Zunehmende Vollkasko-Mentalität? Zu viele Nicht-Notfälle in den Notaufnahmen

Starke Kritik an der zunehmenden Inanspruchnahme von Notaufnahmen durch Patienten, die keine Notfälle darstellen, äußert der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, Frank Bergmann. In einem Interview mit der “Rheinischen Post” (Dienstagsausgabe) betont Bergmann, dass Patienten oft Schwierigkeiten haben, ihre medizinische Situation angemessen einzuschätzen. Gleichzeitig beobachtet er, dass bei einigen Menschen eine “Vollkasko-Mentalität” um sich greift, was dazu führt, dass sie die Notaufnahme aus Bequemlichkeit aufsuchen.

Bergmann vergleicht diese Entwicklung mit der unkomplizierten Online-Bestellung von Pizza und warnt davor, medizinische Versorgung zu einfach verfügbar zu machen. Er schlägt vor, eine Gebühr für Notfall-Patienten einzuführen, die nicht zuerst die zentrale Notrufnummer 116 117 kontaktieren. Seiner Meinung nach wäre diese Gebühr keine Strafe, sondern sollte das Bewusstsein der Patienten schärfen. Als Vorbild für dieses Konzept erwähnt er das belgische Modell, in dem bereits ähnliche Gebühren erhoben werden.

red

Selbstbestimmter Tod: Streit um Medikamente als Sterbehilfe

Die Bereitstellung von Medikamenten zur Selbsttötung schwerstkranker Menschen durch den Staat ist ein kontrovers diskutiertes Thema. In diesem Zusammenhang hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz ihre klare Position gegen ein solches Vorgehen verdeutlicht. Der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, äußerte in einem Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (Dienstagausgaben) klare Bedenken. Brysch betonte, dass Medikamente dazu bestimmt sind, Heilung zu fördern oder Leiden zu lindern und nicht, um aktive Sterbehilfe zu leisten. Dieses Statement erfolgt vor dem Hintergrund einer anstehenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts darüber, ob der Staat dazu verpflichtet werden kann, das Betäubungsmittel Natrium-Pentobarbital an Menschen in Sterbeprozessen abzugeben.

Die Kläger wollen sich mit diesem Mittel selbstbestimmt töten. Da das Medikament in Deutschland nicht zu bekommen ist, muss das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte der Einfuhr, dem Erwerb und der Zuteilung zustimmen. Das tut es bislang nicht, die Kläger sehen dadurch ihr Recht auf einen selbstbestimmten Tod verletzt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt: “Ein Beamter einer Bundesbehörde kann nicht über Leben und Tod entscheiden.” Zudem brauche es für die Selbsttötung kein Präparat aus der Schweiz, sagte Eugen Brysch der “NOZ”. Auch mit sogenannten Tötungscocktails könnten Sterbewillige im Kreise ihrer Familie Suizid begehen.

Viele Verwaltungsgerichte hätten solche Methoden bereits ausreichend beschrieben. Das sei bei den Sterbehelfern heute schon geübte Praxis. Nach Ansicht der Patientenschützer instrumentalisieren die Kläger und der Rechtsbeistand, der Vorsitzender einer Sterbehilfeorganisation ist, das Betäubungsmittelrecht für die eigenen ideologischen Zwecke.

“Das Bundesverwaltungsgericht muss jetzt Klarheit schaffen, denn das Arzneimittelrecht darf kein Tötungsrecht werden”, sagte Brysch. Er forderte zudem den Bundestag auf, die Geschäftemacherei mit der Suizidassistenz endlich zu unterbinden. Mit dem Tod aus den “Gelben Seiten” müsse endlich Schluss sein.

red

Deutsche zögern: Grünen-Sprecher ruft zu mehr Corona-Auffrischungsimpfungen auf

Inmitten der aktuellen Krankheitswelle äußerte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Janosch Dahmen, seine Besorgnis über die geringe Anzahl an Corona-Impfungen. “Bisher nutzen noch zu wenige Menschen in Deutschland die Möglichkeit der Corona-Auffrischimpfung mit den aktualisierten Impfstoffen, die insbesondere in Verbindung mit einer Grippeschutzimpfung zu einem guten Schutzschild für die angebrochene Herbst-Winter-Saison führen”, sagte Dahmen dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (Samstagausgaben). Covid-19 habe zwar “zum Glück für sehr viele Menschen seinen ursprünglichen Schrecken verloren”, sei für Risikogruppen aber weiterhin “nicht harmlos”, so Dahmen.

“Selbst bei grundimmunisierten, sonst gesunden Menschen” könne die Krankheit “für mehrere Tage zu einem schweren Infektionsverlauf führen”. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für weitere Auffrischungsimpfungen richtet sich inzwischen nur noch an Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, wie beispielsweise Menschen ab 60 Jahren. Doch auch bei dieser Gruppe sei “bisher noch Luft nach oben”, sagte Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, dem RND. “Es ist immer wieder schwer zu vermitteln, dass die Pandemie vorbei ist, das Impfen aber weitergeht.”

Andrew Ullmann, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP, wies darauf hin, dass eine Corona-Erkrankung “nach wie vor keine Lappalie” sei. “Wir dürfen das Infektionsgeschehen nicht einfach ignorieren”, erklärte er. “Wer Symptome hat, der sollte, wenn möglich, zu Hause bleiben. Und für wen es eine Impfempfehlung gibt, der sollte sich noch mal impfen lassen.

red

Schneller Selbsttest: So erkennen Sie einen Schlaganfall in nur drei Fragen

Seit Jahren kämpfen Fachleute in der Schlaganfall-Behandlung um jede Minute. Das ist wichtig, sagt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Doch die Entscheidung über das weitere Leben der Betroffenen fällt oft vor der Klinik, wie aktuelle Auswertungen der Stiftung zeigen.

Rund 270.000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Ein Jahr nach dem Schlaganfall sind 60 Prozent der Betroffenen weiterhin auf Unterstützung, Therapie, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen.

In den meisten Fällen kommt es zum Verschluss eines Hirngefäßes. Das betroffene Gewebe wird nicht mehr mit Blut versorgt, Hirnzellen sterben ab. Entscheidend für den Erfolg der Akutbehandlung ist deshalb die Zeit: Je schneller die Diagnose gestellt und die Behandlung eingeleitet wird, desto weniger Funktionen gehen verloren. Durch die so genannte Thrombolyse lösen Neurologen den Verschluss medikamentös auf.

Vor der Behandlung brauchen Fachleute jedoch eine gründliche Diagnose. Klinikteams arbeiten seit Jahren daran, diese Zeit zu verkürzen. Mit Erfolg, wie eine neue Studie aus den USA zeigt. Jedes Jahr gewinnen sie wenige Minuten. Und Zahlen deutscher Schlaganfall-Stationen belegen: Bei 96 Prozent der Schlaganfall-Betroffenen gelingt es den Klinik-Teams, die Behandlung innerhalb der ersten zwei Stunden in der Klinik einzuleiten.

Doch während Fachleute um Minuten kämpfen, gehen vor der Klinik oft Stunden verloren: Nur 25 Prozent der Patienten erreichen eine Klinik innerhalb der ersten zwei Stunden nach Symptombeginn. Darunter befinden sich auch Menschen, die hilflos und allein sind. Doch oft nehmen Betroffene die Symptome nicht ernst und warten zu lange ab, wie die Erfahrungen vieler Kliniker zeigen. Wenn es darum geht, Menschenleben zu retten und schwere Behinderungen zu vermeiden, liegt das größte Potenzial in der Aufklärung.

Die US-Studie hat errechnet: Jede Stunde, die Patienten später in die Klinik kommen, verringert sich die Wahrscheinlichkeit eines guten Behandlungsergebnisses um 14 Prozent. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe setzt den diesjährigen Welt-Schlaganfalltag am 29. Oktober deshalb unter das Motto “Jeder Schlaganfall ist ein Notfall – 112!”

Sie will aufklären über die Symptome eines Schlaganfalls und das richtige Verhalten im Notfall. Die Schlaganfall-Hilfe hat die kostenlose App “Fast-Test” entwickelt. Mit drei einfachen Fragen lässt sich ein Schlaganfall-Verdacht überprüfen und der Notruf auslösen: www.schlaganfall-hilfe.de/app

mp/asg

Eltern sorgen sich über die wachsende Mediennutzung ihrer Kinder

Die heutige jüngere Generation im Alter von zehn Jahren und älter verbringt mehr Zeit mit elektronischen Geräten als mit traditionellen analogen Spielen und Freizeitaktivitäten. Eine aktuelle Studie der Krankenkasse Pronova mit dem Titel “Junge Familien 2023” zeigt, dass vor allem Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren wöchentlich 15 Stunden vor Bildschirmen verbringen, was sechs Stunden mehr ist als ihre Offline-Aktivitäten wie Sport. Diese Ergebnisse wurden in Berichten der Zeitungen der Funke-Mediengruppe veröffentlicht.

Die Umfrage, die 1.000 Haushalte mit mindestens einem Kind einbezog, zeigt, dass jüngere Kinder noch einen Ausgleich zwischen digitalen und analogen Aktivitäten finden: 10- bis 13-Jährige nutzen wöchentlich fast elf Stunden für elektronische Medien und verbringen etwa zehn Stunden mit analogen Spielen oder Sportaktivitäten. Sogar die Unter-Dreijährigen verwenden bereits mehr als vier Stunden für digitale Medien, wie ihre Eltern in der Umfrage angaben.

Es ist anzumerken, dass die tatsächliche Nutzungsdauer wahrscheinlich noch höher ist, da “Befragungen von Kindern oft viel höhere Nutzungszahlen zeigen. Eltern neigen dazu, sich die Bildschirmzeit ihrer Kinder klein zu reden”, so der Sozialpädagoge Clemens Beisel.

Die gesteigerte Nutzung von elektronischen Geräten resultiert auch daraus, “dass die Geräte fast überall genutzt werden können, ohne dass die Eltern es bemerken.” Die Mehrheit der Eltern fühlt sich schuldig, weil sie zu viele Ausnahmen bei der Mediennutzung zulassen (61 Prozent) und befürchten gleichzeitig, dass sie ihren Kindern zu häufige oder zu lange Nutzung erlauben (59 Prozent). Trotzdem räumt etwa die Hälfte ein, dass sie zu selten Zeit mit ihren Kindern verbringen, um die digitale Mediennutzung zu überwachen oder Alternativen anzubieten.

Viele Eltern versuchen, klare Regeln und Grenzen für die Mediennutzung ihrer Kinder aufzustellen. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt jedoch ihr Engagement ab. Gleichzeitig befolgen die Kinder die Regeln nicht immer. Bei den 14- bis 17-jährigen Jugendlichen befolgt nur ein Viertel der elterlichen Vorgaben, während es bei den 10- bis 13-Jährigen laut der Umfrage 42 Prozent sind. Selbst bei den unter 10-Jährigen halten nach Angaben der Eltern nur etwa 60 Prozent die festgelegten Beschränkungen ein.

red

Hausärzteverband warnt: Winter könnte medizinische Ressourcen überlasten

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Hausärzte, Markus Beier, äußert erhebliche Besorgnis in Bezug auf die bevorstehenden Herbst- und Wintermonate. Beier berichtete der “Rheinischen Post” (Freitagausgaben), dass die gegenwärtige Infektionsrate im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie tendenziell höher sei.

Er wies auf die bevorstehende Grippezeit hin und betonte, dass die Hausarztpraxen aufgrund dessen erneut vor großen Herausforderungen stehen könnten. Beier äußerte klare Kritik an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), indem er erklärte, die Politik lasse die Hausärzte im Stich. Bisher sei keine der dringend notwendigen Verbesserungen umgesetzt worden, um eine bestmögliche Versorgung in Zeiten von Infektionswellen sicherzustellen.

Weder habe die Bundesregierung das Problem der digitalen Transformation bewältigt, noch sei die lang versprochene Entbudgetierung der hausärztlichen Leistungen umgesetzt worden. Dies führe dazu, dass Kollegen in den Praxen ständig zusätzliche, unbezahlte Schichten leisten müssten, was wiederum längere Warteschlangen vor den Praxen und Probleme bei der Terminvergabe zur Folge habe. Beier unterstrich, dass insbesondere der bürokratische Aufwand für Corona-Impfungen enorm sei.

red

Verkehrstote steigen: 2022 deutlich mehr Unfälle unter Alkoholeinfluss in Deutschland

Nachdem in den Pandemiejahren 2020 und 2021 die Zahl der Toten und Verletzten bei Verkehrsunfällen gesunken war, sind im vergangenen Jahr wieder deutlich mehr Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Allerdings lag die Anzahl der Verkehrstoten demnach weiterhin unter dem Niveau der Zeit vor der Pandemie.

Laut Destatis starben im vorigen Jahr in Deutschland 2.782 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. Das waren neun Prozent oder 220 Todesopfer mehr als im Vorjahr (2.562) und neun Prozent weniger als 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie (3.046 Todesopfer), wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte. Bei diesen fällt insbesondere die deutlich höhere Zahl an Unfällen unter Alkoholeinfluss ins Auge.

So registrierten die Statistiker 2022 genau 38.771 Unfälle unter Alkoholeinfluss. Zum Vergleich: Im Zeitraum von 2015 bis 2019 lagen diese Zahlen in der Regel zwischen 34.000 und 36.000. Während der Corona-Pandemie, als Lockdown, Homeoffice und Homeschooling das Verkehrsaufkommen insgesamt spürbar sinken ließen, gingen die Alkoholunfälle auf unter 33.000 zurück.

Im vorigen Jahr schnellte deren Zahl dann wieder hoch auf über 38.000. Das bedeutet ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben von Statista waren im Jahr 2022 alles in allem rund 167.000 Alkohol- und Drogenverstöße im Straßenverkehr zu verzeichnen.

Was bedeutet nun die 0,5-Promillegrenze konkret? Wenn ein Fahrer mit 0,5 bis 1,09 Promille im Blut bei einer Kontrolle keine weiteren Auffälligkeiten zeigt, begeht er wegen Alkoholisierung eine Ordnungswidrigkeit. In diesem Fall drohen beim erstmaligen Verstoß 500 Euro Geldbuße, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot.

Wer mit mindestens 1,1 Promille ein Kraftfahrzeug lenkt, gilt als absolut fahruntüchtig. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Fahrer offensichtlich unter Alkoholeinfluss steht oder sich sogar noch als fahrtüchtig einschätzt, wie der ADAC erläutert. Es zählt nur der festgestellte Grad der Alkoholisierung anhand der Blutanalyseergebnisse. Und ab mindestens 1,1 Promille macht man sich definitiv strafbar.

Im schlimmsten Fall kann auch eine Gefängnisstrafe drohen. Darüber hinaus gilt es, ein weiteres, gegebenenfalls nicht unerhebliches wirtschaftliches Risiko, zu bedenken: Denn unter Umständen verweigert bei einem Autounfall mit Alkohol die Versicherung die Leistung. Und das kann richtig teuer werden.

mid/wal

Streit um Gesundheitsdienstleistungen: Ärzteverbände gegen Apotheken-Untersuchungen

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) hat den Vorschlag von Gesundheitsminister Lauterbach, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in Apotheken zuzulassen, entschieden abgelehnt. Laut KV-Präsident Frank Bergmann verfügen Apotheker nicht über das erforderliche tiefgreifende Fachwissen in Diagnostik und Therapie, das für solche Untersuchungen notwendig ist. Diese Verantwortung liege in den Händen von ausgebildeten Ärzten.

Bergmann betonte, dass er die weitere Verlagerung von medizinischen Dienstleistungen in Apotheken aus medizinischer Sicht als grob fahrlässig erachte. Die Ergebnisse von Vorsorgeuntersuchungen müssten von qualifizierten Ärzten geprüft und hinterfragt werden, da sie über viele Jahre hinweg eine umfassende medizinische Ausbildung durchlaufen haben.

Gesundheitsminister Lauterbach arbeitet derzeit an einem “Vorbeugemedizingesetz”, das vorsieht, dass die Krankenkassen einmalig Voucher an Personen im Alter von 25, 35 und 50 Jahren senden, die für Vorsorgeuntersuchungen in die Apotheke gehen können. Der Apothekerverband Nordrhein begrüßt hingegen die Pläne und sieht sie als wertvolle Ergänzung im Gesundheitswesen, besonders für Menschen, die sonst keinen Arzt aufsuchen würden.

red

Kinderbetten in deutschen Krankenhäusern werden knapp: 10-Jahres-Rückgang alarmierend

Die Situation in deutschen Krankenhäusern für Kinderbetten verschlechtert sich stetig. In den letzten zehn Jahren wurden in Deutschland über 1.100 Kinderbetten in spezialisierten Abteilungen abgebaut, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) kürzlich bekannt gab. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent.

Wenn man die Kinder- und Jugendpsychiatrie ausklammert, ist der Rückgang sogar noch drastischer, mit insgesamt rund 2.000 abgebauten Betten. Gleichzeitig kamen in diesem Bereich gut 900 Betten hinzu. Im Jahr 2022 wurden insgesamt etwa 25.800 Betten für die Behandlung von Kindern in Krankenhäusern registriert – der niedrigste Stand in den letzten zehn Jahren.

Vor einem Jahrzehnt gab es noch über 26.900 Krankenhausbetten für Kindermedizin. Die Auslastung dieser Betten in den Kinderabteilungen ist in diesem Zeitraum ebenfalls gesunken, was auch auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen ist. Die Zahl der Intensivbetten in Kinderfachabteilungen ist in den letzten zehn Jahren nur leicht zurückgegangen, mit teilweise pandemiebedingten Schwankungen.

Im Jahr 2022 gab es knapp 2.800 Intensivbetten, das sind gut 20 weniger als zehn Jahre zuvor. Intensivbetten machten zuletzt elf Prozent aller Kinderbetten in Krankenhäusern aus. In kleineren Fachrichtungen der Kindermedizin ist der Rückgang der Bettenkapazitäten jedoch deutlicher spürbar.

In der Kinderchirurgie sank die Anzahl der Betten von gut 1.900 im Jahr 2012 auf etwa 1.500 im Jahr 2022. Die Kinderkardiologie verzeichnete im selben Zeitraum einen Rückgang von knapp 600 auf zuletzt gut 500 Betten. In der Neonatologie und der Neugeborenenmedizin wurden von gut 2.400 Betten knapp 300 eingespart.

Die Pädiatrie stellt 2022 mit gut 14.900 Betten mehr als die Hälfte (58 Prozent) der gesamten Bettenkapazität in der Kindermedizin. 2012 waren es noch knapp 16.200 Betten gewesen. Nur die Kinder- und Jugendpsychiatrie verzeichnete einen Zuwachs: Im vergangenen Jahr gab es hier fast 6.800 Betten für Kinder, was gut 900 mehr sind als vor einem Jahrzehnt.

Die Betten in der Kindermedizin sind im Vergleich zu Betten in anderen Krankenhausabteilungen weniger ausgelastet. Während die Kinderfachabteilungen im Jahr 2022 Auslastungsquoten zwischen 56 Prozent (Kinderchirurgie) und 64 Prozent (Neonatologie) aufwiesen, lag die Bettenauslastung in den Krankenhäusern insgesamt bei 69 Prozent. Die einzige Ausnahme bildet die Kinder- und Jugendpsychiatrie, wo die Betten zu 83 Prozent ausgelastet waren.

Im Zehn-Jahres-Vergleich ist die Bettenauslastung in allen Fachbereichen der Kindermedizin zurückgegangen. Die Auslastungsquote in der Pädiatrie, als größte Kinderfachabteilung, sank von 62 Prozent im Jahr 2012 auf 58 Prozent im Jahr 2022. Dieser rückläufige Trend in der Bettenauslastung steht im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

red

Grüne: Strengere Regelungen für Alkoholwerbung und Verkauf gefordert

Die Grünen wollen zum besseren Schutz von Jugendlichen vor Alkohol und Nikotin ein Werbeverbot für alle alkoholischen Getränke im Fernsehen von 6 Uhr bis 22 Uhr einzuführen. Zudem solle der Verkauf von Alkohol in der Nähe von Supermarktkassen verboten werden, wie der “Tagesspiegel” (Mittwochausgabe) unter Verweis auf drei Prüfbitten an das Bundesgesundheitsministerium berichtet. Anlass ist das geplante Cannabisgesetz der Bundesregierung.

Damit sei “jedwede Werbung für Cannabis in Deutschland nicht möglich”, sagte die Gesundheitspolitikerin Linda Heitmann (Grüne) der Zeitung. “Das verpflichtet dazu, auch bei den anderen legalen Suchtstoffen endlich bessere Regelungen zum Jugendschutz zu finden”, sagte sie. Bei Alkohol und Nikotin müsse “dringend nachgebessert” werden, und zwar im laufenden Gesetzverfahren.

Das Werbeverbot soll laut Grünen nicht nur für das lineare Fernsehen, sondern auch für soziale Medien und Online-Plattformen gelten. Es sei “kein Zufall”, dass die Alkoholindustrie 2022 “rund 584 Millionen Euro” in Werbung investiert habe, das hinterlasse “ein positives Bild von alkoholischen Getränken – auch bei Minderjährigen”, sagte Heitmann. Zudem bitten die Grünen das Ministerium, Gewerbetreibende und Verkaufsstellen zu verpflichten, alkoholische Getränke “nicht im Kassenbereich anzubieten”.

Heitmann geht noch weiter: “Auch sollten alkoholische Getränke wie Nikotinprodukte im Einzelhandel nur noch auf Nachfrage erworben werden dürfen”, sagte sie. Das schütze auch und gerade Erwachsene mit Suchterkrankung. Laut Bundesgesundheitsministerium haben rund 7,9 Millionen der 18- bis 64-jährigen Bundesbürger einen riskanten Alkoholkonsum.

red