„Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung“: Ein Gastbeitrag von Martin Pfaff

Gastbeitrag von Martin Pfaff:

Ich wurde in einem Umfeld groß, in welchem man seine Meinung sagen und vertreten durfte. Das hat auch zu Spannungen geführt, jedoch wurde um die Fakten gerungen und nicht um die Klassifizierung der Person, welche eine andere Meinung vertritt.

Was möchte ich damit ausdrücken? Mit großer Sorge beobachte ich die Entwicklung der letzten Jahre, dass Menschen zu kritischen Themen schweigen! Sie haben Angst mit einem Label versehen zu werden, das mit dem Thema zwar nichts zu tun hat, aber die Person diskreditiert und ausgrenzt. Angst vor freier Meinungsäußerung darf es in unserer Demokratie aber nicht geben.

Leider haben sowohl Politiker verschiedenster Parteien als auch viele Medien vergessen, dass eine andere Meinung, gedeckt durch unser Grundgesetz, zulässig ist. Stattdessen wird derjenige durch Standardlabels (rechts-/linksradikal, ausländerfeindlich, unsozial, Querdenker, Verschwörungstheoretiker etc.) lautstark mundtot gemacht.

Eine ältere Dame sagte mir kürzlich, sie hätte Angst davor, ob wir weitere Flüchtlinge so integrieren können, dass es nicht zu weiteren Parallelgesellschaften kommt. Sie traue sich aber nicht das laut zu sagen, da sie dann sofort als „fremdenfeindlicher N…“ abgestempelt werden würde.

Oder aktuell immer wieder zu hören, dass Menschen einfach Angst davor haben sich impfen zu lassen, jedoch die Diskussion dazu scheuen, weil Sie dann sofort in die Schublade der „unsozialen Impfverweigerer und Verschwörungstheoretiker“ gesteckt werden.

Ich rede hier nicht von den „Spinnern“, die extreme, teilweise weltfremde Positionen vertreten. Dabei bitte aber daran denken, die hatten wir schon immer in allen Lagern, rechts, links und auch in der Mitte.

Man muss sich mit diesen Meinungen in einem konstruktiven Dialog auseinandersetzen. Jedoch wird dies lieber durch pauschale Stigmatisierung ersetzt. Der Dialog wird willentlich unterdrückt, da er scheinbar anstrengend und unangenehm ist. Man versucht damit seine eigene Meinung als alleingültige Wahrheit zu etablieren. Es wird nicht mehr differenziert zwischen unverbesserlichen „Spinnern“ und den Menschen, welche man mit einem offenen Dialog mitnehmen könnte.

Dadurch wird aber das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung massiv eingeschränkt.

Die Ansprache an die Bürger, welche aktuell von bestimmten Politikern verwendet wird, kennt nur noch das Extreme in der Bezeichnung von Menschen, die anders denken. Das wird leider mit denselben Worten in den Medien weitergereicht. Dadurch entsteht das Bild, dass alle die nicht auf der Linie der vorgegebenen Meinung liegen, unrecht haben.

Leider mit einer fatalen Folgewirkung! Das Verhalten findet sich mittlerweile in allen gesellschaftlichen Bereichen wieder. Ein Beispiel: Arbeitskollegen „prügeln“ verbal auf den anderen ein, weil er sich noch nicht hat impfen lassen. Das Warum ist völlig egal, er wird dem Sprachgebrauch der Politik und Medien folgend beschimpft und ausgegrenzt. Seine Argumente und Gründe werden beiseite gewischt mit einem der allgegenwärtigen Totschlagargumente. Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen.

Die Pandemie hat uns allen sehr, sehr viel abverlangt. Lassen Sie uns aber trotzdem nicht vergessen, wir sind eine freie Gesellschaft, welche auf bestimmten Werten und Rechten aufbaut. Daher gehen sie mit jedem respektvoll um und suchen das Gespräch. Verpassen Sie ihrem Gegenüber nicht pauschal einen Stempel, nur weil sie vielleicht keinen Konsens finden.

Druck und Zwang ohne offenen Diskurs führen zu Gegendruck und Widerstand, zu einer Spaltung unserer Gesellschaft! Und letzten Endes bleibt dann das Risiko, dass die, die sich unterdrückt fühlen, irgendwann tatsächlich radikal werden. Dann hat man sie „endlich“ in der Ecke, in welche man sie von Anfang an gestellt hat. Ist das wirklich das Ziel?

Als Schlusswort: Es geht hier nicht um Impfen ja oder nein, es geht nicht darum, wie viele Asylanten können wir integrieren etc. etc.

Es geht nur darum, wie wir mit komplexen Sachverhalten umgehen, wie wir miteinander umgehen und GEMEINSAM einen Weg finden ohne dabei unbequeme, weil anderslautende Meinungen, zu unterdrücken.

Ihr Martin Pfaff

„Wie viel unter meinen Hut passt?“ Ein Gastbeitrag von Ender Engin

„Herr Engin, wie machen sie das?“

..fragt mich letztens jemand.

„Wie mache ich was?“, frage ich.

„Na alles, wie kriegen Sie all das unter einen Hut?“, bohrt er nach.

Ich schmunzle und frage mich, ob „Superkraft“ als Antwort durchgehen würde. Eher nein. Aber mit der Wahrheit wäre er womöglich auch nicht zufrieden. So lache ich die Frage beiseite und zucke mit den Schultern. „Melde mich, sobald ich es weiß“, sage ich und gehe.

Mein Kopfkino läuft aber weiter

Er hat Recht, wie mache ich das?
Die Frage ist berechtigt. Als Stadtrat, Kreisrat, Chef, Model, Leistungssportler und Familienvater (Ok. Das mit Leistungssport stimmt nicht ganz), sind 24 Stunden schon sehr schnell aufgebraucht.

Dann gibt es eben noch die Nacht, aber auch Feiertage, Familienfeste, die nur halbherzig gefeiert werden können, Geburtstage (auch eigene) die auf der Strecke bleiben. Hobbys, die es nicht geben kann, Urlaub (der letzte vor 3 Jahren) und besonders erwähnenswert noch die Freizeit, die man so hat.

Diese lässt sich in genau zwei Streckenabschnitten darlegen:
1. Die Autofahrt zwischen Büro und zu Hause (2km) und
2. Die Autofahrt zwischen Rathaus / Kreishaus und zu Hause (1km – 5km).

Warum erzähle ich das?

Na ganz einfach: „Schreib das, was dir auf dem Herzen liegt“, wurde ich von der Redaktion gebeten. Und mir liegt es auf dem Herzen, der örtlichen Bürgerschaft aufzuzeigen: Wir sind greifbare Menschen, die ihr Leben genauso hart bestreiten müssen wie alle anderen es auch tun. Denn genau wie mich gibt es noch viele andere Menschen, die Familie, Beruf und kommunales Ehrenamt zu vereinen versuchen. Menschen die jeden Tag für die anderen, für die Familie, aber auch für sich selbst kämpfen. Daher, ein Splitter aus meinem Alltag. Ein kleiner Einblick, in meine große Welt.

(Allein der Text bis hierhin hat mich 4 Stunden gekostet, weil mich mein kleiner Sohn schon 6x in die Spielecke gerufen hat.)

Zurück zur Kernfrage:

Wie mache ich das?

(Nebenher frage ich meine Frau, ob ich unseren Tagesablauf öffentlich machen darf.)

Die Frage verwirrt mich. Solche Fragen stellt man doch heutzutage nicht. Heutzutage erwartet man! Man fordert. Leistungsgesellschaft! Man setzt voraus, dass etwas so ist, wie es eben ist. Der Kunde bezahlt dich für deine Leistung. Der Wähler gibt dir seine Stimme, damit du etwas erschaffst. Die Natur setzt voraus. Die Familie braucht dich. Alles Erwartungen und Aufgaben, die erfüllt werden müssen. Du musst da sein, du musst liefern, du musst funktionieren. Die Welt dreht sich von Tag zu Tag schneller und keiner – nicht einmal ich selbst – stelle mir die Frage, wie ich das eigentlich alles mache. Ich mache es einfach, weil ich keine Zeit habe, um darüber nachzudenken.

(Freigabe für den Tagesablauf erteilt)

Morgens um 03:00 klingelt der Wecker. Stiller Kuss auf Babybacke und ab Richtung Küche. Kaffee 1 von 14. Wenn Sitzungen anstehen: Vorlagen lesen. Ansonsten erstmal in Ruhe 160 E-Mails einzeln beantworten
(Pro Tag, ohne Spam). Dann um 06:00 Fahrt Richtung Lager. Mitarbeiter treffen, einweisen, verteilen. Material einladen. Ab 07.30 dann Ankunft im Büro. Parallel klingelt die erste WhatsApp-Gruppe (Von 20). Screenshots von Zeitungsartikel, in denen wir als FDP erwähnt werden – oder eben auch nicht. Telefonate, weitere E-Mails, Tagesgeschäft. Während um halb zehn in Deutschland mancherorts die Leute Knoppers essen, kommt der erste Parteikollege ins Büro und möchte über die letzten Entwicklungen sprechen. Ich mache klar, dass ich während der Arbeitszeit keine politische Revolution anzetteln kann und schicke ihn weg. Kurz vor der Mittagszeit…

(Wenn ich „Mittagszeit“ sage, soll das nur die Uhrzeit verdeutlichen. Ich mache kein Mittag. Niemals!)

…besucht mich meine Frau mit dem Kleinen. Ich spiele 2 Minuten lang „fang mich doch“ im Büro, drei Umarmungen – bevor mich dann wieder der Alltag einholt. Hier kein Material, da Elektroplan vergessen, hier Kabel durchgeschnitten. Angebot zu hoch, zu niedrig, zu spät. Steuerberater hier, Coronaverdacht da. Azubi war mal wieder nicht in der Schule, Lehrer ruft an.

Meine Frau verabschiedet sich wieder. Ich merke es nicht einmal. Die Zeit mit dem Junior reicht nicht.

Wenn Sitzung, dann 13.00 Uhr – Kreishaus. Mitten am Tag. An der Ampel E-Mails lesen. Am Parkplatz beantworten. Rückfahrt zwischen 14.30 und 15.00 Uhr. Gerade noch rechtzeitig, denn um 15.30 kommen alle Monteure rein. Rapporte kontrollieren, Folgetag besprechen, Probleme lösen, für alle da sein. Ein Bürgeranliegen zwischendurch: Kind von KITA abgewiesen, bitte dringend weiterleiten. Erstmal recherchieren, telefonieren, aufklären. Dann um 18.00 Uhr AUT (Ausschuss für Umwelt und Technik) mit anschließender Vorstandssitzung. 23.46 Uhr, du liegst im Bett. Niemand sieht, wie viel du machst.
Du und andere Mandatsträger haben heute wieder für die Bürgerinnen und Bürger gekämpft. Nicht mal einer, der in die Sitzung kommt. Ein „Danke Herr Stadtrat“ erwartest du nicht. Das wärst nicht du. Wäre auch vergebens. Dafür aber Leserbriefe, die dir einen reindrücken. Egal, immer weiter.

Die Frage: „WIE“ ich das alles unter meinen Hut kriege, lässt sich vielleicht mit einem „WIESO“, erklären:

Wir kommunale Mandatsträger, halten die Stadt zusammen. Wir passen auf, hören zu, geben Impulse und investieren Lebenszeit in die Zukunft der Gemeinde. In die Zukunft unserer Gemeinschaft. Wir wollen bewegen, verbessern, Spuren hinterlassen und den Bürgerinnen und Bürgern ein lebenswertes Umfeld ermöglichen. Wir übernehmen große Verantwortung und sind gerne für andere da. Merke auch: Wir sind keine Berufspolitiker. Wir sind auch kein Spielball zwischen Verwaltung, ortsansässigen Firmen, Institutionen und der Bürgerschaft. Wir sind Menschen. Ganz normale Menschen mit Privatleben, Familie und Beruf die Ihre Aufgaben und Verpflichtungen mit großer Hingabe, aber vor allem mit Liebe annehmen.

Ich liebe meine Arbeit, meine Bestimmung, jede einzelne Verpflichtung. Würde also jemand die „Liebe“ als Superkraft bezeichnen, dann wäre dies womöglich mein Geheimnis. Mein Antrieb. Die Antwort.

Danke an meine Familie für die Erlaubnis und Unterstützung meinen gesellschaftlichen Pflichten nachkommen zu dürfen. Danke an den Fragesteller (Daniel Güthler, erster Bürgermeister der Stadt Kornwestheim). Ohne Frage, keine Gedankenexplosion. Danke auch an Ludwigsburg24. Mein Kopf ist wieder frei – zumindest für heute.

 

Klimaschutz im Kreis Ludwigsburg: Was geht, was fehlt? Gastbeitrag von Christoph Erdmenger

Ein Gastbeitrag von Christoph Erdmenger (Bündnis 90/Die Grünen)

Klimaschutz im Kreis Ludwigsburg. Was geht, was fehlt?

Der Landkreis Ludwigsburg ist einer der reichsten Landkreise Deutschlands und hat daher vergleichsweise große Handlungsspielräume. Was hier gemacht wird, kann Vorbild werden. Was nicht gemacht wird, kann man hingegen von anderen Regionen der Welt nicht guten Gewissens verlangen. Wie steht es also um diese Vorbildfunktion beim Klimaschutz?

Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss ich zunächst klarmachen, dass es nicht um abstrakte Wohltaten geht, sondern um die Abwehr und Abmilderung einer konkrete Bedrohung. Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen – sie sind in Deutschland bereits Realität, obschon sich das Weltklima bisher nur um gut ein Grad erwärmt hat. Um der jüngeren Generation und ihren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen setzt das Pariser Klimaabkommen den Maßstab: Höchstens um zwei Grad und möglichst nur um 1,5 Grad darf sich das Klima erwärmen. Das heißt: Die Industrieländer müssen spätestens 2040 besser 2030 klimaneutral sein.

Nun ist Klimaschutz im Kreis Ludwigsburg zweifellos ein bei vielen Menschen, Unternehmen und in der Politik anerkanntes Ziel. Es ist auch Teil vieler politischer Entscheidungen. Aber es fehlt noch viel, um ausreichend zu handeln. Was fehlt von Affalterbach bis Vaihingen um ein deutsches oder gar ein globales Vorbild zu sein?

Die richtige Richtung?

Die richtige Richtung ist eingeschlagen. Auch wenn sie kaum jemand kennt: Es sind sogar seit 2015 Klimaschutzkonzepte für Kreis und alle Kommunen vorhanden. Vergleicht man Ludwigsburg mit anderen Baden-Württembergischen Kreisen so findet sich der Kreis meist im Mittelfeld, mitunter in der Spitzengruppe. Meist fehlt aber eins zum Erreichen des Ziels: Eine Vorstellung von der Geschwindigkeit und den Beiträgen anderer. Der Kreis gleicht einem Wanderer nach Amerika, dem nicht bewusst ist, dass er nach Monaten Fußweg lediglich eine Küste erreichen wird, nicht aber sein Ziel. So wie der Wanderer einen Zeitplan und die Hilfe weiterer Verkehrsmittel braucht, so braucht der Kreis durchgerechnete Konzepte, ausreichend Ressourcen finanzieller und personeller Natur und muss die Beiträge anderer Akteure wie z.B. der Wirtschaft, den Energieversorgern und der Bundesregierung klar beim Namen nennen.

Die richtige Geschwindigkeit?

Wie Klimaschutz wirklich geht und wie dabei die richtige Dynamik an den Tag gelegt wird, zeigt der Kreis bei seinen eigenen Gebäuden: Da gibt es das Ziel, sie bis 2035 ohne CO2-Ausstoß zu betreiben und Maßnahmen, um dem Ziel schon heute schnell näher zu kommen. In den meisten Feldern allerdings gibt sich der Kreis mit „ein bisschen Klimaschutz“ zufrieden. Der erste Schritt mag der Schwerste sein, aber Wanderer wissen, dass es auch im Laufe des Tages noch beschwerlich wird. Da die meisten Investitionen und Verhaltensänderungen 10-20 Jahre dauern, muss bereits heute konsequent beginnen, wer 2040 oder besser früher gar keine Kohle, kein Erdöl und kein Erdgas mehr verwenden kann. Daher müssen neue Gebäude heute klimaneutral errichtet und bestehende Gebäude klimaneutral saniert werden. Zudem müssen Erneuerbare Energien in einem Tempo ausgebaut werden, dass 2030 eine Strom- und Wärmeversorgung ohne Kohle- und Gaskraftwerke in Heilbronn und anderswo möglich ist. Wohlgemerkt: Die Technologie ist dazu da und die Kosten liegen unter denen fossiler Kraftwerke.

Wie das andernorts aussieht, kann man z.B. in Oslo besichtigen. Die Stadt möchte bis 2030 klimaneutral sein. Daher ist dort der Einbau neuer Öl- und Gasheizungen undenkbar. Vielmehr arbeitet die Stadt daran, die noch vorhandenen Anlagen durch stromgetriebene Wärmepumpen und erneuerbare Fernwärme zu ersetzen. Dies erscheint dort sogar als der leichte Teil der Übung. Schwierig sind aus Sicht der Stadt inzwischen die Arbeiten an den restlichen CO2-Quellen, z.B. der Frage, wie das Müllheizkraftwerk CO2-neutral gestaltet werden kann.

Die richtigen Ressourcen?

Bleiben wir beim Bild des Wanderers: Er wird ohne ausreichende Reisekasse, ohne Visum und ohne Sprachkenntnisse selbst mit Hilfe von Anderen nicht nach Amerika zu kommen. Auch beim Klimaschutz sind die richtigen Ressourcen, also ausreichend Geld, geschultes Personal und die richtigen Werkzeuge gefragt. Allzuoft setzt die Politik auf die Freiwilligkeit und „Mitwirkung des Bürgers“. Dadurch allein kommt aber nicht einmal ein Schiff ins Ziel. Vielmehr braucht es die richtige Infrastruktur und ehrliche Preise. Zudem braucht es Regeln – auf einem Schiff z.B. wäre es undenkbar sich so zu verhalten, dass das Schiff nur langsamer vorankommt. Ganz konkret tut der Kreis seinen Bürgern auch einen Bärendienst, wenn die EU- oder Bundespolitik zunehmend ernste Klimaschutzmaßnahmen entfaltet, der Kreis aber nicht vorbereitet ist: Werden fossile Brennstoffe dann teuer oder sogar knapp, stehen veraltete Gebäude, Betriebe und Verkehrssysteme schnell vor einem Problem.

Tatsächlich ist Klimaschutz in Ludwigsburg heute das Tätigkeitsfeld weniger engagierter MitarbeiterInnen, nicht der Chefebene. So gibt es im Kreis kein hochrangiges Gremium, das sich regelmäßig zu den Fortschritten der Hauptakteure berichten lässt und nachsteuert. Auch kein Bürgermeister oder gar der Landrat machen das Thema zur Chefsache. Lustig, aber wirklich war: Im jüngsten Bericht des Landkreises zur Umsetzung des Klimakonzeptes wurde zum Thema „Chefsache“ die Kategorie „in Planung“ angekreuzt.

„4 Gründe gegen Fahrverbote in Ludwigsburg“ – Gastbeitrag von Oliver Martin

Ein Gastbeitrag von Oliver Martin

Im Zusammenhang mit wiederkehrenden Grenzwertüberschreitungen in Städten und Klagen vor Gerichten kommen immer wieder Fahrverbote, auch für Ludwigsburg, ins Gespräch.

Warum ich Fahrverbote generell für keine gute Lösung halte?

Fahrverbote sind die vermeintlich einfache Lösung, weil sie weder Kreativität noch besonderes Engagement der Handelnden verlangen.
Aber Fahrverbote haben nur eine geringe Akzeptanz in der Bevölkerung. Fehlendes Verständnis für Maßnahmen führt regelmäßig dazu, sein eigenes Verhalten nicht zu überdenken und schon gar nicht zu verändern.
Denken Sie nur an die Akzeptanz von Verboten die Firmen Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber aussprechen oder Eltern gegenüber Ihren Kindern.
Aufklären, Verständnis gewinnen, die Menschen mitnehmen – das muss der Anspruch guter Erziehung und guter Politik gleichermaßen sein. Damit erreicht man Ziele nachhaltig und gewinnt die Bereitschaft der Menschen umzudenken und mitzumachen.

Ganz konkret sehe ich die folgenden Gegebenheiten, die sich nicht ignorieren lassen:

1. Wir Menschen haben ein Mobilitätsbedürfnis

Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, oder privat in der Freizeit.
Wir Menschen wollen mobil sein. Dafür wählen wir das für uns passende Mobilitätsangebot aus.
Da jede(r) von uns andere persönliche Voraussetzungen mitbringt und unterschiedliche Anforderungen an die eigene Mobilität hat, gibt es nicht „die eine“ Mobilitätslösung für alle.
Jemand der auf das Auto angewiesen ist oder dieses aus bequemlichkeitsgründen bevorzugt, wird sich für eine Autofahrt entscheiden. Liegt auf der geplanten Fahrtstrecke ein Fahrverbot, wird nicht etwa weniger gefahren oder ein anderes Verkehrsmittel genutzt, sondern eher ein Umweg in Kauf genommen, um das Gebiet des Fahrverbotes zu umfahren. Im Ergebnis verschlechtern wir hierdurch die Ökobilanz der Fahrt und verlagern den Verkehr weg von Durchgangsstraßen hin zu Nebenstrecken oder gar in Wohngebiete.

2. Fahrverbote lassen sich nicht kontrollieren

Es gibt nach wie vor kein schlüssiges Konzept, wie ein ausgesprochenes Fahrverbot auch tatsächlich überwacht werden könnte. Was nutzt also ein Fahrverbot, wenn keine geeignete und verhältnismäßige Kontrollmöglichkeit gegeben ist. Eine lückenlose, womöglich automatisierter Verkehrsüberwachung erachte ich als völlig unangemessen. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte wären hierdurch viel zu stark eingeschränkt.

3. Fahrverbote sind unsozial

Nicht die Fahrerinnen und Fahrer neuer, meist großer und teurer Autos sind von Fahrverboten betroffen, sondern gerade diejenigen, die auf günstigere, ältere Fahrzeuge zurückgreifen müssen.
Wollen wir damit eine Zwei-Klassen-Mobilitätsgesellschaft schaffen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft insgesamt weiter schwächen? – Ich möchte das nicht!

4. Fahrverbote behindern moderne Verkehrskonzepte

Ist ein Fahrverbot erst einmal wirksam und werden die geforderten Grenzwerte dauerhaft unterschritten, so sinkt der Ansporn, sich konkret mit intelligenten Verkehrskonzepten zu beschäftigen.
Der Ausbau der ÖPNV kommt ins Stocken und Anstrengungen für moderne, zukunftsweisende Verkehrsleitsysteme werden erst gar nicht unternommen.
Schon heute könnten wir durch intelligentere Ampelschaltungen einen deutlich besseren Verkehrsfluss mit entsprechend weniger „Stop and Go“ und weniger Abgasen erreichen. Gleiches gilt für Baustellen an Hauptstraßen die über viele Monate zu Staus und damit zu einer unnötig erhöhten Umweltbelastung führen. Eine deutliche Verkürzung der Baumaßnahmen im Schichtbetrieb birgt hier ein enormes Potential.
Hier müssen wir ansetzen, wenn wir Nachhaltigkeit erreichen und Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnen wollen.

Ich setze mich dafür ein, nicht die vermeintlich „einfache Lösung Fahrverbot“ zu wählen, sondern sich umgehend daran zu machen durch ein Bündel von intelligenten Maßnahmen eine kontinuierliche Verbesserung der Verkehrskonzepte zu erreichen. Das ist eine Aufgabe, die nie enden wird, weil sie sich immer wieder aufs Neue an die Menschen und an Ihre sich verändernden Mobilitätsanforderungen anpassen müssen wird.
Wir sollten trotzdem die Energie und den Mut aufbringen, noch heute damit zu starten.

Alt Bewährtes / Neu Gewonnenes – Die Mischung macht´s: Ein Gastbeitrag von Tobias Epple

Der Blick aus der Sicht eines Unternehmers

Was kommt nach Corona? Das ist sicherlich eine, wenn nicht die Frage, die die meisten von uns dieser Tage beschäftigt. Die lang ersehnten Öffnungsschritte scheinen in Reichweite, es gibt wieder Perspektiven für viele Unternehmer und deren Mitarbeiter/innen, alle stehen in den Startlöchern. Mit Mut und Zuversicht sollten wir in die nächsten Wochen und Monate gehen.

Und dennoch behagt viele von uns ein „mulmiges Gefühl“ wenn sie daran denken, was kommt dann? Was passiert mit unserer Wirtschaft? Was passiert mit unserer Gesellschaft und ja gar was passiert mit unseren Kindern? In den letzten 14 Monaten dieser Pandemie hat sich so einiges verändert und vieles von dem werden wir nicht mehr zurückdrehen können – aber, wollen wir überhaupt alles zurückdrehen?

Dieses Land und mit ihm viele Unternehmen und Unternehmer haben einen Digitalisierungsboost erlebt, HomeOffice wurde ein fester Teil unserer Arbeits- und Lebenskultur. Sowohl den Unternehmer/innen wie auch den Mitarbeiter/innen wurde extrem viel abverlangt, im Fokus stand Veränderung und Neuaufstellung! Ich selbst bin meinen Mitarbeiter/innen sehr dankbar für das große Engagement, die große Flexibilität und die Anpassung(en) der letzten Monate.

Heute sehnen wir uns alle nach den Dingen, die wir schmerzlich vermisst haben: Freunde zum Grillen treffen, ein Besuch im Blühenden Barock oder der Wilhelma, Spiele beim VfB Stuttgart und den MHP Riesen in Ludwigsburg. All diese Dinge werden wir (hoffentlich) sehr bald wieder erleben und spüren dürfen.

Angereichert mit den Chancen der vergangenen Monate, angereichert mit neuer Digitalkompetenz in den Unternehmen und bei den Mitarbeitern/innen, angereichert mit der Fähigkeit zu Remote Work und Remote Leadership – wenn wir all dies auf der Strecke verlieren würden, wäre es erneut ein schmerzhafter Verlust, wie den, den wir in den letzten Monaten erlebt haben.

Es wird viele Dinge geben, die wir mitnehmen, die wir nacharbeiten und die uns wichtig sind uns zurückzuholen. Dazu gehört aus meiner ganz persönlichen Sicht z.B. das Händeschütteln, wenn meine Kinder ältere und andere Personen treffen, dazu gehören Umarmungen oder das klassische Networking bei Treffen und unternehmerischen Veranstaltungen. Auf diese klassischen Werte und unser „daran festhalten“ wird es ankommen. Das wird unsere Aufgabe werden, egal ob als Mutter, Vater, als Freund oder Freundin, als Kollege und Kollegin.

Besonders als Unternehmer/in gilt es nun voranzugehen, gemeinsam mit unseren Mitarbeiter/innen Zukunft zu gestalten und einen optimistischen Blick auf diese Welt zu haben. Einen Blick auf ein mögliches Wirtschaftswachstum, einen Nachholeffekt im Konsum, der Gastronomie und dem Handel oder dem Blick der leidgetragenen Künstler/innen und der Kulturszene mit gemeinsamen Aktivitäten und Veranstaltungen Wind unter die Flügel zu geben.

Lassen Sie uns die Möglichkeiten, die uns diese Pandemie unter Schmerz und Verzicht gelehrt hat in unseren Alltag und unser Leben integrieren und weiterhin positiv in diese Welt schauen, denn Zukunft braucht Mut, Courage und Zuversicht.

Ihr Tobias Epple

„Arbeitsplätze sichern heißt Wohlstand sichern“ – Gastbeitrag von Thomas Utz

Bei Bosch in Bietigheim-Bissingen werden bis Ende 2021 etwa 290 Arbeitsplätze in der Fertigung wegfallen. Bei Mann + Hummel in Ludwigsburg sind es bis Ende 2022 rund 400 Produktionsarbeitsplätze und bei Komet in Besigheim nochmal etwas über 200 Stellen.

In den vergangenen Monaten haben sich die Nachrichten über geplante Betriebsschließungen im Landkreis Ludwigsburg leider gehäuft. Eine Entwicklung, die in unserer industrie- und wirtschaftsstarken Region zurecht vielen Menschen Sorgen bereitet. Mit großem Einsatz haben die Beschäftigen in den vergangenen Monaten mit Unterstützung von Gewerkschaften um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze gekämpft. Leider ohne den wünschenswerten Erfolg. Die teilweise verhandelten Abfindungen und Sozialpläne können in Einzelfällen Brücken in eine neue berufliche Tätigkeit oder gar den Eintritt in den Ruhestand bilden. Einmal verloren gegangene Arbeitsplätze – auch für jüngere Generationen – können sie jedoch nicht ersetzen. Hinter jedem abgebauten Arbeitsplatz stecken menschliche Schicksale, geplatzte Träume und finanzielle Sorgen.

Für mich ist klar, dass es das Ziel aller Beteiligten in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sein muss, dass wir im Landkreis Ludwigsburg auch für künftige Generationen gut bezahlte, sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze haben. Dies gilt ausdrücklich auch für die aktuell besonders betroffenen Produktionsbereiche. Im Landkreis Ludwigsburg sind rund 210.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Knapp 35% davon arbeiten im produzierende Gewerbe. Diese Zahl liegt deutlich über dem bundesdeutschen Schnitt und zeigt die wichtige Bedeutung des industriellen Sektors für unsere Region.

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nicht erst seit der Corona-Pandemie verändert: Die Globalisierung von Absatz- und Beschaffungsmärkten, die zunehmende Digitalisierung, ein wachsendes Bewusstsein für die Folgen unseres Konsumverhaltens auf Natur- und Umwelt und die Transformation unserer Automobilindustrie. All diese Themen werden auch künftig zu spürbaren Veränderungen führen. Es wäre verantwortungslos, diese Trends zu ignorieren. Selbstverständlich müssen sich unsere heimischen Unternehmen diesen Herausforderungen stellen und ihre Geschäftsmodelle stetig anpassen. Ganz klar: Politik schafft keine Arbeitsplätze. Es sind auch nicht die politischen Akteure, die unternehmerische Risiken tragen. Politik kann jedoch gute Rahmenbedingungen schaffen, die es uns ermöglichen langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Arbeitsplätze in unserer Region der Tüftler und Schaffer zu sichern heißt für mich vor allem, dass wir innovativ sein müssen. Einen Wettbewerb um die Höhe der Lohnkosten oder die niedrigsten Unternehmenssteuersätze zu führen wäre aussichtlos. Es aus meiner Sicht ein Irrglauben, dass Steuer- oder Abgabenerleichterungen für besonders Wohlhabende und Unternehmen automatisch dazu führen, dass deren Konsum- und Investitionsausgaben steigen und zu einem gesamtgesellschaftlich wachsenden Wohlstand führen.

Wichtiger sollte sein, dass Baden-Württemberg endlich in die bildungspolitische Champions-League aufsteigt. Unsere Schulen müssen bestmöglich digital ausgestattet werden und unsere Lehrkräfte entsprechend ausgebildet sein. Unsere Schulen, Hochschulen und Universitäten müssen die Begabungen, Interessen und Stärken der Lernenden fördern und dabei auch die Begeisterung für naturwissenschaftliche Fächer wieder stärken. Dies ohne dabei den kulturellen, sozialen oder musischen Bereich zu vernachlässigen. Wir müssen die duale Berufsausbildung weiter verbessern und den Weg zum Meisterabschluss gebührenfrei machen. Es ist nicht akzeptabel, dass das Erststudium kostenlos ist und für eine Meisterausbildung tausende Euro fällig werden. Gleichzeitig müssen wir die Beschäftigten mehr als bisher im laufenden Erwerbsleben weiterbilden und qualifizieren. Lebenslanges Lernen muss zu einer Selbstverständlichkeit werden und auch entsprechend staatlich unterstützt werden.

Wir brauchen eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur. Schnelles Internet im ganzen Landkreis. Leistungsstarke Transportwege. Einen flächendeckend gut ausgebauten Personennahverkehr. Digitalisierte und schnelle Verwaltungsprozesse. Gleichzeitig brauchen wir mehr öffentliche Anreize für Gründerinnen und Gründer in Form von Wagniskapital (z.B. durch Investitions- und Gründungszuschüssen) – insbesondere auch in Wirtschaftsbereichen außerhalb der Automobilindustrie. Gründungen müssen selbstverständlicher werden. Ich wünsche mir einen Kulturwandel, der die Menschen dazu ermutigt ihre eigenen Geschäftsideen zu verfolgen. Ein mögliches Scheitern darf kein Makel mehr sein sondern muss als Teil eines zielführenden Lernprozesses verstanden werden.

Ich bin überzeugt: wenn wir heute die richtigen Weichen stellen, technologieoffen und innovativ bleiben, auf bestehenden Stärken aufbauen und gleichzeitig verstehen, dass Forschung und Entwicklung von Produktion und Fertigung vor Ort profitieren, dann können wir auch in Zukunft gute und sichere Arbeitsplätze erhalten. Dafür lohnt sich jede Anstrengung.

Pufferküsser, 12 Quadratmeter Kultur, Open Data – um was geht’s denn da? Gastbeitrag von Armin Haller

Pufferküsser, 12 Quadratmeter Kultur, Open Data – um was geht’s denn da? Ein Gastbeitrag von Armin Haller

Stell Dir vor, Du steigst morgens auf dem Weg zur Arbeit in einen elektrischen Zug ein, wohl temperiert, mit gemütlichen Sitzen, der pünktlich abfährt. Während der Fahrt liest Du ein Buch oder die Zeitung oder schaust verträumt auf die vorbeiziehende Landschaft. Kurz vor dem Zielbahnhof leihst Du Dir mit einer All-in-One Mobility-App schon im Voraus ein E-Fahrrad, mit dem Du dann ohne Stau und Abgase an den Arbeitsplatz fährst. 
Nach Feierabend gehst du dann noch in die autofreie Innenstadt, erlebst eine lebenswerte Umgebung und genießt ein Eis in einem 12qm großen Pop-Up Eiscafé, dessen Bereich früher als Autoparkplatz diente. 

So weit sind wir leider noch nicht, aber: Mit Engagement kannst Du, können wir, in der Mobilitätswende viel erreichen! Zukunft gestalten, nicht bruddeln! Der Verkehrssektor verursacht in Baden-Württemberg  31% alle Treibhausgas-Emissionen. Es wird Zeit, das zu ändern! 

Wir müssen darüber reden, wie Mobilität attraktiv, gerecht, inklusiv, bezahlbar und nicht zuletzt nachhaltig organisiert werden kann. 

Was kannst du beitragen? Hier sind einige Themen, welches davon ist dein Favorit? 

Elektromobilität reduziert Emissionen im Ballungsraum und löst daher einige Probleme. Zudem bringt sie unserer Automobilindustrie den benötigten Innovationsschub, damit wir in der Region Stuttgart auch in 15 Jahren noch viele gute Arbeitsplätze haben. Aber hoppla, Elektromobilität reduziert nicht den Verkehr, sondern nur die Emissionen! Ein neuzugelassenes Auto hat im Schnitt rund 160 PS und befördert nur 1,4 Personen, belegt zudem meist 23 Stunden pro Tag auf einem 12qm großen Parkplatz. Geht das nicht auch anders? Carsharing ist die Antwort. 

Bei Bedarf buchst Du Dir ein Fahrzeug bei Stadtmobil und nachdem Du das Auto verwendet hast, kann jemand anderes damit fahren. Vor allem die junge Generation möchte ein Auto nicht mehr als Statussymbol besitzen, sondern nur das zum Anlass passende Fahrzeug dann nutzen, wenn es nötig ist. 

Die Digitalisierung vernetzt Angebote besser. Wichtig ist, eine einzige App zu haben, in der alle Mobilitätsformen zusammengefasst sind, in der Du nicht nur die Abfahrtszeiten der S-Bahnen siehst, sondern auch Leihfahrräder freischalten oder den On-Demand-Bus bestellen kannst. Immer mehr Menschen wollen bedarfsgerechte Verkehrsmittel nutzen und diese auch miteinander kombinieren. Leihrad, Auto, E-Roller, Fußweg, Bus und Bahn, kombinieren wie es am besten passt. Die Kombination von Verkehrsmitteln bedarf natürlich der Infrastruktur. Komfortabel wird sie aber erst durch digitale Dienste. Apps die mir, individuell auf mich zugeschnitten, alle sinnvollen Kombinationsmöglichkeiten anzeigen. Zum Beispiel wird berücksichtig, dass ich nur bei schönem Wetter mit dem Fahrrad fahren möchte. Wenn Google-Werbung personalisiert werden kann, dann lieber dort wo es Sinn macht und mit geschützten Daten. Open Data ist hier ein Stichwort, Verkehrsdaten offen zugänglich machen.  

Noch nie war Radfahren so modern wie heute. Nicht erst durch Corona haben viele Menschen das Fahrrad für sich (wieder-)entdeckt.  Sicherheit der Radwege wird immer wichtiger. Was kannst Du dafür tun? Miss die schmalsten Radwege und melde diese, damit sich etwas verbessert. Der ökologische Verkehrsclub VCD führt, zusammen mit dem SWR, eine Aktion durch, bei der Du die Breite von Radwegen misst und diese unter bw.vcd.org/besserradfahren einträgst. Das ist Dein Beitrag für mehr Verkehrssicherheit. Also einfach mal, wenn die Sonne scheint, eine Runde mit dem Fahrrad drehen – und ein Maßband mitnehmen. Gestalten wir gemeinsam den Südwesten fahrradfreundlich! 

Viele Eltern sind – zurecht – beunruhigt, wenn sie ihre Kinder unbeaufsichtigt auf den Schulweg schicken. Oftmals fahren sie ihre Kinder dann mit dem Auto zur Schule und sorgen für mehr, eigentlich vermeidbaren Verkehr auf den Straßen. Um dem eine Alternative zu geben, hat der VCD die Aktion “Laufbus” ins Leben gerufen, in der er Eltern unterstützt, damit diese sich gemeinsam organisieren können. Die Kinder sowie Eltern, die sich in der Aufsicht flexibel abwechseln, treffen sich an den “Laufbus-Haltestellen”. Von dort aus gehen die Kinder gemeinsam, beaufsichtigt und sicher zur Schule.  

Den Lebensraum in der Stadt neu verteilen, die Straße zurückerobern, lebenswerte Innenstädte gestalten. In der Aktion “12qm Kultur” werden symbolhaft Parkplätze (12qm) in eine Fläche für Kultur umgewandelt. Eine lebenswerte Innenstadt mit Aufenthaltsqualität fördert zudem unseren Einzelhandel sowie die Gastronomie und das brauchen die nach Corona mehr denn je! 

Wie Du siehst, gibt es viele Bereiche, in denen Du Dich für die Mobilitätswende engagieren kannst. Es ist für alle etwas dabei: Eltern, Verkehrsaktivisten, Critical Mass Radelnde, Computer-Nerds, Influencer, Infrastrukturexperten, Pufferküsser. Pufferküsser? So nennen wir die Bahnliebhaber und Experten, die jede Weiche im Ländle persönlich kennen. Auch sie sind Teil der Mobilitätswende. Also: Einfach mitmachen!

Der Sport braucht eine Öffnungsperspektive – Ein Gastbeitrag von Jochen Eisele

Von Gastautor Jochen Eisele – Erster Vorsitzender des MTV Ludwigsburg

Seit über einem Jahr kann der MTV Ludwigsburg nicht mehr sein reguläres Sportangebot mit wöchentlich rund 10.000 Teilnehmern anbieten. Nicht einfacher macht es dabei der ständige Wechsel zwischen komplettem Lockdown, teilweisem Lockdown und die Auslegung der unterschiedlichen Verordnungen.

Positiv ist, dass sich durch die staatlichen Hilfen der finanzielle Schaden bis jetzt in Grenzen hält und dies, obwohl die Stadt Ludwigsburg bei den Vereinen die Zuschüsse gekürzt hat. Negativ ist jedoch der große strukturelle Schaden, den die Sportvereine erleiden. Bis Januar 2022 wird der MTV Ludwigsburg als Großverein ca. 1.500 Mitglieder verlieren. Dazu beenden momentan viele Trainer/innen und Helfer/innen, die den Verein seit vielen Jahren unterstützten,  ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Es bleibt abzuwarten, ob wir diese Menschen nach Beendigung der Pandemie wieder für unseren Sportverein zurückgewinnen können.

Seit November 2020 sind die Sportstätten nun wieder, mit einer dreiwöchigen Unterbrechung im März 2021, geschlossen. Um seine 6.500 Mitglieder trotzdem zu bewegen, bietet der MTV Ludwigsburg momentan über 80 Online-Videos aus den Bereichen Fitness und Gesundheit sowie wöchentlich rund 25 Stunden Online-Livetraining für Jung und Alt sowie verschiedene Fitnesslevel an. Bewusst haben wir uns dazu entschieden, dieses Angebot nicht nur für die Mitglieder, sondern für alle sportbegeisterten Ludwigsburger kostenfrei anzubieten. Denn Sport ist für alle Menschen extrem wichtig!

Trotzdem erreichen wir nicht alle Mitglieder und Bürger, vor allem Kinder und Senioren sind bei solchen Angeboten teilweise ausgeschlossen.

Die Schließung des Sports hat sich jetzt schon zu einem gesundheitlichen Risiko entwickelt. Kinderärzte klagen über einen starken Anstieg von psychischen Erkrankungen und zunehmend adipösen Kindern. Seniorenverbände berichten zudem über eine Vereinsamung der Menschen. Die Physiopraxen stellen einen starken Anstieg von Wirbelsäulenprobleme von Erwachsenen fest, die zwischen Homeoffice-Arbeitsplatz und Wohnzimmer-Couch pendeln.

Ein wichtiger Aspekt, der zur Zeit von der Politik nicht beachtet wird, ist, dass der organisierte Sport die Gesundheit der Menschen aufbaut, erhält und stärkt. Eine Stärke, die jeder Bürger bei einem Infekt dringend benötigt.

Damit der MTV Ludwigsburg schnellstmöglich diese wichtige Aufgabe weiter ausüben darf, haben und werden wir alles Erdenkliche unternehmen.

Schon in der ersten Phase im März 2020 erstellte der MTV für alle Bereiche Hygienekonzepte: die Teilnehmeranzahl wurde reduziert, alle Hallen mit Hygieneartikel und Lüftungsanlagen ausgestattet und für jedes Training gab es Teilnehmerlisten für eine eventuelle Nachverfolgung. Trotz über 1000 Teilnehmern täglich hatte der MTV von Juni bis Oktober keinen einzigen positiven Fall, der auf den Sport zurückzuführen war.

Aktuell planen wir mit der Luca-App die Nachverfolgung weiter zu vereinfachen, um die Gesundheitsämter zu entlasten. Zudem sind wir mit der Stadt und dem Landratsamt in Gesprächen, ob ein Testzentrum beim MTV eingerichtet werden kann.

Es ist nun an der Zeit, die reflexhafte Schließung kompletter Bereiche wie dem Sport zu überdenken. Mit unserem erweiterten Öffnungskonzept für den Sport wollen wir dazu beitragen, dass die Menschen möglichst bald wieder in einem kontrollierten Umfeld sicheren Sport ausüben können.

„Die Corona-Pandemie hat der Welt ihren Stempel aufgedrückt“ – Gastbeitrag von Burkhard Metzger

Corona-Verordnung, Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und die schwindende Akzeptanz von Kontrollmaßnahmen in der Bevölkerung – Ein Gastbeitrag von Polizeipräsident Burkhard Metzger

Die Corona-Pandemie hat der Welt ihren Stempel aufgedrückt. Mit einer kaum für möglich gehaltenen Wucht erfasste das Corona-Virus unsere Gesellschaft und stellte nahezu alles, was wir bislang mit dem „normalen Leben“ verbanden, auf den Kopf.  Das Virus forderte viele Opfer und nötigt uns Einschränkungen ab, die wir so noch nicht kannten.

Die Pandemie und die Maßnahmen zum Infektionsschutz wirken sich natürlich auch auf die polizeiliche Aufgabenwahrnehmung aus. Neben der konsequenten Umsetzung von Verhaltens- und Hygieneempfehlungen im täglichen Dienst, erfordert die dynamische Situation eine fortlaufende Lagebewertung. Wir müssen unsere polizeilichen Maßnahmen dauernd überprüfen und ständig den jeweils aktuellen Regelungen der Corona-Verordnung anpassen, um damit zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung beizutragen und letztlich die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten. Dazu haben wir uns organisatorisch gut aufgestellt. So können wir auf Veränderungen schnell reagieren und unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort bei ihrer Aufgabenwahrnehmung bestmöglich unterstützen.

Für viele Bürgerinnen und Bürger ist es nicht einfach, sich in der Corona-Verordnung oder den dazu erlassenen Einzelverordnungen zurecht zu finden. Das führt bei manchen zu einer Verunsicherung, die wir bei den Anrufen, die uns täglich erreichen, regelmäßig feststellen können.

Daneben nimmt die Zahl derjenigen Menschen zu, die sich kritisch mit den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie auseinandersetzen. Die Ursachen dafür sind vielschichtig:

Es gibt diejenigen, die die Existenz des Virus leugnen und Corona-Schutzmaßnahmen des Staates grundsätzlich ablehnen. Die Überwachung der staatlichen Beschränkungen durch die Polizei, bewerten sie als einen rechtswidrigen Eingriff in ihre Freiheitsrechte.

Demonstrationen oder Autokorsos dieses Personenkreises begleiten uns nahezu täglich. Grundsätzlich ist es in unserem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat legitim, dass die Corona bedingten Einschränkungen hinterfragt werden. Diese Legitimation findet aber dann ihre Grenzen, wenn unseren Einsatzkräften, die entsprechende Versammlungen oder Aufzüge schützen und für deren störungsfreien Verlauf sorgen müssen, mit Respektlosigkeit und Aggression begegnet wird.

Meine Kolleginnen und Kollegen müssen da viel aushalten und ich bin dankbar dafür, dass sie sich nicht provozieren lassen und sachlich mit entsprechenden Situationen umgehen.

Persönlich beunruhigt mich mehr, dass auch Menschen, die grundsätzliches Verständnis für die staatlichen Maßnahmen zur Pandemiebewältigung haben, sich mit zunehmender Dauer der Einschränkungen immer stärkeren Belastungen ausgesetzt sehen. Mangelnde Einkaufs- und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, die Belastungen von Homeschooling und Homeoffice auf engem Raum, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen und vor allem die Sorge um den Arbeitsplatz oder existenzielle Nöte, können Spannungen hervorrufen, die nur schwer zu kompensieren sind.

Besorgt machen auch die momentan wieder stark ansteigenden Infektionszahlen.  Die Hoffnung auf Lockerung der Coronamaßnahmen und eine Rückkehr zum von allen ersehnten halbwegs normalen Leben, wird dadurch zunichtegemacht. Besonders schwer wiegt das natürlich angesichts der auf uns zukommenden Osterfeiertage, für die wir uns alle eine andere Entwicklung gewünscht hätten.

Man braucht kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass die Zahl der Stimmen, die die Sinnhaftigkeit politischer Entscheidungen hinterfragt, weiter zunehmen wird. Und meine Kolleginnen und Kollegen werden im täglichen Dienst hautnah mit dem aufkommenden Unmut und teilweise auch der Verzweiflung der Menschen konfrontiert werden.

Für derartige Situationen wünsche ich mir, dass nicht vergessen wird, dass in den Uniformen Männer und Frauen stecken, die als Mensch genauso von den Coronamaßnahmen betroffen sind, wie alle anderen auch.

Beleidigungen oder körperliche Angriffe bei Kontrollen und Demonstrationen hat die Polizei nicht verdient. Denn die Polizistinnen und Polizisten im Land waren von Beginn der Pandemie an trotz eigenem Ansteckungsrisiko immer da, wenn sie gebraucht wurden.

Eine Rückkehr in Richtung Normalität sehe ich erst, wenn unsere Gesellschaft weitgehend geimpft ist. Es wäre schön, wenn es uns gelänge, die Zeit bis dahin mit Respekt, Solidarität und Verständnis zu bewältigen.

„Das Eis wird immer dünner für die Clubs und den Sport insgesamt“ – Ein Gastbeitrag von René Rudorisch

Gastbeitrag von René Rudorisch: 

Der Profisport erlebt, genau wie viele anderen Branchen auch, eine schwierige und existenzbedrohende Zeit. Hier schlägt die Corona Pandemie zu und tatsächliche Schäden und Folgen sind Stand heute noch nicht abzusehen. Weder im Bereich des Nachwuchssportes, der seit Oktober komplett still steht, noch im Bereich des Profisports, der unter eingeschränkten Bedingungen um das wirtschaftliche Überleben kämpft.

Noch lebt der Sport, wenn auch vollkommen anders als gewohnt. Die reine Tätigkeit und die Erbringung der sportlichen Höchstleistungen dürfen, wie in anderen Unternehmen unseres Landes die Produktion und Geschäftstätigkeit von Firmen, unter der Berücksichtigung der allgemein notwendigen Hygienebestimmungen, erbracht werden. Der Sport wurde durch die Vorgaben der Behörden, angepasst dem aktuellen Pandemiegeschehen,um den wichtigen Teil des Events rund um die Sportwettkämpfe reduziert. Eine Sonderstellung, wie oftmals falsch in den Medien proklamiert, hat er nicht. Der Sport wurde um seinen erlösträchtigen Eventbereich reduziert und stelltausschließlich die unternehmerische Tätigkeit zum Erhalt der Arbeitsplätze und der Leistungsfähigkeit seiner Athleten dar.

Dass damit wesentliche benötigte Einnahmen wegfallen, liegt auf der Hand. Der aktuelle Zustand hat fehlende Ticketing- und Cateringerlöse zur Folge, aber auch Auswirkungen auf die Zuwendungen im Sponsoringbereich. Insgesamt machen bei einem DEL2-Clubs diese Erlöspositionen zirka 85 Prozent des Umsatzes aus. In vielen anderen Sportarten und Ligen ist es ähnlich.

Umso dankbarer ist dieser Sport über die erst letzte Woche nochmal konkretisierten Unterstützungsleistungen des Bundes in Form der Corona-Beihilfe für den professionellen Mannschaftssport. Dank dieser Hilfen wurden bereits 2020 die verloren gegangenen Ticketeinahmen, immerhin zirka 35 Prozent des Umsatzes eines DEL2-Clubs, zu großen Teilen ausgeglichen. Diese Leistungen wurden für das Jahr 2021 verlängert, teilweise erweitert und zudem um eine Fixkostenhilfe, gemäß den von Seiten der EU vorgegebenen Grenzen für die Kleinbeihilfe, ergänzt. Die Hilfe wirkt, wenn auch einschränkend, da es im Vergleich mit den Hilfspaketen der freien Wirtschaft Abweichungen bezüglich der Höhe der Unterstützungsleistung und der Antragsvoraussetzungen gibt. Umso wichtiger ist eine schnelle Umsetzung der zuletzt getroffenen Beschlüsse, sowie eine Anpassung der bestehenden Richtlinien und eine beschleunigte Durchführung der Antragsstellung mit einer vorangehenden  Antragsprüfung und Auszahlung der notwendigen Leistungen. Die finanzielle Unterstützung wird jetzt im aktuell laufenden Wettkampfbetrieb gebraucht.  Nur so kann die Liquidität der Clubs aufrecht erhalten werden.

Gleichzeitig muss, wie auch für Kultur, Events und Gastronomie, der Blick nach vorn gerichtet werden. Mit Hilfe der aktuellen Unterstützungsleistungen des Staates, leidenschaftlichen Sponsoren und deutlichen Kosteneinsparungen auf Seiten der Clubs wird eine solche Saison überwindbar, aber nicht wiederholbar sein. Der Sport wird die tatsächlichen Folgen und Schäden, die die Pandemie und die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser, erst zeitversetzt in der kommenden Saison wahrnehmen. Während in der laufenden Spielzeit unter den für alle neuen Bedingungen die Sponsoren weitestgehend die Notwendigkeit der Unterstützung des Sports auch ohne Zuschauer in den Arenen als wichtig angesehen haben, werden sie eine weitere Saison ohne Zuschauer oder mit deutlichenZuschauereinschränkung nicht mehr mitgehen können. Allein deswegen bedarf es neben den Hilfen jetzt gemeinsamer positiver Strategien und umsetzbarer Konzepte, die Arenen ab dem Spätsommer wieder mit Zuschauern zu füllen. Es braucht wieder deutlich mehr Normalität für den Sport, genau wie für alle anderen Branchen im Event und Erlebnisbereich, da ansonsten die langfristigen Schäden und Folgen nicht mehr aufzuhalten sind.

Gleiches gilt für den gesamten Freizeit-, Breiten- und Nachwuchsleistungssport als Motor der sportlichen Entwicklung im Hochleistungssport. Schließlich steht das Geschehen im organisierten Sport seit Oktober still. Zahlreiche Kinder und Jugendliche können seit über einem halben Jahr keinem geordneten Sportbetrieb mehr nachgehen. Gerade in einem Alter, wo Koordination und sportliche Fähigkeiten wesentlich erlernt werden, fehlt derzeit jegliche Entwicklung. Dieser Zustand kann verheerende sportliche Auswirkungen haben, vor allem wenn nicht zeitnah Möglichkeiten zur Rückkehr erarbeitet werden.

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