Müllberge durch Mogelpackungen

 Bei Mogelpackungen – also im Verhältnis zum Inhalt überdimensionierten Verpackungen – bestehen Einsparpotenziale zwischen drei und 27 Prozent. Das entspricht jährlich drei Millionen Mülltonnen zu je 240 Liter. Das hat eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung und der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) ergeben.

Die Studie hat die Bereiche im Verpackungsmarkt unter die Lupe genommen, über die sich Verbraucher regelmäßig bei den Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest beschweren. Dazu gehören etwa Teebeutel, Waschmittelpackungen oder Beutel für Süßigkeiten.

„Die nächste Bundesregierung muss überflüssige Zusatz- und Mogelpackungen abschaffen, um den Verpackungsmüll zu reduzieren und in der Konsequenz CO2-Emmissionen einzusparen. Das schont die Umwelt und den Geldbeutel der Verbraucher“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Erst wenn die Füllmenge 30 Prozent unterschreitet, gilt eine Verpackung laut Gesetz als Mogelpackung. Anbieter führen oft technische Gründe an, um die Luft in ihren Verpackungen zu rechtfertigen. Im Vergleich unterschiedlicher Produkte desselben Segmentes etwa zeigte sich Einsparpotential von bis zu 27 Prozent bei übermäßigen Verpackungen wie Mogelpackungen.

Bei den untersuchten überflüssigen Zusatzverpackungen liegt das Einsparpotential bei 73 Masseprozent. Sie sind weder für den Produktschutz, noch für eine Informationsfunktion notwendig. Durch die Produktpräsentation muten die Produkte mit Zusatzverpackung hochwertiger an, obwohl es nicht immer zutrifft und oftmals optisch ein größeres Inhaltvolumen suggeriert wird.

Für Verbraucher ist das ärgerlich, denn sie müssen die Verpackung, wie etwa den Karton um die Zahnpastatube, die Schachtel um den Cremetiegel oder unnötige Banderolen um Kunststoffverpackungen oder Spirituosen, entfernen und entsorgen.

Rudolf Huber / glp

Wie im Ausland zahlen?

Deutsche zahlen im Laden – immer noch – gerne in bar. Im EU-Ausland könnte dies aber unter Umständen schwierig werden. Denn große Scheine können häufig nicht gewechselt werden oder Verkäufer sind bei entsprechendem Aushang nicht verpflichtet, Bargeld anzunehmen, etwa in Schweden.

Doch was sollte mit ins Reisegepäck – die Giro- oder doch besser eine Kreditkarte? Und was hat es mit dem hierzulande noch nicht so populären Bezahlen mit Smartphone und -watch auf sich?

Mit diesen und anderen Fragen befasst sich die Broschüre „Im EU-Ausland bezahlen“ des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland (EVZ). Eingegangen wird zudem auf mögliche Gebühren beim Geldabheben und der Kartenzahlung. Insbesondere in Ländern mit Fremdwährungen müssen Verbraucher genau hinschauen, um ungewünschte Zusatzkosten zu vermeiden. Die enthaltenen Checklisten helfen, gut vorbereitet in den Urlaub zu starten.

Ebenfalls ein wichtiges Thema in Sachen Finanzen: Die in Deutschland gerne genutzte SEPA-Überweisung oder die Zahlung mit Kreditkarte sind schon lange nicht mehr die einzigen Zahlungsarten im Internet. Immer häufiger kommen Online-Dienstleister wie PayPal, Klarna, Amazon Pay und Paysafe zum Einsatz. Einige ausländische Online-Shops setzen ausschließlich auf diese Zahlmethoden.

Doch wie funktioniert dabei die Zahlung? Welche Vorteile bietet sie Käufern? Und welche Probleme können auftreten? Die Broschüre „Bezahlen im Internet“ klärt auf. Der Bedarf an Antworten ist offensichtlich: Immer wieder erreichen das EVZ Beschwerden über Zahlungsdienstleister, etwa weil Verbraucher nach einem Widerruf der Online-Bestellung keine Erstattung erhalten.

Oftmals scheitert bei grenzüberschreitenden Online-Käufen auch die Sepa-Lastschrift, sei es, weil Händler im EU-Ausland diese nicht mehr anbieten oder weil ein Bankkonto im jeweiligen Land des Internet-Shops vorausgesetzt wird.

Das vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geförderte Informationsmaterial steht Verbrauchern kostenlos zur Verfügung. Wo und wie ist online unter evz.de zu erfahren.

Rudolf Huber / glp

Deutsche Umwelthilfe klagt gegen BMW und Mercedes

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zieht wieder vor Gericht. In der Schusslinie stehen die Fahrzeughersteller BMW und Mercedes-Benz. Zankapfel: das Weltklima. Die Klageschriften wurden bei den zuständigen Landgerichten in München und Stuttgart eingereicht.

Die Umweltschützer fordern darin von BMW und Mercedes den klimagerechten Umbau ihrer Unternehmen insbesondere durch eine drastische Reduzierung der CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge im Einklang mit den verbindlichen Regelungen des Pariser Klimaschutzabkommens und des deutschen Klimaschutzgesetzes. BMW und Mercedes-Benz sollen dazu unter anderem bis zum Jahr 2030 den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner-Pkw stoppen.

Lars Wallerang / glp

Einkommen verlieren Rennen gegen Mietpreise

Die Entwicklung der Arbeitseinkommen kann mit den Preissteigerung von Wohnungsmieten nicht mehr Schritt halten. Das gilt vor allem für die Situation in Großstädten. Dort ist die Miete für Familien zu einer hohen finanziellen Belastung geworden.

Eine Analyse von immowelt zur Mietbelastung einer 4-köpfigen Familie bei Neuvermietung verdeutlicht das: In mehr als jeder zweiten deutschen Großstadt müssen Arbeitnehmer mit anerkanntem Berufsabschluss für eine familientaugliche Wohnung mindestens ein Viertel des Haushaltsnettoeinkommens für die Miete ausgeben.

In 46 von 79 untersuchten Städten müssen der Analyse zufolge Familien, bei denen beide Eltern einen anerkannten Berufsabschluss haben, mehr als ein Viertel des Nettoeinkommens für die Neuanmietung einer Wohnung ausgeben. In 16 Städten liegt der Anteil sogar bei 30 Prozent und mehr.

Haben beide Elternteile hingegen keinen Berufsabschluss, ist das Großstadtleben nur sehr schwer zu finanzieren. Dann liegt die monatliche Belastung in 72 Städten über 25 Prozent und in 52 Städten über 30 Prozent. Die Folge: Viele Menschen mit niedrigen Einkommen müssen aus den Städten wegziehen oder sind auf Wohngeld angewiesen.

Am schwierigsten haben es Familien in Städten, in denen die Schere zwischen Mieten und Einkommen immer weiter aufgegangen ist. In München beläuft sich die mittlere Angebotsmiete für eine 80 bis 120 Quadratmeter große Wohnung auf 1.750 Euro plus Nebenkosten. In Berlin sind die Mieten in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass die Hauptstadt inzwischen auf Platz 3 im Preisranking liegt. Familientaugliche Mietwohnungen kosten aktuell im Median 1.360 Euro.

Im Gehaltsranking liegt Berlin deutschlandweit allerdings nach wie vor am unteren Ende. Da die Mieten viel stärker als die Einkommen gestiegen sind, ist die Schere immer weiter aufgegangen. Die Folge: Eine Familie mit einem Voll- und einem Halbverdiener jeweils ohne Berufsabschluss muss die Hälfte des Einkommens aufwenden, mit einem anerkannten Berufsabschluss sind es 42 Prozent und mit Hochschulabschluss 31 Prozent.

Bezahlbaren Wohnraum finden Familien hingegen im Ruhrgebiet. Mit Berufsabschluss beträgt die Mietbelastung in Duisburg und Herne unter 20 Prozent. Selbst für Elternteile ohne Berufsabschluss sind die Mieten in den Großstädten des Ruhrgebiets noch so günstig, dass die Wohnkostenquote die 25-Prozent-Marke nicht übersteigt.

Lars Wallerang / glp

Deutlich weniger Menschen mit Bussen und Bahnen unterwegs

Bedingt durch die Corona-Pandemie waren im 1. Halbjahr 2021 deutlich weniger Fahrgäste im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen unterwegs als im Vorjahreszeitraum. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war das Fahrgastaufkommen mit fast 3,5 Milliarden Personen 18 % geringer als im 1. Halbjahr 2020. Besonders stark ging im 1. Halbjahr 2021 die Fahrgastzahl im Eisenbahn-Fernverkehr zurück: Mit 28,0 Millionen Personen reisten 34 % weniger Menschen in Fernzügen als im 1. Halbjahr 2020. Der Fernbusverkehr brach sogar um 92 % auf 0,3 Millionen Fahrgäste ein. Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 betrug der Fahrgastrückgang im 1. Halbjahr 2021 insgesamt 42 %.

Im Öffentlichen Personennahverkehr, der 99 % des Linienverkehrs ausmacht, ging das Fahrgastaufkommen im 1. Halbjahr 2021 nach vorläufigen Ergebnissen um 17 % zurück. So waren im Eisenbahn-Nahverkehr einschließlich S-Bahnen mit 680 Millionen Fahrgästen 24 % weniger Menschen unterwegs als im Vorjahreszeitraum. Mit Straßenbahnen fuhren 1,1 Milliarden Fahrgäste (-23 %). Die derzeit gemeldeten Daten für den Nahverkehr insbesondere mit Bussen, der lediglich einen Rückgang um rund 10 % auf knapp 1,9 Milliarden Fahrgäste aufweist, bilden möglicherweise den tatsächlichen Rückgang nicht vollständig ab – unter anderem deshalb, weil im Nahverkehr viele Fahrgäste Zeitkarten besitzen. Diese Tickets wurden vermutlich aufgrund der Pandemie vergleichsweise selten genutzt. Daher ist hier noch mit Revisionen der Meldewerte durch die Verkehrsunternehmen zu rechnen.

Fahrgastrückgang gegenüber dem Vorjahr ausschließlich im 1. Quartal 2021 

Die für das gesamte 1. Halbjahr 2021 ermittelten Rückgänge der Fahrgastzahlen sind ausschließlich auf das 1. Quartal 2021 zurückzuführen. Das gesamte 1. Quartal 2021 war von der Corona-Pandemie geprägt, während sich die Pandemie im Jahr 2020 erst ab März deutlich auf den öffentlichen Personenverkehr ausgewirkt hatte. So waren im 1. Quartal 2021 insgesamt 39 % weniger Menschen im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen unterwegs als im Vorjahresquartal (Nahverkehr: -38 %; Fernverkehr: -67 %). Dagegen wurden im 2. Quartal 2021 Busse und Bahnen wieder stärker genutzt als im von der ersten Corona-Welle geprägten 2. Quartal 2020: Im 2. Quartal 2021 fuhren insgesamt 20 % mehr Fahrgäste im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen als im Vorjahresquartal (Nahverkehr: +20 %; Fernverkehr: +51 %).

Vorkrisenvergleich: 42 % weniger Reisende im 1. Halbjahr 2021 als im 1. Halbjahr 2019 

Insgesamt lag das Fahrgastaufkommen im Linienverkehr im 1. Halbjahr 2021 um 42 % und im 2. Quartal 2021 um 38 % unter den Werten des jeweiligen – noch nicht von der Corona-Krise betroffenen – Zeitraumes im Jahr 2019.

red

Teure Fehler bei der Steuererklärung

Aufgrund der Corona-Sonderregeln ist die Steuererklärung gegenwärtig noch komplexer als sonst. Gleichzeitig machen Steuerzahler oft Fehler und verlieren dadurch Geld. Immerhin muss die Einkommensteuererklärung erst Ende Oktober beim Finanzamt sein, denn die Bundesregierung hat die Abgabefrist verlängert. Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH) zeigt derweil ein paar teure Steuerfehler.

Steuerfehler Nummer eins: Nachweise verschlampen. Die Rechnung für den Handwerker, der Nachweis über die Zahn-OP, die Quittungen zu den Fachbüchern, das Fahrtenbuch für den Dienstwagen: Wer im Laufe des Jahres keine Nachweise und Belege für seine Ausgaben sammelt, der wird die Kosten schwerlich absetzen können. Denn ohne entsprechende Belege fehlen die exakten absetzbaren Beträge sowie die erforderlichen Nachweise für das Finanzamt, falls dieses nachfragen sollte.

Der einfachste Weg aus dem Chaos: Sammeln Sie alle Quittungen und Belege übers Jahr in einem Ordner oder noch einfacher in einem Schuhkarton. Sitzen Sie an Ihrer Steuererklärung, können Sie die Nachweise sortieren und den richtigen Ausgaben zuordnen – nämlich Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen – und dann an der richtigen Stelle in den Formularen der Steuererklärung eintragen.

Es ist einer der häufigsten Fehler in Sachen Steuererklärung: Handwerker, Putzfrauen oder auch Au-pairs bar bezahlen. Dabei lassen sich die Rechnungen dafür in vielen Fällen von der Steuer absetzen – entweder als sogenannte Handwerkerleistung oder als haushaltsnahe Dienstleistung. Die Grundvoraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie die Kosten nicht bar bezahlen, sondern überweisen. Nur mit Rechnung und Überweisungsträger können Sie alle Steuervorteile in Bezug auf Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen ausschöpfen.

Sie sind Mieter oder Eigentümer? Dann können Sie Handwerkerkosten und haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen, die in Ihrer Jahresverbrauchsabrechnung angegeben werden. Dazu gehören z.B. die Kosten für die Gartenpflege oder die Hausreinigung, aber auch Gerätewartungen zum Beispiel am Brandmelder, dem Aufzug oder der Heizung. Bei Mietern, die in einem Mehrfamilien- bzw. Hochhaus wohnen, kann da einiges zusammenkommen.

Die entsprechende Aufstellung solcher Kosten finden Sie in der Regel in Ihrer Jahresverbrauchsabrechnung unter einer Überschrift wie „Nachweis Aufwendungen gem. § 35a EStG“. Denn die einzelnen Hausverwaltungen bzw. Energiedienstleister sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Mietern eine Auflistung aller Handwerkerleistungen bzw. haushaltsnahen Dienstleistungen während eines Jahres zur Verfügung zu stellen.

Weiterer Steuerfehler: Außergewöhnliche Belastungen nicht angeben. Bislang galt: Nur die Krankheits- oder Pflegeheimkosten, die über Ihrer eigenen zumutbaren Belastungsgrenze liegen, können Sie absetzen. Wie hoch die Grenze für jeden Einzelnen ausfällt, richtet sich momentan vor allem nach dem Einkommen: Je mehr Sie verdienen, desto mehr Ausgaben gelten derzeit als zumutbar. Viele sammeln deshalb erst gar keine Nachweise für die Brille oder die Zahn-OP, weil sie denken, dass sie mit den Kosten sowieso nicht über die Zumutbarkeitsgrenze kommen.

Steuerfehler während der Pandemie: Corona-Sonderregeln ungenutzt lassen. Homeoffice-Pauschale, steuerfreie Corona-Sonderzahlungen, Kurzarbeitergeld: Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung einige Maßnahmen beschlossen, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Steuererleichterungen zu verschaffen. So können Arbeitnehmer, die in den heimischen vier Wänden am Esstisch oder in der Arbeitsecke arbeiten, mit der im letzten Winter neu beschlossenen Homeoffice-Pauschale bis zu 600 Euro im Jahr steuerlich geltend machen. Konkret darf ein Arbeitnehmer pro Arbeitstag im Homeoffice eine Pauschale von fünf Euro von der Steuer absetzen, allerdings höchstens 600 Euro im Jahr. Das entspricht 120 Tagen Homeoffice: 120 Tage x 5 Euro = 600 Euro.

Lars Wallerang / glp

Gastgewerbe noch deutlich unter Vorkrisenniveau

Das Gastgewerbe hat sich von der Corona-Pandemie noch nicht erholt. Der Umsatz ist zwar im Juli 2021 gegenüber Juni 2021 saisonbereinigt real (preisbereinigt) um 20,8 Prozent und nominal (nicht preisbereinigt) um 21,3 Prozent gestiegen, doch noch lange nicht auf dem alten Niveau.

Denn wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, lag der Umsatz in der Gastronomie- und Beherbergungsbranche im Juli 2021 damit real noch 23,5 Prozent unter dem Niveau des Februars 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Gegenüber dem Vorjahresmonat Juli 2020 stieg der Umsatz real um 3,5 Prozent.

Lars Wallerang / glp

Teurer Winter: Gaspreise in Deutschland steigen weiter an

Das hören Verbraucher überhaupt nicht gerne: Nach jahrelangem Sinkflug kennen die Gaspreise seit Herbst 2018 für private Verbraucher nur noch eine Richtung.

Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt mit Gas. Das könnte diesen Winter teurer werden, denn die Großhandelspreise für Erdgas sind seit Monaten auf Höchstständen. Vielerorts bekommen die Verbraucher das bereits zu spüren. Laut dem Vergleichsportal Verivox, haben 32 regionale Gasanbieter für September und Oktober Preiserhöhungen von durchschnittlich 12,6 Prozent angekündigt. Beim Beheizen eines Einfamilienhauses führe das zu Mehrkosten von 188 Euro im Jahr.

Gaspreise in kurzer Zeit stark gestiegen

Gas ist auf den Energiemärkten ein knappes Gut geworden. Im Frühjahr 2020, nach Beginn der Corona-Pandemie, waren die Gaspreise im Keller, Haushalte konnten sich über sinkende Kosten freuen. Doch seit dem vergangenen Winter hat sich das geändert. Die Einfuhrpreise für Erdgas, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ermittelt werden, sind allein von Januar bis Juli um 42 Prozent gestiegen. An den Spotmärkten, wo Gas kurzfristig gehandelt wird, haben sich die Preise für Erdgas seit Jahresbeginn sogar mehr als verdoppelt.

Großhändler geraten in Panik

Das Energienachrichtenportal «Montelnews» schrieb jüngst sogar von «Panik» am Gasmarkt. Experten sehen einen ganzen Strauß von Gründen für den heftigen Preisanstieg. Nach dem Wiederanlaufen der Wirtschaft habe sich die weltweite Nachfrage wieder normalisiert, erläutert Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool. Das gelte vor allem für Asien. Der dortige Bedarf an Flüssigerdgas (LNG) beeinflusse auf den eng verflochtenen Erdgasmärkten auch das Preisniveau in Europa.

Gasspeicher sind wenig gefüllt

Hinzu kommt, dass die Gasspeicher in Europa nach dem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 noch nicht wieder komplett aufgefüllt sind. In Deutschland sind sie aktuell zu weniger als zwei Drittel gefüllt, wie auf der Datenplattform der Betreiber zu sehen ist. Vor einem Jahr betrug der Füllstand gut 94 Prozent. Auch in den meisten Jahren zuvor waren die Speicher vor Beginn der Heizsaison deutlich besser gefüllt als derzeit.

Die über ganz Deutschland verteilten unterirdischen Speicher gleichen vor allem im Winter Verbrauchsspitzen aus. An kalten Tagen werden bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus inländischen Speichern abgedeckt, heißt es beim Branchenverband Initiative Erdgasspeicher. Rund 23 Milliarden Kubikmeter Gas können in den Speichern gelagert werden. Das ist etwa ein Viertel der jährlich in Deutschland verbrauchten Erdgasmenge.

Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, hat eine andere Erklärung. «Die Situation bei den leeren Gazprom-Speichern in Deutschland und Europa dürfte bewusst herbeigeführt worden sein», vermutet er. Gazprom betreibt über seine Tochterfirma Astora unter anderem den Speicher im niedersächsischen Rehden, der mit einem Volumen von 4 Milliarden Kubikmetern einer der größten in Europa ist. Zuletzt (15. September) wies die Datenplattform für Rehden einen Füllstand von weniger als 5 Prozent aus. Deutschland rutsche damit «in eine Situation mit Erpressungspotenzial», warnt Krischer mit Blick auf das Genehmigungsverfahren für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.

Russland dementiert Preistreiberei

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies in der vergangenen Woche Vermutungen zurück, dass die Energiegroßmacht Russland irgendetwas mit der derzeitigen Preisrally zu tun habe. Gazprom Germania hält sich bei der Frage nach den Gründen für den weitgehend leeren Speicher Rehden bedeckt. Ein- und Ausspeichermengen erfolgten durch die Kunden, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. «Daher können wir auch nicht prognostizieren, wie die Entwicklung in der Zukunft aussehen wird.» Laut RWE ist Gazprom vertragstreu. «Alle unsere Lieferanten und Handelspartner, darunter Gazprom, erfüllen ihre Lieferverpflichtungen», betont ein Sprecher.

Droht Deutschland ein Gasmangel im Winter?

Krischer hält das für möglich: «Wenn es richtig kalt wird im Februar, wichtige Speicher leer sind und Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen wurde, können regional Engpässe auftreten. Dann bleiben Wohnungen kalt und Gaskraftwerke müssen abgeschaltet werden», befürchtet der Grünen-Politiker. Auch der Speicher-Branchenverband warnt. «Wenn die Gasspeicher nicht ausreichend befüllt sind, kann es zu Zeiten hoher Nachfrage zu Gas-Versorgungsunterbrechungen kommen», sagt Geschäftsführer Sebastian Bleschke. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe allerdings keine Gefahr einer Versorgungslücke.

red

Wer vom Mindestlohn profitiert

Wer profitiert von zwölf Euro Mindestlohn? Eine neue Studie zeigt die 50 Berufe mit der stärksten Wirkung. „Ein Mindestlohn von zwölf Euro würde auch jenseits von Branchen mit traditionell vielen Niedriglohnbeschäftigten wie dem Gastgewerbe oder dem Einzelhandel eine breite Wirkung entfalten“, teilt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit.

Mehr Geld für ihre Arbeit könnten beispielsweise Beschäftigte in Arztpraxen, Anwaltskanzleien und den Büroetagen deutscher Unternehmen erwarten. Frauen würden der Studie zufolge von einem höheren Mindestlohn überdurchschnittlich profitieren, insbesondere wenn sie in Teilzeit arbeiten oder einen befristeten Arbeitsvertrag haben.

Beschäftigte in kleineren Betrieben ohne Tarifbindung zählen ebenfalls zu den Hauptbegünstigten. Regional würde ein höherer Mindestlohn vor allem Beschäftigte im Osten und Norden der Republik erreichen.

„Niemand ist ganz davor gefeit, im Laufe seines Berufslebens für kurze oder längere Zeit für einen niedrigen Lohn zu arbeiten“, sagt Studienautor Dr. Malte Lübker, Experte für Tarif- und Einkommensanalysen am WSI. „Trotzdem gibt es eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für einen Lohn unter zwölf Euro deutlich erhöhen.“

Nach den Studienergebnissen sind dies das weibliche Geschlecht, eine Tätigkeit in Teilzeit, ein befristeter Arbeitsvertrag, ein Arbeitgeber ohne Tarifbindung, eine Betriebsgröße unter 100 Beschäftigen sowie eine Helfer- und Anlerntätigkeit. Dabei ist das Risiko für niedrige Löhne in Sachsen-Anhalt besonders hoch, gefolgt von den anderen ostdeutschen Flächenländern sowie Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Westen. „Wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen, nimmt das Risiko für einen Niedriglohn-Job weiter zu“, sagt Lübker.

„Leider schützt auch eine abgeschlossene, mehrjährige Berufsausbildung nicht zuverlässig vor einer Niedriglohn-Beschäftigung“, bedauert der Gehaltsexperte. Unter den 50 Berufen, die am häufigsten von einer Mindestlohnerhöhung auf zwölf Euro profitieren würden, finden sich auf den vordersten Plätzen Berufe wie Friseur, Bäckereifachverkäufer und Florist (Ausbildungsdauer: jeweils drei Jahre). Auch in beliebten Ausbildungsberufen wie Kaufmann im Einzelhandel, Rechtsanwalts-Fachangestellter, Zahnmedizinischer Fachangestellter und Kfz Mechatroniker besteht ein erhöhtes Risiko für Löhne unter zwölf Euro.

Laut Studie ist hierfür eine wichtige Erklärung, dass die Tarifbindung in Deutschland von 68 Prozent zur Jahrtausendwende auf 51 Prozent im Jahr 2020 gesunken ist. „Deshalb würden heute auch viele Menschen von einem höheren Mindestlohn profitieren, die früher aufgrund ihrer soliden Ausbildung wie selbstverständlich zur Mittelschicht gezählt hätten“, sagt Lübker. Langfristig müsse das Ziel sein, dass diese Beschäftigten wieder nach Tarifverträgen bezahlt würden, die oberhalb des geltenden Mindestlohns qualifikationsadäquate Löhne garantieren.

Lars Wallerang / glp

Verbraucherschutz mahnt Unternehmen ab: Viele Cookies sind rechtswidrig

Jeder, der im Netz unterwegs ist, kennt sie. Und alle sind von ihnen genervt: Bei den meisten Webseiten muss man immer wieder aufs Neue anklicken, welche Daten man (nicht) von sich preisgeben will. Doch laut einer Untersuchung der Verbraucherzentralen verstoßen zehn Prozent dieser Cookie-Banner eindeutig gegen die Vorgaben des Telemediengesetzes (TMG) und der EU-Datenschutz Grundverordnung (DSGVO).

Teils sind „Durch Weitersurfen akzeptieren Sie alle Cookies“-Banner geschaltet, teils Einstellungen schon vorangekreuzt. Manchmal ist gar kein Banner vorhanden, obwohl Daten gespeichert werden. Viele der untersuchten Banner befinden sich zudem in einer rechtlichen Grauzone. Wegen der eindeutigen Verstöße haben die Verbraucherschützer bisher knapp 100 Abmahnungen verschickt und 66 Unterlassungserklärungen erwirkt.

„Die meisten Cookie-Banner gehen den Verbrauchern gehörig auf den Keks. Unsere Stichprobe zeigt, dass rund zehn Prozent der Banner zudem eindeutig rechtswidrig sind. Die Verbraucherzentralen, Verbraucherverbände und der vzbv bündeln deshalb ihre Kräfte, um juristisch dagegen vorzugehen und die Verbraucher besser zu schützen“, sagt vzbv-Vorstand Klaus Müller.

Rechtswidrige Cookie-Banner seien kein Kavaliersdelikt. Die zunehmende Daten-Schnüffelei gefährde die Privatsphäre der Verbraucher und führe zum „durchleuchteten Bürger“.

Rudolf Huber / glp