Im Wahlkreis Ludwigsburg muss Steffen Bilger (CDU) um sein Direktmandat kämpfen

Von Uwe Roth

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Der Landkreis Ludwigsburg teilt sich für die Bundestagswahl am 26. September in zwei Wahlkreise (WK): Der eine trägt die Nummer 265 und umfasst im Wesentlichen die Große Kreisstadt Ludwigsburg sowie die Kommunen im südlichen Landkreis. Der Wahlkreis 266 wird namentlich getragen von den Flüssen Neckar und Zaber. Beide Wahlkreise zusammen sind nicht deckungsgleich mit dem Landkreis. Zum WK Ludwigsburg gehört ein Stück Landkreis Böblingen. Der WK Neckar-Zaber ragt in den Landkreis Heilbronn hinein. In den beiden Wahlkreisen kandidieren insgesamt 18 Männer und 2 Frauen. Die Kandidierenden-Liste ist absolut Männer lastig und keinesfalls repräsentativ für die Bevölkerung im Landkreis.

Die Wählerinnen und Wähler haben jeweils zwei Stimmen: Mit der ersten wählt man den favorisierten Kandidaten aus dem Wahlkreis. Die Zweitstimme gibt man einer Partei. Der Kandidat, der die meisten Stimmen in seinem Wahlkreis eingesammelt hat, zieht direkt in den Bundestag. Die Verlierer der Erstimmen-Wahl können immer noch hoffen, über die Landesliste ihrer Partei ein Mandat zu erhalten. Je mehr Zweitstimmen eine Partei von den Wählern erhält, umso mehr Bewerbern kann sie von der Liste den Weg in den Bundestag ebnen. Bei den großen Parteien ist ein oberer Listenplatz schon die halbe Miete.

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Im ersten Teil stellt Ludwigsburg24 die aussichtsreichsten Kandidaten und die eine Kandidatin des Wahlkreises Ludwigsburg und zwar mit einem ausführlich standardisierten Fragebogen vor. Die einzige weibliche Bewerberin ist die Grüne-Landesvorsitzende Dr. Sandra Detzer. Die 41-Jährige aus Heidelberg kann sich mit einem Listenplatz 5 große Hoffnung auf ein Bundestagsmandat machen, sollte sie das Direktmandat nicht bekommen. Ihre Partei ist in Baden-Württemberg unangefochten die Nummer eins und hat auch im Landkreis Ludwigsburg eine starke Basis. Die große Popularität ihrer Partei könnte die eigene fehlende Bekanntheit im Wahlkreis ausgleichen.

Seit die CDU unter ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet schwächelt, könnte es passieren, dass Detzer dem CDU-Wahlreiskandidaten Steffen Bilger das Direktmandat streitig macht. Ein Durchlauf wird es für ihn im Vergleich zur Vergangenheit jedenfalls nicht mehr geben. Seit 2009 zog der jetzt 42-jährige Ludwigsburger problemlos mit den Erststimmen in das deutsche Parlament. Die Hälfte seines Lebens ist der Jurist Abgeordneter. Seine Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur seit 2018 gab ihm während der Legislaturperiode regelmäßig Gelegenheit, als solcher in seinem Wahlkreis in Erscheinung zu treten. Und auch aus dem TV kennt man ihn.

Seit 45 Jahren hat die CDU das Erstmandat im Wahlkreis Ludwigsburg in ihrer Hand. Sollte Bilger es nicht bekommen, ist er über den Platz 4 auf der Landesliste recht gut abgesichert. Auf Platz 1 haben die Christdemokraten im Übrigen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gesetzt, der es mit seinen 78 Jahren noch einmal wissen will. Es ist fraglich, ob Bilger in der nächsten Bundesregierung erneut ein herausragendes Amt bekommen wird. Sollte die CDU in der Regierung bleiben, wäre sie eventuell Juniorpartnerin der SPD. Diese würde sicherlich das wichtige Verkehrsministerium übernehmen wollen und damit den Parlamentarischen Staatssekretär stellen. Werden die aktuellen Umfragewerte am Wahlsonntag Wirklichkeit, wäre die CDU mit hoher Wahrscheinlichkeit weg vom Kabinettstisch. Bilger wäre dann einfacher Abgeordneter einer Oppositionsfraktion.

Vom Aufwind seiner Partei profitiert ziemlich sicher der SPD-Wahlkreiskandidat Macit Karaahmetoglu. Der 53-jährige Rechtsanwalt und Kreisvorsitzende aus Ditzingen bemüht sich erneut um ein Bundestagsmandat. 2017 kam er auf knapp 18 Prozent (Bilger 38). Sein aktueller Platz 14 auf der Landesliste ist weder besonders gut noch schlecht. Aber nach den aktuellen Umfragewerten ist es inzwischen ein sehr aussichtsreicher Listenplatz. Kämpfen kann Karaahmetoglu: Mit elf Jahren kam er nach Deutschland und betreibt eine Anwaltskanzlei.

Mit seinem Platz 30 auf der FDP-Landesliste kann der Ludwigsburger Oliver Martin nicht glücklich sein. Zwar hat seine Partei in den vergangenen Monaten wieder Land gewinnen können, doch auf einem der letzten Listenplätze gibt es für den Unternehmer und Maschinenbauingenieur keine Hoffnung, in den Bundestags einzuziehen. Die FDP liegt in den Meinungsumfragen derzeit stabil über zehn Prozent. Der Politneuling will trotzdem nichts unversucht lassen und rechnet sich Chancen aus. Neben Stefen Bilger (CDU) ist Martin Hess von der AfD der zweite Kandidat im Wahlkreis Ludwigsburg, der in der abgelaufenen Legislaturperiode ein Mandat innehatte. Der 50-Jährige aus Bietigheim-Bissingen war stellvertretender innenpolitischer Sprecher. Sein Platz auf der Landesliste ist die Nummer sieben von elf. Ob ihm der Wiedereinzug gelingt, wird das Wahlergebnis zeigen. Der Umfragewert für die AfD liegt aktuell bei rund elf Prozent.

Der Ludwigsburger Andreas Frisch tritt für DIE LINKE an. Der 40-jährige Fachinformatiker macht das ohne Netz und doppelten Boden. Auf der Landesliste mit insgesamt sechs Namen ist laut Bundeswahlleiter sein Name nicht zu finden. Trotz eines ständigen Aufs und Abs dürfte die Partei über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Die Freien Wähler Baden-Württemberg sind wiederum mit einer langen Landesliste angetreten. Martin Pfaff aus dem Wahlkreis belegt den Landeslistenplatz 10. Bei der Bundestagswahl 2017 hatten die Freien Wähler einen Zweitstimmenanteil von einem Prozent. Das heißt, sie werden es auch diesmal sehr schwer haben über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen.

Weitere Kandidaten aus dem Wahlkreis Ludwigsburg sind: Die PARTEI, Annunziata, Emanuele Ferdinando Michael, Student. ÖDP Dornhausen, Michael Peter, Ingenieur. „dieBasis“, Johne, Johannes Stephan Michael, Dipl.-Ingenieur Kfz-Technik. Volt, Dr. Hollnagel, Jördis Personalreferentin. David Gibanica Gibanica, David Joaquim Rastko Student. „Nicht Ich. Wir.“, Novotny, Jakob, Student.

Inspiriert vom Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat Ludwigsburg24 die aussichtsreichsten Bewerber’innen gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, der früher ein beliebtes Gesellschaftsspiel war und den der Schriftsteller Marcel Proust in seinem Leben gleich zweimal ausfüllte. Mit unserem Fragebogen wollen wir den Leser*innen die Menschen, die zukünftig in Berlin repräsentieren möchten, persönlich vorstellen:

Hier geht es zu den Antworten:

Steffen Bilger

Dr. Sandra Detzer 

Oliver Martin 

Macit Karaahmetoglu

Martin Hess

Martin Pfaff

Andreas Frisch

 

 

 

Einkommen verlieren Rennen gegen Mietpreise

Die Entwicklung der Arbeitseinkommen kann mit den Preissteigerung von Wohnungsmieten nicht mehr Schritt halten. Das gilt vor allem für die Situation in Großstädten. Dort ist die Miete für Familien zu einer hohen finanziellen Belastung geworden.

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Eine Analyse von immowelt zur Mietbelastung einer 4-köpfigen Familie bei Neuvermietung verdeutlicht das: In mehr als jeder zweiten deutschen Großstadt müssen Arbeitnehmer mit anerkanntem Berufsabschluss für eine familientaugliche Wohnung mindestens ein Viertel des Haushaltsnettoeinkommens für die Miete ausgeben.

In 46 von 79 untersuchten Städten müssen der Analyse zufolge Familien, bei denen beide Eltern einen anerkannten Berufsabschluss haben, mehr als ein Viertel des Nettoeinkommens für die Neuanmietung einer Wohnung ausgeben. In 16 Städten liegt der Anteil sogar bei 30 Prozent und mehr.

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Haben beide Elternteile hingegen keinen Berufsabschluss, ist das Großstadtleben nur sehr schwer zu finanzieren. Dann liegt die monatliche Belastung in 72 Städten über 25 Prozent und in 52 Städten über 30 Prozent. Die Folge: Viele Menschen mit niedrigen Einkommen müssen aus den Städten wegziehen oder sind auf Wohngeld angewiesen.

Am schwierigsten haben es Familien in Städten, in denen die Schere zwischen Mieten und Einkommen immer weiter aufgegangen ist. In München beläuft sich die mittlere Angebotsmiete für eine 80 bis 120 Quadratmeter große Wohnung auf 1.750 Euro plus Nebenkosten. In Berlin sind die Mieten in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass die Hauptstadt inzwischen auf Platz 3 im Preisranking liegt. Familientaugliche Mietwohnungen kosten aktuell im Median 1.360 Euro.

Im Gehaltsranking liegt Berlin deutschlandweit allerdings nach wie vor am unteren Ende. Da die Mieten viel stärker als die Einkommen gestiegen sind, ist die Schere immer weiter aufgegangen. Die Folge: Eine Familie mit einem Voll- und einem Halbverdiener jeweils ohne Berufsabschluss muss die Hälfte des Einkommens aufwenden, mit einem anerkannten Berufsabschluss sind es 42 Prozent und mit Hochschulabschluss 31 Prozent.

Bezahlbaren Wohnraum finden Familien hingegen im Ruhrgebiet. Mit Berufsabschluss beträgt die Mietbelastung in Duisburg und Herne unter 20 Prozent. Selbst für Elternteile ohne Berufsabschluss sind die Mieten in den Großstädten des Ruhrgebiets noch so günstig, dass die Wohnkostenquote die 25-Prozent-Marke nicht übersteigt.

Lars Wallerang / glp