Sportverbot für Vereine: 7,3 Millionen Kinder- und Jugendliche von Lockdown betroffen

Der Vereinssport war im ersten Jahr der Corona-Pandemie stärker eingeschränkt als viele andere Lebensbereiche. Seit November letzten Jahres sind Hallen und Sportplätze wieder größtenteils geschlossen, konkrete Lockerungen sind derzeit noch keine in Aussicht. Betroffen sind besonders Kinder- und Jugendliche: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag mitteilt, war zum Jahresbeginn 2020 gut die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Mitglied in einem Sportverein. Das sind rund 7,3 Millionen Mädchen und Jungen im Alter von 0 bis 18 Jahren. Am höchsten ist der Anteil in der Altersgruppe der 7- bis unter 15-Jährigen: 70,5 % der insgesamt rund 5,9 Millionen Mädchen und Jungen dieser Altersgruppe waren in einem Sportverein angemeldet. Dabei sind mit 79,4 % deutlich mehr Jungen dieser Altersgruppe in den Sportvereinen engagiert als Mädchen (61,1 %).

Am anderen Ende der Alterspyramide betrifft der Sport-Lockdown vor allem Seniorinnen und Senioren, die den Sport häufig im Sinne aktiver Gesundheitsprävention betreiben. Von den 22,5 Millionen Menschen in Deutschland, die älter als 60 sind, gehörten 20,8 % oder 4,7 Millionen einem Sportverein an. Insgesamt waren in Deutschland zum Jahresbeginn 2020 etwa 24,2 Millionen Frauen und Männer aktive oder passive Mitglieder in den rund 90 000 beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) registrierten Sportvereinen – das sind 29,1 % der Bevölkerung.

Vom Sport-Lockdown betroffen sind besonders die Mannschafts- und Hallensportarten sowie Fitness- und Kursangebote im Turnbereich. Von den Kindern- und Jugendlichen in Sportvereinen im Alter von 0 bis 18 Jahren spielten rund 2,1 Millionen (oder 29,5 %) Fußball, ähnlich viele Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe (1,9 Millionen oder 26,4 %) waren in Turnvereinen angemeldet. Bei den Vereinsmitgliedern über 60 Jahre war das Turnen beliebteste Sportart: Etwa ein Viertel von ihnen – rund 1,2 Millionen Menschen – gehörten einem Turnverein an.

Private Haushalte mit Vereinsmitgliedschaften zahlen im Schnitt 32 Euro pro Monat an Beiträgen

Kein Training, keine Veranstaltungen – noch ist unklar, ob die Mitglieder ihren Sportvereinen trotz des eingeschränkten Angebots die Treue halten oder auch aus Kostengründen einen Austritt in Erwägung ziehen. Mehr als ein Fünftel (22,7 %) der privaten Haushalte in Deutschland hatte 2019 Ausgaben für Sportvereine. Diese Haushalte zahlten im Schnitt 32 Euro monatlich für ihre Mitgliedschaften, aufs Jahr gerechnet waren dies gut 384 Euro.

red

Quelle: Statistische Bundesamt

„Man schläft nicht mehr so tief wie früher und man macht sich viele Gedanken“ – Volker Schoch im Interview

Volker Schoch ist als Geschäftsführer der Bietigheim Steelers GmbH in Zeiten von Corona mehr gefordert denn je. Im Interview mit Ludwigsburg24 spricht der 55-Jährige über die sportliche Situation der Steelers und die großen Herausforderungen in der aktuellen Saison.

Ein Interview von Ayhan Güneş

Wie sehr werden Ihre sportlichen Erwartungen in der laufenden Saison vom Team erfüllt?
Wir sind absolut voll im Soll. Unser vorgegebenes Saisonziel war unter die ersten vier zu kommen und dort haben wir uns in den letzten Wochen etabliert. Man gewinnt in Frankfurt, wenn alle voll dabei sind. Man verliert in Landshut, wenn man nicht mehr hundert Prozent bringt und mit dem Kopf nicht mehr ganz dabei ist. Wir sind körperlich topfit und gut durch die Corona-Krise und aus der Quarantäne gekommen. Für das, was wir uns wirtschaftlich leisten können und vorgenommen haben, sind wir absolut im Soll.

Sehen Sie einen körperlichen Unterschied bei den Spielern vor und während Corona? Sind sie fitter oder weniger fit?
Unsere Spieler sind Profis, die haben sich alle ordentlich auf die Saison vorbereitet und wer keine Corona mit kritischem Verlauf hatte, ist genauso fit wie im Vorjahr. Ich würde sogar sagen, dass unsere Spieler noch fitter sind, weil wir im Sommer mehr Zeit hatten. Aber wie wir aus der Presse wissen, gibt es natürlich auch Fälle unter den Sportlern, die es richtig hart erwischt hat, die heftige Lungenprobleme haben.

Wie oft wird das Team auf Corona getestet?
Wir machen täglich eine Symptomabfrage, das bedeutet, dass jeder Spieler, bevor er zu uns in die Arena kommt, von zu Hause aus einen Onlinebogen ausfüllen muss. Wenn er Symptome hat, bleibt er zu Hause und wird getestet. Wenn er negativ ist, darf er kommen, fällt der Test positiv aus, muss er in Quarantäne. Dann werden alle anderen Spieler automatisch auch getestet.

Ligaverbleib, Aufstieg oder sogar Oberliga – wie lautet Ihre Prognose?
Unser Ziel ist es, wirtschaftlich zu arbeiten. Das bedeutet konkret, zu sparen und nur dort Geld auszugeben, wo es notwendig ist. Im Moment haben wir bei den Sponsoren ein Minus von 30 Prozent zum Vorjahr, dazu fehlen Zuschauereinnahmen aus VIP-, Dauer- und Tageskarten in Höhe von 1,27 Millionen Euro. Ich hoffe deshalb auf weiterhin positive Signale unserer Sponsoren, und darauf, dass sie ihre Verträge erfüllen, trotzdem wir leider im Gegenzug nicht viel an Werbemaßnahmen leisten können. Dann hoffen wir ebenso auf die staatlichen Unterstützungen, damit wir die Steelers am Ende dieser Saison in der Liga halten, alle Spieler und Rechnungen bezahlt haben und sauber aus der Saison gehen können. Der Aufstieg hängt davon ab, ob wir Meister werden, denn nur dann haben wir ja die Aufstiegsberechtigung. Den Lizenzantrag dafür haben wir gestellt und im Fall der Meisterschaft wird die DEL ihn dann prüfen, damit wir zur zugelassen werden. Wir werden dann ein Budget aufbauen, das zu uns passt. Es wird zwar nicht reichen, um sofort in der DEL Meister zu werden, aber wir werden ein Budget haben, um eine Mannschaft zu finanzieren, die in der Liga mitspielen kann.

Was ist, wenn Sie den Aufstieg nicht schaffen?
Wenn wir es nicht schaffen, dann verbleiben wir in der DEL 2 und versuchen den Aufstieg mit dem zweiten Anlauf.

Hand aufs Herz. Es muss doch Ihre oberste Priorität sein, für die Zuschauer sowie die Sponsoren aus finanziellen Gründen, den Aufstieg unbedingt jetzt schon zu schaffen.
Auf sportlicher Ebene lautet unsere Priorität, so lange wie möglich erfolgreich Eishockey zu spielen. Was am Ende dabei rauskommt ist das, was zu bewerten ist. Ich wiederhole nochmal: Wenn wir am Ende Meister sind, werden wir ein Budget aufstellen, das wir uns leisten können. Wird dieses anerkannt, steigen wir auf und dann werden wir mit diesem Budget wirtschaften müssen. Corona und die Reduzierung von Sponsorengelder betrifft ja nicht nur Bietigheim, sondern alle anderen Clubs gleichermaßen. Ebenso die Clubs, die in der DEL in der hinteren Hälfte stehen. Bei denen werden die Rosen auch nicht vom Himmel fallen. Jeder muss sich nach der Decke strecken. Wir werden die Decke so definieren, wie wir sie uns leisten können. Reicht es, ist es schön. Reicht es nicht, steigen wir wieder ab, aber so ist Sport. Wir werden zu keiner Zeit und in keiner Liga Harakiri betreiben.

Sie sind Mieter der EgeTrans Arena. Kommt die Stadt Ihnen hier entgegen?
Nein, das tut sie bislang nicht. Wir sind auch derzeit in einem ganz regulären Mietverhältnis, aber sind mit den Stadtwerken als Betreiber in Gesprächen darüber, wie wir uns gegenseitig unterstützen können, um diese schwierigen Zeiten zu überstehen.

Wie sehr belastet Sie persönlich die aktuelle Situation in der Halle?
Ein Spieltag ohne Zuschauer, ist ein besonderer Spieltag. Es fehlt die Stimmung, Emotionen finden nur noch auf dem Eis statt. Es fehlt der Geruch nach der Bratwurst oder dem verschütteten Bier, es fehlen die Menschenmassen, die sich durch die Halle schieben. Es ist niemand da, der einen in der Arena oder im VIP-Raum anspricht, es sind keine Menschen da, die einem Tipps geben, was man bessermachen muss. Es fehlt der direkte Kontakt zu Fans, Unterstützern und Kunden. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Man hält sich in der Drittelpause nicht durch eine Suppe oder ein warmes Getränk am Leben, sondern man dreht Runden durch die Halle, weil die einfach kalt ist. Es ist Eishockey einer ganz anderen Art, aber der Sport ist im Endeffekt der gleiche geblieben. Wir müssen uns sportlich so gut wie möglich präsentieren und den Menschen zeigen, dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten den Sport ernstnehmen. Und wir müssen es wirtschaftlich darstellen können und hoffen, dass wenn sich alles wieder Richtung Normalität entwickelt, wir die Zuschauer dazu bewegen können, sich wieder Karten zu kaufen und die Sponsoren zu halten, damit es weitergeht.

Können Sie als Geschäftsführer der Steelers bei den fehlenden finanziellen Mitteln noch ruhig schlafen?
Man schläft nicht mehr so tief wie früher und man macht sich viele Gedanken, weil man Verantwortung hat für die Mitarbeiter und auch für den Standort. Man will das Eishockey weiterhin in Bietigheim etabliert haben, man will weiterhin Menschen haben, die einen zukünftig unterstützen. Deshalb muss man jetzt Zeichen setzen. Es ist uns trotz aller Auflagen bis zum heutigen Tag sehr gut gelungen, uns wirtschaftlich sauber darzustellen und die monatliche Prüfung, der wir unterliegen, immer positiv zu bestehen. Es gibt keine Mahnungen oder Anmerkungen, sondern es wird so gesehen, dass wir hier ordentlich arbeiten und den ganzen Apparat am Laufen halten. Im Moment habe ich keine Sorge, aber wir wissen natürlich nicht, was in Zukunft noch kommt. Wir müssen jeden Tag hoffen, dass die noch ausstehenden Fördermittel genehmigt und von der Regierung freigegeben werden und bei uns ankommen. Aber das betrifft nicht nur Eishockey, sondern auch Hand-, Basket- und Volleyball in ähnlichem Umfang. Aber Hoffnung ist keine Strategie. Unsere Strategie lautet ganz klar: Sparen, Kostenbewusstsein zeigen und den Kader so aufbauen, wie wir ihn uns leisten können. Wir nehmen nur das Geld für neue Spieler, das eh geplant war und versuchen dabei auch noch unter dem bereitgestellten Budget zu bleiben. Wir kaufen von dem Geld keine Spitzenspieler, sondern gehen lieber in die Breite, weil wir übers Kollektiv kommen wollen. Für uns sind Spieler interessant, die charakterlich zu uns passen und die Rolle annehmen, die wir ihnen geben. Wir haben gute Spieler und gute Trainer, die mit den Spielern und ihren Fähigkeiten umgehen können. Wir sind von unserer Mannschaft überzeugt und werden mit diesem Team die Saison beenden.

Woher nehmen Sie die Kraft, Energie und Motivation, die derzeit schwierige Situation zu stemmen?
Ich habe keine ausgefallenen Methoden, sondern versuche, die ganze Situation realistisch einzuschätzen. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst gegenüber allen Spielern und Mitarbeitern sowie deren Vertrauen in uns. Also motiviere ich mich darüber, die Verantwortung wahrzunehmen und daran zu glauben, dass wir auch die Verpflichtung haben, den Zweiflern an unserem Tun zu zeigen, dass wir mit unserem Handeln auf dem richtigen Weg waren. Wir haben viel Kritik kassiert die letzten zwei Jahre, weil wir mit einem jungen Trainer etwas versucht haben. Leider hat er die Erwartungen nicht erfüllt, aber dieses Risiko war uns bewusst. Wir sind also nicht sehenden Auges gegen die Wand gefahren, sondern an ihr entlang geschrammt. In dem Jahr, in dem es dann wirklich um was ging, haben wir entsprechende Maßnahmen eingeleitet, die, Stand heute, uns bestätigen. Wir haben immer noch Chancen, sportlich dabei zu bleiben und auch wirtschaftlich sind wir noch voll im Rennen. Es motiviert mich zu wissen, was wir tun und dass wir alles andere als im Sinkflug sind.

Wie schalten Sie ab, um mal nicht ans harte Tagesgeschäft denken zu müssen?
Nach einem langen Arbeitstag schaue ich im Internet, was über uns geschrieben wurde und wie die Versteigerung unserer Trikots lief. Nein, Spaß beiseite: Ich wohne auf dem Land, bin sofort in der Natur und gehe deshalb wann immer möglich an die frische Luft. Ich beschäftige mich viel mit meiner Familie und versuche dabei, an etwas anderes zu denken, was aber in diesen Zeiten extrem schwierig ist. Denn die Aufgaben, die Nöte und die Folgen hängt man nicht mit der Jacke an die Garderobe. Das alles blendet man nicht so einfach aus. Man ist in der Verantwortung und das beschäftigt einen Tag und Nacht. Du wachst nachts auf und überlegst: Mensch, habe ich auch an alles gedacht, sind alle informiert, wer könnte jetzt wieder beleidigt sein oder sich übergangen fühlen? Dann geht es um die Frage der Außenwirkung und vieles mehr. Aber wir sind eben auch nicht in voller Leistungsfähigkeit, haben Kurzarbeit und arbeiten in verminderter Mannschaftsstärke, dafür aber am Limit.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie würde der lauten?
Mein Wunsch wäre, dass morgen jemand sagt: „Corona ist vorbei, lebt euer Leben!“

Herr Schoch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Präsidentschaftswahlen beim VfB Stuttgart: Prominente Unterstützer mit Breitseite gegen Beirat

Der VfB Stuttgart kommt nicht zur Ruhe: In einem heute veröffentlichten offenen Brief prangern namhafte Persönlichkeiten aus dem Bereichen Sport, Politik und Wirtschaft, die aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbare Entscheidung des Beirats vom VfB Stuttgart an, Volker Zeh (56) nicht als Präsidentschaftskandidat bei der kommenden Wahl aufzustellen.

Die Absender des Schreibens sind bekennende Unterstützer des abgelehnten Präsidentschafts-Bewerbers Volker Zeh.

In der „Anklageschrift“ wird der Beirat heftig kritisiert. Das Gremium hatte ursprünglich nur Amtsinhaber Claus Vogt (51) zur Präsidentschaftswahl nominiert und den Schorndorfer Volker Zeh als einzig verbliebenen weiteren Bewerber ohne Begründung abgelehnt. (Lesen Sie hierzu das Interview von Volker Zeh mit Ludwigsburg24).

Nun machen die prominenten Unterstützer, zu denen Ex-VfB-Profi Zvonimir Soldo, CDU-Bundestagsabgeordneter Eberhard Gienger, Ex-Formel-1-Fahrer Markus Winkelhock sowie 15 weitere Persönlichkeiten gehören, sich für den 56-jährigen Unternehmer Zeh stark und erwarten in ihrem Schreiben, dass der Beirat diese „Fehlentscheidung überdenkt und in Zukunft den Mitgliedern die Entscheidung überlässt“.

Hier der offene Brief an den Beirat des VfB Stuttgart 1893 e.V. im Wortlaut: 

Sehr geehrte Herren,

die Nominierung eines einzigen Kandidaten für das Amt des VfB-Präsidenten entspricht keinesfalls demokratischen Gepflogenheiten.

Es war zweifellos richtig, den gewählten Präsidenten Claus Vogt zu nominieren, aber es war absolut falsch, den Bewerber Volker Zeh in dem Verfahren zu ignorieren.

Wir sind über diese undemokratische Herangehensweise des verbliebenen VfB- Beirats empört.

Volker Zeh ist als Familienvater, erfolgreicher Unternehmer, als Vereinspräsident und als Persönlichkeit im gesellschaftlichen Engagement hervorragend geeignet, den VfB als Präsident zu führen. Dies wurde auch vor kurzem vom VfB-Ehrenpräsidenten Erwin Staudt öffentlich in einem Interview bestätigt.

Dass ihn der inzwischen nur noch fünfköpfige Beirat trotz mehrfacher Bestätigung seiner präsidialen „Tauglichkeit“ schließlich ohne jede Begründung (zumindest wurde diese den Mitgliedern und der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt) aussortiert hat, ist ein unhaltbarer Vorgang.

Und wenn aus dem Beirat Äußerungen in die Öffentlichkeit und in die Medien kolportiert wurden, Herr Zeh hätte „nicht performt“, ist dies nicht nur eine inakzeptable Indiskretion, sondern auch eine unzutreffende und unredliche Diskriminierung.

Im Klartext: Das ist eine an den Haaren herbeigezogene Begründung, die ihm noch nicht einmal persönlich mitgeteilt wurde. Siehe auch Interview mit Volker Zeh in der Bild-Zeitung vom 16.02.2021.

Dass der Beirat Volker Zeh nicht nominiert hat, kann nur bedeuten, einzelne Beiratsmitglieder haben befürchtet, dass Volker Zeh ein zu starker Gegenkandidat für Claus Vogt sein könnte, den einzelne Beiräte entgegen ihrer Pflicht zu einer nachvollziehbaren, plausiblen und mitgliederkonformen Ermessensentscheidung als alleinigen Kandidaten durchsetzen wollten.

Die Behauptung des verbliebenen Beirats, Volker Zeh wäre „nicht mehrheitsfähig“, greift im Übrigen in unzulässiger Weise in einen demokratischen Vereinsprozess ein. Diese anmaßende Haltung antizipiert in unzulässiger Weise ein Wahlergebnis, das – wie man hört – nur von drei Beiratsmitgliedern gewünscht war.

Wir, die Unterzeichner dieses Schreibens, sind davon überzeugt, dass Herr Zeh die besten Voraussetzungen mitbringt, als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden.

Seine Grundlinie „Das Wir schließt alle ein“ teilen und tragen wir uneingeschränkt. Wir halten sein Konzept, nicht nur die Fangruppen und OFCs, sondern auch die Mitglieder, die Inhaber von Dauerkarten, die Business-Kunden mit einzubinden und ihnen eine Stimme zu geben, für richtig und wichtig. Er wird ein Brückenbauer sein. Auch und gerade zu den wichtigen Abteilungen Faustball, Hockey, Leichtathletik, Garde und Schiedsrichterwesen. Nicht zu vergessen auch zum Aktionär und wichtigsten Sponsorenpartner Daimler und deren Vertreter im Aufsichtsrat.

Ein VfB-Präsident muss für alle da sein!

Wir wissen, dass Volker Zeh über ein belastbares Netzwerk verfügt, um den VfB und seine Organe beim erweiterten Zugang zu potentiellen Geldgebern zu unterstützen und Türen zu öffnen.

Wir erwarten, dass der Beirat diese Fehlentscheidung überdenkt und in Zukunft den Mitgliedern die Entscheidung überlässt, wer „mehrheitsfähig“ ist. Herr Zeh sollte auf alle Fälle bei der angekündigten Wahl als Kandidat aufgestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günther H. Raiser, Heinz Fohrer, Philip Zeisler, Andreas Waldner, Franco Annunziata, Murat Altuntas, Eberhard Gienger, Thomas Haas, Erich Hägele, Wilfried Haselberger, Prof. Dr. Wolfgang Kuhn, Jörg Schleyer, Axel Schmieg, Zvonimir Soldo, Ralph Weyda, Markus Winkelhock, Prof. Dr.med. Felix Zeifang, Prof. Dr. L. Dominik Michels

John Patrick verlängert bis 2023

Die MHP RIESEN Ludwigsburg haben sich mit Headcoach John Patrick auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung verständigt. Der ursprünglich bis Sommer 2021 datierte Arbeitskontrakt des 52-Jährigen wurde vorzeitig bis 2023 verlängert.

Ganz nach dem Motto „das Wichtigste zuerst“ hatte im Hinblick auf die kommenden Jahre in Ludwigsburg zuletzt eine Personalie Priorität – nämlich John Patrick. Sowohl die MHP RIESEN als auch ihr US-amerikanischer Cheftrainer waren an einer Ausweitung der gemeinsamen Zeit interessiert, sodass die Gespräche zwischen Alexander Reil und Patrick binnen kürzester Zeit auf die Zielgerade einbogen. Nun haben alle Beteiligten bereits vor der zweiten Hälfte der laufenden Spielzeit Gewissheit und Planungssicherheit: Patrick verlängerte seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre, also bis Sommer 2023.

„Seit 2013 haben wir als gesamter Klub eine enorm positive Entwicklung genommen. Mit Ausnahme einer Spielzeit qualifizierten wir uns seither immer für die Playoffs, mehrfach für internationale Wettbewerbe. Wir waren im Final Four der Basketball Champions League in Athen und wurden deutscher Vize-Meister – all dies ist unweigerlich mit John Patrick verbunden. Was aber fast noch wichtiger ist: Wir haben unser Image von einer eher grauen Maus hin zu einer klaren und speziellen Spielphilosophie gewandelt. Wir stehen für Einsatz, Leidenschaft und Kampfbereitschaft. Dies hat sich weit über die Stadtgrenzen herumgesprochen“, erläutert Reil und fügt zusammenfassend hinzu: „Es gab genügend Gründe, um die Zusammenarbeit fortzusetzen.“

2013, 2016, 2018 & 2021: Die vierte Verlängerung

Das neue Arbeitspapier Patricks, der schon jetzt der dienstälteste Headcoach in der easyCredit Basketball Bundesliga ist, läuft bis Ende Juni 2023 und soll die Basis dafür bilden, dass die Arbeit der Vergangenheit auch in der Zukunft Früchte tragen wird. Als Ansporn dienen die auf nationalem wie auch internationalem Parkett erreichten Leistungen, die jeweils unter Patricks Ägide Bestwerte der Klubhistorie mit sich brachten. Neben den sportlichen Erfolgen erhöhte sich parallel dazu die Bekanntheit des Klubs in grandioser Art und Weise.

„Ich hoffe, dass wir hungrig bleiben und noch mehr erreichen können. Unsere Mentalität ist die Mentalität eines Start-Ups, obwohl wir kein Start-Up sind und auf und neben dem Parkett über erfahrene Leute verfügen. Wir versuchen immer das Beste aus unseren Möglichkeiten herauszuholen, neue Wege zu gehen. Diese Mentalität macht großen Spaß. Nun möchten wir den nächsten Schritt in unserer Entwicklung gehen“, sagt Patrick.

Mit der Barockstadt verbindet er allerdings nicht nur Arbeit und Beruf, sondern auch privates Glück: „Ludwigsburg ist für mich und meine Familie unser Zuhause. Meine Frau, meine Kinder und ich sind glücklich hier zu sein“, so der 52-Jährige. Dieses familiäre Glücksgefühl kam in der jüngeren Vergangenheit auch durch die intensivierte Verknüpfung mit der Porsche Basketball-Akademie einher. Aus dieser schafften allein in den vergangenen drei Jahren neben Jacob und Johannes Patrick Quirin Emanga Noupoue, Lukas Herzog, Ariel Hukporti und Radii Caisin die Etablierung auf Profi-Niveau. Patrick hierzu: „Wir sind stolz auf das Erreichte, möchten unser Jugendprogramm aber noch mehr in unser Profi-Team integrieren.“ Der 52-Jährige hat sich zum Ziel gesetzt, den Weg über den eingeschlagenen Pfad weiter fortsetzen und dabei mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Basis für die nächsten Jahre ist gelegt, die Ausgangslage für die zweite Halbserie gut.

red

Info

Name: John Patrick
Geburtsdatum: 29.02.1968
Position: Headcoach

Volker Zeh im Interview: „Nur einen Kandidaten aufzustellen ist kein demokratischer Prozess!“

Von Ayhan Güneş

Vom Vereinsbeirat des VfB Stuttgart gab es keine Begründung, warum er nicht für die Wahl nominiert wurde. Doch der Schorndorfer Volker Zeh will die vermeintliche Niederlage nicht akzeptieren und zeigt Kämpferherz. Der 56-Jährige will weiter um das Präsidenten-Amt beim VfB-Stuttgart fighten. „Die Mitglieder verdienen eine echte Wahl und die Möglichkeit, zwischen zwei Kandidaten zu entscheiden“, stellt er klar und verdeutlicht gegenüber Ludwigsburg24: So einen respektlosen Umgang habe ich im Geschäftsleben noch nie erlebt. Sollte ich ohne objektive Begründung nicht als Kandidat aufgestellt werden, spricht das allerdings nicht gegen mich.

Wie fühlen Sie sich persönlich nach der Entscheidung, dass nur Claus Vogt für die Präsidentschaftswahl nominiert wurde?
Zunächst war ich etwas enttäuscht, denn mit diesem Ausgang hatte ich nicht gerechnet, zumal mich der Beirat erst hingehalten und dann lediglich per Mail informiert hat. Ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt, dass ich das Anforderungsprofil erfülle, um für das Amt des Präsidenten des VfB zu kandidieren, vor allem nach meinem langen Gespräch mit den Beiräten des Vereins am 11. Januar. Danach habe ich von ihnen nichts mehr gehört, weshalb ich mir eigentlich sicher war, von ihnen aufgestellt zu werden. 

Hat dieses Verhalten Sie verletzt?
Ich finde das Verhalten ziemlich stillos vom Beirat und muss sagen, dass er offensichtlich die demokratischen Regeln missachtet. Es wurden wohl auch Teile des Beirats unter Druck gesetzt. Es muss doch der Anspruch des VfB Stuttgart sein, für faire und demokratische Wahlen zu stehen. 

Werden Sie gegen diese Entscheidung konkret etwas unternehmen?
Nein, ich werde nichts unternehmen und denke, dass der VfB oder auch Claus Vogt Interesse daran haben müssen, dass es einen zweiten Kandidaten gibt. Nur so kann man nach der Wahl sagen, dass alle demokratischen Spielregeln beachtet worden sind. Das hat Herr Vogt im Vorfeld ja auch selbst gesagt, dass alles demokratisch ablaufen soll. Dazu gehören dann auch zwei Kandidaten. Was ist ein Wahlrecht ohne mindestens zwei Wahlmöglichkeiten.

Stichwort „ehrenamtlich“: Gerüchten zufolge will Claus Vogt für seine Tätigkeit künftig bezahlt werden. Sie hingegen würden laut einem BILD-Interview jedoch ehrenamtlich dieses Amt ausüben wollen. Stehen Sie auch weiterhin zu dieser Aussage?
Wie ich gehört habe, stellt sich Claus Vogt einen sechsstelligen Betrag als Ausgleich für seine Tätigkeit vor. Ich habe schon im Januar bei meiner Präsentation gesagt, dass ich das Amt ehrenamtlich ausüben würde. In der jetzigen Situation des Vereins halte ich es für unredlich, über hohe Vergütungen für den Präsidenten zu sprechen. Ich bin der Meinung, dass der zukünftige Präsident finanziell unabhängig sein muss, damit er das Amt auch richtig ausüben kann und nicht Gefahr läuft, in irgendwelche Verquickungen zu geraten oder Interessenskonflikte angedichtet zu bekommen. 

Was könnte der inoffizielle Grund für Ihre Nicht-Nominierung sein?
Wenn ich das wüsste. Tatsächlich habe ich keine Vermutung. Wie Sie wissen, habe ich erst letztes Jahr am 9. November meine Exequatur zum Honorarkonsul von Montenegro in Baden-Württemberg erhalten. Bevor einem diese Ehre zuteil wird, wird man von den Behörden auf Herz und Nieren überprüft und komplett durchleuchtet. Von daher kann ich mir nicht vorstellen, was gegen mich als Kandidat sprechen soll.

Hat sich in der Zwischenzeit ein Offizieller des VfB bei Ihnen gemeldet?
Nein, bis jetzt hat sich niemand bei mir gemeldet. 

Im Schreiben des Beirats wurde Ihnen lediglich mitgeteilt, dass Sie nicht nominiert werden für die Wahl, Gründe dafür hat man Ihnen aber nicht genannt. Fühlen Sie sich diskriminiert?
Ja, natürlich fühle ich mich diskriminiert und ich sage Ihnen nochmals: demokratisches Handeln sieht anders aus. Was spricht dagegen, mich ebenfalls als Präsidentschaftskandidat aufzustellen? Eine Wahl kann man verlieren. Doch unbegründet erst gar nicht antreten zu dürfen, ist im höchsten Grad unsportlich und für mich persönlich nicht akzeptabel. 

Möchten Sie trotz der Beiratsentscheidung noch immer Präsident dieses Vereins werden?
Ja, das will ich absolut. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Thomas Hitzlsperger zusammenzuarbeiten, denn er macht nach meiner Ansicht einen großartigen Job und ist menschlich sympathisch. Thomas Hitzlsperger ist einfach ein guter Typ. Ich würde mich auf eine Zusammenarbeit wirklich sehr freuen. 

Eines ist mir aber für die Wahl noch wichtig: Es muss sichergestellt sein, dass die über 72.000 Mitglieder, egal ob sie mobil sind oder nicht, egal ob sie im Stuttgarter Umfeld oder sogar im Ausland leben, auch wirklich wählen dürfen. Wir leben in einer digitalisierten Welt, da darf es keine Frage sein, dass jeder von seinem Stimmrecht Gebrauch machen kann. Deswegen plädiere ich für eine Hybridveranstaltung, also eine Präsenz- und Online-Versammlung, soweit das in Bezug auf Hygiene-Regeln machbar ist. Mein Motto lautet: Das Wir schließt alle ein!

„So einen respektlosen Umgang habe ich im Geschäftsleben noch nie erlebt": Volker Zeh
Volker Zeh: „Eine Wahl kann man verlieren. Doch unbegründet erst gar nicht antreten zu dürfen, ist im höchsten Grad unsportlich und für mich persönlich nicht akzeptabel“

 

Emotionale Ausfahrt: Mick Schumacher fühlt sich bereit

Fiorano, rund 50 Kilometer entfernt von Bologna. Hier liegt die Hausstrecke von Ferrari. Und es ist keine Frage, dass es emotional wird, wenn ein Schumacher in einem Renner der Italiener sitzt. Erinnerungen werden wach an die Ära von Michael Schumacher, der sich bei der Scuderia mit fünf WM-Titeln zwischen 2000 und 2004 unsterblich machte.

Jetzt drehte sein Sohn Runden auf der Teststrecke, und natürlich war es vor allem für Mick Schumacher etwas Besonderes, als er SF71H, in dem Sebastian Vettel 2018 Vize-Weltmeister wurde, Testfahrten absolvierte. Er dachte in dem Moment daran, wie er selbst als kleiner Junge auf der Tribüne saß und seinem Vater zuschaute.

Es sei „sehr speziell und emotional“, dort nun selbst zu fahren, sagte Mick Schumacher: „Es ist einer der schönsten Plätze, um ein Formel-1-Auto fahren zu sehen. Es ist keine große Strecke, aber mit viel Historie dabei.“ Die ja auch sein Vater entscheidend mit geprägt hat.

Mick Schumacher wird es 2021 etwas langsamer angehen lassen. Der 21-Jährige ist auch weiterhin ein Teil der Nachwuchs-Akademie von Ferrari und unternimmt seine ersten Schritte beim Haas-Team. „Das ist eine wunderbare Gelegenheit“, sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: „Mick bleibt Teil der Fahrer-Akademie von Ferrari, und das Ziel dieses Nachwuchsprogramms besteht nicht darin, Fahrer für die Formel 1 auszubilden, sondern Fahrer für den Rennstall Ferrari auszubilden.“

Mittelfristig soll Mick Schumacher auch in der Formel 1 in einem Ferrari sitzen. Möglich wäre das frühestens 2023, denn neben dem Monegassen Charles Leclerc (bis Ende 2024 unter Vertrag) fährt der Spanier Carlos Sainz, der bis Ende 2022 unterzeichnet hat.

Für Mick Schumacher wird 2021 nach dem Gewinn des Titels in der Formel 2 also ein Lehrjahr, bei einem Team, das mit Glück wohl höchstens im vorderen Mittelfeld mitfahren kann. „Der Name ist nicht genug, um zu gewinnen, dazu gehört mehr“, sagte der frühere Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo in einem Interview der „Sport Bild“. „Es ist gut, dass man ihn bei Haas in einem Team aus der zweiten Reihe und ohne Druck fahren lässt. Es ist wichtig, dass er dort wächst, Erfahrungen und Fortschritte macht.“

Für Binotto war immer klar, dass Mick Schumacher bei seinem Debüt kein Thema für Ferrari ist: „Wenn du den Schritt machst von der Formel 2 hoch in die Formel 1, dann kannst du nicht im ersten Jahr gleich in einem roten Auto antreten. Das würde einem zu wenig erfahrenen Piloten zu viel Verantwortung aufbürden.“ Binotto weiter: „Haas und uns verbindet eine starke, etablierte Partnerschaft. Mick erhält die Gelegenheit, mit jenem Team Fortschritte zu erzielen, während er weiter von der Ferrari Driver Academy unterstützt wird.“

Mick Schumacher fühlt sich bereit. Bei der Saisonvorbereitung habe er den Fokus auf seine Nackenmuskulatur und Ausdauertraining gelegt, verriet er. Der Test habe ihn geholfen, um zum ersten Rennen zu kommen und zu sagen: „Jetzt bin ich wirklich bereit und kann angreifen. Wegen der geringen Anzahl an offiziellen Testtagen war das sehr wertvoll.“ Er habe viel Spaß gehabt, alles sei gut gelaufen, betonte Mick Schumacher: „Wir haben verschiedene Sachen ausprobiert. Ich habe wieder jede Menge gelernt und fühle ich mich jetzt noch besser auf die Saison vorbereitet.“

Drei weitere Tage hat er noch, wenn die Formel 1 im März 2021 in Bahrain die offiziellen Testfahrten absolviert. Für den 28. März ist dann, ebenfalls in Bahrain, der Saisonstart vorgesehen. Dort, wo sein Vater 2010 bei seinem Comeback sein erstes Rennen im Mercedes absolvierte.

Keine Frage: Für Mick Schumacher bleibt es emotional.

Andreas Reiners / mid

Auf dem Weg in den Profifußball: Der Bietigheimer Arel Demir (18) kämpft gegen Ungewissheit

Von Uwe Roth

Arel Demir hat einen festen Plan A: Der 18-Jährige, der in Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg bei seiner Familie lebt, möchte Profifußballer werden. „Ich arbeite seit Jahren darauf hin“, sagt er diese Woche im Gespräch mit Ludwigsburg24. Schon als Kind sah er sich in der höchsten Liga mitspielen. Mit zehn Jahren begann er in einem Verein ernsthaft zu kicken, damals beim SGV Freiberg. Seine Chance, dieses Traumziel der Nachwuchstalente zu erreichen, standen bislang nicht schlecht. Der Gymnasiast trainiert im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC. Dieses gehört zu den renommiertesten in Deutschland. Dort reinzukommen, war ein Etappensieg: „Man hat überzeugt, dass man an sich glaubt und es schaffen will.“ Seit Juli 2019 spielt Arel in der U19. Aktuell ist sein Team auf Platz 10 in der Bundesliga Süd/Südwest. Es läuft, könnte man feststellen, gäbe es Corona nicht. Der Virus wirbelt Trainings- und Spielpläne durcheinander – und später vielleicht den Karriereplan.

Arel Demir ist seit vier Jahren beim Karlsruher SC. Schritt für Schritt ging es aufwärts. Regelmäßig beobachteten Talentscouts vom Spielfeldrand seine Leistung auf dem Rasen. Nun sind wegen der Lockdown-Vorschriften seit bald einem Jahr die Zuschauerränge meistens leer gewesen. Kein Live-Scouting. Die Talentsucher schauen sich die Geisterspiele irgendwo später auf Video an, wenn mal eines stattfindet. In der laufenden Saison gab es bislang erst drei Begegnungen. „Wenn ich mir etwas wegwünschen könnte, dann wäre das die Ungewissheit. Sie ist momentan das Schlimmste. Nicht zu wissen, wie es weitergeht“, stellt er fest. Ihm bleiben ein paar Jahre, bis spätestens im Alter von Mitte 20 das Zeitfenster ins Profilager endgültig zugeht. Diese Zeit will er nutzen. Und er klagt nicht über die Umstände. Dass die Ungewissheit verschwindet und seine Familie gesundbleibt – „mehr wünsche ich mir nicht.“

Training der U19 geht weiter – Maskenpflicht gilt bis zum Spielfeldrand

Er kann von Glück sagen, dass er weiterhin mit seiner Mannschaft real trainieren darf. Seine U19 zählt zur Liga des Leistungssports, für den es Ausnahmen gibt. So pendelt er viermal in der Woche bereits in den Trainingsklamotten von Bietigheim-Bissingen nach Karlsruhe. Umkleideräume und Duschen sind geschlossen. Bis zum Spielfeld gilt Maskenpflicht. Dann wird trainiert, 2,5 Stunden. Die athletischen Trainingseinheiten absolviert er in Eigenverantwortung. „Das Trainingsniveau ist relativ gleichgeblieben. Es hat sich nicht so viel geändert.“ Arel will in seinem Leistungsniveau keinesfalls zurückfallen und unbedingt an seinem Plan A festhalten. Zu dem gehört ein Abitur, das er 2022 machen will. Danach hofft er, auf der Zielgerade zum Profifußballer sein. Sollte Plan A doch kippen, wird daraus ein Plan A-B: „Irgendwas mit Sport in jedem Fall. Trainer werden oder eine Fußballschule aufmachen“, überlegt er.

Laut der DFL werden aktuell etwa 5600 Jungs in Nachwuchsleistungszentren ausgebildet. Nur rund 70 davon schaffen jährlich den Sprung in die Profikader der 1. und 2. Bundesliga. Foto: KSC
Laut der Deutschen Fußball Liga (DFL) werden aktuell etwa 5600 Jungs in Nachwuchsleistungszentren ausgebildet. Nur rund 70 davon schaffen jährlich den Sprung in die Profikader der 1. und 2. Bundesliga. Foto: KSC

Michael Bischof ist der sportliche Leiter der GRENKE-aKAdemie des Karlsruher SC. Neben der U19 ist auch die U17 in der Jugendbundesliga. Somit stehen in zwei Mannschaften 40 junge Menschen im aktiven Training. Die Jüngeren müssen online am Ball bleiben, so gut es eben geht. Die Athletiktrainer haben Pläne ausgegeben, an denen sich der Fußballernachwuchs orientieren soll, um in Eigenverantwortung fitzubleiben. „Es ist schwer zu beurteilen, ob die Corona-Beschränkungen die Karrierepläne der jungen Spieler erschweren“, sagt Bischof. Klar, es fehlten Chancen, „sich und ihre Leistungen zu präsentieren“. Auch könnte der teilweise Wegfall des Trainings die Leistung schmälern. Wäre das der Fall, könnten die Spieler nach dem Lockdown die Leistungsdelle „relativ schnell kompensieren“, ist er überzeugt. Größere Nachteile sieht Bischof für den aktuellen Spielernachwuchs nicht: „Es muss ja etwas nachkommen.“ Der Spielermarkt funktioniere trotz der Einschränkungen. Die Erfolgsaussichten hingen aber auch davon ab, wie die Vereine nach Corona finanziell dastehen. Wenn das Geld wegen der aktuell fehlenden Einnahmen knapp bleibt, können die Ablösesummen und die Spielergehälter im Niveau sinken.

VfB Stuttgart setzt auf Trainingsdisziplin der Nachwuchskicker

Auch beim VfB Stuttgart sind die Jugendmannschaften seit drei Monaten auf einem Rasen nicht mehr im Wettbewerb eingetreten. Die Spiele der Jungen Wilden sind ausgefallen. Daniel Teufel ist einer der Ausbildungsleiter beim VfB. „Die U17 und die folgenden Mannschaften trainieren wie üblich auf dem Platz, sieben Mal die Woche“, berichtet der 35-Jährige. „Trotzdem fehlt ein Jahr in der Entwicklung“, stellt er fest. Die U16 und jünger trainieren virtuell. Obwohl es eine Genehmigung gebe, in abgespeckter Form auf einem Platz zu trainieren. Doch das Risiko wolle der Verein nicht eingehen. Inzwischen gebe es gute Apps, die jungen Leute online in ein Trainingsprogramm einzubinden.

Online sei es einfacher, Promis für die Jugend zu engagieren und ihre Begeisterung zu wecken. So habe es ein virtuelles Training mit einem Profi-Freestyler gegeben. Teufel betont die Vorteile eines vorübergehend anderen Trainingsprogramms: „Es ist für den Entwicklungsprozess gar nicht schlecht, eigenständig und ohne ständige Aufsicht zu trainieren. Es muss nicht immer ein Trainer sagen, was als nächstes getan werden muss.“ Über Apps und Fitnesstracker werden die Leistungen, Trainingsdaten festgehalten und dem Trainer übermittelt. „Aber es ersetzt nicht die Praxis“, gibt der Ausbildungsleiter zu. Der Profiverein betreut ungefähr 200 Spieler im Jugendbereich. Corona sieht er nicht als einen Karrierenkiller. „Corona oder nicht: Die wenigsten werden am Ende Profifußballer“, sagt er. Die Toptalente könnten aktuell weiter gefördert werden. Daniel Teufel sieht keinen Grund zu klagen. So wichtig Fußball für die Gesellschaft für den sozialen Frieden sei, die Bedeutung des Profisports dürfe in der aktuellen Lage nicht überhöht werden. „Es gibt andere, die unter der Corona-Krise mehr leiden müssen. Man beschwert sich im Moment viel zu viel.“ Arel Demir sieht das ähnlich. An seinem Ziel, Profifußballer zu werden, will er trotzdem weiter hart arbeiten.

Preise für Fitnessgeräte legen kräftig zu

Die Fitness-Studios müssen in der Corona-Krise ihre Türen schließen. Und wer im Winter nicht im Freien trainieren möchte, holt sich die Mucki-Bude halt ins eigene Wohnzimmer. Kein Wunder, dass der Markt für Fitnessgeräte in diesen Zeiten einen Boom erlebt. Doch das hat natürlich auch seinen Preis.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, erhöhten sich die Preise für Fitnessgeräte im Dezember 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,1 Prozent – und das trotz des gesunkenen Mehrwertsteuersatzes. Zum Vergleich: Die Veränderungsrate des Verbraucherpreisindex insgesamt lag im Dezember 2020 bei -0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Wer trotz geschlossener Fitnessstudios weiter trainieren wollte, konnte – auch online – Fitnessgeräte für zu Hause kaufen. Bereits im Frühjahr 2020 kletterten die Preise für Heimtrainer, Laufband und Co ungewöhnlich stark nach oben.

In den Sommermonaten gingen die Preise für Fitnessgeräte leicht zurück, lagen aber immer noch deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Im Jahresdurchschnitt 2020 lagen die Preise für Fitnessgeräte um 7,9 Prozent über dem Vorjahr.

Ralf Loweg / glp

Vettel und Aston Martin: Alles auf Anfang

Einmal durchschütteln. Das Vergangene abschütteln. Ein Neustart also. Ein neues Team, ein neues Auto, ein neues Umfeld. Sprich: Zahlreiche Impulse, die die Karriere von Sebastian Vettel noch einmal entscheidend anschieben sollen. Der viermalige Weltmeister will es sich und der Formel 1 nach einem äußerst schwachen letzten Jahr mit Ferrari beweisen, dass er es immer noch kann. Der Wechsel zu Aston Martin soll dabei ein klassischer Win-Win-Deal werden: Vettel soll das Team zu neuen Erfolgen tragen und die Mannschaft wiederum dem 33-Jährigen Vertrauen und Rückhalt geben. Dinge, die Vettel für Top-Leistungen benötigt und die er bei Ferrari zuletzt nicht mehr vorfand.

„Ich kann es kaum erwarten, die Arbeit mit dem Aston Martin Cognizant Formula One Team zu beginnen. Es gibt so viel für mich in den nächsten Monaten zu entdecken und ich bin unglaublich entschlossen, dazu beizutragen, dass dieses Team noch erfolgreicher wird“, sagte Vettel. „Bevor wir uns versehen, werden wir beim ersten Rennen dabei sein und diesen berühmten Namen wieder dort sehen, wo er hingehört. Ich bin stolz darauf, Teil dieser Reise zu sein.“

Diese Reise soll das Team zu weiteren Erfolgen führen. 2020 sorgte Aston Martin als Racing Point zunächst mit einem kontroversen Nachbau des Weltmeister-Mercedes für Aufsehen und Diskussionen, dann mit einem Sieg und einem Podiumsplatz durch Vettel-Vorgänger Sergio Perez sowie zwei Podiumsplätzen durch Vettels neuen Teamkollegen Lance Stroll für sportliche Highlights. Platz vier in der Konstrukteurswertung hinter Weltmeister Mercedes, Red Bull Racing und McLaren war ein Schritt nach vorne und soll nicht der letzte gewesen sein.

„Ich will dort weitermachen, wo wir im vergangenen Jahr aufgehört haben, nur stärker“, sagte Team-Mitbesitzer Lawrence Stroll der BBC: „Wir hatten einige Podestplätze, wir hatten einen Sieg. Ich will diese Saison ein paar Podestplätze mehr und ein oder zwei weitere Siege haben. Wir wollen Schritt für Schritt um immer mehr Siege kämpfen.“

Das ist jedoch nur das kurzfristige Ziel. Mittelfristig will Stroll, Vater von Vettels Teamkollegen Lance, mehr. Die ab der anstehenden Saison schrittweise eingeführte Budget-Obergrenze und das neue technische Reglement ab 2022 in Verbindung mit Strolls Investitionen machten einen Titelgewinn für Aston Martin „sehr realistisch“, sagte der 61-Jährige. Gerade der Ausgabendeckel „spielt uns in die Hand“, so Stroll, weil sein Team anders als die Branchenriesen Mercedes, Red Bull und Ferrari nicht schrumpfen müsse, um diesem gerecht zu werden.

Und dann ist da ja auch noch Vettel. „Er wird uns führen“, sagte Stroll: „Um Weltmeister zu werden, müssen meine Leute denken und handeln wie Weltmeister. Das schafft man, indem man einen viermaligen Champion ins Team holt. Er hat gewiss nicht vergessen, wie man einen Rennwagen fährt. Seine Arbeitsethik ist vorbildlich, jeder weiß im Fahrerlager, wie sehr er sich ins Zeug legt.“ Alles auf Anfang, alles bereit für einen Neustart also.

Andreas Reiners / glp

Darum ist Sport im Freien gerade jetzt so wichtig

 Im Winter zieht es viele Hobby-Sportler regelmäßig in die Fitness-Studios. Doch was tun, wenn wegen Corona alle Sport-Tempel geschlossen haben? Da heißt es dann: warm anziehen und ab nach draußen.

Denn Bewegung an der frischen Luft stärkt unser Immunsystem und hebt die Stimmung. „Besonders gut ist es, in den hellen Stunden des Tages draußen aktiv zu sein“, sagt Dr. Axel Klein. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Psyche aus, sondern bringt auch den Augen Erholung von der Bildschirmarbeit, so der Dresdner Sportmediziner und Vorsitzende des Sächsischen Sportärztebunds im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“.

Wichtig beim Outdoor-Training im Winter ist die richtige Kleidung. „Beim Loslaufen noch etwas zu frösteln, ist absolut in Ordnung“, erklärt Klein. Das perfekte Outfit für Jogger besteht aus drei Schichten: kurzärmeliges Shirt, langärmeliges Thermoshirt, Laufjacke. Wichtig ist es, nichts aus Baumwolle zu tragen, sondern spezielle Funktionskleidung. Denn diese gibt die Wärme nach außen ab und sorgt für ausreichend Belüftung.

Sollten sich Sportler vor ihrem Freiluftprogramm aufwärmen? Bei Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko auf jeden Fall, etwa wenn man mit Freunden, Kindern oder Enkelkindern Fußball spielt. Jogger hingegen können einfach locker loslaufen und dann ganz langsam das Tempo steigern. Nach dem Training zieht man am besten schnell die Sportklamotten aus und duscht warm. Achtung: anschließend das Dehnen nicht vergessen.

Feuchte Kälte, wie zum Beispiel bei nebeligem Wetter, ist unangenehm für die Lunge. Trockene Luft hingegen ist weniger belastend. Dann kann man sich sogar bei bis zu minus zehn Grad draußen bewegen. Der niedergelassene Lungenfacharzt Dr. Michael Barczok rät Freiluftsportlern, durch die Nase zu atmen: „Wenn man sehr kalte Luft über den Mund einatmet, kann es in den Bronchien schnell brennen.“

Die Nase hingegen arbeitet wie eine körpereigene Klimaanlage. In ihr befinden sich viele Gänge und Höhlen, durch die die kalte Luft fließt. Die gut durchblutete Schleimhaut sorgt nicht nur dafür, dass die Luft von Staubkörnchen oder Schmutz befreit wird, sondern auch angewärmt und befeuchtet zu den Bronchien fließt.

Da heißt es in den kalten Wintermonaten für alle Hobby-Sportler: draußen zuhause.

Ralf Loweg / glp

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