Medikamente: Kehrtwende beim Online-Handel

Das Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ist für Gesundheitsminister Jens Spahn vorerst vom Tisch. Es sei europarechtlich unwägbar, ob und wie ein solches Verbot umgesetzt werden könne, sagte der CDU-Politiker.

Der Versandhandel müsse die Ausnahme und nicht die Regel sein, so der Gesundheitsminister am Rande der Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Er fühle sich verpflichtet, über die Apotheken vor Ort die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen. Dazu solle etwa der Nacht- und Notdienst besser honoriert werden. Auch sollten zusätzliche Dienstleistungen für Apotheker, etwa bei Präventionsangeboten, definiert und honoriert werden.

Zudem möchte Jens Spahn die Rabatte für ausländische Online-Apotheken auf 2,50 Euro je Packung begrenzen. Darüber hinaus soll der Marktanteil des Versandhandels eine Grenze von fünf Prozent nicht übersteigen – sonst sollen weitere Rabattbeschränkungen möglich werden. mp/rlo

Warme Wickel vertreiben trübe Gedanken

Im Winter hat der warme Wickel Hochkonjunktur. Auch Massagen mit angewärmten Pflegeölen sind jetzt eine Wohltat für den Körper. Gesteigert wird die Wirkung mit ätherischen Ölen, die über die feuchte Haut optimal aufgenommen werden.

Das Zusammenspiel aus Wärme und Duft vermittelt bei vielen Beschwerden – von Erkältung über Verspannung bis hin zu trüben Gedanken – wichtige heilende Impulse. In vielen Kulturen zählen solche äußeren Anwendungen seit Jahrtausenden zum Kanon bewährter Heilmethoden. Gestützt auf neue Erkenntnisse werden sie jetzt auch hierzulande wiederentdeckt.

Ein Wickel kann körperwarm, heiß oder kalt aufgelegt werden. Bei vielen Wickeln wird das Innentuch mit einem Zusatz getränkt – bei einer aromatherapeutischen Anwendung beispielsweise mit einem Trägeröl wie Oliven- oder Mandelöl. Dazu kommen – je nach Beschwerdebild – entsprechend geeignete ätherische Öle. Aufgrund des angenehmen Dufts der Öle und der entstehenden Wärme sind Wickel so beliebt.

Studien haben gezeigt, dass eine warm gehaltene Haut Öle deutlich besser aufnimmt: Steigt die Hauttemperatur um 10 Grad Celsius, etwa infolge einer Massage oder eines warmen Wickels, verdoppelt sich die Aufnahme der Wirkstoffe sogar. mp/rlo

Wenn der Sport zu kurz kommt

Bei strahlendem Sonnenschein sieht man Jogger, Skater und Radfahrer am laufenden Band. Doch was ist an den kalten Wintertagen? Da bleiben viele lieber zu Hause im Warmen auf dem Sofa. Doch gesund ist das nicht, denn so setzen die meisten kräftig Pfunde an.

„Achten Sie darauf, auch in der Vorweihnachtszeit regelmäßig Bewegungseinheiten in Ihre Freizeit und Ihren Alltag einzubauen“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Körperliche Aktivität hilft beim Abbau überflüssiger Kalorien und reduziert langfristig das Krebsrisiko.“

Durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft werden auch der Stoffwechsel aktiviert und das Immunsystem gestärkt. Dadurch werden Vorgänge unterstützt, durch die der Körper Schäden am Erbgut selbst reparieren kann. Körperliche Aktivität hemmt darüber hinaus entzündliche Prozesse im Organismus. Zudem erkranken körperlich aktive Menschen nachweislich seltener an Tumoren des Dickdarms, der Brust und der Gebärmutterschleimhaut. Bei weiteren Krebsarten wird ein Zusammenhang vermutet.

„Es lohnt sich, seinen Körper bewegungsreich zu fordern. Zudem pflegen Menschen, die gern und viel körperlich aktiv sind, oft einen gesünderen Lebensstil als Bewegungsmuffel,“ betont Gerd Nettekoven. „Sie ernähren sich zumeist bewusster, rauchen seltener, trinken nur wenig Alkohol und verbringen mehr Zeit an der frischen Luft. Also: Rein in die Sportklamotten und raus in die Natur. mp/rlo

Glühwein-Fans: Hände weg vom Steuer

Die hochprozentigen Versuchungen lauern Weihnachten überall. Egal, ob auf der Betriebsfeier oder beim Besuch eines Weihnachtsmarktes. Da denken sich viele: Ein Gläschen Glühwein oder eine Tasse leckerer Pusch kann doch nicht schaden. Natürlich nicht. Aber nur, wer anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, muss kein böses Erwachen fürchten und fährt stets auf der sicheren Seite.

Denn bereits kleine Mengen Alkohol beeinträchtigen die Koordinations-, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit, teilen Experten mit. Daher sollte das eigene Auto in diesem Fall stets stehenbleiben. Nicht nur das Risiko selbst zu verunglücken steigt, sondern auch das aller anderen Verkehrsteilnehmer. 35.326 Unfälle unter Alkoholeinfluss wurden 2017 registriert, teilt der ACE Autoclub mit. Dadurch wurden 16.571 Menschen verletzt und 231 getötet. Zudem erhöht sich die Schwere der Unfälle unter Alkoholeinfluss.

Und was sagt der Gesetzgeber? Bei Fahrauffälligkeiten gibt es ab 0,3 Promille Fahrverbot, Punkte und Bußgeld. Wer mit 0,5 Promille in eine Polizeikontrolle gerät, wird mit bis zu 1.500 Euro und drei Punkten in Flensburg zur Kasse gebeten. Unter Umständen muss dann eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) absolviert werden. Als „absolut fahruntüchtig“ gilt, wer mit mehr als 1,1 Promille unterwegs ist. Mindestens sechs Monate Führerscheinentzug, Geldstrafe und drei Punkte in Flensburg sind die Folge. Im Falle eines Unfalls riskiert der alkoholisierte Fahrer zudem seinen Vollkasko-Versicherungsschutz.

Tipp der Experten: Schon im Vorfeld einer Feier sollte geklärt werden, wie der Heimweg organisiert wird. Und noch etwas sollten Glühwein-Fans beachten: Wer lange feiert, darf sich auch am nächsten Morgen nicht einfach hinter das Steuer eines Autos setzen. Alkohol wird im Körper nur langsam abgebaut, pro Stunde lediglich 0,1 Promille. Da steigt so mancher verkatert aus seinem Bett. mid/rlo

DVR-Aktion soll für Senioren sensibilisieren

Das Thema ist wichtig, sogar lebenswichtig. Denn nach wie vor sind ältere Verkehrsteilnehmer bei Unfällen deutlich überrepräsentiert. Deshalb ruft jetzt eine bundesweite Aktionswoche Autofahrende zu mehr Aufmerksamkeit auf.

Unter dem Motto „Sicher mobil im Alter“ will der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums die Sicherheit von Senioren im Straßenverkehr erhöhen. Wie dringend das nötig ist, zeigen diese Zahlen: So verunglückten 2017 knapp 7.000 Fußgänger ab 65 Jahren auf deutschen Straßen, bei älteren Fahrradfahrenden waren es sogar doppelt so viele. Und: „Die meisten dieser Unfälle ereigneten sich innerorts“, heißt es beim DVR.

Der Verkehrssicherheitsrat will mit Plakaten für mehr Aufmerksamkeit sensibilisieren. Der Ausgangspunkt: Senioren benötigen im Straßenverkehr hin und wieder einfach etwas mehr Zeit. Der DVR: „Sie sollten von Autofahrern nicht gedrängt oder durch hohe Geschwindigkeiten und eine aggressive Fahrweise zusätzlich gestresst werden.“ mid/rhu

Wenn Lippen leiden

Das nasskalte Schmuddelwetter setzt nicht nur Frostbeulen zu. Auch unsere empfindlichen Lippen leiden. Der Grund: Bei kalter Witterung trocknen sie aus, spannen und werden rissig. „Instinktiv feuchten viele ihre Lippen dann mit der Zunge an. Das verstärkt aber das Problem nur“, sagt Apothekerin Claudia Cramer aus Herscheid im Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“. Denn dadurch quelle die Haut auf, und es gehe noch mehr Feuchtigkeit verloren.

„Besser ist es, die Lippen morgens und vor dem Schlafengehen mit einem Pflegstift einzucremen“, so die Apothekerin. Dieser brauche nur wenige Inhaltstoffe: ein hochwertiges pflanzliches Öl wie Mandel- oder Jojobaöl sowie ein natürliches Fett, das für die Konsistenz sorge, zum Beispiel Bienenwachs.

Für Aktivitäten im Freien wie Skifahren sei bei Sonne zusätzlich ein UV-Schutz wichtig. „Leider stecken in vielen Pflegestiften auch billige Mineralöle“, sagt Cramer. „Sie sind weniger hautverträglich als pflanzliche Öle und können gesundheitlich bedenkliche Substanzen enthalten – die man dann durch Ablecken der Lippen aufnimmt.“ Wer sichergehen will, fragt beim Kauf nach Produkten auf rein pflanzlicher Basis. mp/rlo

Der richtige Weg zur Therapie

Eine Therapie kann bei manchen Patienten wahre Wunder bewirken. Dabei sollte der behandelnden Arzt aber nicht alleine entscheiden. Eine Mitsprache bei der Therapie wünschen sich vor allem Frauen: 75 Prozent sind dafür, bei den Männern sind es etwa 65 Prozent.

Die Ärzte scheinen das verstanden zu haben: Denn nur zwölf Prozent derjenigen, die schon mal mit konkreten Wünschen an ihren Arzt herangetreten sind, geben an, bei der letzten Therapie-Entscheidung, bei der sie mitreden wollten, in keiner Weise einbezogen worden zu sein. Zu diesen Ergebnissen kommt der „Gesundheitsmonitor“, eine Meinungsumfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen.

Die Ärzte scheinen dem Wunsch der Patienten oft auch nachzukommen. Mehr als die Hälfte der Befragten mit konkreten Wünschen hinsichtlich der Therapie sagt: „Wir haben gemeinsam überlegt und entschieden.“ Über ein Drittel gibt sogar an, die Wünsche seien vom Arzt „in vollem Umfang“ berücksichtigt worden, als sie beim letzten Arztbesuch um Mitsprache nachsuchten.

Beim Einfordern einer gemeinsamen Entscheidung hapert es noch: Nur etwa jeder Dritte hat schon mehrfach einen konkreten Therapiewunsch geäußert, vier von zehn Befragten haben sich das noch nie getraut. Dabei zeigt sich ein deutliches Bildungsgefälle: Während 47 Prozent der Abiturienten mit anschließendem Studium schon mehrfach konkrete Wünsche geäußert haben, waren es bei den Hauptschülern nur 27 Prozent. mp/rlo

Bewegung und Körpersäfte gegen den Arthrose-Teufelskreis

Die Kniearthrose beginnt schleichend. Erst treten Schmerzen nur bei Belastung auf. Doch in späteren Stadien gibt das Knie nicht einmal mehr nachts Ruhe. Wenn Medikamente und Physiotherapien nicht mehr helfen, wird oft zu schnell zum Skalpell gegriffen.

Oft lässt sich ein künstliches Kniegelenk vermeiden oder die Operation hinauszögern: Die Injektion von Hyaluronsäuren, einer körpereigenen Substanz, die Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit ist, wirkt im Knie als Schmiermittel versorgt den Knorpel mit Nährstoffen.

Betroffene sollten das Gelenk bewegen. Denn mit zu wenig Bewegung beginnt ein Teufelskreis. Der Knorpel wird im Ruhezustand schlechter mit Nährstoffen versorgt und so schneller spröde. Am Ende reibt Knochen auf Knochen. Die Schmerzen nehmen zu, und es droht eine Versteifung des Kniegelenks. Oft hilft jetzt nur noch eine OP.

Das Injizieren von Hyaluronsäure ins Knie ist seit Jahren gängige Praxis. Dabei wurde aber immer nur eine einzelne Substanz genutzt. Durch Einsatz einer speziellen Doppelkammerspritze ist es nun möglich, zwei verschiedene Hyaluronsäuren nacheinander zu injizieren, die unterschiedlich wirken. Häufig können die kombinierten Vorteile beider Wirkstoffe den Teufelskreis aus Schmerzen und Bewegungsmangel unterbrechen.

Die erste Kammer der Spritze enthält dabei eine niedermolekulare, kurzkettige Hyaluronsäure in hoher Konzentration. Das Ziel: Sie soll die Zusammensetzung der ursprünglichen Gelenkflüssigkeit wiederherstellen. Die zweite Kammer enthält eine hochmolekulare, langkettige Hyaluronsäure in niedriger Konzentration. Der Inhalt der zweiten Kammer verbleibt zur „Schmierung“ im Kniegelenk.

Bei einer Studie mit 200 Arthrosepatienten wurde die Therapie in Kanada getestet. Sie erwies sich gegenüber der Injektion einzelner Hyaluronsäuren und Placebos als klar überlegen bei der Linderung von Bewegungs- und Ruheschmerz.

Wenn das Knie wieder ausreichend „geschmiert“ ist, gehen die Schmerzen häufig zurück. Das Gelenk kann in vielen Fällen wieder bewegt werden, was die Versorgung des Knorpels verbessern und seinen Zustand stabilisieren kann. In der Regel sind zwei bis drei Spritzen nötig, jeweils eine pro Woche, damit die Wirkung ein Jahr anhält. Die Injektion des Gels mit den zwei Wirkstoffen zählt zu den Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). mp/Mst

Keine Scheu vor dem Frühchen

Eine möglichst gute medizinische Versorgung ist nur eine Säule für die gute Entwicklung von Frühgeborenen. Ebenso wichtig ist der intensive Kontakt zur Mutter, so das Apothekenmagazin „Baby und Familie“.

„Natürlich braucht das Kind Intensivmedizin, aber Intensivmedizin ohne mütterliche Zuwendung ist nur die eine Hälfte“, so Sozialpädagogin Nicola Zöllner vom FamilieNetz an der Dresdner Kinderklinik. Der Hintergrund: Weil Frühgeburten oft unter sehr dramatischen Umständen ablaufen, gibt es häufig eine anfangs gestörte Interaktion zwischen Mutter und Kind. Obwohl sie definitiv nicht dafür verantwortlich sind, kämpfen fast alle betroffenen Frauen zunächst mit Schuldgefühlen. Die verhindern den unbeschwerten Kontakt.

Nicola Zöllner: „Jede Mutter eines Frühchens sollte sich bewusst machen, dass sie am engsten mit ihrem Kind verbunden und darum die Expertin seiner emotionalen Bedürfnisse ist.“ Es sei richtig, auf seine Instinkte zu vertrauen und selbst den Mut zu haben, das Kind zu berühren, etwa die Sensoren zu wechseln, ihm etwas zu erzählen. mp/rhu

Erfolg bei Forschung mit Schweineherzen

Organmangel ist ein gravierendes Thema, die Zahl der Spenderorgane ist auf einem historischen Tiefstand. Und die Aussichten sind weiter schlecht. Deshalb arbeiten Wissenschaftler seit Jahren an der sogenannten Xenotransplantation – also der Übertragung von Schweineherzen auf Menschen. Jetzt ist einem internationalen Team um Forscher des LMU-Klinikums in München ein wichtiger Schritt gelungen.

Erstmals haben sie es geschafft, genetisch veränderte Schweineherzen lebenserhaltend langfristig in Paviane zu verpflanzen: „Das Pavianherz wurde mithin durch ein Schweineorgan ersetzt“, heißt es bei den Experten. Paviane mit transplantierten, genetisch modifizierten Schweineherzen überlebten bis zu sechseinhalb Monate.

Zu diesem Erfolg führte eine neue Behandlungstechnik für das entnommene Organ bis zur Verpflanzung und eine neue Medikamenten-Kombination für die Empfänger, mit der ein Weiterwachsen des Herzens und damit die Sprengung des Pavian-Brustkorbs und die Quetschung von dessen Leber unterdrückt wird. Um heftige Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, wurde außerdem noch das Erbgut des Schweineherzens modifiziert.

Jetzt werden Spenderherzen und das Procedere der Xenotransplantation weiter verbessert – mit einem klaren Zeithorizont: In drei Jahren könnte bereits der erste menschliche Patient mit einem solchen Herzen im Rahmen einer klinischen Studie behandelt werden. mp/rhu