Scharfe Kritik an EU wegen Amalgam-Verbot

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hat massive Kritik an dem von der EU ab 2025 beschlossenen Verbot von Amalgam-Füllungen geübt. “Ein Wegfall von Dentalamalgam wird die Versorgung insbesondere von vulnerablen Patientengruppen deutlich erschweren”, sagte KZBV-Vorstandschef Martin Hendges dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (Freitagausgaben).

Derzeit stünden keine “mit ausreichender Evidenz” hinterlegten Alternativmaterialien für alle Versorgungsformen zur Verfügung. Um diese Wissenslücke zu schließen, müsse weiter geforscht werden und Ergebnisse lägen erst in einigen Jahren vor.

Die Vereinigung sieht durch Amalgam keine Gefahren für die Patienten. “Bei fachgerechtem Einsatz gehen von Dentalamalgam keine Gesundheitsgefahren aus”, sagte er. Zudem sei eine Umweltgefährdung in Deutschland nahezu ausgeschlossen, da sich die Sicherungsmaßnahmen etabliert hätten und umfänglich seien. “Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Amalgam der älteste, besterforschte zahnärztliche Werkstoff ist und in den allermeisten Fällen problemlos vertragen wird”, so Hendges.

Die Aufnahme von Quecksilber entspreche dabei etwa der Größenordnung der Quecksilberbelastung, die auch durch Nahrung entstehe – und sei nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen unbedenklich. “Insofern ist es vollkommen unverständlich und fachlich falsch, dass die EU-Kommission das Amalgam-Verbot neben den Umweltaspekten auch mit gesundheitlichen Gefahren begründet.”

red

Antibiotika-Verordnungen steigen wieder

Nachdem die Zahl der Verordnungen von Antibiotika in den Jahren 2020 und 2021 rückläufig war, ist sie im Jahr 2022 wieder angestiegen. Sie lag aber mit knapp 31 Millionen Verordnungen etwa zehn Prozent unter dem Wert von 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie. Darauf weist das Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hin.

Im Jahr 2022 wurden insgesamt 31 Millionen Verordnungen von Antibiotika im Wert von 733 Millionen Euro zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgerechnet. Das entspricht fast jeder 25. ambulanten Verordnung in der GKV.
Der Anteil der Reserveantibiotika lag mit 42 Prozent weiter auf ähnlichem Niveau wie in den “Corona-Jahren” 2020 und 2021 und etwa 5 Prozent unter dem Verordnungsanteil von 2019.

Reserveantibiotika seien Medikamente, die Mittel der zweiten Wahl darstellten und für deren Einsatz eine strenge Indikation vorgesehen sei, sagt Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO. “Je sorgloser sie verordnet werden, desto resistenter werden Bakterien gegen Antibiotika”, warnt Schröder.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung verstärkt das Problem der Resistenzbildung ebenfalls, da die Wirkstoffe zum Beispiel über den Konsum von Fleisch oder über das Grundwasser auch vom Menschen aufgenommen werden.

Zur medizinischen Versorgung der Patienten in Deutschland sind im Jahr 2022 insgesamt rund 272 Tonnen Antibiotika zum Einsatz gekommen, während laut einer Auswertung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit rund 540 Tonnen an Tierärzte abgegeben wurden.

Auch die in den letzten Jahren häufig berichteten Lieferengpässe bei ausgewählten Antibiotika könnten die angespannte Situation weiter verschärfen. Vor allem von den Engpässen betroffen waren Standardantibiotika wie Amoxicillin, Phenoxymethylpenicillin und Ampicillin, aber auch Reserveantibiotika wie Cotrimoxazol und Cefaclor. Das Abweichen von der Standardtherapie durch die Nutzung eines anderen verfügbaren (Reserve-)Antibiotikums kann die Gefahr von Resistenzbildungen erhöhen.

Diverse Fachgesellschaften haben im Zuge der Lieferengpässe erneut einen bewussten und gezielten Einsatz von (Reserve)-Antibiotika gefordert. “Das kritische Hinterfragen jeder Antibiotikaverordnung und ein rationaler, leitlinienkonformer Einsatz von Reserveantibiotika sind weiter angezeigt”, so Schröder.

Damit in Deutschland auch weiterhin ein Versorgungsengpass bei Antibiotika vermieden werden könne, müsse der Gesetzgeber durch ein verpflichtendes Meldeverfahren von pharmazeutischen Herstellern, Großhändlern und Apotheken für eine lückenlose Transparenz über die komplette Lieferkette für Antibiotika und andere Arzneimittel sorgen.

Das WIdO weist anlässlich der aktuellen Auswertung darauf hin, dass neben einer zurückhaltenden Verordnung in der Human- und Tiermedizin auch Wirkstoffe mit neuen Wirkprinzipien benötigt werden, die in der Lage sind, die gegebenen Resistenzen zu überwinden.

Allerdings scheine der betriebswirtschaftliche Anreiz zu fehlen: “Die Pharmaindustrie fokussiert sich lieber auf Wirkstoffe, mit denen noch höhere Preise und noch höhere Umsätze erzielt werden können.” Um hier gegenzusteuern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2018 bis zu 500 Millionen Euro für zehn Jahre bereitgestellt, mit denen unter anderem die Entwicklung neuer Antibiotika unterstützt werden soll.

“Diese öffentliche Förderung wird hoffentlich helfen, innovative Arzneimittel an den Start zu bringen. Allerdings muss sichergestellt werden, dass die öffentliche Hand bei diesen Wirkstoffen nicht doppelt zur Kasse gebeten wird – einmal für die Forschungsförderung und andererseits für die von der pharmazeutischen Industrie aufgerufenen hohen Preise”, so Schröder.

Eine grundsätzlich öffentliche Finanzierung von Forschung und Entwicklung, die auch in der Wissenschaft diskutiert werde, könnte einen Ausweg bieten. Die pharmazeutische Industrie könne dann im Rahmen von Lizenzierungsmodellen die Produktion und den Vertrieb übernehmen.

mp/asg

Medizinische Fachangestellte: Studie zeigt große Unzufriedenheit

Unter den Medizinischen Fachangestellten (MFA) in Deutschland ist die Unzufriedenheit groß. Das zeigt eine Studie der Hochschule Fresenius in München, über die der Focus berichtet.

Demnach sind nicht allein niedrige Löhne der Grund: Wie das Nachrichtenmagazin schreibt, klagen 83 Prozent der meist weiblichen Angestellten über eine zu hohe Arbeitsbelastung, 70 Prozent über mangelnde Wertschätzung. Die bundesweite Befragung erfasste 1.205 überwiegend in Praxen beschäftigten MFAs.

50 Prozent von ihnen sagten, dass sie aufgrund ihrer Arbeitslast nicht mit der nötigen Sorgfalt auf Patienten eingehen könnten. Häufig raube ihnen zu viel Bürokratie die Zeit für ihre medizinischen Aufgaben. Die Fachangestellten beklagten sowohl eine zunehmende Ruppigkeit vieler Patienten wie auch die fehlende Anerkennung von Praxisinhabern. 68,5 Prozent wünschen sich mehr Aufstiegschancen. 80 Prozent erwägen den Job oder gar die Branche zu wechseln.

Nach einem Warnstreik in der vergangenen Woche hatte sich der Verband der medizinischen Fachberufe mit Vertretern der Ärzteschaft zuletzt auf eine Erhöhung der Gehälter geeinigt. Sie liegen für MFAs derzeit im Mittel bei 2.778 Euro. Bei den Sozialversicherungsfachangestellten der Krankenkassen, wohin MFAs häufig abwandern, sind es 4.292 Euro. Das Ergebnis der Tarifverhandlung wird am Freitag vorgestellt.

red

Ernährungs-Kennzeichnung: Coca-Cola lehnt Nutri-Score ab

Berlin – Coca-Cola will seine Produkte in Deutschland auch weiterhin nicht mit dem sogenannten Nutri-Score kennzeichnen. “Der Nutri-Score ist aktuell keine gute Lösung”, sagte die Chefin von Coca-Cola Deutschland, Evelyne De Leersnyder, dem “Tagesspiegel” (Donnerstagausgabe).

“Die Bewertungsmaßstäbe werden immer wieder geändert, die Menschen bekommen keine klare Orientierung.” Coca-Cola warte daher auf die Empfehlung der europäischen Behörden zu einer europaweit einheitlichen Kennzeichnung.

Der Nutri-Score zeigt auf Lebensmittelverpackungen mit einer Skala von A bis E und einem farbigen Balken an, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht. A wäre sehr gut, E sehr schlecht. Die Bewertungsmaßstäbe sind kürzlich verändert worden. Vor der Umstellung der Kriterien hätten Coca-Cola-Light und Zero ein B bekommen, jetzt wären sie bei C.

“Süßstoffe werden jetzt schlechter eingestuft, wir halten das für falsch”, sagte Evelyne De Leersynder. Die klassische Coke bekäme wegen des Zuckergehalts ein E.

Kritik übte die Managerin auch an den Plänen von Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne), die Werbung für ungesunde Lebensmittel einzuschränken. “Die Art und Weise, wie Özdemir vorgeht, ist überzogen”, sagte De Leersynder.

Das Ministerium wolle mit wenigen Ausnahmen Werbebeschränkungen für alle Lebensmittel, die nicht den WHO-Nährwertprofilen entsprechen. “Das würde in unserem Fall nicht nur die reguläre Coca-Cola betreffen, sondern auch alle Limonaden mit Süßstoffen wie Coke Zero, Fanta, Sprite oder Mezzo Mix Zero oder Light”, kritisierte die Coca-Cola-Chefin. In Deutschland stünden 80 Prozent aller Getränke und Lebensmittel auf der Liste.

red

Frauen tragen Hauptlast der häuslichen Altenpflege in Deutschland

Berlin – In Deutschland leisten Frauen im Vergleich zu Männern deutlich mehr häusliche Altenpflege als in anderen europäischen Staaten. Das geht aus der Studie “Ausbau der Pflegeversicherung könnte Gender Care Gap in Deutschland verringern” des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben) berichten.

Die Forscher haben 17 europäische Länder verglichen; in einigen dieser Staaten ist die Ungleichverteilung der privaten Pflegeleistungen zwischen den Geschlechtern weniger stark ausgeprägt als in Deutschland. Dazu gehören etwa Portugal, Schweden, die Schweiz, Italien, Polen und Frankreich.

Die Ungleichheit der Pflegearbeit zwischen den Geschlechtern ist demnach in den Ländern kleiner, in denen mehr Geld für das formelle Pflegesystem ausgegeben wird. Mitverantwortlich sei auch der Arbeitsmarkt: In Deutschland gingen Frauen seltener einer Erwerbsarbeit nach und verdienten weniger, weshalb sie dann öfter als Männer für die Pflege von Angehörigen ihre Arbeitszeit reduzieren oder die Erwerbstätigkeit ganz aufgeben, so die Studie.

red

 

Eltern besorgt über geplante Cannabis-Legalisierung

Die Bundesregierung hält an der geplanten Legalisierung von Cannabis für Erwachsene ab 18 Jahren fest. Ein entsprechendes Gesetz soll Mitte Februar verabschiedet werden. Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover (KKH) meinen fast zwei Drittel der befragten Eltern mit Kindern unter 18 Jahren, dass die Hemmschwelle für den Cannabis-Konsum bei Minderjährigen sinkt, wenn das Kiffen für Erwachsene legal wird.

Eine klare Mehrheit denkt zudem, dass sich ein häufiger Konsum von Cannabis bei Kindern und Jugendlichen sowohl körperlich als auch psychisch negativ auswirkt: Fast drei Viertel der Eltern (73 Prozent) befürchten eine Schädigung des Gehirns oder andere körperliche Probleme wie Benommenheit.

Fast ebenso viele (70 Prozent) meinen, dass es in der Folge zu psychischen Problemen wie Stimmungsschwankungen oder Angstzuständen kommt. Gut zwei Drittel der Eltern (69 Prozent) denken, dass ein häufiger Konsum von Cannabis Kinder und Jugendliche abhängig macht. 64 Prozent befürchten dadurch einen Leistungsabfall in der Schule, 55 Prozent denken, Minderjährige könnten auf die schiefe Bahn geraten.

Die Sorgen der Eltern bezüglich einer Abhängigkeit scheinen nicht unbegründet zu sein. So zeigen KKH-Daten bereits jetzt ein starkes Plus beim schädlichen Gebrauch von Cannabis bei jungen Menschen. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen stiegen die Diagnosen wegen eines akuten Rausches, einer Abhängigkeit, Entzugserscheinungen oder psychischer Probleme aufgrund von Cannabinoiden von 2012 auf 2022 um das Anderthalbfache an.

Doch ist Cannabis wirklich so schädlich für das Gehirn von Kindern und Jugendlichen, wie die Mehrheit der Eltern glaubt? Hirnforscher Prof. Dr. Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig erläutert: “Cannabinoide wirken sich besonders auf den Stirnlappen aus, einen wichtigen Teil unseres Frontalhirns. Diese Hirnregion verleiht uns die Fähigkeit, Handlungen zu planen, Probleme zu lösen und Impulse zu kontrollieren. Wenn Jugendliche regelmäßig kiffen, riskieren sie eine Minderung dieser Fähigkeiten, sie reagieren impulsiver und können sich schlechter auf eine Aufgabe konzentrieren. Insgesamt lässt die geistige Leistungsfähigkeit nach.”

Zudem können durch starken Cannabis-Konsum Regionen im Gehirn aktiviert werden, die Halluzinationen auslösen und zu psychotischen Symptomen führen. Je jünger die Konsumenten sind, desto höher ist das Risiko für all diese Auswirkungen.

Doch auch junge Erwachsene spielen mit ihrer Gesundheit, wenn sie häufig kiffen. “Die Entwicklung des Frontalhirns ist erst mit Mitte 20 abgeschlossen. Die geplante Legalisierung von Cannabis soll aber ab einem Alter von 18 Jahren gelten. Auch dann reagiert das Gehirn noch besonders empfindlich auf Drogen”, betont Martin Korte. Deshalb sei es besser, einen legalen Erwerb von Cannabis frühestens ab dem 25. Lebensjahr zuzulassen.

Justin Onyechi vom Präventionsteam der KKH gibt darüber hinaus zu bedenken, dass sich das Risiko einer späteren Abhängigkeit sowie des exzessiven Gebrauchs weiterer Drogen drastisch erhöht, wenn Cannabis bereits im Jugendalter regelmäßig konsumiert wird. Die geplante Legalisierung dürfe sich zudem nicht negativ auf die bisherigen Erfolge des Nichtraucherschutzes und der Nichtraucherkampagnen auswirken.

mp/asg

Müssen Patienten bei abgesagten Arztterminen zahlen?

Ausfallhonorare von Arztpraxen für verpasste oder abgesagte Arzttermine sind in bestimmten Fällen zulässig, berichtet die Verbraucherzentrale NRW. Gerichte haben dazu jedoch bislang nicht einheitlich geurteilt, so dass keine allgemein gültige Rechtsgrundlage existiert.

Rechtlich gesehen handelt es sich beim Arzt-Patienten-Verhältnis um einen Behandlungsvertrag (§ 630a BGB). Dieser verpflichtet Ärzte zur vereinbarten Behandlung und Patienten zur Bezahlung, falls die Krankenkasse die Behandlung nicht übernimmt.

Aus ärztlicher Sicht kann es den Praxisablauf erheblich durcheinanderbringen, wenn Patienten einen vereinbarten Termin nicht wahrnehmen und nicht rechtzeitig absagen. In bestimmten Konstellationen dürfen Arztpraxen ein Ausfallhonorar für kurzfristig oder gar nicht abgesagte Termine verlangen. Entscheidend ist vor allem die Art der Praxisorganisation, so Sabine Wolter, Gesundheitsrechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW.

Gerade sehr spezialisierte Praxen mit wochenlangen Wartezeiten auf neue Termine wie etwa die eine Praxis für Gefäßchirurgie oder reine Bestellpraxen dürfen Ausfallhonorare berechnen. Das gleiche gilt für Eingriffe, die vorbereitet werden müssen oder für die besonderes Personal nötig ist, etwa bei ambulanten Operationen. Arztpraxen mit vollen Wartezimmern haben dagegen in der Regel keine Probleme, frei gewordene Termine neu zu besetzen.

Arztpraxen dürfen Patient grundsätzlich ablehnen, aber nur, wenn kein Notfall vorliegt. Ärzte mit Kassenzulassung brauchen jedoch einen triftigen Grund für die Behandlungsablehnung, denn sie sind grundsätzlich dazu verpflichtet, gesetzlich Versicherte zu behandeln. Ein zulässiger Grund ist eine Überlastung der Praxis. Praxen mit Kassenzulassung müssen nicht über ihr Kassen-Soll hinaus Patienten annehmen. Ob allerdings ein Nichterscheinen oder eine kurzfristige Absage einen triftigen Grund darstellt, ist nicht geregelt.

Aus Patientensicht gilt: Wenn das Arzt-Patienten-Verhältnis schon längere Zeit bestand und es sich um eine einmalige kurzfristige Absage handelt, ist das anders zu bewerten als bei Neupatienten, die wiederholt unentschuldigt nicht erscheinen. Auch ein triftiger Grund wie eine kurzfristige akute Erkrankung sollte nicht zu einer Gebühr führen.

Manche Praxen sind heutzutage schlecht telefonisch erreichbar, manche vergeben vor allem oder ausschließlich Online-Termine. Gerade ältere Patienten, die Online-Buchungssysteme wie “Doctolib” oder anderes nicht nutzen können oder wollen, sind dann benachteiligt, sowohl bei der Terminanfrage als auch bei einer Absage.

Deshalb rät die Verbraucherzentrale NRW, Arzttermine, die nicht wahrgenommen werden können, so früh wie möglich abzusagen, entweder telefonisch oder per E-Mail, Ist eine E-Mail nicht möglich, kann man Verwandte oder Freunde bitten, stellvertretend abzusagen. Wird eine Gebühr fällig, müssen nicht nur privat Versicherte, sondern auch gesetzlich versicherte Patienten diese selbst bezahlen. Die Krankenkassen kommen dafür nicht auf.

mp/asg

Gesetzliche Krankenkassen fordern grundlegende Reform der Pflegeversicherung

Berlin – Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen fordert eine grundlegende Überarbeitung der sozialen Pflegeversicherung. “Wenn die Pflegeversicherung auch in den Jahren 2025 bis 2040 funktionieren soll, muss das System jetzt reformiert werden”, sagte Vize-Vorstand Gernot Kiefer der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ).

Das könne die Regierung aber nicht alleine gewährleisten. Er fordert daher eine Enquete-Kommission, um mit allen relevanten Gruppen – Parteien, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wissenschaft und pflegenden Angehörigen – in eine breite Diskussion zu gehen. Noch in diesem Jahr sollte diese Kommission ihre Arbeit aufnehmen. “Die Zeit drängt, wir stehen schon für die Jahre 2025 und 2026 vor großen Problemen”, sagte Kiefer.

Die Ausgaben der Pflegeversicherung beliefen sich 2023 auf 56 Milliarden Euro. Bei steigendem Bedarf sei schon ab 2025 die Finanzierung nicht mehr gewährleistet. “Wir steuern auf eine Notlage zu”, sagte Kiefer.

red

Überfüllte Praxen durch ausgeprägte Grippewelle

Die Hausärzte haben eine hohe Belastung wegen der aktuellen Grippewelle beklagt. “Die Hausarztpraxen sind derzeit einmal mehr randvoll”, sagte Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, der “Rheinischen Post” (Freitagausgabe). Man beobachte aktuell unter anderem eine ausgeprägte Grippewelle.

“Wie bei Grippe üblich kann es teilweise mehrere Wochen dauern, bis die Symptome vollständig abklingen. Der Verlauf kann, gerade bei einem fehlenden Impfschutz, auch heftig ausfallen”, so Buhlinger-Göpfarth. “Das ist auch nichts Neues, wird aber von vielen immer noch unterschätzt. Hinzu kommt, dass auch Corona-Infektionen nach wie vor zum Alltag gehören.”

Die Hausarztpraxen arbeiteten seit Langem unter “absoluten Hochdruck”, beklagte die Verbandsvorsitzende. “Das hat mit der jahreszeitbedingten Infektionswelle zu tun, aber immer mehr auch mit den strukturellen Problemen in unserem Gesundheitswesen.”

Buhlinger-Göpfarth forderte, die Praxen zu entlasten. “Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat vor Wochen ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der Hausarztpraxen angekündigt, welches unter anderem auch eine Entbudgetierung der hausärztlichen Leistungen beinhalten soll.” Geschehen sei bisher nichts, sagte sie. “Einen Gesetzesentwurf ist Herr Lauterbach nach wie vor schuldig.”

Die Verbandschefin mahnte zur Eile. “Ansonsten geht das Wegbrechen der Versorgung Stück für Stück weiter”, so Buhlinger-Göpfarth. “Herr Lauterbach und die Ampel stehen bei den Patienten und Hausarztpraxen im Wort.”

red

Weichmacher im Urin von Menschen gefunden: Sonnenschutzmittel unter Verdacht

Das Umweltbundesamt sieht einen Zusammenhang zwischen dem im Urin zahlreicher Menschen gefundenen Abbauprodukt eines verbotenen Weichmachers und dem Gebrauch von kosmetischen Produkten. “Unser erster und vorläufiger Verdacht fällt auf Sonnenschutzmittel”, sagte Marike Kolossa, Toxikologin beim Umweltbundesamt, dem “Spiegel”.

In zwei Untersuchungen waren kürzlich stark erhöhte Werte von Mono-n-hexyl-Phthalat in Hunderten Urinproben gefunden worden, darunter auch bei Kindergartenkindern. Bei dem Stoff handelt es sich vermutlich um das Abbauprodukt eines Phthalats namens Di-n-hexyl-Phthalat, welches als Weichmacher verwendet wird. Sein Einsatz ist in der EU weitgehend verboten, weil er die menschliche Fruchtbarkeit schädigen kann.

Auf den Zusammenhang zwischen Sonnenschutzmitteln und der Belastung mit dem Stoff stieß Kolossa mit ihrem Team bei einer vorläufigen Auswertung der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit. Bei dieser Studie geben Teilnehmer nicht nur eine Urinprobe ab, sondern werden auch zu Konsumgewohnheiten gefragt.

Noch sei es zu früh, spezifische Aussagen zu betroffenen Sonnenschutz-Produkten zu machen, sagte Kolossa. Sie warnte zudem davor, wegen des Verdachtsfalls vorläufig auf Sonnenschutzmittel zu verzichten. “Sonnencreme schützt die Haut”, sagte sie. “Ein Verzicht ist schädlich.”

Das Umweltbundesamt arbeitet für weitere Untersuchungen in einem europaweiten Forschungsverbund mit anderen Instituten zusammen. Verdächtige Produkte sollen nun gezielt untersucht werden. “Wir müssen diese Belastung schleunigst abstellen”, sagte Kolossa.

red