Lieferverkehr in der Fußgängerzone nervt Passanten – Fahrer ignorieren Zeiten für Be- und Entladen

Von Uwe Roth

Corona hat in der Fußgängerzone Spuren hinterlassen. Fahrzeugspuren. Als die Läden wegen des Lockdowns geschlossen und in der Innenstadt über Monate nur sehr wenige Passanten unterwegs waren, eroberten sich Autos die für sie eigentlich gesperrte Zone. Zwischen 11 und 19 Uhr ist kein Lieferverkehr erlaubt. So steht es auf den Schildern an den Enden der Seestraße und der Kirchstraße. Auch der bekannte Ludwigsburger barocke Marktplatz ist mit Ausnahme der Wochenmärkte während der Ladenöffnungszeiten Pkw- und Lkw-Sperrgebiet. Fußgängerzonen sind etabliert und für Fußgänger in der Innenstadt der einzige Rückzugsort vom Lärm des Verkehrs.

Mancher Einzelhändler und Anrainer ließ seinen Wagen während des Lockdowns einfachhalber in der Fußgängerzone stehen. Es störte keinen. Die Gefahr, einen Strafzettel vom städtischen Ordnungsdienst wegen Falschparkens über 30 Euro zu erhalten, schien im Sommer gering. Tag für Tag stand manches Fahrzeug unbehelligt an der gleichen Stelle. Lieferando-Autos parkten über den gesamten Tag ungeniert vor einem Imbiss. Nun ist der Lockdown seit einigen Wochen vorbei, die Ladengeschäfte sind wieder geöffnet. Die Ludwigsburger haben das Flanieren durch ihre Fußgängerzonen wiederentdeckt – und sie ärgern sich gewaltig.

Der Lieferverkehr wird außerhalb der erlaubten Zeiten immer dreister. Zulässig sind Lieferungen der Dienste direkt vor die Laden- und Haustüren zwischen 9 und 11 sowie zwischen 19 und 22 Uhr. Doch seit Onlinehändler damit werben, dass zwischen Bestellung und Auslieferung nur noch wenige Stunden vergehen, scheinen die althergebrachten Zeiten für Be- und Entladen nicht mehr zu gelten. Geliefert wird so lange von morgens bis abends, bis es nichts mehr zu liefern gibt. Auch in die Fußgängerzonen. Die meisten Kurierfahrer sind selbständig und kennen keine Arbeitszeiten.

Ein Lieferwagen, der sich im Schneckentempo zur Mittagszeit durch Menschenmengen schlängelt und in einem leeren Abschnitt aufs Gas drückt, ist inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. Steigt der Fahrer aus, um ein Paket aus dem Laderaum zu holen und anschließend zum Kunden zu bringen, lässt er schon mal den Motor an und lässt diesen mehrere Minuten lang im Leerlauf tuckern. Die Kuriere sind immer in Eile. Die Zeit, den Motor nach einer Auslieferung wieder anzulassen, scheint zu wertvoll. Auch wenn es nur wenige Sekunden wären. Da kümmert es nicht, dass die Onlinehändler und ihre Transportunternehmen damit werben, die Pakete möglichst emissionsarm zu den Kunden zu bringen.

Kürzlich parkten hinter der evangelischen Stadtkirche gleich zwei graue Transporter mit dem markentypischen Smiley-Aufdruck. Die Fahrer reagieren, ohne zu zögern, aggressiv auf den Hinweis, dass sie um diese Uhrzeit mit ihren Fahrzeugen nicht hier sein dürften. Die Kuriere behaupteten, sie wüssten nicht, dass es diese Zeitregelung gebe. Und abgesehen davon, sie hätten den Auftrag, die Pakete bis zu einer bestimmten Uhrzeit auszuliefern. Davon könne sie niemand abhalten. Vor dem Imbiss am südlichen Ende der Fußgängerzone stehen zur gleichen Zeit insgesamt vier Lieferando-Autos. Einige private Pkw-Fahrer, die keine Anwohner sind, fühlen sich verführt, die Fußgängerzone als Abkürzung zu missbrauchen.

Im Rathaus bestätigt man den Trend: „Ja, wir beobachten ebenfalls die von Ihnen beschriebene Entwicklung und reagieren mit entsprechenden Kontrollen darauf“, teilt eine Sprecherin des Oberbürgermeisters mit. Um den Missbrauch der Fußgängerzone einzugrenzen, werde „mehrfach am Tag kontrolliert“. Wer von den Ordnungskräften erwischt werde, zahle für das verbotene Befahren 20 und für das Parken 30 Euro.

Foto: LB24

Erst recht verärgert ist man beim Innenstadtverein Luis, der in der Stadt die Interessen der Einzelhändler vertritt. Schließlich machten den Onlinehändlern deren Geschäfte schon schwer genug. Nun minderten deren Lieferfahrzeuge die Aufenthaltsqualität vor den Läden der Vereinsmitglieder. Luis-Geschäftsführer Markus Fischer sagt: „Es gibt in den Fußgängerzonen klare Regeln für einen Lieferverkehr. Ab 11 Uhr ist dieser nur noch mit Ausnahmegenehmigungen zulässig.“ Das Ordnungsamt kontrolliert aus seiner Sicht diese Bereiche regelmäßig und greife auch durch, falls es sich nicht um einen Anwohner oder ein Fahrzeug mit einer solchen Genehmigung handele. „Grundsätzlich sagt es ja schon der Name: bei einer Fußgängerzone handelt es sich um einen Bereich für die Fußgänger, Autos haben da nur in absolut begründeten Ausnahmefällen etwas zu suchen.“, so Fischer.

Weiterentwicklung des Ludwigsburger Klinikareals: Gemeinderat gibt grünes Licht

Gestern befasste sich der Gemeinderat der Stadt Ludwigsburg mit der Rahmenplanung des Ludwigsburger Klinikums, nachdem diese bereits am 14. Oktober im Bauausschuss bestätigt wurde. Die Rahmenplanung, die von der Stadt Ludwigsburg gemeinsam mit den RKH Kliniken erarbeitet wurde, sieht eine langfristige, stufenweise Weiterentwicklung und Neustrukturierung des gesamten Klinikareals vor. Die wesentlichen Kernpunkte sind eine Überplanung im Bereich der Harteneckstraße und die Erweiterung und Optimierung der Parkierung.

Für laufende und geplante Stationssanierungen sollen der durch viele Patientenkontakte geprägte bestehende Ambulanzbetrieb und ergänzende Beratungsdienstleistungen aus den Klinikgebäuden in die angrenzende Harteneckstraße verlagert werden. Im Gegenzug soll die sanierungsbedürftige Berufsfachschule für Pflege auf den Gesundheits- und Ausbildungscampus Marbach im Bannmüller verlagert werden. Diese Verlagerung eröffnet auch gleichzeitig die Möglichkeit, sowohl anteilig in den Gebäuden der Harteneckstraße als auch auf dem Areal in Marbach dringend benötigten Wohnraum für Pflegeschüler und Beschäftigte zu schaffen. „Im Schulterschluss haben die Stadt Marbach, die RKH Kliniken und der Landkreis vergangene Woche die Weichen für die weitere Planung und damit auch für eine Verlagerung der Pflegefachschule nach Marbach gegeben. Das ebnet der Stadt Ludwigsburg und den RKH Kliniken nun den Weg für eine sinnvolle Weiterentwicklung des Klinikareals in Ludwigsburg“, so Landrat und RKH-Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Allgaier, der sich mit dem Beschluss des Ludwigsburger Gemeinderats sehr zufrieden zeigte.

Ein zweiter Kernpunkt der Gesamtplanung ist die dringend notwendige Erweiterung und Optimierung der Parkierung am RKH Klinikum Ludwigsburg im Rahmen eines ganzheitlichen Mobilitätskonzepts. Vor dem Hintergrund des stetig gewachsenen Verkehrsaufkommens und trotz Ausbaus des Personennahverkehrs wurde auf Basis eines Verkehrsgutachtens eine Erweiterung des Parkhauses mit neuer Wegeführung beschlossen. In diesem Gesamtkonzept soll auch die Entlastung der Erlachhofstraße angegangen werden.

Im Rahmen der Gesamtplanung des Klinikareals sind zudem die langfristige Verortung des Hubschrauberlandeplatzes und die mögliche Erschließung neuer Flächen im Bereich des Wirtschaftshofs der Klinik vorgesehen. „Wir haben mit den RKH Kliniken ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept für das große Klinikareal zwischen dem Blühenden Barock und der Harteneckstraße entwickelt und beschlossen. In diesem Konzept sind städteplanerische Ansätze enthalten, die sich auch durch Radwegeführung und Begrünung auszeichnen. Die Klinik und alle dort angebotenen Dienstleistungen sind für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des gesamten Landkreises ein wichtiger Standortfaktor“, so Dr. Matthias Knecht, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg.

red