Energieverbrauch sinkt in 2020 deutlich

Der Energieverbrauch in Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich um knapp sieben Prozent unter das Niveau des Vorjahres fallen. Damit erreicht er eine Höhe von 11.920 Petajoule (PJ) oder 406,6 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). So lautet die aktuelle Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Sie bezieht sich dabei auf die aktuellen Berechnungen für die ersten neun Monate des Jahres 2020.

Als Folge des Verbrauchsrückgangs sowie der weiteren Verschiebung im Energiemix in Richtung der Erneuerbaren und des Erdgases rechnet die AG Energiebilanzen für 2020 mit einem Rückgang der energiebedingten CO2-Emissionen in einer Größenordnung von knapp 72 Millionen Tonnen oder mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Sollte der Verlauf der Corona-Pandemie noch weitere Maßnahmen erzwingen, ist mit einem stärkeren Rückgang beim Energieverbrauch sowie beim CO2-Ausstoß zu rechnen“, so die Experten.

Nach Ablauf der ersten neun Monate lag der gesamte Energieverbrauch in Deutschland mit 8.469 PJ beziehungsweise 289,1 Mio. t SKE um 8,7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Nach einem starken Einbruch des Energieverbrauchs im zweiten Quartal nahm der Verbrauch im dritten Quartal etwas zu. Die dafür ausschlaggebende leicht verbesserte wirtschaftliche Entwicklung schwächte sich aber zuletzt wieder spürbar ab.

Vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind ursächlich für die deutlich rückläufige Verbrauchsentwicklung. Dazu kamen laut AG Energiebilanzen noch „langfristige Trends, wie die weitere Zunahme der Energieeffizienz sowie die im Jahresdurchschnitt bisher etwas höheren Temperaturen“.

Rudolf Huber / glp

Neue Beschäftigungsmodelle sind gefragt

Die Krise macht flexibel – gerade in der Arbeitswelt ist das deutlich zu erkennen. Arbeitnehmer als auch -geber haben für sich flexiblere Arbeitsmodelle entdeckt. Eine aktuelle Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half zeigt: Schon 60 Prozent aller Führungskräfte bieten ihren Mitarbeitern seit Beginn der Pandemie neue Zusatzleistungen an. Eine große Rolle spielt dabei die Zeit.

Ein Weg, Arbeitnehmern zusätzliche freie Zeit zu gewähren, ist eine verkürzte Arbeitswoche: Statt die Arbeit auf die üblichen fünf Tage zu verteilen, leisten Angestellte diese beispielsweise in vier Tagen – und haben dafür einen Tag pro Woche frei. Schon 46 Prozent aller Befragten bieten bereits ein solches Modell als Folge der Coronakrise an – oder möchten es zumindest einführen. Ebenfalls 46 Prozent stehen diesem Modell jedoch kritisch gegenüber.

Job-Sharing, bei dem sich zwei Beschäftige eine Vollzeitstelle teilen, stößt bei mehr als der Hälfte aller Befragten (56 Prozent) auf Ablehnung, 40 Prozent befürworten es. Hoch im Kurs steht seit Beginn der Pandemie das Home-Office. Mehr als 60 Prozent aller Befragten bieten ihren Mitarbeitern diese Möglichkeit. „Home-Office ist während der Pandemie ein Stück weit zur Selbstverständlichkeit geworden. Es führt zu einer besseren Work-Life-Balance vieler Mitarbeiter und ist oft ein wichtiges Argument im Recruiting, um Fachkräfte vom Unternehmen zu überzeugen“, heißt es bei Robert Half.

Auch das Thema Gleitzeit ist bei vielen Befragten (56 Prozent) ein bewährtes Mittel, um flexiblere Arbeitszeiten zu ermöglichen. Zudem sind zusätzliche bezahlte Urlaubstage für 40 Prozent aller Führungskräfte laut Befragung eine Möglichkeit, ihre Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und den Arbeitsplatz attraktiver zu gestalten. Aber auch eine nicht an den Arbeitsplatz gebundene Kinderbetreuung (30 Prozent) gehört inzwischen zu den gängigen Benefits.

Rudolf Huber / glp

Wer hat Anspruch auf die Grundrente?

Ab dem 1. Januar 2021 gibt es die Grundrente. Für rund 1,3 Millionen Menschen heißt das, dass sie ihre Mini-Rente nicht mehr mit Hartz IV aufstocken müssen. Stattdessen bekommen sie automatisch einen finanziellen Zuschlag. Doch wer ist berechtigt? Wann sind Steuern fällig? Welche Fallstricke gibt es bei der Einkommensprüfung? Und was sollten Grundrenten-Berechtigte jetzt tun? Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) hat die Antworten.

– Wer bekommt die Grundrente?

Wer mindestens 33 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt, aber trotzdem nur ein geringes Einkommen hat, kann die Grundrente erhalten. Einen Anspruch darauf hat der, dessen Altersrente im Jahresdurchschnitt zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkten liegt.

– Wie hoch sind die Einkommensgrenzen?

Ein Alleinstehender hat vollen Anspruch auf die Grundrente, wenn der steuerfreie Anteil der Altersrente plus das weitere Einkommen insgesamt höchstens 1.250 Euro monatlich betragen. Bei Paaren liegt diese Grenze bei 1.950 Euro. Was darüber liegt, wird zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet.

Ein Beispiel liefert die VLH gleich mit: „Steht einer alleinstehenden Rentnerin ein Einkommen von 1.300 Euro im Monat zur Verfügung, werden 50 Euro zu 60 Prozent angerechnet und die Grundrente fällt um 30 Euro niedriger aus.“

– Welche Probleme kann es bei der Ermittlung des Einkommens geben?

Das Finanzamt prüft von sich aus anhand der Daten der Rentenversicherung, ob einem Rentner oder einer Rentnerin die Grundrente zusteht. Das Ganze nennt sich „automatische Einkommensprüfung“. Allerdings wird die Einkommensprüfung oft nicht möglich sein, weil die meisten Geringverdiener kaum eine Steuererklärung abgeben.

Von eben diesen Geringverdienern sind also sehr wahrscheinlich keine Daten bekannt. Außerdem liegen die Angaben über das zu versteuernde Einkommen in der Regel lediglich für das vorvergangene Jahr vor – Neurentner bekommen die Grundrente im ersten Jahr also möglicherweise erst einmal nicht. Die Einkommensprüfung soll allerdings einmal jährlich wiederholt werden.

Wer wegen seines niedrigen Einkommens für die Grundrente in Frage kommt, sollte also unbedingt die Steuererklärung für 2019 abgeben. Denn die Prüfung des Grundrentenanspruchs basiert voraussichtlich auf dem Steuerbescheid für dieses Jahr.

Rudolf Huber / glp

Starke Einbrüche bei den Übernachtungspreisen

Die Reisebranche befindet sich wegen der Coronavirus-Pandemie im Krisenzustand. Das zeigen neue Zahlen, die der Reiseveranstalter Dertour mit dem Hotelpreis-Index 2020 präsentiert. Bei den 75 untersuchten Reisezielen gibt es teils starke Einbrüche der Übernachtungspreise. In der Studie wurden die durchschnittlichen Preise für Übernachtungen in 3-, 4-, und 5-Sterne-Hotels sowie Ferienhäusern mit dem Preisniveau im Vorjahr verglichen.

Im internationalen Durchschnitt gingen die Kosten für eine Übernachtung um 17 Prozent zurück, Spitzenreiter ist Amsterdam mit einem Preisrückgang von rund 51 Prozent. In Deutschland verringerten sich die Unterkunftspreise im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um mehr als 9 Prozent; am stärksten gilt dies hierzulande für die bayerische Landeshauptstadt München mit einem Preisrückgang um fast 29 Prozent.

Die durchschnittlich teuerste Übernachtung haben Reisende 2020 trotz eines Preisrückgangs um 10 Prozent in Zürich verbracht (210 Euro), die günstigste in Phuket (25 Euro). München liegt mit einem Übernachtungspreis von 105 Euro im weltweiten Durchschnitt, in Leipzig verbrachten Reisende deutschlandweit die günstigste Nacht in einer Unterkunft (80 Euro).

Reisende können von dem Preisrückgang jedoch profitieren. „Das Reisen selbst wird im Jahr 2021 günstig sein“, sagt Dr. Ingo Burmester, CEO DER Touristik Central Europe. Die Kosten für Flüge und Hotels beeinflussen den Preis für Pauschalreisen zu 80 Prozent. Vor allem bei Reisezielen mit geringer Nachfrage werden die Kosten voraussichtlich sinken.

Andreas Reiners / glp

 

Corona vergrößert soziale Unterschiede – Geringverdiener durch die Krise besonders betroffen

Die Corona-Pandemie vergrößert die soziale Ungleichheit in Deutschland. Der Grund: Von Einkommensverlusten sind laut einer aktuellen Studie überdurchschnittlich oft Menschen mit einer schwächeren Position auf dem Arbeitsmarkt und mit ohnehin niedrigen Einkommen betroffen.

Auch wer in einem „prekären“ Job arbeitet, etwa als Leiharbeiter oder Minijobberin, hat im Zuge der Krise häufiger Einkommen verloren als stabil Beschäftigte. Ebenso sind Eltern öfter mit Einkommensverlusten konfrontiert als Kinderlose. So steht es in einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis einer Panel-Befragung von mehr als 6.000 „Erwerbspersonen“, also Erwerbstätigen und Arbeitslosen.

Es zeige sich, „wie die Krise bereits bestehende soziale Ungleichheiten verschärft, da sie vor allem jene trifft, die auch vor der Krise über eher geringe Ressourcen verfügten“, schreiben Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI, und ihr Ko-Autor Dr. Andreas Hövermann. Gleichzeitig machte die Befragung aber auch deutlich, dass bewährte Schutzmechanismen auch in der Ausnahmesituation der Covid-Krise funktionieren, betonen sie. So mussten etwa Beschäftigte, die in Betrieben mit Tarifvertrag und Betriebsrat arbeiten, im Vergleich seltener auf Einkommen verzichten.

Konkret gaben rund 32 Prozent der mehr als 6000 zweimal Befragten an, im April und/oder im Juni durch die Pandemie Einkommenseinbußen erlitten zu haben. Im Zeitverlauf stieg der Wert von 18,5 Prozent im April auf 26 Prozent im Juni.

Wer durch Corona in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist, kann Überbrückungshilfe beantragen. Wo und wie, kann man hier lesen:

– Wer hat Anspruch?

Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen, die von den temporären Schließungen im November betroffen sind, können die außerordentliche Wirtschaftshilfe des Bundes in Anspruch nehmen.

– Wie hoch ist die Überbrückungshilfe?

Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern werden bis zu 75 Prozent der Umsatzeinbußen ersetzt, größeren Unternehmen bis zu 70 Prozent. Als Grundlage für die Berechnung dienen dabei die Umsätze aus November 2019.

– Wo kann sie beantragt werden?

Überbrückungshilfe beantragen kann nur ein Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigter Buchprüfer oder Rechtsanwalt. Dieser so genannte „prüfende Dritte“ kann sich auf einer Antragsplattform des Bundes registrieren und dort den Antrag online stellen.

– Wer zahlt die Überbrückungshilfe aus?

Der Online-Antrag wird über eine digitale Schnittstelle an die Bewilligungsstellen der Länder übermittelt. So wird der Antrag in dem Bundesland gestellt, in dem das Unternehmen ertragssteuerlich registriert ist. „Wo das Unternehmen seinen Sitz hat, ist dabei unerheblich“, so die ARAG Experten. Auch die Auszahlung der Überbrückungshilfe erfolge über die Bewilligungsstellen im jeweiligen Bundesland.

Rudolf Huber / glp

„Flughäfen faktisch seit März 2020 im Lockdown“

Die Situation ist mehr als dramatisch: In den ersten drei Quartalen 2020 nutzten nur 55 Millionen Passagiere die deutschen Flughäfen. Das ist ein Minus von 70,9 Prozent gegenüber dem Normalniveau. Laut Flughafenverband AVD stellt sich deshalb im Winterhalbjahr für die ersten Airports die Überlebensfrage.

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel richtet einen Appell an Bund und Länder: „Für die Flughäfen ist es fünf Minuten vor Zwölf. Die Aussichten haben sich wegen der verschärften Quarantäneregelungen und neuer Reisebeschränkungen weiter verschlechtert. Die Flughäfen befinden sich faktisch seit März 2020 im Lockdown.“

Die prognostizierten Folgen: Die Verluste belaufen sich für 2020 und 2021 auf insgesamt rund drei Milliarden Euro. An den Flughafenstandorten droht einem Viertel der über 180.000 Arbeitsplätze das Aus. Die Liquidität an fast allen Standorten ist nur noch bis in das zweite Halbjahr 2021 gesichert. „Ein erster wichtiger Schritt wäre die Übernahme der Vorhaltekosten für die Lockdown-Zeit seit März 2020 in Höhe von 740 Millionen Euro“, so der AVD-Appell an die Politik.

Bis zum Jahresende 2020 erwartet der AVD maximal 70 Millionen Passagiere, 250 Millionen waren es noch im Vorjahr. Eine Erholung der Luftverkehrsnachfrage sei für das Winterhalbjahr nicht absehbar. Bereits die Herbstferien verdeutliche die anhaltende Verunsicherung gegenüber touristischen Flugreisen. Ein Sprecher: „Eine Erholung im Verkehrsaufkommen wird nicht vor dem Frühsommer 2021 erwartet. Für das nächste Jahr rechnen die Flughäfen mit weniger als der Hälfte der Reisenden gegenüber 2019.“

Ralf Loweg / glp

So verändert Corona die Unternehmen

Die Corona-Krise stellt die Kundenbeziehungen der Unternehmen auf eine harte Probe. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Adobe durchgeführt hat. 63 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten demnach intensiv daran, ihre Konsumentenansprache und Produktkommunikation auf die veränderten Verhaltensweisen und Anforderungen ihrer Kunden einzustellen. 40 Prozent der befragten Unternehmen sehen diese Veränderungen dabei als dauerhaft an.

Wie wichtig digitale Technologien in den vergangenen Monaten für die Beziehung von Marken und Konsumenten geworden sind, zeigt ihre fortschreitende Nutzung in deutschen Unternehmen. Vieles deutet auf eine neue Ära der Erlebnisse hin, in der sich Marken neu orientieren, umdenken und Customer Experience aus einer anderen Perspektive betrachten müssen. Insbesondere in den Bereichen E-Commerce, personalisierte Services und Kommunikation haben sich diese Veränderungen manifestiert.

Die gute Nachricht: Bei vielen Unternehmen sind schon heute erhebliche Fortschritte bei der Nutzung entsprechender Technologien festzustellen. Mehr als jedes vierte befragte Unternehmen (27 Prozent) gibt an, dass sich die Online-Kommunikation mit den Kunden bereits verbessert hat.

Etwa 22 Prozent der befragten Unternehmen haben die Möglichkeit zur Personalisierung ihrer Services mit Hilfe von Kundendaten ausgebaut. Und jedes fünfte befragte Unternehmen (20 Prozent) hat zudem einige Services online gestellt und dafür positives Feedback von Kunden erhalten.

Diese Unternehmen sehen auch Verbesserungen in ihrer Arbeitsweise: Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen (32 Prozent) sind davon überzeugt, dass sich die Remote-Arbeit verbessert. Bei 28 Prozent der befragten Unternehmen hat sich auch die interne Kommunikation weiterentwickelt.

Ralf Loweg / glp

Augen auf bei der Berufswahl

Für welche Ausbildung man sich entscheidet, hängt von vielen Faktoren ab. Fest steht auf jeden Fall, dass diese Entscheidung maßgeblich die Höhe des künftigen Verdienstes bestimmt. Drum: Augen auf bei der Berufswahl! Wer etwa zwischen einer Friseurausbildung und einer in Mechatronik-Lehre schwankt, sollte wissen, dass Vollzeitbeschäftigte Friseurinnen und Friseure im Jahr 2018 im Schnitt 1.813 Euro brutto pro Monat verdienten, während Mechatronikerinnen und Mechatroniker mit durchschnittlich 3.106 Euro fast 1.300 Euro mehr erhielten.

Doch auch innerhalb eines Berufes unterscheiden sich die Verdienste mitunter stark. Einflussfaktoren wie die Branche, die Ausbildung oder die mit dem Alter gewonnene Berufserfahrung spielen ebenfalls eine Rolle. Der neue interaktive Gehaltsvergleich des Statistischen Bundesamtes (Destatis) berücksichtigt solche Faktoren und liefert dadurch individuell zugeschnittene Informationen zu den Verdiensten einzelner Berufe.

So kann man unter destatis.de etwa sehen, ob man mit seiner Ausbildung in einer anderen Branche mehr verdienen würde, oder ob es sich lohnt, eine Meisterprüfung anzustreben. Auch welche Berufswahl besonders vorteilhaft ist oder ob eine langjährige Unternehmenszugehörigkeit angemessen bezahlt wird, kann überprüft werden. Dazu werden zunächst die passenden Angaben für Beruf, Branche, Ausbildungsabschluss und andere stellen- und personenbezogenen Merkmale ausgewählt. Für das individuelle Profil zeigt die Anwendung dann den geschätzten durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst an.

Rudolf Huber / glp

Die Negativzins-Welle rollt

Zahlen fürs Geld auf dem Girokonto – das wird für immer mehr Bankkunden Realität. „Die Negativzins-Welle, die im Moment auf Sparer zurollt, hat in den vergangenen Wochen deutlich an Dynamik gewonnen“, heißt es beim Verbraucherportal biallo.de.

Demnach haben allein im Oktober 2020 bisher über 20 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahr-Entgelt für private Einlagen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto eingeführt. Insgesamt hat biallo.de aktuell mehr als 300 Geldhäuser mit Negativzinsen auf Kundeneinlagen zusammengefasst, 214 davon langen auch im Privatkundenbereich zu. Zum Vergleich: Bei der ersten großen Erhebung Ende Juli 2019 waren es lediglich 30 Geldhäuser, die hohe Einlagen von Privatkunden mit Negativzinsen belegten. Damit hat sich die Zahl seither mehr als versiebenfacht.

Das Geldhaus mit dem höchsten Strafzins ist derzeit die Bank 1 Saar: Sie berechnet 0,75 Prozent pro Jahr – für Einlagen ab 10.000 Euro auf Tagesgeld- und Girokonten, die ab dem 27. März 2020 eröffnet wurden. Für Konten, die schon zuvor bestanden, beträgt der Strafzins 0,5 Prozent bei einem Freibetrag von 250.000 Euro je Konto.

„Das Beispiel der Bank 1 Saar zeigt, dass die Freibeträge bundesweit deutlich sinken“, sagt Der Chef des Portals, Horst Biallo: „Über kurz oder lang werden alle Banken Strafzinsen einführen, um sich vor einer Einlagenflut zu schützen.“

Rudolf Huber / glp

Massiver Umsatzeinbruch: Gastronomie großer Verlierer der Corona-Krise

Regionaler Lockdown, Alkoholverbot, Kontaktbeschränkungen, Sperrstunde: Die aktuellen Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treffen die Gastronomie besonders hart. Die Branche, zu der Restaurants und Cafés, Caterer und Bars gehören, musste seit den coronabedingten Schließungen im März massive Umsatzverluste hinnehmen: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilte, lag der Umsatz im Zeitraum von März bis August 2020 real (preisbereinigt) um 40,5 % unter dem des Vorjahreszeitraums. 

Betrachtet man die einzelnen Monate, ging der Umsatz im April mit 68,3 % gegenüber Vorjahresmonat am stärksten zurück. Seitdem haben sich die Geschäfte kontinuierlich erholt: Im August 2020 fiel der Umsatzrückgang der Gastronomie im Vorjahresvergleich mit 22,3 % schon geringer aus, so die Behörde.

Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren all jene Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums (Caterer: -42,1 %).

Zahl der Beschäftigten ging im Getränkeausschank um ein Drittel zurück 

Die starken Umsatzrückgänge durch die Corona-Krise führten auch zu einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen in der Gastronomie: Diese lagen im Zeitraum von März bis August 2020 um etwa ein Sechstel unter denen des Vorjahreszeitraums (-17,6 %). Während die Caterer und Verpflegungsdienste im selben Zeitraum mit -11,3 % weniger Personal abbauten, büßte der Getränkeausschank mehr als ein Drittel der Beschäftigten ein (-34,6 %). Dabei ist zu beachten, dass Kurzarbeitende weiterhin als Beschäftigte zählen.

Zahl der Insolvenzen geringer als 2019 

Die wirtschaftliche Not spiegelt sich bislang nicht in einem Anstieg der Insolvenzen von Gastronomie-Unternehmen wider. Von März bis Juli 2020 meldeten in dieser Branche 753 Unternehmen Insolvenz an – das waren 126 weniger als im Vorjahreszeitraum und 135 weniger als von März bis Juli 2018. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zum 1. März 2020 ausgesetzt wurde, was über alle Wirtschaftszweige hinweg zu einem Rückgang der Insolvenzen führte. Im Juli 2020 beantragten bundesweit 146 Gastronomie-Unternehmen Insolvenz, das waren 16,1 % weniger als im Juli 2019. Dieser Rückgang entspricht der Gesamtentwicklung: Insgesamt wurden im Juli 2020 in Deutschland 16,7 % weniger Insolvenzen angemeldet als im Vorjahresmonat.

Gastronomiebranche wichtiger Arbeitgeber 

Die Gastronomiebranche erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 65,1 Milliarden Euro. Sie besteht mehrheitlich aus kleineren Unternehmen mit geringeren Beschäftigtenzahlen: Knapp drei Viertel der 186 000 Unternehmen hatten weniger als 10 Beschäftigte. Insgesamt waren zuletzt 1,8 Millionen Menschen in der Gastronomie beschäftigt. Damit ist die Branche durchaus mit größeren Industriesparten in Deutschland vergleichbar: Im Maschinenbau beispielsweise waren 2018 rund 1,1 Millionen Menschen tätig.

red