegentlich Geld-Spenden und wie setzen Sie diese ein?

Wenn wir Geldspenden bekommen, dürfen wir diese nur für interne Zwecke verwenden, also für Betriebs- oder Personalkosten, für Sprit oder die Autos.

In unserer Gesellschaft herrschen derzeit sehr viel Frust und leider auch Aggression. Spüren Sie das auch?

Es gibt manchmal Tage, an denen wir hier diese Grundstimmung durchaus merken. Dennoch muss ich sagen, dass es bislang noch sehr ausgeglichen ist. Worüber es gelegentlich Frust gibt, sind einerseits die langen Warteschlangen und andererseits die Ukrainer, die teils mit dem SUV hier zum Einkauf vorfahren und an der Kasse mit gut gefülltem Geldbeutel locker bezahlen. Das ist für jemand, der hier ewig ansteht und nicht weiß, wie er den Monat über die Runden kommt, wirklich frustrierend. Da wird dann schon mal Unmut laut. Aber da das politisch vorgegeben ist, müssen wir immer wieder geduldig erklären, dass die ukrainischen Flüchtlinge ein Recht darauf haben, bei der Tafel einzukaufen.

Wie viele Kunden haben Sie jeden Tag und fürchten Sie, dass es noch mehr werden könnten?

Am Tag kommen allein hier in die Saarstraße rund 160 Menschen. Sobald aber die Strom- und Gasrechnungen raus sind, rechnen wir nochmals mit einem Anstieg der Einkäufer, da viele dann mit ihrem Geld nicht mehr auskommen werden. Dazu kommt der Aufruf vom ukrainischen Präsidenten an seine Landsleute, das Land sicherheitshalber zu verlassen. Folgen sie ihm, werden auch wir hier das sicherlich zu spüren bekommen. Derzeit besteht unsere Kundschaft bereits zu etwas mehr als 50 Prozent aus ukrainischen Flüchtlingen. Bei der anderen Hälfte sind noch die ausländischen Mitbürger in der Überzahl, aber das wird sich ab Herbst/Winter wahrscheinlich angleichen, denn ich gehe davon aus, dass mehr Rentner und Alleinerziehende zu uns kommen werden.

Wie kommt man denn an die Berechtigung für den Einkauf bei der Tafel?

Sie müssen sich an die Caritas, die Diakonie, die Karlshöhe oder das Rote Kreuz wenden. Dort müssen Sie Ihren Mietvertrag sowie Ihre Einkommensnachweise vorlegen, damit Ihre Berechtigung errechnet werden kann. Steht Ihnen der Berechtigungsschein zu, dann gilt er für Rentner zwei Jahre, für alle anderen jeweils ein Jahr. Nach Ablauf muss die Berechtigung erneut nachgewiesen werden. Im Normalfall kann man mit diesem Schein täglich in allen Tafeln des Landkreises nach Bedarf einkaufen, allerdings haben wir das aufgrund des gestiegenen Andrangs etwas eingeschränkt.

Wie schaffen Sie es, dass gerade die ausländischen Mitbürger Ihre wechselnden Auflagen beim täglichen Einkauf verstehen, ohne dass es eskaliert?

Wir haben für die ukrainischen Mitbürger Studenten, die die russische Sprache sprechen und für uns bei jedem Antrag genau übersetzen, was die Tafel ist und welche Regeln gelten. Wir haben auch noch einen russisch sprechenden Kunden, der uns immer wieder unterstützt, wenn es doch mal zu Irritationen und Diskussionen kommt. Wenn alle Stricke reißen, bemühen wir den Google-Übersetzer in der Hoffnung, dass er richtig übersetzt. Bislang funktioniert alles ganz gut. Die Ware ist im guten Zustand und ausreichend. Wenn ich ehrlich bin, haben wir sogar von den Presseaufrufen zur Unterstützung der ukrainischen Flüchtlinge profitiert, so dass wir einen größeren Zulauf an Spenden verzeichnen konnten.

Dürfen Sie und Ihre Mitarbeiter eigentlich in der Tafel einkaufen oder abends die restlichen Waren mitnehmen?

Nein, wir dürfen nichts von der Tafel für uns nehmen, denn wir haben alle keinen Berechtigungsschein. Auch Waren, die abends übrig sind, geraten nicht in die Hände von uns Mitarbeitern. Alle verderblichen Reste wie Gemüse gehen entweder zum Foodsharing, zur Heilsarmee oder zur Suppenküche. Gelegentlich nimmt uns die Karlshöhe ebenfalls Produkte wie Wurst, Fleisch oder Käse ab, deren Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum erreicht ist und deshalb von uns nicht mehr verkauft werden dürfen.

Wer legt Ihre Verkaufspreise fest?

Die Preise legen wir selbst fest und orientieren uns dabei am regulären Warenwert, den wir in der Regel durch 4 teilen. Ist der Preis für unsere Kundschaft trotzdem noch zu hoch, passen wir ihn nach unten an und sprechen uns mit unseren anderen Tafeln ab, damit die Preise einheitlich sind.

Überall steigen die Preise. Wird die Tafel ebenfalls teurer?

Sicherlich werden wir unsere Preise langfristig anpassen müssen. Aber es wird nicht so extrem wie im klassischen Supermarkt oder Discounter. Wir reden bei der Tafel von Erhöhungen im fünf bis zehn Cent-Bereich.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen, was bereitet Ihnen da die größte Sorge?

Am meisten treibt mich die Unterstützung durch die 120-140 Ehrenamtlichen um, falls die Zahl der zum Einkauf Berechtigten weiter steigt. Die Altersstruktur der ehrenamtlichen Mitarbeiter ist recht hoch, weshalb wir dringend jüngeren Nachwuchs brauchen. Auch haben wir durch Corona viele Ehrenamtliche verloren, deren Wegfall wir dringend wieder ausgleichen müssen. Diejenigen, die noch da sind, versuchen wir durch kleine Feste, Blumensträuße zum Geburtstag oder mal durch eine Runde Eis für zwischendurch zu motivieren und zu halten. Bei unserem letzten Sommerfest haben alle zudem einen 20-Euro-Gutschein vom Stadtmarketing LUIS bekommen.

Haben Sie schon eine Idee, wie Sie neue Ehrenamtliche für die Tafel gewinnen können?

Über das Ehrenamtsportal der Stadt und über die Kirche habe ich Anzeigen geschaltet. Zum Glück bekommen wir doch immer wieder Anfragen von Menschen, die sich bei uns engagieren wollen. Voraussetzung dafür ist die hausinterne Hygieneschulung im Rahmen des Vorstellungsgesprächs sowie die Impfung gegen Corona. Danach folgt ein dreimaliges Mitarbeiten in der Gemüseküche. Haben die Bewerber*innen anschließend immer noch Lust auf Mitarbeit, planen wir sie anhand des jeweils persönlichen Zeitbudgets sehr gerne in unserem Team ein. Das Erstellen der Einsatzpläne für Fahrer und Ehrenamtliche ist ein wöchentliches Last-Minute- Puzzlespiel, das immer sehr schnell durch beispielsweise Krankheit oder anderweitige Verhinderung über den Haufen geworfen werden kann. Dann puzzle ich wieder neu und springe im Zweifelsfall selbst ein, falls kein Ersatz gefunden wird.

Inwiefern erfahren Sie selbst Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Immer wieder mal kommen Bedürftige auf mich zu und danken mir persönlich für meinen Einsatz. Die Menschen loben meine Arbeit und bitten mich, am Ball zu bleiben und sagen mir, dass ich gebraucht werde. Das finde ich sehr schön, denn das tut einfach gut.

Was macht es mit Ihnen persönlich, wenn Sie täglich das Leid der Menschen mitbekommen?

Hin und wieder nehme ich ein paar meiner mir besonders nahegehenden Eindrücke mit nach Hause, aber im Großen und Ganzen kann ich nach der Arbeit ganz gut abschalten. Mit meinem Mann, der ebenfalls aus einem sozialen Beruf kommt, kann ich mich gut austauschen, wenn ich Redebedarf habe. Außerdem habe ich während der letzten zwölf Jahre gelernt, Job und Emotionen strikt zu trennen, denn das gehört zur Professionalität. Ich sehe es so: Wir sind ein soziales Land, das im Gegensatz zu allen anderen Ländern, ein solch hilfreiches Angebot wie die Tafel hat. Das ist doch positiv, auch wenn mir trotzdem gelegentlich das eine oder andere Schicksal weh tut.

Was nehmen Sie für sich an Positivem aus Ihrer Arbeit mit?

Das Schöne an meinem Job ist die Arbeit mit Menschen und dass ich eine kleine Unterstützung leisten kann, damit es ihnen etwas bessergeht. Schön ist auch, dass ich zu der ein oder anderen Person persönlichen Kontakt habe, und dass wir in der Tafel nachhaltig arbeiten und so Lebensmittel retten und dazu beitragen können, dass weniger weggeworfen wird. Mir gefällt auch das gute Team aus Festangestellten und Ehrenamtlichen und dass es sich lohnt gemeinsam dafür zu kämpfen, die Tafel weiterhin am Leben zu erhalten.

Was steht bei Ihnen jetzt als nächstes an?

Mit der Familie in den Urlaub gehen, und die Akkus wieder aufladen. Ein bisschen Meer genießen, ein bisschen Kultur, ein wenig Wandern, in Ruhe lesen und ausgiebig entspannen. Das Handy bleibt aus und die Gedanken werden auf keinen Fall um den Job kreisen.

Frau Bötcher, wir danken Ihnen für das Gespräch!