Ältere Waggons sollen Kohle- und Öl-Transport ermöglichen

Die Bundesregierung will mit älteren Waggons und Ausnahmen beim Schienenlärmschutzgesetz die Transportengpässe bei Kohle und Öl abfedern. Der Logistikkoordinator der Bundesregierung, Oliver Luksic (FDP), sagte der „Rheinischen Post“ (Dienstag): „Entlang der gesamten Transportkette von den Häfen bis hin zur Bahn wurden wegen des Kohleausstiegs Transportkapazitäten abgebaut, gerade Güterwaggons sind knapp.“ Daher könne es notwendig werden, für eine stabile Energieversorgung „auch solche Güterwagen einzusetzen, die nicht mehr den geltenden Lärmschutzstandards entsprechen“.

Die Vorschriften des Schienenlärmschutzgesetzes würden in diesen Fällen dann nicht angewendet werden, so der parlamentarische Staatssekretär. „Dabei geht es um Transporte von festen, flüssigen und gasförmigen Energieträgern, wie Kohle und Mineralöl – aber auch um Großtransformatoren. Gerade mit Blick auf Vorratsregelung bei den Kohlekraftwerken sind die Mengen enorm“, betonte Luksic.

Die Binnenschifffahrt könne bedingt durch das Niedrigwasser nur noch reduzierte Lasten transportieren. „Die wichtigen Bahntrassen sind teilweise bereits über-, zumindest aber stark ausgelastet. Wir müssen deshalb überlegt und in sorgfältiger Abwägung Transporte priorisieren, um die Energieversorgung der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen.“

In diesen Fällen müsse der Personenverkehr dann warten. Eine entsprechende Verordnung sei nach der Verabschiedung des Energiesicherungsgesetzes erarbeitet worden.

red

Sozialverbände pochen auf schnelle Entlastungen für Ärmere – Verbraucherschützer verlangen Verschiebung der Gasumlage

Mehrere Sozialverbände pochen nach der Bekanntgabe der Höhe der geplanten Gasumlage auf schnelle weitere Hilfen des Staates für ärmere Haushalte. „Die Bundesregierung darf die Menschen mit kleinem Geldbeutel jetzt nicht allein lassen“, sagte der Präsident des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). Die Bundesregierung müsse endlich effektiv und zielgerichtet Rentnern, Menschen in Grundsicherung und Geringverdienern helfen.

Es brauche jetzt schnell „armutsfeste Regelsätze“ in der Grundsicherung sowie die Einführung der Kindergrundsicherung. „Außerdem ist eine Wohngeldreform nötig und die bislang völlig ignorierten Millionen Menschen in Rente brauchen schnell eine 300-Euro-Energiepauschale.“ Bauer warnte davor, dass die Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent die Teuerungsrate in Deutschland nochmals deutlich erhöhen werde.

„Auf einen Familienhaushalt kommen damit zusätzlich zu den gestiegenen Gaspreisen durch die Gasumlage Mehrkosten von mehreren hundert Euro zu“, sagte Bauer. „Es ist außerdem zu befürchten, dass viele, bei denen es bisher gerade so gereicht hat, durch die verzögerte Wirkung der Gasumlage rückwirkend in die Grundsicherung abrutschen.“ Auch vom Paritätischen Gesamtverband kamen Forderungen nach Entlastungen.

„Wir nehmen die Bundesregierung beim Wort und erwarten umfassende Hilfen für alle, die sie benötigen“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider am Montag. „Es braucht hier kein Entlastungspäckchen für alle, sondern ein großes Paket für die Armen.“ Konkret fordere der Verband eine Anhebung des Regelsatzes auf 678 Euro und eine Ausweitung des Wohngeldes, damit es einen Ausgleich für alle gestiegenen Kosten gebe.

Diese Maßnahmen müssten umgehend, nicht erst ab Januar 2023 getroffen werden.

Verbraucherschützer verlangen Verschiebung der Gasumlage

Der Verbraucherzentrale Bundesverband pocht auf eine Verschiebung der Gasumlage. „Die Umlage ist ein Schnellschuss, zu viele Fragen sind noch offen“, sagte VZBV-Chefin Ramona Pop der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). „Die Bundesregierung muss die Einführung der Umlage verschieben, um die offenen Fragen zu klären und das dringend benötigte Hilfspaket zu beschließen.“

Die ganze Maßnahme könne nicht ohne ein Entlastungspaket eingeführt werden. „Solange die Koalition über weitere Entlastungsmaßnahmen streitet, soll die Umlage steuerfinanziert werden“, sagte Pop.

red

Gasumlage soll bei 2,419 Cent pro Kilowattstunde liegen

Die Höhe der geplanten Gasumlage soll 2,419 Cent pro Kilowattstunde betragen. Das teilte der Marktkoordinator Trading Hub Europe (THE) am Montag mit. Sie liegt damit im Bereich der zuletzt vom Bundeswirtschaftsministerium genannten Spanne zwischen 1,5 und 5 Cent je Kilowattstunde.

Die entsprechende Rechtsverordnung soll ab 1. Oktober greifen und am 1. April 2024 enden. Alle Gasverbraucher sollen die Umlage zahlen, um durch Lieferkürzungen Russlands in Schieflage geratene Gasimporteure zu stabilisieren. Das Wirtschaftsministerium geht aber von etwas Zeitverzug aus, bis die Umlage tatsächlich bei allen Verbrauchern ankommt.

Sie wird monatlich abgerechnet und kann alle drei Monate angepasst werden. Die jetzt beschlossene Höhe von zunächst 2,419 Cent bedeutet deutliche Mehrkosten für die Verbraucher im Jahr, bei einem Durchschnittsverbrauch von 12.000 Kilowattstunden rund 290 Euro ohne Mehrwertsteuer. Hinzu kommen weitere reguläre Preissteigerungen, die schrittweise bei den Kunden ankommen dürften.

Die Maßnahme ist umstritten, auch weil zahlreiche Fragen noch ungeklärt sind. So ist bei vielen Gasanbietern noch unklar, ob sie die Umlage fristgerecht an Kunden weitergeben können. Der Umgang mit Abnehmern mit Preisgarantien ist zum Beispiel noch nicht geklärt.

Strittig ist zudem, ob auch noch Mehrwertsteuer auf die Umlage obendrauf kommt. Die Bundesregierung hatte die EU zuletzt um eine Ausnahme gebeten, um auf die Erhebung der Mehrwertsteuer verzichten zu können. Das europäische Recht sieht eine solche Ausnahme allerdings bisher nicht vor.

Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die ganze Maßnahme vor Gericht landet, bis hin zu einer Verfassungsklage. Der Staatsrechtler Hanno Kube hatte bereits Anfang August der dts Nachrichtenagentur gesagt, die Gasumlage werfe nicht nur ökonomisch, sondern auch rechtlich schwierige Fragen auf. Trotz der zahlreichen offenen Fragen hatte das Wirtschaftsministerium zuletzt bekräftigt, an der Einführung zum 1. Oktober festzuhalten.

Zwölf Importeure haben für Gasumlage 34 Milliarden Euro angemeldet

Hinter der geplanten Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent pro Kilowattstunde stecken die Anmeldungen von zwölf Gasimporteuren im Umfang von insgesamt 34 Milliarden Euro. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Montagmittag mit. Die Gesamtsumme beziehe sich auf den Umlagezeitraum bis Anfang April 2024 und entspreche 90 Prozent der erwarteten Ersatzbeschaffungskosten für diesen Zeitraum.

Zunächst handelt es sich dabei nur um Prognosen. „Am Ende des Umlagezeitraums wird dann anhand der tatsächlichen Kosten abgerechnet“, so das Wirtschaftsministerium. Diejenigen Gasimporteure, die wegen ihrer Ersatzbeschaffungskosten für ausfallendes russisches Gas die Umlage in Anspruch nehmen wollten, konnten 90 Prozent ihrer voraussichtlichen Mehrbeschaffungskosten geltend machen.

Dabei durften nur Mengen angerechnet werden, die ursprünglich in Bestandsverträgen in Bezug auf russische Erdgaslieferungen zugesichert worden waren. Die entsprechenden Lieferverträge mussten vor dem 1. Mai 2022 abgeschlossen worden sein. Welche Unternehmen letztlich ihre Kosten angemeldet haben, teilte das Ministerium zunächst nicht mit.

RWE und Shell hatten angedeutet, auf die Umlage zu verzichten. Diese Unternehmen hatten zuletzt Milliardengewinne gemeldet.

red

Grüne machen Kompromissvorschlag für Entlastungspaket

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Grünen bringen im Koalitionsstreit um weitere „Entlastungen“ der Bürger eine Kompromisslösung ins Gespräch, die auch die von der FDP geforderten Steuerentlastungen enthalten würde. „Um eine gute Lösung in der Ampel zu finden, müssen sich alle an der Realität, an den tatsächlichen Belastungen und Problemen orientieren, nicht an Glaubenssätzen aus Parteiprogrammen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch der „Rheinischen Post“ (Montag). „Das heißt, die Mittel müssen ganz direkt Menschen mit finanziellen Sorgen zugutekommen. Zum Beispiel durch die steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen, höhere Regelsätze in der Grundsicherung oder durch direkte Zahlungen wie bei den Energiepreispauschalen. Und es braucht die Entlastung nicht irgendwann, sondern im Herbst, parallel zur Gasumlage“, sagte Audretsch. Den Vorschlag von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) zum Abbau der kalten Progression sehen die Grünen allerdings weiter kritisch.

„Der Vorschlag des Finanzministers zielt vor allem darauf, Topverdiener mit häufig weit über 100.000 Euro Einkommen zu begünstigen. Das ist kein angemessener Vorschlag in der aktuellen Lage“, sagte Audretsch Die volle Jahreswirkung des Vorschlags Lindners betrage laut Bundesfinanzministerium 17,9 Milliarden Euro, bis zum Ende der Legislaturperiode gehe es allein steuerlich um Summen von über 45 Milliarden Euro. „Menschen, die finanzielle Sorgen haben, erwarten zu Recht, dass wir solche Summen nicht zugunsten der Reichsten, sondern fair und gerecht einsetzen“, sagte Audretsch.

Mehr Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe

Wiesbaden (dts) – In den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland sind Ende Juni 2022 knapp 5,5 Millionen Personen tätig gewesen. Die Zahl der Beschäftigten stieg gegenüber Juni 2021 um 42.500 oder 0,8 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen am Montag mit. Damit stieg die Beschäftigtenzahl zum sechsten Mal in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat.

Im Vergleich zum Mai 2022 erhöhte sie sich um knapp 8.900 oder 0,2 Prozent. Deutlich überdurchschnittlich stieg die Beschäftigtenzahl gegenüber dem Vorjahresmonat in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+3,7 Prozent) sowie in der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (+3,5 Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich, aber im Vergleich dazu deutlich niedriger waren die Zuwächse in der Metallerzeugung und -bearbeitung (+1,2 Prozent) sowie in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln (+1,1 Prozent).

In der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen ging die Beschäftigtenzahl dagegen um 1,5 Prozent zurück. Die im Juni 2022 im Verarbeitenden Gewerbe geleisteten Arbeitsstunden sanken im Vergleich zum Juni 2021 um 3,6 Prozent auf 663 Millionen Stunden, so die Statistiker weiter. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Juni 2022 einen Arbeitstag weniger hatte als der Vorjahresmonat.

Die Entgelte für die Beschäftigten lagen im sechsten Monat des Jahres bei rund 26,7 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresmonat war das ein Rückgang um nominal (nicht preisbereinigt) 0,5 Prozent.

Gasumlage könnte Inflation auf mehr als zehn Prozent treiben

Die ab Oktober geltende Gasumlage könnte die Inflationsrate in Deutschland auf mehr als zehn Prozent erhöhen. Das zeigen Berechnungen des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), über die das „Handelsblatt“ berichtet. Die Höhe der Umlage wird am Montag erstmals festgelegt und soll zwischen 1,5 und fünf Cent je verbrauchter Kilowattstunde liegen.

Offen ist noch, ob darauf zusätzlich Mehrwertsteuer erhoben wird. Sollte das der Fall sein, würde die Inflationsrate laut IMK je nach Höhe der Umlage um 0,6 bis 2,0 Prozentpunkte höher ausfallen. Ohne Steuer würde der Inflationseffekt der Umlage 0,5 bis 1,7 Prozentpunkte betragen.

Die Inflationsrate hatte sich im Juli auf 7,5 Prozent abgeschwächt. Der Rückgang ist aber vor allem auf das Neun-Euro-Ticket und den Tankrabatt zurückzuführen, die voraussichtlich Ende August auslaufen. „Im Anschluss wird die Inflationsrate wieder nach oben springen, zusammen mit der Gas-Umlage womöglich auf mehr als zehn Prozent“, sagte IMK-Direktor Sebastian Dullien der Zeitung.

Das IMK setzt für seine Berechnungen voraus, dass alle Gasimporteure die Umlage nutzen. Der Energiekonzern RWE allerdings hatte angekündigt, darauf erst einmal zu verzichten. Auf der anderen Seite ist die Schätzung des IMK konservativ.

Es geht ab Oktober von einem durchschnittlichen Gaspreis ohne die Umlage für Endkunden von 10,7 Cent je Kilowattstunde aus. Der Durchschnittspreis lag zuletzt aber schon um rund zwei Drittel höher. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Haushalte und Unternehmen die Belastungen durch die Umlage bei ohnehin anziehenden Gaspreisen deutlich zu spüren bekommen“, sagte die deutsche Wirtschaftsprofessorin Isabella Weber von der University of Massachusetts dem „Handelsblatt“.

red

Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte steigen weiter stark

Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte sind im Juni 2022 um 33,9 Prozent höher gewesen als im Vorjahresmonat. Damit war der Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat erneut leicht rückläufig, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mit. Im Mai hatte die Veränderungsrate bei +35,6 Prozent gelegen, im April bei +40,0 Prozent.

Im Vormonatsvergleich fielen die Preise im Juni um 1,9 Prozent. Die Preise für pflanzliche (+35,7 Prozent) und auch für tierische Erzeugnisse (+32,8 Prozent) erhöhten sich deutlich gegenüber dem Vorjahresmonat, wenn auch nicht mehr so stark wie im Mai (+36,9 Prozent bzw. +34,7 Prozent). Der Preisanstieg bei den pflanzlichen Produkten war auch im sechsten Monat des Jahres vor allem auf die Getreidepreise zurückzuführen.

Im Juni lag der Preisanstieg beim Getreide um 59,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im Mai hatte die Preissteigerung noch 71,5 Prozent betragen. Gegenüber dem Vormonat sanken die Preise um 8,0 Prozent.

Die Erzeugerpreise für Obst waren im Juni um 11,0 Prozent niedriger als noch vor einem Jahr. Preisrückgänge gab es unter anderem bei Tafeläpfeln mit -16,2 Prozent und bei Erdbeeren mit -8,5 Prozent. Beim Gemüse (+2,9 Prozent) stiegen insbesondere die Preise für Blumenkohl (+36,2 Prozent) und Spargel (+35,2 Prozent).

Im Mai hatten die Preise für Spargel noch 21,0 Prozent unter dem Vorjahresmonat gelegen. Bei Speisekartoffeln hielt der Preisanstieg der vergangenen Monate weiter an: Sie verteuerten sich im Juni 2022 im Vergleich zum Juni 2021 um 116,1 Prozent. Im Mai hatte die Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat +111,4 Prozent betragen.

Das Handelsgewächs Raps verteuerte sich um 41,2 Prozent im Vergleich zum Juni 2021. Damit setzte sich der Trend der vergangenen Monate zwar fort, jedoch nicht mehr so stark wie zuletzt. Im Mai hatte die Vorjahresveränderung noch +60,8 Prozent betragen. Die Preise für tierische Erzeugnisse lagen um 32,8 Prozent über den Preisen von Juni 2021, so die Statistiker.

Der Milchpreis lag um 44,9 Prozent über dem Vorjahresmonat; im Mai waren es +40,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Preise für Eier sind im Vergleich zum Vorjahresmonat um 28,2 Prozent gestiegen, was unter anderem an den gestiegenen Energie-, Transport- und Verpackungskosten liegt. Die Preise für Tiere stiegen um 23,5 Prozent im Vergleich zum Juni 2021. Im Mai hatte die Preissteigerung zum Vorjahresmonat 30,7 Prozent betragen.

Die hohen Preise resultieren hier weiterhin unter anderem aus den gestiegenen Energiekosten und Futtermittelpreisen. Die Preise für Rinder lagen im Juni um 22,8 Prozent, die der Schlachtschweine um 19,5 Prozent über denen des Vorjahresmonats. Die Preise für Geflügel stiegen um 40,0 Prozent gegenüber Juni 2021. Ausschlaggebend hierfür ist der Preisanstieg bei Hähnchen (+44,7 Prozent).

red

Finanzminister Lindner bittet EU um Mehrwertsteuer-Ausnahme für Gasumlage

Die Bundesregierung hat die EU gebeten, bei der Gasumlage auf die Erhebung der Mehrwertsteuer verzichten zu können. Er habe mit der EU-Kommission Kontakt aufgenommen, um eine Ausnahme zu erreichen, schrieb Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Sonntag bei Twitter. Ansonsten würde „aus europarechtlichen Gründen“ auch Mehrwertsteuer auf die Umlage erhoben werden müssen.

„Wir werden dafür sorgen, dass es nicht zu Mehrbelastungen kommt, weil der Staat profitiert“, fügte Lindner hinzu. Die Gasumlage soll ab Oktober greifen. Alle Gasverbraucher sollen sie zahlen, um in Schieflage geratene Gasimporteure zu stabilisieren.

Die genaue Höhe der Umlage soll am Montag bekannt gegeben werden. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte zuletzt eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent je Kilowattstunde genannt. Folge sind deutliche Mehrkosten für die Verbraucher.

red

IG Metall weist Forderung nach Nullrunde zurück

Die Gewerkschaft IG Metall lehnt die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall geforderte Nullrunde in der Tarifauseinandersetzung ab. „Auf den Beschäftigten lasten die gesamten Preissteigerungen – im Gegensatz zu Unternehmen können sie diese nämlich nicht weitergeben“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann der „Welt am Sonntag“. Es sei deshalb nicht die Zeit der Zurückhaltung in der Tarifpolitik.

Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf hatte der Zeitung gesagt, es gebe trotz der hohen Inflation in diesem Jahr keinen Spielraum für Lohnerhöhungen. „Wenn wir im Herbst in eine Gasmangellage kommen, fällt das genau in unsere Tarifrunde“, sagte Wolf. „Dann wird es nicht möglich sein, die Firmen der Metall- und Elektroindustrie mit Lohnerhöhungen weiter zu belasten.“

Gewerkschafts-Chef Hofmann widersprach Wolfs Einschätzung, es gehe vielen Unternehmen der Branche schon so schlecht, dass im Fall eines Gasmangels eine Insolvenzwelle und der Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze drohe. „Der überragenden Mehrheit der Unternehmen geht es aktuell gut“, sagte er. „Die Konjunktur braucht steigende Einkommen und einen möglichst stabilen Konsum als existenzielle Stütze.“

Wer den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise missbrauche, um Umverteilung zu Lasten der Bürger durchzusetzen, der zerstörte den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unterstützung erhalten die Arbeitnehmer von der Union: Weder die Unternehmen noch der Staat könnten verhindern, dass die enormen Preissteigerungen auch die Arbeitnehmer belasten, sagte Marc Biadacz, CDU-Obmann im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales. Aber: „Die Last muss auf alle Schultern verteilt werden“, forderte er.

Neben staatlichen Entlastungen für die Bürger müssten sich auch die Arbeitgeber beteiligen und faire Kompromisse mit den Gewerkschaften finden. „Bei der derzeitigen Inflationsrate sind Nullrunden keine Lösung“, sagte Biadacz. Auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Jessica Tatti, kritisierte die Forderung nach einer Nullrunde als „absolute Frechheit“.

Die steigenden Lebenshaltungskosten müssten auch durch höhere Löhne ausgeglichen werden. „Anstatt Beschäftigte bluten zu lassen, sollten sich die Arbeitgeber lieber bei Finanzminister Lindner und Wirtschaftsminister Habeck dafür einsetzen, dass endlich die Krisengewinnler zur Kasse gebeten werden“, forderte Tatti.

red

Ehemaliger Deutsche-Bank-Chef mit 59 Jahren verstorben

Der Ex-Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain ist tot. Das Geldhaus teilte mit, Jain sei in der Nacht zu Samstag im Alter von 59 Jahren „nach langer, schwerer Krankheit verstorben“. Jain hatte die Deutsche Bank von 2012 bis 2015 als Co-Chef neben Jürgen Fitschen geführt.

Bereits seit 2009 gehörte er dem Vorstand an. Der aktuelle Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing würdigte Jain am Samstag als „leidenschaftliche Führungskraft von intellektueller Brillanz“. Und weiter: „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten seiner Ehefrau, seinen Kindern und seiner Mutter“.

In Deutschland stand er auch in der Kritik, unter anderem wegen seiner Rolle in der weltweiten Subprime-Krise oder dem Libor-Skandal.

red