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„Wer ist hier eigentlich der Chef hier bei den Grünen?

Eine Kolumne von Swantje Sperling, Gemeinderätin der Stadt Remseck am Neckar, Sprecherin des Kreisvorstands der BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN im Landkreis Ludwigsburg

„Wer ist hier eigentlich der Chef hier bei den Grünen?“ – Ich stehe dem Fragenden, immerhin einem politischen Mandatsträger, etwas ratlos gegenüber: „Wie meinen Sie das?“ Antwort: „Naja wer ist denn der Vorsitzende der Grünen im Kreis?“.
Der Groschen fällt: „Bei uns nennt sich das Sprecher*in. Wenn Sie das mit Chef meinen, dann bin ich das.“

Eine Erfahrung, die so keiner meiner Vorgänger, die hier ihre Gedankensplitter veröffentlichen durften, mit mir teilt. Das ist erklärlich. Wenn sie danach gefragt werden, wer denn hier der Chef, der Abgeordnete oder der Entscheidungsträger ist, dann sind es die Herren ja meist sie selbst. Sie erleben weitaus seltener Diskriminierung, auch keine sprachliche.

Empfindsamkeit für Ungerechtigkeit entsteht meist, wenn man sie selbst erlebt oder zumindest nachfühlen kann. 75 Prozent der systemrelevanten Berufe  – vom Gesundheitswesen über die Altenpflege und den Einzelhandel bis zur Kita – werden von Frauen ausgeübt, meist massiv unterbezahlt. Das hat viele Gründe, wird aber trotz des öffentlichkeitswirksamen Klatschens nicht wirklich bekämpft. Für mich liegt einer der Gründe in der mangelnden Repräsentanz der Frauen in unseren Parlamenten. Dort, wo die Rahmenbedingungen für gerechte Entlohnung und die Aufwertung von Berufsgruppen unter anderem gelegt werden. Über drei Jahrzehnte waren männliche Abgeordnete in Bund und Land fast unter sich. Mehrheitlich ein Herrenclub – noch immer. Der Landtag von Baden-Württemberg ist das einzige deutsche Landesparlament, in dem noch nie ein Anteil von wenigstens 30% weiblichen Abgeordneten erreicht wurde. Keine gute Lobby für die 75 % hart arbeitenden systemrelevanten Frauen. Dabei möchte ich ausdrücklich nicht, dass Geschlechtergerechtigkeit alleine den Frauen als Thema überantwortet wird. Weibliche Repräsentanz alleine bedeutet nicht automatisch eine geschlechtergerechte Politik. Die politischen Führerinnen der Welt, von Margaret Thatcher bis Angela Merkel, machen es vor – auch als Frau kann man geschlechterspezifische Problemlagen ignorieren

Was hier zu tun ist – nicht weniger als ein gesamter struktureller Wandel. Im Denken wie im Handeln. Vor allem im Bereich der bezahlten wie auch unbezahlten (da privaten) Care-Arbeit, also des sich „um Andere Kümmerns“.

Jegliches Handeln beginnt allerdings mit Sprache. Und diese Sprache bestimmt, wie wir unsere Umgebung und andere Menschen wahrnehmen und bewerten. Sie bestimmt unser Denken und unser Handeln, sogar unsere Körperbewegung. Und dabei sind Wörter nur die Spitze des Eisbergs – hinter einzelnen Ausdrücken konstruiert unser Gehirn einen ganzen Deutungsrahmen, der aus unseren Erfahrungen mit der Welt resultiert. Abhängig von unserer Wortwahl werden bestimmte Fakten und Realitäten hervorgehoben. Andere treten in den Hintergrund.

Ein konkretes Beispiel sind die Wörter „Klimawandel“ und „Klimakrise“. Eigentlich drücken sie das gleiche aus. Die Erwärmung unseres Klimas mit allen Konsequenzen. Doch mit zwei völlig unterschiedlichen Deutungsrahmen. Das Wort Wandel ist von jeher sprachlich neutral, im häufigeren Sprachgebrauch positiv besetzt. Ja, oft geschieht ein Wandel auch von selbst, ohne menschliche Einwirkung.
Das Wort „Krise“ ist hingegen nie positiv besetzt.

Was ich mir wünsche: dass wir unsere gesamte Sprachwahl überdenken. Und zwar nicht nur, wenn einzelne eine Freude daran zu haben scheinen, sich über Gendersternchen und eine vermeintliche Verschandelung der Sprache zu echauffieren. Vor allem, wenn sie zuvor selbst nicht durch besondere Spracheleganz aufgefallen sind. Wenn dies dazu führt, dass wir grundsätzlich über die Deutungsmacht von Sprache nachdenken – dann wäre diese Debatte ein Gewinn.
Es geht um unseren gesamten Sprachgebrauch und unseren Blick auf die Welt.
Blicken wir gemeinsam darauf!

Fabian Gramling: “Verbote retten das Klima nicht”

Eine Kolumne von Fabian Gramling, Landtagsabgeordneter der CDU

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist verwundbar. Das wurde selten so deutlich, wie in der Corona-Pandemie. Volle Auftragsbücher und Vollbeschäftigung – das gehört erstmal der Vergangenheit an. Wir sind und bleiben in hohem Maße von unserem Export abhängig. Wenn Lieferketten nicht mehr funktionieren, die Binnennachfrage ausbleibt und der Export nicht anspringt, dann sind unsere Arbeitsplätze in großer Gefahr.

Die Corona-Krise hat die eine oder andere Schwachstelle in unserem Land aufgedeckt, aber auch positive Begleiterscheinungen mit sich gebracht. So sind beispielsweise große Teile unserer Gesellschaft in die digitale Welt katapultiert worden. Wir haben gesehen, was alles möglich ist und wir haben gesehen, wo wir nachsteuern müssen. In den kommenden Monaten und Jahren stehen wir vor großen und weitreichenden Entscheidungen. Es wird wichtig sein, dass wir die Weichen für ein modernes und nachhaltiges Leben stellen. Wir müssen mit viel Verstand heute dafür sorgen, dass unsere Kinder und Enkel morgen in einer liebens- und lebenswerten Welt aufwachsen können.

Im Jahr 2019 haben Klimaschutzbewegungen viele Bürgerinnen und Bürger in ihren Bann gezogen. Das ist verständlich, denn wer will denn kein klimaneutrales und nachhaltiges Leben für uns und unsere nachfolgenden Generationen? Doch zur Wahrheit gehört auch, dass es vielen in Zeiten von Wohlstand und Wachstum leicht fällt, über Verzicht zu philosophieren – solange es „die Anderen“ betrifft und wir weiter im Wohlstand unser Leben wie bisher genießen dürfen.

Wie so oft im Leben gibt es für das gleiche Ziel zwei grundverschiedene Wege, um dieses Ziel zu erreichen. Die einen predigen den Verzicht, fordern Verbote und den Staat zu drastischen Maßnahmen auf. Sie wollen die Marktwirtschaft aushebeln und freie Märkte nicht regulieren, sondern politische Preise aufrufen. Zusammengefasst: Sie wollen die Deindustrialisierung, die Abschaffung der Sozialen Marktwirtschaft und einen Systemwechsel in der Bundesrepublik.

Ich bin der Meinung, dass wir das große Ziel, effektiven Klimaschutz und die Rettung des Weltklimas, nicht erreichen, wenn wir alles verbieten. Sei es das Fliegen, der Verzehr von Fleisch oder das Autofahren. Ich stehe für einen anderen Weg ein. Ich will, dass wir mit Innovationen, mit technischen Lösungen, die Herausforderung der Gegenwart und der Zukunft meistern. In der Geschichte hat sich immer gezeigt: Innovation schafft Arbeitsplätze und sichert den Wohlstand jedes Einzelnen von uns. Umso wichtiger ist es, dass neben all den kurzfristigen Maßnahmen in den aktuellen Konjunktur-Paketen des Bundes und der Länder auch mittel- und langfristige Milliardenpakete für Technologie- und Innovationsförderung vorgesehen sind. Wenn wir unsere Standards und unsere Technologie auch in Zukunft in die Welt exportieren, dann können wir einen großen Beitrag für den weltweiten Klimaschutz leisten. Wir sind für viele Länder ein Vorbild – vor allem wegen unseren effizienten und nachhaltigen Innovationen. Im Sinne des Klimaschutzes muss das auch in Zukunft so bleiben!

Nachhaltiger Klimaschutz geht nicht mit Verboten, sondern indem wir unser Leben nachhaltiger und effektiver gestalten. Mit einem attraktiven Bahnangebot und Online-Videokonferenz bei der Arbeit werden wir die Zahl der Inlandsflüge reduzieren. Doch wir müssen uns auch darüber im Klaren sein, dass in jeder Minute weltweit über 1 Million Menschen im Flugzeug unterwegs sind – 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr. Wir retten das Weltklima also nicht, indem wir das Fliegen bei uns verbieten, sondern indem wir innovative Lösungen entwickeln, um das Fliegen klimafreundlich zu machen.

Verbote und Gängelungen vernichten Arbeitsplätze und Wohlstand. Das Weltklima retten sie aber nicht. Lassen Sie uns proaktiv nachhaltigen Klimaschutz machen – mit Innovation und Transformation, mit Mut, Optimismus und Technologieoffenheit, mit klarem Kompass und Verstand!

 

“Bei uns allen hat dieses Virus viel verändert”

Eine Kolumne von Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Bundestagsabgeordneter der CDU

Das Jahr 2020 wird uns als das Jahr der Corona-Krise noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Bei uns allen hat dieses Virus viel verändert. Neben vielen negativen Folgen der Corona-Krise sehe ich auch ein paar positive Begleiterscheinungen: ein Mehr an Miteinander, für viele mehr Zeit mit der Familie und eine gewisse Entschleunigung. Berufsgruppen, welche bisher noch nicht so sehr im Vordergrund standen, haben endlich die gebührende Wertschätzung erfahren, sobald ihre “Systemrelevanz” entdeckt wurde. Zu meinen Aufgaben gehört, dass ich mich für die Bundesregierung um den Güterverkehr und die Logistik in Deutschland kümmere. Ohne die LKW-Fahrer hätten wir weder volle Regale im Supermarkt noch würden die Produktionsketten laufen. Auf der einen Seite haben die LKW-Fahrer in der Corona-Krise viel Dankbarkeit erfahren, auf der anderen Seite sah es im Alltag oft ganz anders aus. Deshalb habe ich mit anderen die Aktion “Logistikhilft” initiiert. Während viele WC-Anlagen für die LKW-Fahrer geschlossen wurden, haben wir neue mobile Anlagen errichtet, die auch zum Duschen genutzt werden können. Wir haben Schutzmasken organisiert und auch sonst einiges unternommen, um den Dankesworten Taten folgen zu lassen. Beispielsweise solche spontanen Reaktionen auf die Corona-Krise haben meinen veränderten Alltag seit März geprägt.

Wenn ich in meinen Kalender schaue, stelle ich fest, was uns alles dieses Jahr entgeht: “Pferdemarkt-Umzug – abgesagt”, “Eröffnungskonzert Schloßfestspiele – abgesagt”, “Tag der offenen Tür im Wahlkreisbüro – abgesagt”, “Schäferlauf – abgesagt”, “Weinlaube abgesagt” usw. Dadurch werden die Wochenenden für einen Politiker ungewohnt terminarm. Mir geht es aber so wie vielen Lesern sicher auch. Die ganzen schönen Feste fehlen. Für mich sind sie immer eine gute Gelegenheit “Volkes Stimme” aufzunehmen und natürlich gibt es dabei auch viele angenehme Begegnungen. Aber die Vernunft sagt uns: es ist besser so, solange wir noch keinen Impfstoff haben.

Auch in der politischen Arbeit, sowohl in den Parteien und Verbänden als auch im Bundestag, haben sich übliche Abläufe komplett verändert. Vorstands- /Ausschuss- / Fraktions- und Arbeitsgruppensitzungen finden plötzlich digital statt – und: es funktioniert! So schlecht sind wir dann doch wieder nicht bei der digitalen Infrastruktur. Bundestagssitzungen und Abstimmungen werden bis heute auf Abstand durchgeführt. Dies hat dem ganzen Parlament, aber sicher auch anderen Gremien einen Digitalisierungs-Schub verliehen, der auch über die jetzige Ausnahmesituation hinaus anhalten wird.

Corona wird erstmal bleiben – sichtbar und auch unsichtbar. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat im Zuge einer Regierungsbefragung im Deutschen Bundestag während der Hochphase des Lockdowns gesagt, dass “wir einander in den nächsten Monaten sicher vieles verzeihen werden müssen”. Die Maßnahmen und Entscheidungen, die die Politik seit Mitte März und bis heute getroffen hat, sind sowohl was die Einschränkungen von Wirtschaft, Gesellschaft und öffentlichem Leben als auch die finanzielle Belastung und Nachwirkungen für uns alle betrifft in dieser Form in der Bundesrepublik noch nie da gewesen.

Es gibt Pandemiepläne der Bundesregierung, aber trotzdem waren wir nicht optimal vorbereitet auf eine solche Ausnahmesituation. Die Sitzungen des Bundeskabinetts oder unserer Fraktion, an denen ich in der Krisenzeit teilnehmen durfte, werden mir immer in Erinnerung bleiben. Oft mussten Entscheidungen getroffen werden, obwohl unterschiedliche Experten völlig unterschiedliche Ratschläge gaben. Da hilft kein Zaudern und Zögern: wir sind schließlich gewählt, um zu entscheiden. Aus jetziger Sicht ziehe ich eine positive Bilanz unseres Handelns. Die Menschen in unserem Land haben gut mitgezogen, um die Folgen zu mindern. Aus Fehlern werden wir für die Zukunft lernen, aber noch haben wir einen weiten Weg zu gehen bis wir sagen können: die Corona-Krise ist beendet. Deshalb braucht es von uns allen auch weiterhin viel Vernunft, Rücksichtnahme und Geduld.

„Wir lassen uns nicht beirren!“

Eine Kolumne von Dr. Heinz-Werner Schulte, Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse Ludwigsburg

Es wäre ein Leichtes, die Vielzahl von Herausforderungen ganz unterschiedlicher Natur en détail zu beschreiben, mit denen wir – wie alle Akteure der Finanzbranche – seit Langem zu kämpfen haben. Die umfassende Schilderung dessen würde allerdings den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Darum will ich an der Stelle nur wenige Schlagworte nennen, um die komplexe Problemlage zu umreißen: Finanzkrise, Niedrigzinsen, ausufernde Bürokratie und Regulatorik, anhaltende Flutung der Märkte durch die Zentralbanken, rasante Digitalisierung, Protektionismus und drohende Handelskriege, wachsende politische Instabilitäten mit entsprechenden negativen Folgen für die Finanz- und Wirtschaftswelt.

Zu all den ohnehin schon bestehenden Problemen ist Anfang des Jahres ein neues, so noch nie gekanntes hinzugekommen: das Virus Corona. Der Kampf gegen das Virus und die von ihm verursachten immensen Folgeschäden hat erst begonnen. Auf sehr vielen Ebenen. Die Zäsur Corona hat nicht nur die Welt der Kreissparkasse in eine „davor“ und „danach“ geteilt. Das „Davor“ und „Danach“ betrifft die ganze Welt. Allein für die Bewältigung von Corona wird enorme Kraft benötigt und werden große Ressourcen gebunden. Auch und gerade in der Finanzwirtschaft. Davon ist die Kreissparkasse Ludwigsburg natürlich nicht ausgenommen.

Beim Blick auf die Problemlage vor dem Ausbruch der Pandemie sticht besonders die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase ins Auge. Wir haben es mit einem Zinsniveau zu tun, das in der Historie seinesgleichen sucht. Daraus ergeben sich sowohl für die Finanzinstitute als auch für die Anleger Folge-Schwierigkeiten. Ein Ende scheint nicht abzusehen. Diese Entwicklung hat sogar zu punktuellen „Negativzinsen“ geführt. Gibt es einen Weg zurück aus diesem absurden Szenario? Nicht wenige Experten fragen sich, ob überhaupt noch mit einem Zinsanstieg zu rechnen ist. Es müssen Anlage-Alternativen gesucht und gefunden werden, die Interessenten akzeptable Rendite-Chancen eröffnen. Das halten wir für machbar.

Mit Lösungen, die stets das Wohl unserer Kunden, das Wohl der Region, in der wir tätig sind, und das gesunde Wachstum unseres Hauses im Blick haben. Lösungen, die überhaupt nur deshalb entstehen können, weil Innovationskraft, Kreativität und Mut zu Neuem zur Kreissparkassen-DNA gehören. Schon immer gehört haben. Seit unser Haus 1852 gegründet worden ist.

In diesen bald 170 Jahren hat immer eines gegolten: Wir lassen uns nicht beirren! Dieses Leitmotiv gilt für uns in unveränderter Weise. Darauf konnten und können sich unsere Kunden verlassen. Alles, was wir tun, zielt darauf ab, ihnen und der Region, in der wir aktiv sind, Nutzen zu stiften. Wir unternehmen dafür große Anstrengungen. Jahr für Jahr. Und dürfen durchaus mit Stolz sagen, dass unser Tun von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt wird. Wir sind ein ökonomisch erfolgreiches Finanzinstitut, sind in unserem Marktgebiet nicht zufällig die Nummer 1. Unsere Wirtschaftskraft schafft und vergrößert stetig die Basis für unser umfassendes gemeinnütziges Engagement. Jahr für Jahr fließen in Summe Millionenbeträge in die Unterstützung von Hunderten von Projekten, die das Leben der Menschen im Landkreis bereichern.

Wir stellen uns auch in Zukunft allen Herausforderungen und werden alles dafür tun, um auch künftig ökonomischen, ökologischen und sozialen Fortschritt zu erzielen. Denn beim Blick auf Herausforderungen sehen wir nicht allein die Risiken. Wir sehen stets auch die Chancen, sehen den Wandel als Möglichkeit zur kreativ-konstruktiven Veränderung. Und auch dabei lassen wir uns nicht beirren!

Herausforderungen bewusst annehmen

Eine Kolumne von Christian Schneider – Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH

Was haben Hindernisse, scheinbar unüberwindbare Grenzen und Krisen gemeinsam? – Sie halten uns auf, hindern uns am Weitergehen, versetzen uns in Alarmbereitschaft und verunsichern. So reagieren wir zunächst: menschlich und vollkommen natürlich. Trotzdem liegt es an uns, wie wir mit gewissen Situationen umgehen. Unsere Überzeugung beeinflusst unser Denken und Handeln. Im privaten wie auch im beruflichen. Doch jede Krise birgt Chancen. Wird uns das einmal bewusst, fällt es leichter nicht mehr nur Probleme zu sehen, sondern aktiv an Lösungen zu arbeiten.

In den letzten Monaten wurde die Geschäftswelt auf eine harte Probe gestellt. Von heute auf morgen hieß es: Umdenken, umstellen, neu ordnen. Transformieren in eine neue Grundordnung. Schnelles und konsequentes Handeln war gefragt. Unternehmen, die bereits zuvor ihre Systeme, Prozesse und Kommunikationswege im Sinne der Digitalisierung angepasst haben, konnten den neuen Herausforderungen leichter begegnen als klassisch organisierte Betriebe, in denen Home- Office und agile Arbeitsprozesse bisher keine große Rolle gespielt haben. Die Spielregeln haben sich viel zu schnell verändert und für viele Existenz bedrohende Schwierigkeiten mit sich gebracht. Kurzfristige Kostensenkungsmaßnahmen, um wirtschaftlich zu bleiben, schienen unumgänglich. Dennoch sind langfristige Planung und strategisch gut durchdachte Schritte im Rahmen der Wertschöpfungskette von zentraler Bedeutung. Weitblick statt Aktionismus. Nur so können Geschäftsmodelle auf ein sicheres Fundament gestellt und zukunftssicher ausgerichtet werden. Und so schwerwiegend manche Krisen auch sein mögen, sie rütteln uns wach. Sie regen uns zum Umdenken an und lassen uns bewusstwerden, dass neue Chancen warten: Ist das was wir heute machen, morgen für unsere Kunden noch relevant? Worin müssen wir besser werden? Die Sicht über den Tellerrand hinaus wird wieder frei. Und dann liegt es an uns, worauf wir den Fokus richten.

Als Unternehmen über Jahre und Jahrzehnte erfolgreich zu bleiben erfordert Mut zur Veränderung. Und zwar nicht nur, wenn weitreichende Krisen dazu zwingen, sondern stetig. Denn wir sind von Wandel umgeben. Deshalb ist es wichtig seine Umwelt im Auge zu behalten, klare Ziele zu definieren, die sich auf Visionen stützen, und diese immer wieder auf die Probe zu stellen. Gleichzeitig eine Unternehmenskultur zu schaffen, die es erlaubt mutig zu sein, zu hinterfragen und Komfortzonen zu verlassen. Motivierte und qualifizierte Mitarbeiter sind wesentlich. Vor allem in Krisensituationen sind ein starkes Management und starke Führungskräfte gefordert auf Zukunftsbereiche des Unternehmens noch mehr einzugehen, Trends zu erkennen und diese kurz- oder langfristig zu bedienen. Gas geben ist angesagt! Wer auf die Bremse tritt, verliert. Nur so wird Wachstum gegenwärtig.

Wie andere Unternehmen auch, hat die Corona-Krise auch uns, die Stadtwerke Ludwigsburg- Kornwestheim, dazu animiert wieder klarer auf uns selbst zu blicken und die Gegenwart, mit Blick auf die Zukunft, noch besser wahrzunehmen. Für uns steht innerhalb unserer Transformationsphase vom Versorger zum Umsorger nach wie vor der Kunde im Mittelpunkt. Wir richten unser Handeln darauf aus, Mehrwerte zu schaffen und unsere Produkte und Dienstleistungen für Privat- sowie Firmenkunden erlebbar zu machen. Unsere strategische Ausrichtung widmet sich weiterhin Zukunftsthemen wie smarten, nachhaltigen Energie- und Mobilitätslösungen, Vernetzung durch die Verlegung einer Glasfaserinfrastruktur und dem Einsatz modernster Technik. Wir sind stolz darauf, die Digitalisierung aktiv voranzutreiben und damit einen echten gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Mit allen unseren Partnern, die uns unterstützen und denen auch unsere Unterstützung sicher ist, werden wir jede unvorhersehbare Situation meistern. Davon bin ich überzeugt! Uns allen sollte fortan immer bewusst bleiben: Hindernisse bringen uns nicht zum Fallen, Grenzen sind überwindbar und jede Krise birgt Chancen, wenn wir Veränderungen mutig entgegenblicken.

„Rassismus und Grundgesetz“

Eine Kolumne von Dr. Matthias Knecht, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg

Liebe Leserinnen und Leser von Ludwigsburg24,
ich freue mich Ihnen heute niederschreiben zu dürfen, was mich derzeit bewegt.

Stellen Sie sich folgendes Bild vor: Sie werden in einer Gegend geboren, in der Menschen leben, die den gleichen beruflichen Status und eine ähnliche Lebenssituation wie Sie aufweisen. Sie sind in Sport-, Kultur- oder Musikvereinen aktiv, deren Mitglieder Interessen mit Ihnen teilen. Sie haben Freunde, die Urlaubsziele wie Sie präferieren und die die gleichen Konzerte besuchen. Diese Ausgangssituation lässt sich wohl tausendfach auf Bürgerinnen und Bürger in Ludwigsburg bzw. unseres  Landes übertragen, und für uns ist das ein Vorteil, etwas Schönes, was uns Vertrautheit gibt. Erkennen Sie sich wieder? Ich mich in jeden Fall.

Jetzt stellen Sie sich vor, dass auf Sie die oben genannten Aussagen alle zutreffen und Sie doch merken, dass Sie aufgrund eines Merkmals nicht zu dieser Gruppe gehören dürfen. Einem Merkmal, das eigentlich keine Wirkung auf Ihr Zusammenleben oder Ihre Interaktion mit anderen Personen hat. Es wird Ihnen klischeehaft vorgehalten und grenzt Sie aus. Wir alle würden das wohl als für völlig ungerechtfertigt und unfair halten.

So verhält es sich beim Rassismus. Menschen werden aufgrund Ihrer Hautfarbe, Ihres familiären Hintergrunds, Ihres Herkunftslandes oder anderer Merkmale Eigenschaften nachgesagt, die die Individualität jeder Einzelnen und jedes Einzelnen außen vor lässt. Rassismus gibt Menschen nicht die Chance sich zu verwirklichen, da sie durch Vorurteile daran gehindert werden.

In unserer Barockstadt fand vor wenigen Wochen eine Kundgebung „Black Lives Matter“ statt, bei der ich anwesend sein durfte. Dabei sprach eine junge Frau, die sich immer wieder mit der Frage auseinandersetzen musste „woher sie denn komme“. Ihre Antwort war immer die gleiche: „Ludwigsburg!“. Auf erneute Nachfrage antwortete sie: „Geboren wurde ich in Leverkusen.“ Doch das Nachbohren hört hier nicht auf – und das ist das Problem. Liebe Leserinnen und Leser, äußerliche Merkmale von Menschen mit Wertungen zu verbinden, war und ist nicht akzeptabel und wird es nie sein. Viele leisten in Ludwigsburg vorbildliche Arbeit für Integration, Inklusion und Völkerverständigung, weswegen wir in einer so tollen Stadt mit unterschiedlichsten Facetten leben – und doch dürfen wir nie müde werden, oben genannte Aussage zu betonen.

In Artikel 2, Absatz 1 unseres Grundgesetzes heißt es „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit,…“ Lassen Sie uns dies immer verinnerlichen! Die Würde aller Menschen ist zu achten, wie Artikel 1 unseres Grundgesetzes nicht umsonst betont! Ludwigsburg mit seinen internationalen Restaurants und Cafés, seinen Kulturvereinen, seinen Menschen! Das macht diese Stadt aus.

Unser Bundespräsident hat neulich in einer Ansprache deutlich gemacht, dass wir „Antirassisten“ sein müssen.  Liebe Leserinnen, liebe Leser, das müssen wir uns zu Herzen nehmen – denn es reicht nicht zu Rassismus zu schweigen, wir müssen ihm aktiv im Alltag entgegentreten.

Ihr Matthias Knecht

Corona – Nur Isolation oder auch Chance?

Eine Kolumne von Dietmar Allgaier, Landrat des Landkreises Ludwigsburg

Corona stellt uns alle vor bisher nicht gekannte Herausforderungen: Solo-Selbstständige kämpfen ums wirtschaftliche Überleben, Pharma-Firmen suchen weltweit unter Hochdruck nach einem Impfstoff, Mediziner nach wirksamen Therapien, Politiker nach Maßnahmen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Menschen wirkungsvoll zu unterstützen. Familien suchen nach Möglichkeiten, Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen, ältere Menschen nach Wegen, die Dinge des täglichen Bedarfs möglichst risikolos zu bekommen – und wir alle streben danach, unsere sozialen Beziehungen, unsere vielfältige Kultur und unsere lebendige Demokratie aufrechtzuerhalten. Kurz gesagt: Wir möchten unseren Alltag trotz der notwendigen Abstands- und Hygieneregeln, trotz geschlossener Schulen und Kindergärten, trotz Geisterspiele und abgesagter Konzerte gut, aktiv und lebenswert fortführen.

Doch auch in Corona-Zeiten gilt der Spruch „Nichts ist so schlecht, als dass es nicht auch etwas Gutes hätte“. Neben Verunsicherung, Angst und sozialer Isolation bringt dieser Ausnahmezustand auch positive Aspekte mit sich.

Nehmen wir die Umwelt: Weniger Verkehr in der Luft, zu Wasser und auf den Straßen bedeuten weniger Schadstoffe und damit auch eine geringere Umweltbelastung. Das ist, wie uns die Fachleute sagen, zwar nur ein vorübergehender Effekt, aber einer, der momentan deutlich zu spüren ist: Der Himmel erscheint blauer als sonst, die Luft ist sauberer geworden, die Welt ist teilweise ein Stück stiller geworden.

Nehmen wir die Digitalisierung: In vielen Bereichen ist die Digitalisierung von der Corona Krise beschleunigt worden. Plötzlich entstand ein großer Bedarf für Homeoffice und Video-Konferenzen, der von den EDV-Fachleuten in Rekordzeit erfüllt wurde. Zeit und Kostenersparnisse sind die Folge. Wegstrecken, die bislang selbstverständlich waren, werden zugunsten von mehr Lebensqualität plötzlich hinterfragt, Pädagogen und Schüler, kommunizieren miteinander neu und entdecken andere Formen von Schulunterricht.

Nehmen wir unsere Gesellschaft: Wir lernen uns wieder näher kennen, das Miteinander bekommt einen völlig neuen Stellenwert. Konzerte von Balkonen oder „live“ im Internet, Wertschätzung gegenüber bislang selbstverständlichen Berufsbildern, Hilfe, Einkauf, Unterstützung für ältere Menschen oder den Nachbarn, eine Bewusstseinsbildung für Nächstenliebe und Fürsorge.

Meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass wir viele der gerade angesprochenen Beispiele, also die entstandenen positiven Effekte der Corona-Krise mitnehmen: Gemeinsinn und Hilfsbereitschaft, wie wir sie in den letzten Monaten in großem Maße feststellen konnten; Sensibilität für die Umwelt, die uns nicht braucht – wir sie hingegen umso mehr; die Digitalisierung, die wir vorantreiben sollten, um die Welt einfacher, ökologischer, ökonomischer und gerechter zu machen. Oder um es mit dem schottischen Essayisten und Historiker Thomas Carlyle (1795-1881) zu sagen: „Die Zeit ist schlecht? Wohlan. Du bist da, sie besser zu machen.“