„Warum wir keinen Männerbeauftragten brauchen!“ – Ein Gastbeitrag von Nadja Schmidt

Ein Beitrag von Nadja Schmidt – Kandidatin bei der Landtagswahl am 14. März 2021 für die Partei DIE LINKE in Ludwigsburg

Vor einigen Tagen habe ich mit einem guten Freund über das Thema Frauenpolitik gesprochen und über die Notwendigkeit einer Gleichstellungsbeauftragten im betrieblichen und politischen Kontext. Mein Freund, den ich für einen aufgeklärten und fortschrittlichen Menschen halte, hielt entgegen: Manchmal denke ich, wir bräuchten eher mehr Männerbeauftragte bei der Dominanz des Themas Frauenpolitik. Ich war baff erstaunt. Warum? Nicht, weil mir nicht klar wäre, dass es auch Männer gibt, die häusliche Gewalt erfahren oder Ungerechtigkeiten beim Thema Sorgerecht. Sondern weil mein Freund mit diesem Argument negiert, dass die Ungleichbehandlung von Frauen ein strukturelles Problem ist!

Sicher, das Thema Gleichberechtigung wirkt manchmal etwas verstaubt. Ich gebe zu, dass auch mir die Aktualität der Problematik erst richtig bewusst wurde als ich Mutter wurde. Ich bin Krankenschwester, der Vater meines Kindes arbeitet in der Autoindustrie. Ich verrate ihnen kein allzu privates Geheimnis wenn ich ihnen sage, dass er deutlich mehr verdient als ich. Entsprechend kurz viel die Diskussion aus, als es nach der Geburt unseres Kindes darum ging, wer ein Jahr lang Zuhause bleibt. Dreimal dürfen Sie raten … Verstehen sie mich nicht falsch, ich bin gerne bei meinem Kind geblieben, aber ich bin nicht der häusliche Typ und ich hätte gerne die Option gehabt, nach einigen Monaten zu wechseln. Aber wirtschaftlich wäre es einfach unvernünftig gewesen. Was auch der Grund ist warum ich diejenige war, die nach diesem Jahr Elternzeit in Teilzeit ging, damit unser Kind nicht mit einem Jahr in Vollzeitbetreuung musste. Vor meiner Abwesenheit war ich stellvertretende Vorsitzende in unserem  Betriebsrat. Danach nicht mehr. Und jetzt stellen Sie sich vor, was es mit ihren beruflichen Chancen macht, wenn sie das zwei oder dreimal machen.

Jetzt können Sie natürlich sagen, dass meine Geschichte ein Einzelfall, ein individuelles Problem ist. Aber so ist es nicht. Über 85% der Pflegekräfte in der Altenpflege sind laut dem Bundesministerium für Gesundheit weiblich. Ähnlich groß und noch höher ist der Frauenanteil der  Pflegekräfte in den Kliniken, der  Erzieherinnen und der Heilerziehungspflegerinnen. Womit wir einige der am schlechtesten bezahlten Ausbildungsberufe in unserer Gesellschaft genannt hätten. Verdient die Frau in einer Beziehung aber weniger, wird sie viel eher in die klassische Rollenverteilung gedrängt. Durch Teilzeit und fehlendem Aufstieg verschärft sich dieses Bild noch. Diese Umstände führen zu einem Gender-Pay-Gap in Deutschland von rund 19% im Jahr 2020. Das heißt, dass Frauen fast 20 % weniger verdienen als Männer! Stellen Sie sich vor, was es für eine Frau mit geringem Einkommen bedeutet, sich von ihrem Mann zu trennen und in einer Stadt wie Ludwigsburg eine Wohnung zu finden. Manche Frau wird sich angesichts ihrer finanziellen Situation dagegen entscheiden. Vielleicht sogar, obwohl sie von ihm Gewalt erfahren muss. (Übrigens denke ich nicht, dass die Männer an der Benachteiligung der Frauen schuld sind. Wir haben hier ein gesellschaftliches Thema, das gemeinsam von uns allen, unabhängig unserer Geschlechtes angegangen werden muss)

Die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau ist der wichtigste Schlüssel zur Emanzipation. Und hier liegt noch sehr viel im Argen. Viele klassische „Frauenberufe“ sind unterbezahlt und Sorgearbeit wird nicht honoriert. Mädchen und junge Frauen müssen noch mehr motiviert und gefördert werden, in berufliche Männerdomänen vorzudringen und wir müssen Frauen gezielt in Führungspositionen bringen. Aus meiner Sicht auch gerne mit einer Quote. Darüber hinaus gilt es, Geschlechterstereotypen zu hinterfragen und warum die katholische Kirche ihr vorsinnflutartiges Frauenbild leben und gleichzeitig unsere Kinder erziehen darf.

Und falls das noch nicht reicht um Sie davon zu überzeugen, dass wir noch nicht fertig sind mit dem Thema Emanzipation: Vier von fünf Gewaltopfern in Beziehungen sind weiblich. Jeden dritten Tag wird eine Frau in Deutschland von Ihrem Partner oder Expartner getötet. Täglich werden Frauen und Mädchen Opfer schwerster sexualisierter Gewalt. Nur 36,5 % der Aufsichtsräte deutscher DAX-Unternehmen sind weiblich. 14 von 40 Stadträten in Ludwigsburg sind Frauen. Im Baden-Württembergischen Landtag liegt ihr Anteil bei 26,6%. Bäm!

Ich möchte bitte nie wieder den Ruf nach einem Männerbeauftragten hören!

Fast am Ende meines Textes möchte ich über Eines noch aufklären: Wir sprechen heute von einer Gleichstellungsbeauftragten und nicht einer Frauenbeauftragten, weil diese Person Geschlechterdiskrimminerung aller Art angehen soll. Und ganz zum Ende noch eine Zahl, die Hoffnung macht: Vier von fünf der Ludwigsburger Kandidat*innen für die Landtagswahl sind Frauen. Junge Frauen brauchen weibliche Vorbilder. Liefern wir sie ihnen in Kolleginnen!

Klimaschonend und fit unterwegs in die Zukunft – Ein Gastbeitrag von Silke Gericke

Mobilität ist für jeden Menschen ein Begriff von Selbstbestimmung und Freiheit. Wir Menschen können ohne Mobilität nicht leben. Sobald wir einen Schritt vor die Haustür treten, um zur Arbeit, in die Schule oder zum Ausbildungsort zu kommen, sind wir Teil der öffentlichen Mobilität. Gerade hier im Ballungsraum sind wir Scharen von Menschen, die mit ihren Anliegen individuell unterwegs sind – und viele mit dem PKW. Das stellt eine große Herausforderung für jeden Verkehrsplaner dar, diese Verkehrsströme im öffentlichen Raum unter einen Hut zu bringen. Doch die Kehrseite dieser Mobilität sind Lärm, Stress, Flächenverbrauch und Luftverschmutzung. Der Klimawandel macht nicht vor unseren Breiten halt. Baden-Württemberg ist von den Veränderungen durch den Klimawandel betroffen: Vermehrte Starkregenereignisse und Überschwemmungen im Sommer gerne im Wechsel mit Hitzeextremen und Dürren sind die Konsequenzen. Klimaschutz ist daher ein erklärtes Ziel der grün-geführten Landesregierung von Baden-Württemberg.

Für den Landkreis Ludwigsburg bedeutet dieses Ziel des Landes im Bereich der Verkehrsplanung: Der Ausbau der Regionalbahnen und S-Bahnen sowie die Umsetzung des Straßenbahnprojekts mit Hilfe von Bundes- und Landesförderungen müssen vorangetrieben werden. Da geht es um eine Verlängerung der S5 über Bietigheim-Bissingen hinaus nach Sachsenheim, Sersheim, Vaihingen/Enz bis nach Mühlacker. Die Pläne zur Stadtbahn Ludwigsburg müssen in die Tat umgesetzt, die Reaktivierung der Strecke nach Markgröningen und der Anschluss nach Schwieberdingen schnell vorangetrieben werden. Die Bottwartalbahn muss durch die Bahn wieder in Betrieb genommen, die Trasse reaktiviert werden. Wir brauchen die Durchbindung der Strohgäubahn in Richtung Stuttgart. Busse müssen in stärkerer Taktung die alten und neuen Mobilitätsknoten des Landkreises bedienen. Zusätzlich zu den bestehenden Busverbindungen müssen Direktverbindungen in den Schülerverkehren geschaffen werden: zum Beispiel ein Verbindung von Ditzingen über Korntal-Münchingen, Möglingen über Markgröningen und Asperg nach Tamm.

Die Vertreter*innen der kommunalen Verwaltungen vor Ort befürworten dieses verkehrspolitische Ziel, den Ausbau des ÖPNV so voranzutreiben, dass die Verdopplung der Nachfrage im ÖPNV (gemessen an den Personenkilometer) bis 2030 im Vergleich zu 2010 erreicht wird. Durch die Einführung eines Mobilitätspass in Kommunen und die Aufstockung der Verkehrsfinanzierung, stehen ausreichend Mittel zum Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur, von Takt-Angeboten sowie einer Anpassung des Tarifangebotes zur Verfügung.

Auch im Bereich des Güterverkehrs soll bis 2030 jede dritte Tonne klimaneutral das Endziel ihrer Reise erreichen. Der Güterverkehrsknoten Kornwestheim muss deshalb wieder stärker genutzt werden. Das geht auch aus einem Gutachten des Landes hervor. Grundvoraussetzung ist jedoch, es muss in die Infrastruktur der Schiene im ganzen Land investiert werden, um die Kapazitäten erhöhen zu können. Hier sind der Bund und die Bahn gefragt. Diese Investition zahlt sich beim Klimaschutz aus. Vorständin der DB Cargo,  Sigrid Nikutta zeigt das enorme Potential auf: „Wir sparen auf der Schiene im Vergleich zum LKW mindestens 80 Prozent CO2 ein.“[1] Zudem muss noch mehr die Citylogistik auf den Prüfstand kommen. Damit auch die letzten Meilen im Landkreis Ludwigburg durch das Angebot von Logistik-Hubs und Mini-Logistik-Hubs, Kombiverkehre außerhalb der Pendlerzeiten und durch Lastenräder abgedeckt sein können.

Für unsere Region ist der Faktencheck des Landes für den Nord-Osten der Metropolregion Stuttgart im letzten Jahr entscheidend gewesen. Hier wurde klar, dass die Landkreise Ludwigsburg und Waiblingen, sowie die regionale Wirtschaft und Verbände und Vereine zusammen einen gut geplanten, nachhaltigen Mobilitätsmix für die Region entwickeln müssen. Dieser Prozess muss in den kommenden Jahren vorangetrieben werden.

Der Fuß- und Fahrradverkehr wird attraktiver gestaltet werden. Es braucht sichere Radwegbeläge, gute Beleuchtung und sinnvolle Ausschilderung. Die geplanten Schnellradwege Ludwigsburg-Waiblingen und Bietigheim-Stuttgart müssen zügig angelegt werden. Corona zeigt uns noch mehr, wie wichtig diese Art der selbstaktiven Mobilität ist. Laufen und Radfahren hält fit und macht auch Spaß.

 

[1] Vgl. Bietigheimer Zeitung, 27.1.2021, S.4

Wohnen darf kein Luxus sein – Ein Gastbeitrag von Colin Sauerzapf

Bietigheim-Bissingen auf dem 30. Platz, Remseck auf Platz 22, Kornwestheim auf Platz zwölf, Ditzingen auf zehn und Ludwigsburg auf Platz acht. Der Landkreis Ludwigsburg ist Spitzenreiter bei den Mietpreisen (Quelle: F+B Mietspiegelindex 2019). Fast die Hälfte der TOP 30 Städte mit den teuersten Mieten kommen aus Baden-Württemberg, die meisten davon aus unserer Region.

Auch wenn Baden-Württemberg gerne als „Ländle der Häuslebauer“ bezeichnet wird, wohnt doch knapp die Hälfte der Menschen in unserem Bundesland zur Miete. Viele Studierende können sich das WG-Zimmer in der Universitätsstadt nicht leisten und bis in den Mittelstand hinein fehlt bei immer mehr Menschen am Ende des Monats das Geld, weil sie über 40% ihres Einkommens für die Miete aufbringen müssen. Das Wohnen in unseren großen und kleinen Städten wird für immer mehr Menschen unbezahlbar.

Aber gerade unsere Städte leben vom Austausch von Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Ausbildungen, Hintergründen und damit auch Einkommen. Die angespannte Wohnungssituation wird auch immer mehr zum Hemmnis unserer schwäbischen Wirtschaft. Deshalb brauchen wir eine neue und starke Wohnungspolitik, um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken. Immer mehr Menschen merken, dass der freie Markt allein für viele nicht funktioniert.

Eine Stadt, die seit über 100 Jahren eine ganz andere, sozialdemokratische, Wohnungs- und Bodenpolitik betreibt, ist Wien. 62 % aller Wohnungen der österreichischen Hauptstadt gehören der Kommune oder sind genossenschaftlich organisiert und gefördert. Eine Wohnung in Gemeindebau in Wien kostet maximal 5 € auf den Quadratmeter. Und vor allem: Die Stadt baut selbst, auch aktuell, neue Wohnungen und wird damit dem Zuzug besser gerecht als die meisten deutschen Städte.

Auch Wien ist nicht perfekt. Die restlichen rund 40% der Wohnungen auf dem Privatmarkt haben in den letzten Jahren starke Preissteigerungen erfahren und für viele ist der Zugang zum Gemeindebau, obwohl nötig, nicht gegeben.

Trotzdem können wir aus meiner Sicht von Wien lernen. Städte und Gemeinden müssen einfacher und schneller an Bauland kommen, um die dringend gebrauchten Wohnungen realisieren zu können. Im Grundgesetz steht neben dem Schutz des Eigentums auch: „Eigentum verpflichtet“. Wenn junge Familien oder Rentner aus ihren Heimatstädten wegziehen müssen, weil sie keine für sie bezahlbare Wohnung finden, müssen wir diesen Satz auch ernst nehmen.

Auch müssen unsere Wohngebäude bis 2050 klimaneutral werden. Dabei brauchen Eigentümerinnen und Mieter strukturelle und finanzielle Unterstützung, damit wir diese Mammutaufgabe bewältigen können, ohne dabei die Mieten explodieren zu lassen.

Kommunaler Wohnungsbau muss auch vom Land unterstützt werden. Wir werden es in den nächsten Jahren zwar nicht schaffen Wien beim Anteil an städtischen Wohnungen einzuholen, aber wer nicht anfängt, wird sein Ziel nie erreichen. Wohnungsbau ist Langstrecke und kein Sprint.

Mit diesen und vielen weiteren Maßnahmen, wie Baulückenschließung, Leerstandsbekämpfung oder seniorengerechtem Wohnen, sind die neue Landesregierung und unsere Städte und Gemeinden gefragt das Problem anzupacken, um unser Ländle gerechter und Lebenswerter zu gestalten.

Kaum ein Fleck Erde ist reicher als Baden-Württemberg. Wer wenn nicht wir, kann es schaffen, die Probleme unserer Zeit anzugehen und zu lösen.

Info: Colin Sauerzapf ist Stadtrat in Remseck am Neckar und will 2021 als Abgeordneter für die SPD in den Landtag einziehen.

 

Andrea Wechsler: Impfen oder nicht impfen? Ich bin bei der Corona-Impfung dabei! 

Ein Gastbeitrag für Ludwigsburg24 von Dr. Andrea Wechsler, Landtagskandidatin der CDU für den Wahlkreis Ludwigsburg 

Liebe Leserinnen und Leser von Ludwigsburg24,

„Würdest Du Dich gegen Corona impfen lassen?“ werde ich in letzter Zeit häufiger gefragt. Meine Antwort ist eindeutig: „Ja! Ich werde mich impfen lassen, sobald ich nach der Coronavirus-Impfverordnung berechtigt bin.“ Und manchmal ertappe ich mich bei dem ungeduldigen Gedanken, dass mir eine Impfung in diesem Jahr deutlich lieber wäre als im Verlaufe des Jahres 2021.

Unabhängig von meinem individuellen Impfdatum ist der 27.12.2020 für mich ein Meilenstein im Kampf gegen die Pandemie. Er wird in die Geschichte eingehen. Erstmals wird in Deutschland der von BioNTech-Pfizer entwickelte Impfstoff BNT162b2 verimpft werden. Ob der Impfbeginn jedoch das Potenzial hat, der Beginn vom Ende der Pandemie zu werden, hängt von unserer Impfbereitschaft ab. Nur bei einer Durchimpfungsrate von 60-70% der Bevölkerung werden wir eine Herdenimmunität erreichen. 

Neueste Umfragen zeigen, dass sich zwei Drittel der Bevölkerung grundsätzlich impfen lassen würden. Das sind großartige Nachrichten. Zugleich zeigen die Umfragen jedoch auch, dass große Ängste vor den Nebenwirkungen der Impfung herrschen. Ich habe großes Verständnis für diese Ängste. Daher muss es nun zentrale Aufgabe der Wissenschaftskommunikation sein, für Transparenz bezüglich der Impfung zu sorgen und das Vertrauen in die Impfung zu stärken. Ich persönlich habe meine Risikoabwägung bereits getroffen und werde mich impfen lassen. 

In den letzten 200 Jahren ist die Impfstoffentwicklung eine Erfolgsgeschichte und hat unzählige Menschenleben gerettet. Ich bin zuversichtlich, dass der Corona-Impfstoff hierzu beitragen wird. Die Übersterblichkeit wegen Corona liegt in einzelnen Bundesländern aktuell im zweistelligen Bereich. Täglich sterben fast 1000 Menschen in Deutschland an oder mit Corona. Ich lasse mich impfen, weil ich überzeugt davon bin, dass es Menschenleben rettet und vielleicht sogar mein eigenes. 

„Hast Du keine Angst, weil der Impfstoff so schnell entwickelt wurde?“, werde ich gefragt. „Nein!“, sage ich. Einerseits ist dies die logische Folge des mRNA-Impfstoff-Ansatzes, da dieser schneller herzustellen ist als herkömmliche Impfstoffe. Andererseits wurde der Impfstoff in der EU nicht per Notverordnung zugelassen. Er wurde auf sicherer wissenschaftlicher Basis genehmigt. Ich vertraue dem qualitätsgesicherten Herstellungsprozess (vgl. Annex I der Richtlinie 2001/83/EG) ebenso wie der Tatsache, dass es für den Impfstoff keine inhaltlichen Anpassungen, Einschränkungen oder Ausnahmen des geforderten Qualitätsprofils gab. 

„Hast Du keine Angst vor den Nebenwirkungen?“, werde ich gefragt. „Nein!“, sage ich. Allergische Reaktionen sind zwar bei einer Impfung mit BNT162b2 vereinzelt aufgetreten. Diese werden aber aktuell intensiv untersucht. Sollten Personen oder gar ich als Ergebnis dieser Untersuchungen aufgrund eines Allergierisikos von der Impfung mit BNT162b2 ausgeschlossen werden müssen, so werden in Kürze weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen. Der Impfstoff von Moderna (mRNA-1273) steht kurz vor der Zulassung und der Vektorviren-Impfstoff (ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222)) von AstraZeneca ebenfalls in den Startlöchern. 

„Hast Du keine Angst vor der Wirkweise eines mRNA Impfstoffes?“, werde ich gefragt. „Nein!“, sage ich. Die mRNA-Technologie wird seit Jahren erforscht. Ihr Potenzial für Krebsimmuntherapien und prophylaktische Vakzine ist nicht erst durch Corona wissenschaftlich anerkannt. Ein Einbau der RNA in die DNA des Menschen ist nicht ohne Weiteres möglich, da die mRNA bei einer Impfung nicht in die Nähe der DNA gelangt und sie sich zu stark voneinander unterscheiden. Im Gegenteil sehe ich sogar die Vorteile der RNA-Impfstoffe, denn durch ihn wirken bereits niedrigere Dosen, so dass auf Wirkverstärker verzichtet werden kann. 

„Wenn Du so klar für eine Impfung bist, befürwortest Du dann für eine Impfpflicht?“, werde ich gefragt. „Nein!“, sage ich. Ich halte es für den besseren Weg, den Menschen die Ängste vor den Nebenwirkungen und der mRNA-Impfung zu nehmen, als sie zu einer Impfung zu verpflichten. Ich glaube fest daran, dass mit jeder Impfstoffdosis das Vertrauen in die Sicherheit der Impfung steigen wird. Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam im Jahr 2021 die Herdenimmunität in Deutschland erreichen können. 

In diesem Sinne: Vielleicht sehen wir uns im Impfzentrum in Ludwigsburg?

Bis dahin Ihnen allen ein gesundes Jahr 2021! 

Ihre 

Andrea Wechsler 

 

Menschheit hat mit Abstand überlebt – in fehlender Distanz lauert schon immer Gefahr

Ein Gastbeitrag von Uwe Roth – Journalist

Körpernähe ist zu einer Form des Protests geworden. Anhänger der Querdenker-Bewegung laufen Schulter an Schulter durch die Straßen. Sie fühlen sich dabei wie heldenhafte Freiheitskämpfer. Man muss sich nicht persönlich kennen, um gegenseitig Nähe zuzulassen. Wildfremde eint die Überzeugung, dass die Forderung, in Corona-Zeiten auf Abstand zu gehen, eine staatliche Anmaßung ist. Sie schreien lauthals und verteilen dabei munter ihre Spucke in der Umgebung. Eine Maske setzen sie gleich mit Willkür und einem Herrschaftsinstrument, das sie mundtot machen soll. 

Massenproteste haben immer mit körperlicher Enge zu tun. Doch in einer Zeit der Pandemie ist bewusst gesuchter Körperkontakt eine doppelte Provokation: Sie fordert denjenigen heraus, der die Abstandsregel aufgestellt hat. Also den Staat. Sie gefährdet diejenigen, denen Abstand in diesen Zeiten besonders wichtig ist, weil sie ihr Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit gefährdet sehen. Auch das steht im Grundgesetz, nicht nur das Recht auf Meinungsfreiheit, das Querdenker vor sich hertragen.

Ist Nähe außerhalb der Familie oder der Partnerschaft tatsächlich das Normalste der Welt? Man kann das Thema Nähe und Distanz im Internet recherchieren. Darüber ist erstaunlich viel geforscht worden – und meistens mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass Abstand gegenüber Fremden zu halten, eine zu Natur gewordene Regel ist. In der Literatur wird das natürliche Abstandsmaß mit einem bis zwei Meter angegeben, also im Schnitt mit 1,5 Meter. Die Fundstellen sind lange vor Corona und dem Pandemie-Jahr 2020 ins Internet gestellt worden. 1,5 Meter sind kein willkürliches Maß für eine Schutzzone um den einen Körper. 1,5 Meter Abstand ist eine lang erprobte Erfahrungsregel.

Die Menschen haben über die Jahrtausende gelernt, dass Abstand überlebensnotwendig ist. Nähe setzt Vertrauen zum Gegenüber voraus und bedeutet im Zweifel Gefahr für Leib und Leben. Auch wenn die Menschen in Pestzeiten nichts über den Erreger und die Übertragungswege wussten, sie merkten dennoch, dass körperlicher Abstand ihre Überlebenschancen steigen lässt und Nähe das Gegenteil bewirkt. Diese Vorsicht wurde in gesunden Zeiten beibehalten. Man wusste ja nie, wo die nächste Gefahr droht.

Diese Vorsicht, im Zweifel besser Abstand zu halten, ist scheinbar weg. Im Fernsehen lief der Krimi „Das Geheimnis des Totenwaldes“. Die wahre Geschichte beginnt in den 1980er Jahren. Die Filmkulisse sehr authentisch. Es zeigte den 80er-Style, den ich so als junger Erwachsener mitgelebt habe. Aber eines störte mich: der Umgang der Menschen untereinander. Sie nahmen sich zur Begrüßung in den Arm und berührten die Wangen. So war das damals nicht! Man blieb über das engste Umfeld hinaus auf höflichem Abstand. Auch die neue Freundin des besten Freunds wurde mit Handschlag oder nur einem Hallo begrüßt. Auch den Kumpel in den Arm zu nehmen, war eher ungewöhnlich. Eine Männerumarmung machte verdächtig.

Heute ist das komplett anders. Nähe ist das neue Verhaltensmuster – nicht mehr der Abstand. Wann das gekippt ist, weiß ich nicht. Eine Begrüßung außerhalb des beruflichen Umfelds ohne kurze Umarmung wird beinahe als unhöflich betrachtet. Das schließt völlig Unbekannte ein. Grundsätzlich finde ich den neuen, engen Umgang gut. Ich finde das sehr in Ordnung, dass Männer untereinander körperlich vertrauter geworden sind. Das heißt aber nicht automatisch, dass die alte Vorsichtsregel überflüssig geworden ist. Man darf sie außer Kraft setzen, muss dann jedoch persönliche Verantwortung übernehmen. Denn wie der aktuelle Verlauf der Covid19-Pandemie zeigt, hat sich seit den Pesttagen, was die Ansteckungsgefahr betrifft, nicht viel geändert. Die medizinische Versorgung und damit die Überlebenschance hat sich Gottseidank verbessert. Das gibt aber keinem das Recht, die eigene Verantwortung an das Gesundheitssystem abzudrücken. 

Die Pandemie sollte Anlass sein, grundsätzlich darüber nachzudenken, ob Nähe nicht längst zu einem rein kommerziellen Geschäftsprinzip Masse statt Klasse geworden ist. Die größte Rendite gibt es für Anbieter, wenn möglichst viele Menschen sich an einem Ort versammeln und Geld für eine gemeinsame Sache ausgeben. Passagiere sind zusammengepfercht im Billigflieger, Kreuzfahrtschiffe haben mit 6000 Passagieren fast schon etwas Container-artiges. Die Stadien und Veranstaltungshallen werden immer größer. Wenn sich die Menschen gegenseitig durch die Menge schieben, ist scheinbar alles gut. Ein Fest ist nur dann erfolgreich, wenn sich dort die Menschen drängeln. Wirte jubeln, wenn Festzelte und Kneipen knallvoll sind. Normalvoll ist bereits Anlass für eine Enttäuschung. 

Mit Abstand verdienen Veranstalter kein oder nicht genug Geld. Der Verbraucher wiederum glaubt, dass er Geld spart, wenn er sich die Kosten für das Freizeitvergnügen mit möglichst vielen anderen teilt. Der Mensch wendet sich gegen die Massentierhaltung und macht bei der Massenmenschhaltung munter mit. Damit sich irgendwann Corona in anderer Form nicht wiederholt, sollte das tückische Geschäftsprinzip Masse statt Klasse zumindest in Frage gestellt oder doch besser aufgegeben werden.

 

Corona – Schule – Wir: Ein Gastbeitrag von Manuela Afolabi

Am 14. September begann das neue Schuljahr für alle Schülerinnen und Schüler (SuS) in voller Klassenstärke und festen Gruppen mit Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen: eine Mammut-Aufgabe für alle Beteiligten, so auch für den Landeselternbeirat! Relativ zügig erreichten uns etliche Anfragen bezüglich des Mund-Nase-Schutzes (MNS); in der Folge, ab Mitte Oktober, auch beträchtlich viele Fragen wegen des neuen Lüftungskonzeptes. Schnell wurde allen bewusst, es kann kein Konzept geben, mit dem man allen gerecht werden könne: Man erntete bitterböse Worte zum MNS, entweder aufgrund der Tragezeit oder infolge gesundheitlicher Bedenken, sowie zum Lüften – zu kalt, zu feucht, zu zugig etc.!

In der Schülerschaft hat die Inzidenz während der vergangenen Wochen in allen Altersgruppen deutlich zugenommen. Der Schwellenwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen ist deutlich überschritten, besonders deutlich bei den 10- bis 19-Jährigen. Selbst die Inzidenz der Grundschülerinnen und -schüler ist mit einem Wert von 88,8 in Kalenderwoche 45 überaus hoch. Dabei ist eine hohe Dunkelziffer (bspw. durch asymptomatische Fälle insbesondere in dieser Altersgruppe) zu beachten. D.h., de facto dürften die Inzidenzen weit höher sein. Somit sollte aber das Gesamtkonzept definitiv überarbeitet werden. Warum dann Grundschullehrkräfte keine Masken zur Verfügung gestellt bekommen, zum Eigenschutz UND dem ihrer SuS, entzieht sich meinem Verständnis.

Selbstverständlich versuchen wir, die Meinung der Elternmehrheit zu vertreten, so auch im folgenden Kritikpunkt – der Digitalisierung. Hier hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan, man muss fast sagen dank Corona, denn nachdem bereits im Februar 2018 das Projekt Ella kläglich scheiterte, war das Thema erst einmal in der Versenkung verschwunden.

Erleichtert waren wir, als nach dem Wirrwarr der ersten Corona-Welle das Land zügig Gelder freigab, um benötige Hardware (zumindest für die Lehrerschaft) zu beschaffen. Das Chaos um die Bildungsplattform blieb jedoch bestehen: So arbeiten nun alle mit einem bunten Blumenstrauß von Software; die einen mit Webex – Schulcloud – Microsoft Office, andere mit Jitsi – E-Mail – Nextcloud. Warum gibt es nach wie vor keine vernünftigen Bildungsplattformen mit Schnittstellen zu diversen Anbietern, um bedarfsgerecht Module andocken zu können?

Ich selbst habe 2 Kinder an Stuttgarter Schulen, wobei meine Tochter das Glück hatte, in diesen Zeiten ihren Realschulabschluss zu absolvieren. Nachdem noch nicht einmal schulintern eine einheitliche Regelung getroffen wurde, haben wir nun alle BBB, Jitsi, Teams, Skype, Webex, und Zoom sowie diverse Cloudanbieter auf dem Laptop.

Es gilt, umgehend eine einheitliche, verbindliche Variante zu schaffen, damit SuS und deren Elternhäuser nicht mehr diesem Chaos ausgesetzt sind.

„Der Grundsatz der Chancengleichheit gebietet, alle SchülerInnen mit entsprechenden Leihgeräten inklusive einer zentral definierten Software auszustatten. Jede Schule wird verpflichtet, den entsprechenden Bedarf ihrer SchülerInnen selbst zu ermitteln. Die Schulträger müssen dafür Sorge tragen, dass die Schulen entsprechend ausgestattet werden, während das KM einen Rahmenvertrag zur Versicherung aller Leihgeräte in Baden- Württemberg abschließt“ Quelle: Positionspapier vom 11.08.2020

Ferner hilft es nicht im Geringsten, Diskussionen um verlängerte Weihnachtsferien zu führen! Haben unsere SuS nicht bereits genügend Fehlzeiten aufgrund von Schulschließungen, Quarantäne oder sonstigen Ausfällen? Schlussendlich bleibt es einmal mehr den Schulen selbst überlassen, wie sie reagieren wollen, ob Präsenz-, verbindlicher Fernlernunterricht oder eben doch bewegliche Ferientage. Wie und wann sollen daraus entstehende Lerndefizite überhaupt noch aufgeholt werden?
Eltern wünschen sich zwingend wieder Beständigkeit im Schulalltag – keine wöchentlichen Änderungen!

Hätten wir 3 Wünsche frei – so wären diese:
1. Glaubwürdigkeit, Verlass und Planbarkeit
2. Verpflichtende Mindeststandards an Sachmitteln, welche der Schule zur Verfügung gestellt werden – dazu gehört auch die räumliche Ausstattung
3. Konsequente Aufstockung der Lehrkräfte, wir sprechen hier nicht von 10-20 % sondern mehr!

Der Landeselternbeirat wünscht allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit!

Manuela Afolabi seit März 2017 Mitglied im Landeselternbeirat BW für die Realschulen

Markus Fischer: „Innenstädte in Pandemie-Zeiten und danach“

Ein Gastbeitrag von Markus Fischer

Die aktuelle Situation von Innenstädten ist eine große Herausforderung. Der sogenannte Lock Down Light ist für jede Innenstadt im Grunde ein Komplett-Lockdown. Keine staatliche Unterstützung bei laufenden Kosten und vollen Regalen, welche natürlich von den Kunden in der Vorweihnachtszeit erwartet werden, aber gleichzeitig Frequenzeinbrüche, welcher jeder Händler spürt.

Es gibt auch in diesem Szenario ein positives Bild. Natürlich kämpfen nicht alle Innenstadtakteure um ihre Existenz. Ein Großteil, Umfragen rechnen mit ca. 70%, wird diese Pandemie gut überstehen und auch im nächsten Jahr existieren. Das hängt mit vielen Faktoren zusammen: das Geschäft liegt in der eigenen Immobilie, der Vermieter hat sehr viel Entgegenkommen gezeigt, es wurden über Jahre Rücklagen geschaffen, die Anzahl an Stammkunden ist groß, die Kurzarbeit greift, man hatte bereits vor Corona mehrere Standbeine. Und bei manchen Geschäften, wie beispielsweise Möbelhäusern, Feinkostläden, Baumärkten oder Fahrradgeschäften gab es in diesem Jahr sogar häufig eine Umsatzsteigerung.

Im Umkehrschluss ist aber auch klar: es gibt ebenso einen nicht unerheblichen Teil von Innenstadtakteuren, welche um ihre Zukunft fürchten. Ca. 30% sehen ihre Existenz als gefährdet an – eine große Zahl mit sehr vielen Arbeitsplätzen dahinter! Leerstände sind in jeder Innenstadt eine große Gefahr, denn diese führen zu einer Abwärtsspirale. Die Auswirkungen von wegfallenden Arbeitsplätzen und den sozialen Folgen für unsere Gesellschaft sind ein weiteres Thema, welches uns sicher alle noch lange beschäftigen wird.

Was momentan leider komplett fehlt, das ist ein Plan der Landes- und Bundesregierung, wie man Innenstädte für die Zukunft unterstützen kann! Das ist ein inakzeptabler Zustand!

Frau Hoffmeister-Kraut als zuständige Ministerin von Baden-Württemberg wurde zwar zitiert mit „40 Millionen sollen gezielt für Marketingmaßnahmen zu Verfügung gestellt werden, damit die stationären Geschäfte erhalten bleiben“ – jedoch blieb es bei dieser Ankündigung. Nachfragen beim Ministerium durch LUIS sind seit Wochen unbeantwortet geblieben.

Auch der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat angekündigt, dass er sich natürlich für eine Stärkung von schwer getroffenen Innenstädten einsetzt. Vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aus Berlin kam die Antwort, dass es nun Workshop-Reihen geben soll, jedoch Fördermittel zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen sind.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht die Vergleiche ziehen zu den Milliarden, welche an Fördermitteln bei großen Konzernen und Industriezweigen schnell und unkompliziert gewährt wurden. Letztlich versucht man auch dort Arbeitsplätze zu sichern und das ist grundsätzlich zu begrüßen.

Jedoch muss zwingend, schnell und unbürokratisch, die Politik auch bei der Förderung von Innenstädten für die „Post-Corona-Zeit“ aufwachen und reagieren! Das gilt nicht nur für Ludwigsburg, sondern für jede Stadt! Natürlich bringt es nichts, das Geld mit der Gießkanne auszuschütten. Zielgerichtete Hilfen sind jedoch möglich in Form der Unterstützung von Interessenvertretungen und Marketing-Organisationen vor Ort. Es ist egal, ob das nun der Handelsverband, der Bund der Selbstständigen, ein Zusammenschluss aktiver Unternehmer ist oder ein Verein wie der LUIS in Ludwigsburg. Es muss Geld in die Hand genommen werden, dass sich hauptamtliche Personen um die Anliegen und Entwicklungen einer Innenstadt kümmern. Der Staat sollte weitere Fortbildungen und Workshops anbieten, digitale Lösungen können hier helfen. Jedoch benötigt man vor Ort Menschen, welche sich um die Umsetzung kümmern! Jede Stadt hat natürlich andere Bedürfnisse und eine andere Situation. Entsprechend ist eine Maßnahme in der einen Stadt vielleicht ein großer Erfolg, greift jedoch in einer anderen Stadt überhaupt nicht. Es muss individuell vor Ort entschieden werden, wie man der jeweiligen Innenstadt, dem Einzelhandel, den Gastronomen und Dienstleistern helfen kann.

So wäre beispielsweise ein Schlüssel von einer hauptamtlichen Stelle pro 20.000 Anwohnern in meinen Augen eine realistische Hilfe, welche viel bewegen kann. Auf diese Art können Frequenzbringer wie zum Beispiel verkaufsoffene Sonntage, lange Shoppingnächte, Stadtfeste, Stadtteilfeste, Marketing-Maßnahmen, etc. professionell und zielgerichtet begleitet werden. Pop-Up Konzepte können umgesetzt und mit viel Unterstützung begleitet werden. Nur Städte mit einer hohen Frequenz und einer hohen Aufenthaltsqualität können der Online-Konkurrenz auf Dauer etwas entgegen setzen. Diesen „Treffpunkt Innenstadt“ benötigt unsere Gesellschaft auch in Zukunft unbedingt, zudem sind Innenstädte in jeder Gemeinde ein sehr großer Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor.

Ein offener Brief an Donald Trump: „Dear Mr. President“

Sehr geehrter Herr (Noch-) Präsident Trump,

es werden im Januar genau 4 Jahre, als Sie, als der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt und somit der mächtigste Mann auf diesem Planeten wurden. Es werden ebenfalls im Januar 4 Jahre, in den Millionen von Menschen auf Sie geschaut haben und gehofft haben, dass Sie sie in eine bessere Zukunft führen würden. In eine Zukunft, geprägt von gegenseitigem Respekt und Menschlichkeit. In eine Zukunft voller Freude und Glückseligkeit. In eine Zukunft ohne Angst und Hass. In eine Zukunft voller Frieden und Einigkeit. Doch wenn ich jetzt zurückschaue, stelle ich fest, dass Sie genau das Gegenteil erreicht haben. Wo Respekt und Menschlichkeit selbstverständlich sein sollte, herrscht größtenteils Hass oder bestenfalls Gleichgültigkeit. Wo Freude und Glück täglich die Menschen begleiten sollte, herrscht Ungewissheit und Furcht. Wo Frieden und Einigkeit das Fundament einer Gesellschaft bilden sollten, besteht Feindseligkeit und Ablehnung.

Nein, Sie haben nicht nur eine große Chance vertan, all das Gute, dass in jedem Menschen steckt, zu finden, sondern Sie haben dafür gesorgt, dass Werte wie Anstand, Moral und Demut zerrüttet wurden. Werte, die wir uns im Laufe von hunderttausenden von Jahren als Zivilisation angeeignet haben und die uns erst zu Menschen machen.

Die Mehrheit des amerikanischen Volkes hat entschieden, dass sie Ihnen auf diesem Weg nicht weiter folgen wollen, weil sie ihn als falsch betrachten. Die große Hoffnung ist. dass der neue Präsident den Menschen das zurückbringt, was Sie während Ihrer Amtszeit zu großen Teilen zerstört haben.

Mit nachdenklichen Grüßen,

Ayhan Güneş

von Ludwigsburg24

 

City-Pfarrer Martin Wendte: Auf der Suche nach einer Haltung zwischen Gelassenheit und Solidarität im zweiten Lockdown

Ein Gastbeitrag von Pfarrer Martin Wendte – Friedenskirche Ludwigsburg 

„Ja, mach nur einen Plan…“: aus dem Innenleben eines Pfarrers Anfang November 2020

Ja, mach nur einen Plan
sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch´nen zweiten Plan
gehn tun sie beide nicht.

Nein, Berthold Brecht hat diese Zeilen nicht für diesen November geschrieben, aber sie geben meinem derzeitigen Lebensgefühl gut Ausdruck. Was hatte ich als Privatmensch und als Pfarrer für schöne Pläne für den Frühsommer: Im Privaten wollte ich ein Frühjahrsfest feiern und beruflich neue Formen entwickeln, um die Kirche attraktiver zu machen. Ich fühlte mich wie ein großes Licht – aber gehen tat dieser Plan leider garnicht. Schnell machte ich einen zweiten Plan: Nach einem Sonnen-Sommer im Freien strömen die Menschen bestimmt im Herbst wieder in die Kirche, und dies umso mehr, wenn sie von meinem faszinierenden Programm hören: Die Krabbelgruppe wuselt wieder durch den Kirchenraum und ein Theaterabend zu Dietrich Bonhoeffer regt ebenso an wie ein Gottesdienst mit Tanz.

Wieder nichts. Wieder umsonst geplant. Ich merke ganz widerstreitende Gefühle und Impulse in mir. Ärger einerseits und Frust: Jetzt geht das Absagen wieder los, das permanente Umorganisieren und die Unsicherheit. Befürchtungen andererseits: Wie werden die kommenden Wochen für mich, aber vor allem für die Gemeinde, wenn sich so viele Menschen nicht mehr treffen können? Vereinsamen die alten Menschen, werden manche krank oder depressiv? Was passiert mit den vielen kleinen und mittleren Unternehmern und Selbständigen, die beruflich in großen Schwierigkeiten stecken? Und mindestens genauso dramatisch: Was passiert mit den Menschen mit schlecht bezahlten Jobs, die vom Kurzarbeitergeld kaum ihre Miete zahlen können? Doch zugleich spüre ich auch ein wenig Erleichterung: War der Herbst nicht wieder allzu vollgepackt mit allem, was ich tun und erleben wollte? Hatte ich mich nicht wieder auf die Überholspur des Lebens begeben, um möglichst viel mitzunehmen an Ereignissen und Events, Begegnungen und Besprechungen? Letztlich aus dem Grund heraus, mit mir als Mittelpunkt die Welt in Bewegung zu setzen?

Auf der Suche nach einer angemessenen Haltung: Gelassenheit…

Ein altes Wort steigt in mir auf – könnte das den Weg weisen für eine hilfreiche Haltung in diesen Zeiten? Das Wort lautet: Gelassenheit. Darin steckt das Wort „Lassen“, im Sinne von Loslassen, Ablassen, Gehenlassen. Ich lasse meine Pläne los, ich lasse sie gehen. Ich kann mein Leben nur sehr begrenzt planen, nur für heute und morgen. Ich lasse auch mein Bedürfnis los, mit höchster Geschwindigkeit durch die Tage zu rauschen, um nichts zu verpassen. Ich lasse die Vorstellung los, an allem teilhaben zu müssen, was es so an aufregendem gibt, in der Kultur- und Partyszene Ludwigsburgs.

Gelassenheit: Darin steckt das Wort „Lassen“, auch im Sinn von Zulassen, auf mich zukommen lassen. Ich lasse zu, dass ich wieder jeden Tag für sich leben muss, mit seinen kleinen Freuden und seinen manchmal recht großen Sorgen. Ich lebe ohne Aussicht auf die große Party oder den Kurztrip am Wochenende, die mich von dem heutigen Tag ablenken. Der heutige Tag zählt, mit seinem begrenzten Horizont und seiner reduzierten Geschwindigkeit. Vieles an ihm kann mir wertvoll werden, was mir darin an Gutem zukommt: Ein Lächeln hinter einer Maske, auch wenn dadurch die Brille beschlägt. Oder das Leuchten gelber Blätter im Herbstlicht. Ich nehme mir morgens und abends ein paar Minuten Zeit, um mich auf diese Haltung einzulassen.

Als Christ gehört für mich zur Gelassenheit noch ein größerer Gedanke. Ich lasse davon ab, mein Leben ganz beherrschen zu wollen. Denn jemand Anderes hält mein Leben in der Hand: Gott, der uns auch durch diese besonderen Zeiten führt und es gut mit uns meint. Ich lasse es zu, dem wieder mehr zu glauben. Ich lasse es zu, mich darauf wieder mehr zu verlassen. Gott ist der tiefste Grund meiner Gelassenheit.

Und dennoch ist der Lockdown nicht nur eine Schule der Gelassenheit und des Glaubens. Vor allem ist er auch eine harte Zeit für viele Menschen in gesundheitlicher, wirtschaftlicher, sozialer und psychologischer Hinsicht. Gott sei’s geklagt, dass das Virus nicht über den Sommer verschwand. Ich bin auch wütend darüber, dass dieser Gott nicht sichtbarer eingreift, um soviel Leid zu verhindern. Zugleich lasse ich mich von diesem Gott dazu drängen, selbst einer von denen zu werden, die das Leid ein wenig bekämpfen:

…und Solidarität  

Wo kann ich in den nächsten vier Wochen ganz konkret solidarisch sein? Ich nehme mir vor, einen bestimmten alten Menschen zwei Mal anzurufen, auch wenn der am Telefon manchmal etwas grummelig ist. Aber ich weiß, dass er sonst kaum Kontakt zu anderen Menschen hat. Ich nehme mir vor, mehrfach Essen beim kleinen Restaurant um die Ecke zu bestellen, auch wenn der Lieferdienst mehr Abfall produziert. Ich nehme mir vor, eine größere Spende an die kirchliche Hilfsorganisation in Indien zu überweisen. Das ist ein Land, in dem der Lockdown für viele Menschen die ganz grundlegende Frage aufwirft, woher sie das Geld für ihr Essen am nächsten Tag nehmen sollen.

November 2020. Unsere Pläne gehen nicht auf. Könnte uns eine Haltung zwischen Gelassenheit und Solidarität helfen?

 

Stefanie Knecht: „Die Menschen haben die Nase voll – oder: wie denken wir Mobilität neu?“

Ein Gastbeitrag von Stefanie Knecht

Das Automobil – seit Jahrzehnten Garant unseres Wohlstands wird geächtet von einer eindimensionalen Verkehrspolitik in Baden-Württemberg. Dieselfahrverbote, einseitige Förderung und Fokussierung auf Elektromobilität setzen tausende von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie und deren Zuliefererbetriebe aufs Spiel.

Um den Klimawandel aufzuhalten ist neues, intelligentes Denken in der Mobilität gefragt. Wir alle haben verstanden, dass unsere Straßenräume nicht für alle Verkehrsträger ausreichen. Konkurrenz- und Konfliktsituationen nehmen stetig zu, wir dürfen die einzelnen Verkehrsteilnehmer nicht weiter gegeneinander ausspielen.

Allzu oft werden in der Politik Entscheidungen getroffen, die von hoher Ideologie gegen das Automobil geprägt sind. Wir sollten alle gemeinsam mehr auf Innovationen und weniger auf Verbote, sondern auf attraktive Alternativen und Angebote setzen, die Schritt für Schritt langfristig allen Verkehrsteilnehmern und den Klimazielen gerecht werden.

Die Frage muss daher gestellt werden: ist es der richtige Weg, im ersten Schritt Busspuren – wie z.B. auf der Ludwigsburger Schloßstraße – einzurichten und somit neue und längere Staus heraufzubeschwören? Nutzt das dem Klima, werden dadurch Emissionen reduziert? Oder führt dies letzten Endes nur dazu, dass staugeplagte Autofahrer unsere Stadt meiden und dem innerstädtischen Einzelhandel der Garaus gemacht wird?

Dieses und viele weitere Beispiele zeigen, dass Mobilität nicht mehr eindimensional in einzelnen Verkehrsträgern gedacht werden darf: Mobilität braucht Freiheit. Freiheit im Denken, die verhindert, dass Ideologie zum Maß aller Dinge wird.

Ich bin davon überzeugt, dass es nicht Aufgabe der Politik ist, Entscheidungen der Bürger, wie sie sich fortbewegen, zu diktieren. Aufgabe der Politik ist es ebenfalls nicht, einzelne Verkehrsmittel oder Antriebsformen zu verteufeln. Aufgabe der Politik ist es, die richtigen Rahmenbedingungen für den Erhalt der individuellen Mobilität zu schaffen, die den individuellen Lebensentwürfen, Arbeitszeiten und Vorlieben der Menschen entsprechen. Sowohl aus ökonomischen als auch aus ökologischen Gründen können nur verschiedene Verkehrsträger gemeinsam die Mobilitätsnachfrage einer modernen Gesellschaft befriedigen.

Eine vernetzte und verkehrsträgerübergreifende, also intermodale Mobilität, sollte anstelle ideologischer, einseitiger Verbote das Leitbild sein.  Wir müssen vernünftige Angebote schaffen, die Menschen überzeugen, Verkehr zu vermeiden, wo er vermeidbar ist. Ebenso müssen wir die bestehende Infrastruktur den heutigen Anforderungen anpassen, besonders da, wo seit Jahren nicht mehr investiert wurde.

Ein Beispiel für intermodale Mobilität in Ludwigsburg: Ein neues Parkhaus im Westen der Stadt, nahe der A81 und der hoffentlich bald reaktivierten Bahnlinie nach Markgröningen gelegen, das Menschen animiert, ihr Auto abzustellen und sich mit dem ÖPNV, zu Fuß oder einem Leih-Fahrrad oder -Pedelec weiter fortzubewegen. (s. https://www.fdp-ludwigsburg.de/2020/09/28/stefanie-knecht-fdp-fordert-pr-stadtrandparkhaus-west/).

Diese Idee fand eine breite Unterstützung im Gemeinderat, leider nicht in der Grünen-Fraktion.

Aber gerade die Schaffung solcher neuer Mobilitätsdrehscheiben mit attraktiven Anschlussmöglichkeiten regen zum Umsteigen an und verringern, wie weitere Quartiersgaragen ebenso, innerstädtischen (Parksuch-)Verkehr. So können wir Raum für neue Trassen, z.B. Fahrradwege, schaffen.

Vernunftsorientierte, nachhaltige Verkehrspolitik, unterstützt von digitalen Mobilitäts-Apps und Sharing-Angeboten, nimmt den Menschen mit und regt sie zum Neudenken an.

Es bedarf allerdings auch regionale und -überregionale Maßnahmen, um durchfahrenden Verkehr in Ludwigsburg zu reduzieren, wie z.B. eine Nord-Ost-Umfahrung nach dem Alternativkonzept „Landschaftsmodell Nord-Ost-Ring“ als Tunnelvariante (https://www.landschaftsmodell-nordostring.de), die Pendler landschafts- und umweltschonend an unserer Stadt vorbeiführen.

Zudem hat sich der schienengebundene Verkehr seit 2011, dem Amtsantritt des grünen Verkehrsministers, nicht spürbar verbessert. Viele Verspätungen, hohe Ticketpreise und unzureichende Zusammenarbeit der Verkehrsverbünde steigern nicht die Attraktivität. So sind grüne Kollegen, auch im Stadtrat von Ludwigsburg, gegen eine schnelle Reaktivierung der Markgröninger Linie, die eine hohe Auslastung verspricht. Was den Schienen-Güterverkehr betrifft, stellen wir ebenfalls keinerlei Steigerung fest – die Straße ist auch hier nach wie vor attraktiver. Eins ist klar: wenn man die Verkehrswende möchte, dann muss man an vielen Rädchen drehen, nicht nur Dieselfahrverbote aussprechen und Autofahrer weiter gängeln.

Zudem brauchen wir mehr Mut für Innovationen und müssen Arbeitsplätze, Wohlstand und Klimaschutz zusammen denken!

Die einseitige Fokussierung auf Elektromobilität und Abkehr vom Verbrennungsmotor kostet Tausende von Arbeitsplätzen. Die technologieoffene Weiterentwicklung von Verbrenner, Batterieelektrik und Brennstoffzelle sind Voraussetzung zur Erreichung festgelegter Klimaziele. Elektroautos alleine schaffen das nicht. Ein klares Bekenntnis zum Verbrennungsmotor auf Basis synthetischer Kraftstoffe und Wasserstoff ist das Gebot der Stunde.

„E-Fuels“ sind z.B. synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von Öko-Strom, Wasser und CO2 aus der Atmosphäre hergestellt werden. Sie setzen im Gegensatz zu fossilen Kraftstoffen kein zusätzliches CO2 frei. Dieser klimaneutrale Treibstoff kann in sämtliche Verbrennungsmotoren eingesetzt und über das vorhandene Tankstellennetz vertrieben werden. Somit können mit E-Fuels Verbrennungsmotoren klimaneutral betrieben werden! Ganz sicher ist: ohne CO2-neutrale synthetische Kraftstoffe werden die Pariser Klimaziele nicht erreicht.

Lassen wir die Tüftler aus dem Ländle technologieoffen forschen und neue Produkte entwickeln, die wir in die Welt exportieren. Das erhält Arbeitsplätze und sichert unseren Wohlstand.

Info: 

Stefanie Knecht, FDP Kandidatin der Landtagswahlen 2021 im Wahlkreis 12 Ludwigsburg, Stadträtin und Mitglied im Ausschuss „Mobilität, Umwelt und Technik.

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