Darum ist Gold so wertvoll

Geld verliert an Wert, Gold bleibt unvergänglich. Diese Annahme treibt viele Menschen vor allem in Krisenzeiten zum Edelmetall. Hinzu kommt, dass bei steigenden Inflationsrisiken auch die Chancen auf einen steigenden Goldpreis bestehen, weil entsprechend viele Marktteilnehmer sich absichern möchten.

„Investoren sehen Gold als Absicherung gegen Inflation“, sagt auch Carlo Alberto De Casa, Chefanalyst des Brokerhauses Activtrades. So kletterte Gold auf ein Dreimonatshoch bei 1.855 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm). So teuer war das Edelmetall zuletzt Mitte Februar 2021. Hintergrund sind die derzeit steigenden Inflationserwartungen an den Finanzmärkten.

Da die mächtige US-Notenbank Fed weiterhin signalisiert, nicht mit Zinserhöhungen auf den Preisschub geldpolitisch zu reagieren, bleiben derzeit die Anleger beim Gold als klassischer Inflationsabsicherung.

Hinzu kommt die der Corona-Krise. Zwar hat sich die Lage in den USA und Europa entspannt. Doch in Teilen Asiens gibt es gegensätzliche Entwicklungen.

Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, rechnet zumindest in naher Zukunft mit einer Fortsetzung des Goldpreisanstiegs: „Dabei spielt sicherlich auch eine Rolle, dass die US-Inflationsrate mit 4,2 Prozent deutlich höher liegt als vor zwei Monaten und als die Anleiherenditen, die Realzinsen also stark negativ sind.“

Ralf Loweg / glp

Ryanair mit Rekordverlust

Bislang kannten Billigflieger nur eine Richtung. Und die ging steil nach oben. Doch in der Corona-Krise sind viele Airlines in arge Turbulenzen geraten. Dazu gehört auch Ryanair. Denn Europas größter Billigflieger hat im Geschäftsjahr 2020/2021 ein Minus von 815 Millionen Euro eingeflogen. Einen so großen Verlust hat das Unternehmen noch nie gemacht. Im Vorjahr hatte der Gewinn bei fast 650 Millionen Euro gelegen.

„Es ist besser als wir prognostiziert hatten, aber noch immer ein traumatischer Verlust für eine Airline, die konstant profitabel war in ihrer 35-jährigen Geschichte“, sagt Ryanair-Chef Michael O’Leary.

Die irische Fluggesellschaft bekräftigte aber ihre Prognose, dass die Passagierzahlen im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich am unteren Ende einer Spanne von 80 bis 120 Millionen liegen werden. Im Quartal von April bis Juni 2021 erwartet das Unternehmen fünf bis sechs Millionen Fluggäste.

Im Geschäftsjahr bis Ende März 2021 beförderte das Unternehmen insgesamt 27,5 Millionen Passagiere. Das entspricht einem Minus von mehr als 80 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Aber damit sollte der Tiefpunkt erreicht sein, heißt es.

Aus der Sicht von Experten hat Ryanair besonders günstige Voraussetzungen für eine schnelle Erholung, da der Billigflieger keine Langstreckenflüge mit Geschäftsreisenden im Programm hat – anders als Airlines wie Lufthansa oder Air France KLM. Und besonders dieses Segment könnte auch nach der Pandemie angesichts der digitalen Konferenzmöglichkeiten nicht auf das Ursprungsniveau zurückkehren. Vielleicht geht es dann auch für Ryanair wieder steil nach oben.

Ralf Loweg / glp

So viele Einkommens-Millionäre leben in Deutschland

Dass Deutschland ein wohlhabendes Land ist, ist hinlänglich bekannt. Im Jahr 2017 erzielten knapp 24.700 aller in Deutschland erfassten Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen Einkünfte von mindestens einer Million Euro. Das waren knapp 1.900 Steuerpflichtige mehr als 2016. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag mitteilt, betrug das Durchschnittseinkommen in dieser Gruppe 2,7 Millionen Euro. In Hamburg war die „Millionärsdichte“ am höchsten. Dort hatten zwölf von zehntausend unbeschränkt Einkommensteuerpflichtigen (1,2 Promille) Jahreseinkünfte jenseits der Millionengrenze. In Sachsen-Anhalt und Thüringen war es dagegen jeweils nur ein Steuerpflichtiger von Zehntausend (0,1 Promille).

41,8 Millionen Steuerpflichtige erzielten 1,7 Billionen Euro Einkünfte

Insgesamt erzielten die 41,8 Millionen Steuerpflichtigen im Jahr 2017 Einkünfte in Höhe von 1,7 Billionen Euro, das waren 76 Milliarden Euro mehr als 2016. Zusammen veranlagte Personen werden dabei als ein Steuerpflichtiger gezählt. Die von den Arbeitgebern einbehaltene Lohnsteuer summierte sich zusammen mit der von den Finanzbehörden festgesetzten Einkommensteuer für 2017 auf 304 Milliarden Euro. Gegenüber 2016 bedeutete dies eine Steigerung um 17 Milliarden Euro.

108 000 Steuerpflichtige zahlten den sogenannten Reichensteuersatz von 45 %

In Deutschland wird ein progressiver Steuersatz angewendet, das heißt, der Steuersatz steigt mit zunehmendem Einkommen. Dadurch werden die Steuerpflichtigen unterschiedlich stark belastet. 2017 wurden Jahreseinkommen ab 256 304 Euro (beziehungsweise ab 512 608 Euro bei gemeinsam veranlagten Personen) mit dem Höchstsatz von 45 % besteuert. Bei rund 108 000 Steuerpflichtigen kam dieser sogenannte Reichensteuersatz zum Tragen. Das waren 6 000 mehr als im Jahr zuvor. Auf sie entfielen 6,7 % der gesamten Einkünfte und 13,5 % der Steuersumme.

red

Corona-Hilfen: Fiktiver Unternehmerlohn für Selbständige und Kleinunternehmer

Ab sofort ist die Antragstellung für den fiktiven Unternehmerlohn des Landes möglich. Die Ergänzungsförderung zur Überbrückungshilfe III des Bundes kommt insbesondere den von der Krise schwer getroffenen Selbständigen und kleinen Unternehmen zugute. Das gab das baden-württembergische Wirtschaftsministerium am Montag bekannt.

Das Land Baden-Württemberg gewährt einen fiktiven Unternehmerlohn pauschal mit einem Festbetrag in Höhe von 1.000 Euro pro Monat für den Zeitraum Januar bis Juni 2021, sofern ein Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 vorliegt. Im Gegensatz zur Überbrückungshilfe I und II ist der fiktive Unternehmerlohn nicht mehr nach Höhe des Umsatzeinbruchs gestaffelt.

„Mit dem fiktiven Unternehmerlohn schließt das Land eine der letzten verbleibenden Förderlücken in der Überbrückungshilfe III des Bundes“, sagt Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. „Viele Inhaberinnen und Inhaber von Personengesellschaften und Einzelunternehmen bezögen keine eigenen Gehälter. Eine reine Fixkostenerstattung wie in der Überbrückungshilfe III reiche daher nicht aus“, so die Ministerin weiter.

Anträge für den fiktiven Unternehmerlohn können ab dem 18. Mai 2021 im Rahmen der Antragstellung auf Überbrückungshilfe III über die Plattform des Bundes gestellt werden. Wurde die Überbrückungshilfe III bereits bewilligt, kann der fiktive Unternehmerlohn auch nachträglich über einen Änderungsantrag beantragt werden.

Überbrückungshilfe Unternehmen: Überbrückungshilfe III

red

Studie: Zu lange Arbeitszeiten machen krank

Fast jede zehnte Arbeitskraft weltweit arbeitet 55 Stunden pro Woche oder mehr. Bei einer Fünf-Tage-Woche wären das mindestens elf Stunden täglich. Das ist zu viel und macht krank, heißt es in einer aktuellen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.

Unter die Lupe genommen wurden dafür die Arbeitszeiten in aller Welt und das Risiko wegen einer Herzkrankheit oder einem Schlaganfall zu sterben. Laut dem Epidemiologen Frank Pega von der WHO in Genf zeigt die Studie, dass es ein erhöhtes Risiko für Menschen gibt, die länger als 35 bis 40 Stunde pro Woche arbeiteten.

„Wir haben herausgefunden, dass im Jahr 2016 nach unseren Schätzungen ungefähr 745.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben sind, weil sie lange Arbeitszeiten gearbeitet haben“, so Frank Pega.

Diese Zahl bedeute ein Anstieg um 29 Prozent seit dem Jahr 2000. Betroffen seien vor allem Menschen im mittleren und höheren Alter, die mit Mitte 40 und danach zu viel gearbeitet haben: „Wir gehen davon aus, dass es ungefähr zehn Jahre dauert, bis man praktisch die Folgen von langen Arbeitszeiten hat“, so Pega weiter.

Für die Analyse haben die Experten von WHO und ILO Daten aus 2.300 Erhebungen aus über 150 Ländern und die Erkenntnisse aus knapp 60 Studien zusammengeführt. Demnach seien die gesundheitlichen Auswirkungen langer Arbeitszeiten zwar grundsätzlich für Frauen und Männer gleich, doch seien die Todesfälle bei Männern besonders auffällig.

Das Risiko, wegen zu viel Arbeit am Herz-Kreislauf-System zu erkranken, hätten vor allem Menschen im westpazifischen Raum und in Südostasien, aber auch in Afrika und in Südamerika – so Pega von der Weltgesundheitsorganisation weiter.

In Europa und Nordamerika seien die Belastungen nicht so groß. Pega: „Das hat viel damit zu tun, dass es in Europa besonders starke Arbeitsschutzrichtlinien gibt und die scheinbar in dem Sinne auch eingehalten und überwacht werden.“

Ralf Loweg / glp

„Fleisch-los“ durch die Corona-Krise

Das Nein zum Fleisch ist in der Corona-Krise in vielen deutschen Haushalten deutlich lauter geworden. Oder in Zahlen ausgerückt: Im Jahr 2020 produzierten die Unternehmen hierzulande im Vergleich zum Jahr davor knapp 39 Prozent mehr Fleischersatzprodukte. Von knapp 60,4 Tausend Tonnen stieg die Produktion auf gut 83,7 Tausend Tonnen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Der Wert dieser Produkte erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 272,8 Millionen Euro auf 374,9 Millionen Euro (+ 37 Prozent).

Trotz dieses Anstiegs fällt der Wert von Fleischersatzprodukten im Vergleich zu Fleischprodukten verhältnismäßig gering aus. Der Wert von in Deutschland produziertem Fleisch und Fleischerzeugnissen betrug im Jahr 2020 rund 38,6 Milliarden Euro – und damit mehr als das Hundertfache des Wertes der Fleischersatzprodukte.

Im Vergleich zu 2019 sank der Wert des produzierten Fleisches jedoch um rund 4,0 Prozent. Im Jahr 2019 hatte der Wert der Fleischproduktion in Deutschland mit 40,1 Milliarden Euro den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht. Zu dem jüngsten Rückgang könnte unter anderem die Corona-Pandemie beigetragen haben: Einige Produktionsbetriebe mussten etwa wegen Verstößen gegen Hygieneschutz-Auflagen und hohen Ansteckungszahlen unter den Beschäftigten zeitweise schließen.

Langfristig betrachtet ist der Konsum von Fleisch zum Kochen oder Braten in Deutschland deutlich zurückgegangen. 1978 verbrauchte ein Haushalt durchschnittlich etwa 6,7 Kilogramm Fleisch im Monat – Wurstwaren, Räucher- und Trockenfleisch oder anderes konserviertes, verarbeitetes Fleisch nicht mit eingerechnet. 40 Jahre später war es mit rund 2,3 Kilogramm nur noch rund ein Drittel der Menge.

Besonders stark sank der Konsum von Schweinefleisch: Verbrauchte ein Haushalt im Jahr 1978 durchschnittlich 3,1 Kilogramm pro Monat, waren es 2018 nur noch knapp 900 Gramm. Der Verbrauch von Rindfleisch sank von 1,5 Kilogramm auf 600 Gramm, der von Geflügel von 1,3 Kilogramm auf gut 800 Gramm.

Die Größe eines Haushaltes hat sich im Laufe der Zeit verringert. Lebten 1978 noch durchschnittlich 2,5 Personen in einem Haushalt, waren es 2018 noch 2 Personen.

Ralf Loweg / glp

Immer mehr Menschen entscheiden sich für Fleischersatzprodukte

Brat- oder Tofuwurst, Nackensteak oder Schnitzel? Diese Frage beantworten offenbar zunehmend mehr Verbraucherinnen und Verbraucher zugunsten der vegetarischen oder veganen Alternative. 

Menschen in Deutschland setzen immer mehr auf Fleischersatz. Die Herstellung stieg im vergangenen Jahr um 39 Prozent. In Vergleich dazu, sank die Produktion von echtem Fleisch. Im Jahr 2020 produzierten die Unternehmen hierzulande im Vergleich zum Vorjahr knapp 39 % mehr Fleischersatzprodukte: Von knapp 60,4 Tausend Tonnen stieg die Produktion auf gut 83,7 Tausend Tonnen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilt. Der Wert dieser Produkte erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 272,8 Millionen Euro auf 374,9 Millionen Euro (+37 %). Diese Daten werden erst seit 2019 erhoben, somit ist nun erstmals ein Vorjahresvergleich möglich.

Wert des produzierten Fleisches hundert Mal so hoch wie der von Fleischersatzprodukten

Trotz dieses Anstiegs fällt der Wert von Fleischersatzprodukten im Vergleich zu Fleischprodukten verhältnismäßig gering aus. Der Wert von in Deutschland produziertem Fleisch und Fleischerzeugnissen betrug im Jahr 2020 rund 38,6 Milliarden Euro – und damit mehr als das Hundertfache des Wertes der Fleischersatzprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Wert des produzierten Fleisches jedoch um rund 4 %. Im Jahr 2019 hatte der Wert der Fleischproduktion in Deutschland mit 40,1 Milliarden Euro den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht. Zu dem jüngsten Rückgang könnte unter anderem auch die Corona-Pandemie beigetragen haben: Einige Produktionsbetriebe mussten etwa wegen Verstößen gegen Hygieneschutzauflagen und hohen Ansteckungszahlen unter den Beschäftigten zeitweise schließen.

Fleischkonsum in Deutschland zwischen 1978 und 2018 stark gesunken

Langfristig betrachtet ist der Konsum von Fleisch zum Kochen oder Braten in Deutschland jedoch deutlich zurückgegangen. 1978 verbrauchte ein Haushalt durchschnittlich gut 6,7 Kilogramm Fleisch im Monat – Wurstwaren, Räucher- und Trockenfleisch oder anderes konserviertes, verarbeitetes Fleisch nicht mit eingerechnet. 40 Jahre später war es mit rund 2,3 Kilogramm nur noch rund ein Drittel der Menge. Besonders stark sank der Konsum von Schweinefleisch: Verbrauchte ein Haushalt im Jahr 1978 noch durchschnittlich 3,1 Kilogramm pro Monat, waren es 2018 knapp 900 Gramm. Der Verbrauch von Rindfleisch sank von 1,5 Kilogramm auf 600 Gramm der von Geflügel von 1,3 Kilogramm auf gut 800 Gramm.

Die Größe eines Haushaltes hat sich im Laufe der Zeit verringert. Lebten 1978 noch durchschnittlich 2,5 Personen in einem Haushalt, waren es 2018 noch 2 Personen.

red

Ein Beruf bis zur Rente? Aber ja!

Kunterbunte Lebensläufe, reichlich Jobwechsel und hin und wieder Sabbaticals – die Arbeitswelt ist heutzutage flexibel und bietet viele Möglichkeiten für Neu- und Umorientierung. Immer wieder ist zu hören, dass ein Beruf allein heute nicht mehr fürs ganze Leben reicht.

Doch diese Möglichkeit schließen viele Menschen absolut nicht aus. So können sich 64 Prozent der Erwerbstätigen bis 50 Jahre in Deutschland vorstellen, ihren aktuellen Beruf bis zur Rente auszuüben. Das ergab eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt.

Auffallend ist, dass sich die Einstellung von älteren zu jüngeren Personen unterscheidet: Der Ein-Beruf-Idee hängen 49 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sowie 53 Prozent der 25- bis 29-Jährigen an. Bei den 30- bis 39-Jährigen (67 Prozent) und den 40- bis 50-Jährigen (68 Prozent) ist der Anteil deutlich größer.

Dass sich Berufsanfänger weniger häufig festlegen wollen oder können, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Rente noch recht weit entfernt und daher ein eher abstrakter Begriff ist. Dagegen machen viele im Alter von 50 schon langsam Pläne für den Ruhestand.

Rudolf Huber / glp

Solo-Selbstständige in der Pandemie

In Deutschland waren vor Corona rund 1,3 Millionen Menschen in Kulturberufen tätig. Das sind etwa 3,1 Prozent aller Erwerbstätigen. Während der Pandemie ist der Kulturbereich besonders von Einschränkungen betroffen. Die Auswirkungen werden jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt abbildbar sein, so das Statistische Bundesamt (Destatis).

Wie hart diese Berufsgruppe betroffen ist, zeigen diese Zahlen: Im Vorkrisenjahr 2019 waren mit 444.250 Personen ein Drittel (34 Prozent) der Erwerbstätigen in Kulturberufen solo-selbstständig tätig, also als Selbstständige ohne weitere Beschäftigte. Zu ihnen gehören auch viele Freiberuflerinnen und Freiberufler, die weggefallene Aufträge meist nicht anderweitig kompensieren können.

Der Anteil der Solo-Selbstständigen lag damit in den Kulturberufen fast sieben Mal so hoch wie in der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung mit fünf Prozent.

Rudolf Huber / glp

Das verdienen Fachkräfte in Krankenhäusern und Heimen in Deutschland

Schon vor der Corona-Krise herrschte ein Mangel an Pflegekräften in Deutschland. Seit Ausbruch der Pandemie mehren sich jedoch die Berichte über Personalmangel und deutlich überlastete Pflegefachkräfte in Kliniken und Heimen sowie die Forderungen nach einer besseren Bezahlung für die Pflegenden. Zu Beginn gab es viel Applaus. Zahlreiche Menschen standen an Fenstern und bedankten sich mit minutenlangen Beifall für den Einsatz der Pflegekräfte. Doch wie haben sich die Gehälter für diese systemrelevanten Berufe in den letzten 10 Jahren entwickelt?

Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger verdienten im Jahr 2020 nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Durchschnitt 3.578 Euro brutto im Monat. Das sind 32,9 % mehr als noch 2010. Zieht man allerdings davon die Inflation der letzten 10 Jahre ab, so bleiben davon nur noch 19,1% brutto im Monat übrig. Fachkräfte in Pflegeheimen kamen auf durchschnittlich 3 363 Euro (+32,8 % gegenüber 2010) (inflationsbereinigt 19,1% ), jene in Altenheimen, darunter Altenpflegerinnen und -pfleger, auf 3 291 Euro (+38,6 % gegenüber 2010) (inflationsbereinigt 24,8% ). Die Unterschiede sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass in der Krankenpflege vielfach Tariflöhne gezahlt werden.

Überwiegender Teil der Pflegekräfte arbeitete 2019 in Heimen

1,41 Millionen Menschen waren 2019 in Deutschland mit der Pflege, Betreuung oder Unterstützung Pflegebedürftiger beschäftigt. Gut zwei Fünftel von ihnen arbeiteten in Pflegeheimen (593 000), etwa ein Viertel in ambulanten Pflegediensten (361 000) sowie gut ein Drittel im Pflegedienst in Krankenhäusern (458 000).

74 % der Kranken- und 79 % der Altenpfleger/-innen arbeiten regelmäßig am Wochenende

Pflegekräfte sind häufiger rund um die Uhr im Einsatz als die meisten anderen Erwerbstätigen, Schicht- und Wochenendarbeit verlangen ihnen auch ohne eine pandemische Ausnahmesituation viel ab. Rund 60 % der Krankenpflegerinnen und -pfleger und deutlich mehr als die Hälfte (57 %) der Altenpflegerinnen und -pfleger arbeiteten im Jahr 2019 im Schichtdienst. Insgesamt traf das nur auf jede siebte erwerbstätige Person in Deutschland zu (14 %). Noch häufiger als vom Schichtdienst waren Pflegekräfte von Wochenendarbeit betroffen: 74 % der Kranken- und 79 % der Altenpflegerinnen und -pfleger arbeiteten 2019 regelmäßig samstags und sonntags. Insgesamt traf das nur auf gut jede dritte erwerbstätige Person zu (36 %).

Die unregelmäßigen Arbeitszeiten können mit ein Grund dafür sein, dass die Teilzeitquote in Pflegeberufen deutlich höher ausfällt als bei den Erwerbstätigen insgesamt. So war im Jahr 2019 gut ein Drittel (37 %) aller Krankenpflegerinnen und -pfleger in Teilzeit beschäftigt, unter den in der Altenpflege Tätigen war es nahezu jeder und jede zweite (46 %). Zum Vergleich: Über alle Berufsgruppen hinweg lag die Teilzeitquote bei 29 %. Vor allem dürfte die höhere Teilzeitquote aber dem Umstand geschuldet sein, dass vier von fünf Pflegekräften Frauen sind (79 %) – erwerbstätige Frauen arbeiten allgemein aus vielfältigen Gründen häufiger in Teilzeit als Männer.

44 900 Ausbildungsabschlüsse im Jahr 2019: +25 % gegenüber 2009

Trotz der unregelmäßigen Arbeitszeiten hatten die Pflegeberufe vor Ausbruch der Corona-Pandemie für den Nachwuchs nicht an Attraktivität verloren – im Gegenteil. Im Jahr 2019 begannen 71 300 Menschen eine Ausbildung in einem Pflegeberuf. Das waren 8 % mehr als im Vorjahr und 39 % mehr als noch zehn Jahre zuvor. 44 900 Nachwuchskräfte schlossen 2019 ihre Ausbildung in einem Pflegeberuf erfolgreich ab – auch hier gab es einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (+3 %) und im Zehnjahresvergleich (+25 %).

Zahl der anerkannten Auslandsabschlüsse in der Krankenpflege seit 2013 kontinuierlich gestiegen

Die wachsende Zahl Auszubildender hat nichts daran geändert, dass die Bundesregierung seit Jahren einen Fachkräftemangel in allen Pflegeberufen konstatiert. Um diesen auszugleichen, wird verstärkt auf Pflegekräfte aus dem Ausland gesetzt. Allein 2019 wurden 15 500 ausländische Abschlüsse in der Gesundheits- und Krankenpflege anerkannt – 49 % mehr als im Jahr zuvor. Im Vergleich zum Jahr 2013 – dem ersten Jahr seit Start der Erhebung – hat sich die Zahl mehr als versechsfacht (2 400). Im Jahr 2019 wurden knapp zwei Drittel der anerkannten Abschlüsse in Europa (9 700) gemacht, knapp ein Drittel in Asien (4 500). Am häufigsten hatten die Gesundheits- und Krankenpflegekräfte, die in Deutschland arbeiten wollten, ihre Ausbildung auf den Philippinen (2 900 anerkannte Abschlüsse), in Bosnien und Herzegowina (2 300) sowie in Serbien (2 000) absolviert.

In der Altenpflege, in der vielfach auch ungelernte Kräfte zum Einsatz kommen, spielt die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse eine deutlich geringere Rolle: 2019 wurde in nur 87 Fällen die im Ausland absolvierte Ausbildung zum Altenpfleger oder zur Altenpflegerin anerkannt.

red