Autohandel: „Die Geduld ist aufgebraucht!“

Die Beschlüsse des Corona-Gipfels vom 23. März mit einer erneuten Verlängerung und Verschärfung des Lockdown verstärken die Krise im Automobilhandel weiter. „Der zentrale Vertriebskanal der volkswirtschaftlich bedeutenden Automobilbranche bleibt dicht, und das schon seit Mitte Dezember 2020“, so ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. „Nicht nur im Handel müssen wir uns auf ein desaströses Autojahr 2021 einstellen. Viele Existenzen im mittelständischen Kraftfahrzeuggewerbe stehen auf dem Spiel.“

Nach drei Monaten Berufsverbot seien Verständnis und Geduld der Autohändler inzwischen komplett aufgebraucht. „Große Verkaufsräume, geringe Kundenfrequenz, erprobte Einhaltung der Corona-Schutzauflagen: Autohäuser sind auch laut Robert-Koch-Institut fast so sicher wie Aufenthalte im Freien“, betont Karpinski. „Wenn die Autohäuser also praktisch nichts zum Infektionsgeschehen beitragen, wie soll ihre Schließung dann bei der Eindämmung des Virus helfen? Und mit welcher Rechtfertigung soll den Unternehmen ein derartiges Opfer aufgezwungen werden?“

Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), schlägt in die selbe Kerbe: „Mit der heutigen Entscheidung wird der Autohandel in vielen Regionen Deutschlands wieder zurückgeschickt in den Lockdown. Wirtschaftlich kann das verheerend sein, weil das für die Autobranche so immens wichtige Frühjahrsgeschäft erneut wie schon 2020 stark eingeschränkt wird.“

Autohäuser würden über sehr große Verkaufsflächen in Relation zur täglichen Kundenzahl verfügen. Terminshopping könne man hier auch weiterhin infektionssicher umsetzen. Zirpel: „Deswegen braucht es Regelungen, die bei unterschiedlichen Voraussetzungen auch unterschiedliche Maßnahmen zur Folge haben.“

Rudolf Huber / glp

Einfamilienhäuser ganz vorne

Das Ergebnis überrascht nicht wirklich: Die meisten Menschen würden am liebsten in Einfamilienhäusern am Rande der Stadt wohnen. Dafür nähmen sie auch etwas längere Fahrzeiten ins Zentrum in Kauf, so eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Besonders unbeliebt sind demnach große Mehrfamilienhäuser.

Eine schnelle Anbindung ans Zentrum wollen zwar alle, doch die Befragung unter 1.000 Bürgern zeigt, dass erst ab einer Fahrtzeit von mehr als 40 Minuten ins Zentrum eine Wohnoption negativ bewertet wird. „Viele Stadtbewohner könnten sich also vorstellen, ins Umland zu ziehen, wenn sie dort gut angebunden in einem Einfamilienhaus leben können“, so das IW.

Dabei sind die meisten Befragten bereit, 40 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen auszugeben. Die beliebteste Wohnungsgröße sind 90 bis 120, für kleinere Haushalte sind es 50 bis 75 Quadratmeter. Wichtiger als die Größe ist vielen Befragten, dass die Wohnfläche mehr Räume bietet. „Dies bedeutet, dass Projektentwickler gefordert sind, nicht immer größere Wohnungen zu bauen, sondern die Wohnfläche besser nutzbar zu machen“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Rudolf Huber / glp

Gastgewerbe-Umsätze seit Beginn der Pandemie um fast die Hälfte gesunken

WIESBADEN – Nach mehrmonatigen Schließungen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens wird über eine schrittweise Wiederbelebung des Gastgewerbes diskutiert. Hotels, Restaurants und Cafés leiden seit März 2020 unter den Folgen der Corona-Pandemie besonders schwer. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilt, lag der Umsatz im Gastgewerbe insgesamt im Zeitraum von März 2020 bis Januar 2021 real (preisbereinigt) um 47,1 % unter dem des Vorjahreszeitraums.

Seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 gab es noch keinen Monat, in dem die Umsätze im Gastgewerbe real wieder das Niveau des jeweiligen Vorjahresmonats erreichten. Besonders hoch waren die Einbrüche in den Lockdown-Monaten April 2020 und Dezember 2020 mit –74,7 % beziehungsweise -71,1 %. In dieser Zeit waren die Gaststätten bis auf Abhol- und Lieferangebote geschlossen, Hotels durften allenfalls Geschäftsreisende beherbergen. Doch auch die weitreichenden Lockerungen der Pandemie-Beschränkungen während der Sommermonate brachten keine vollständige Erholung für die Branche: Auch im August 2020, dem für das Gastgewerbe umsatzstärksten Monat des vergangenen Jahres, wurde 20,5 % weniger umgesetzt als im August 2019.

Hotels und Getränkeausschank besonders stark betroffen

Dabei trafen die Umsatzeinbußen die einzelnen Bereiche in Gastronomie und Beherbergung unterschiedlich stark: In der Beherbergung fiel der Umsatzverlust in diesem Zeitraum mit -54,8 % besonders hoch aus. In der Gastronomie gingen die Umsätze von März 2020 bis Januar 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 42,7 % zurück. Das Ausbleiben ausländischer Gäste und der Wegfall von Großveranstaltungen und Messen machte sich vor allem bei Hotels, Gasthöfen und Pensionen bemerkbar: Hier gingen die Umsätze von März 2020 bis Januar 2021 um real 57,0 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Dagegen fiel im selben Zeitraum das Minus bei Ferienunterkünften und ähnlichen Beherbergungsstätten mit 41,8 % etwas geringer aus. Die Betreiber von Campingplätzen konnten dank Lockerungen und verstärktem Inlands-Individualtourismus in den Monaten Juli bis Oktober 2020 sogar mehr Umsatz erwirtschaften als im Vorjahr – insgesamt lagen die Umsätze von März 2020 bis Januar 2021 deshalb nur 9,7 % unter dem Vorjahreszeitraum.

Innerhalb der Gastronomie waren all jene Lokale besonders stark betroffen, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte brach der reale Umsatz von März bis Januar 2021 um 62,2 % ein. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis Januar 2021 um 41,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums.

Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe schrumpft um ein Fünftel

Die Umsatzverluste durch die Corona-Krise führten auch zu einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen im Gastgewerbe: Diese lagen im Zeitraum von März 2020 bis Januar 2021 um 19,2 % unter denen des Vorjahreszeitraums.

Während die von Umsatzrückgängen verhältnismäßig stark getroffenen Hotels, Gasthöfe und Pensionen im selben Zeitraum mit -17,8 % etwas weniger Personal abbauten, war der Rückgang der Beschäftigten im Bereich Getränkeausschank besonders hoch (-38,9 %). Dabei ist zu beachten, dass Kurzarbeitende weiterhin als Beschäftigte zählen.

red

Quelle: Statistische Bundesamt

Rentenerhöhung im Westen gestrichen

Deutschlands Rentner werden in den alten Bundesländern im Sommer 2021 erstmals seit Jahren leer ausgehen. Wegen der Corona-Krise wird eine Rentenerhöhung gestrichen. Im Osten wird es dagegen eine Mini-Anhebung um 0,72 Prozent geben. Zeitverzögert wirke sich die Krise nun auch auf die Rentenanpassung aus, heißt es aus der Politik.

Im vergangenen Jahr hatte es zunächst noch einmal eine kräftige Steigerung um 4,2 Prozent im Osten und 3,45 Prozent im Westen gegeben. Zum letzten Mal war 2010 – im Jahr nach der Finanzkrise – eine Rentenerhöhung ausgefallen. Seitdem sind die Renten jedes Jahr gestiegen.

Grundlage für die jährliche Anpassung ist unter anderem die Lohnentwicklung im Vorjahr. Die Berechnung basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach betrug die maßgebliche Lohnentwicklung im Jahr 2020 im Westen -2,34 Prozent. Rechnerisch würde sich daraus sogar eine Rentenkürzung ergeben. Das ist aber durch eine „gesetzliche Rentengarantie“ ausgeschlossen.

Die Bezüge bleiben daher im Westen auf dem aktuellen Niveau. „Auch und insbesondere in Krisenzeiten wie der aktuellen Covid-19-Pandemie können sich die Rentnerinnen und Rentner auf die gesetzliche Rente verlassen“, teilt die Politik mit.

Dass die Renten im Osten trotz der Corona-Krise anders als im Westen leicht steigen, liegt an der sogenannten Angleichungstreppe: Bis 2024 wird der Rentenwert im Osten schrittweise an den im Westen angepasst, bis er gleich hoch ist.

Ralf Loweg / glp

Konjunktur erholt sich in kleinen Schritten

Die „Wirtschaftsweisen“ erwarten eine langsamere Erholung der Konjunktur in Deutschland. Für 2021 wird jetzt mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,1 Prozent gerechnet. Im Herbst war der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung noch von 3,7 Prozent ausgegangen.

Für das erste Quartal 2021 erwarten die Wirtschaftsweisen angesichts der andauernden Einschränkungen und weiterhin hohen Infektionszahlen sogar einen Rückgang um 2,0 Prozent. Es gebe allerdings Chancen für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung, wenn die Bevölkerung schneller als erwartet geimpft und Maßnahmen aufgehoben werden.

Zum Jahreswechsel 2021/22 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder Vorkrisenniveau erreichen, heißt es. Für das Jahr 2022 prognostiziert das Experten-Gremium ein Wachstum von 4,0 Prozent.

Ralf Loweg / glp

Corona-Schutzmasken im Wert von rund 6 Milliarden Euro eingeführt – China größter Gewinner

WIESBADEN – Das Jahr 2020 wird untrennbar mit dem Tragen von Gesichtsschutzmasken in Deutschland verbunden sein. Durch die Corona-Pandemie etablierte sich ein neuer Artikel im deutschen Außenhandel. Im Jahr 2020 wurden nach vorläufigen geschätzten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Gesichtsschutzmasken im Wert von rund 6 Milliarden Euro nach Deutschland importiert. Eingeführt wurden die Masken fast ausschließlich aus der Volksrepublik China. Allein in den Monaten April und Mai 2020 wurden Masken im Wert von 3,5 Milliarden Euro von dort importiert. Im Juni und Juli kamen weitere Masken im Wert von 1,4 Milliarden Euro aus China hinzu. Damit fanden 80 % der Importe von Gesichtsschutzmasken des Jahres 2020 in den Monaten April bis Juli statt.

Wegen der Maskenimporte aus der Volksrepublik China im Jahr 2020 stiegen die Importe in der Warengruppe der Textilien ohne Bekleidung – gegenläufig zum starken Rückgang der deutschen Gesamtimporte –um 49,4 % auf 16,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 hatten die deutschen Importe in dieser Warengruppe 11,1 Milliarden Euro betragen.

Januar 2021: 1,4 Milliarden Masken nach Deutschland importiert

Aufgrund der großen Bedeutung von Schutzmasken bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie wurden die entsprechenden Warenklassifikationen europaweit angepasst und die Gesichtsschutzmasken werden ab Berichtsmonat Januar 2021 separat nachgewiesen. Damit ist es möglich, Stückzahlen für die Maskenimporte zu erfassen. Im Januar 2021 wurden 1,4 Milliarden Gesichtsschutzmasken im Wert von 186,7 Millionen Euro importiert. Davon waren 1,1 Milliarden Stück filtrierende Halbmasken (zum Beispiel FFP2-Masken) für 166,7 Millionen Euro. 94 % dieser Masken kamen aus der Volksrepublik China.

red

Quelle: Statistische Bundesamt

Ein kleines bisschen Hoffnung für die Luftfahrtbranche

Die Bilanz ist niederschmetternd, doch der Blick nach vorn macht der Luftfahrtbranche zumindest ein kleines bisschen Hoffnung. Noch aber hat die Corona-Pandemie die Fraport AG, die an 31 Flughäfen rund um den Globus beteiligt ist, fest im Griff. Am Heimatstandort Frankfurt am Main bleiben die Passagierzahlen vom Rekordniveau von 2019 Welten entfernt. Damals fertigte der größte deutsche Flughafen mehr als 70 Millionen Passagiere ab. 2020 waren es gerade mal 18,8 Millionen.

Für 2021 kalkuliert der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte in Frankfurt vorsichtig mit „unter 20 bis 25 Millionen“ Passagieren. Doch für eine Rückkehr zu positiven Konzernzahlen ist das Passagiergeschäft für die Fraport unabdingbar. Sowohl touristische Reisen als auch Geschäftsreisen könne es schon bald wieder geben, betont Schulte.

Das Vorkrisenniveau könne „viel schneller“ erreicht werden als viele in der Branche glaubten. „Wir erwarten es im Moment für 2025/2026“, erklärte der Fraport-Chef in der ARD-Tagesschau. Dann soll auch das neue Terminal 3 des Frankfurter Flughafens bereitstehen, dessen Fertigstellung sich auf 2026 verschieben wird.

Ralf Loweg / glp

368 400 Wohnungen wurden 2020 genehmigt – Boom bei Zweifamilienhäusern

WIESBADEN – Die Corona-Krise hat im Jahr 2020 in Deutschland nicht zu einem Rückgang der Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen geführt: Mit 368 400 zum Bau genehmigten Wohnungen stieg die Zahl um knapp 8 000 oder 2,2 % gegenüber dem Jahr 2019. In den Zahlen sind sowohl die Baugenehmigungen für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden enthalten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch mitteilt, befindet sich die Zahl genehmigter Wohnungen im Zeitvergleich weiter auf einem hohen Niveau. Mehr genehmigte Wohnungen als im Jahr 2020 gab es seit der Jahrtausendwende nur 2016 mit 375 400.

20,5 % mehr genehmigte Wohnungen in Zweifamilienhäusern – Genehmigungen für Eigentumswohnungen um 5,4 % gesunken

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden im Jahr 2020 rund 320 200 Wohnungen genehmigt. Das waren 2,9 % mehr als im Vorjahr. Dies ist insbesondere auf die Entwicklung bei den Zweifamilienhäusern (+4 400 oder +20,5 %) zurückzuführen. Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser ist um 2,4 % und die für Mehrfamilienhäuser um 0,4 % gestiegen.  Bei der Zahl der Eigentumswohnungen wurde einen Rückgang von 5,4 Prozent verzeichnet. In 2020 wurden 80 119 Eigentumswohnungen genehmigt. Ein Jahr zuvor waren es noch. 84 701.

Dezember 2020: 11 % weniger genehmigte Wohnungen als im Vorjahresmonat 

Im Dezember 2020 lag die Zahl der genehmigten Wohnungen mit 36 530 um 11,0 % unter dem Wert des Vorjahresmonats. In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden im Dezember 2020 rund 11,5 % weniger Wohnungen als im Dezember 2019 genehmigt. Dies ist vor allem auf den Rückgang bei der Zahl der Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser (-17,4 %) zurückzuführen. Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser ist um 9,1 % und die für Zweifamilienhäuser um 39,3 % gestiegen.

Zahl neuer Genehmigungen weiter höher als Zahl der Fertigstellungen 

Die Zahl der Baugenehmigungen ist ein wichtiger Frühindikator zur Einschätzung der zukünftigen Bauaktivität, da Baugenehmigungen geplante Bauvorhaben darstellen. Die tatsächliche Entwicklung der Bautätigkeit im Jahr 2020 wird durch die Entwicklung der Baufertigstellungen dargestellt, die das Statistische Bundesamt voraussichtlich Mitte des Jahres 2021 veröffentlicht.

red

Quelle: Statistische Bundesamt

So hat sich der Büromarkt in Stuttgart entwickelt

Die Corona-Pandemie und der Strukturwandel haben auch am Stuttgarter Büromarkt Spuren hinterlassen: Der Flächenumsatz ist im letzten Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2006 gesunken; der Leerstand hat sich erholt. Gleichzeitig wird deutlich, dass moderne Arbeitswelten durchaus mehr umfassen als den eigentlichen Arbeitsplatz im Büro.

Ein deutlich größeres Flächenangebot kennzeichnen die derzeitige Situation des Büromarkts in Stuttgart. Dieser konnte im Jahr 2019 einen Flächenumsatz von 141.000 Quadratmetern verzeichnen, was einem Rückgang um rund 55 Prozent gegenüber dem Rekord-Vorjahr entspricht. Die Leerstandsquote ist auf 3,1 Prozent gestiegen, was einem Flächenangebot von etwa 249.000 Quadratmetern entsprach. Damit zeichnet sich eine dringend nötige Entspannung beim knappen Leerstand der vergangenen Jahre von zuletzt 1,9 Prozent ab – krisenbedingt aber mit der Gefahr von Flächenüberangeboten in einigen Teilmärkten. Dies geht aus dem aktuellen Stuttgarter Büromarktbericht der E & G Real Estate und der Stuttgarter Wirtschaftsförderung hervor.

Den größten Einzelabschluss bilden die rund 14.545 Quadratmeter Bürofläche, die die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation im ersten Halbjahr in Stuttgart-Bad Cannstatt angemietet hat. Der zweitgrößte Abschluss mit rund 7.600 Quadratmetern erfolgte im vierten Quartal durch den Eigennutzer indasys IT Systemhaus AG in Stuttgart-Weilimdorf. Ein weiterer Mietvertragsabschluss des Landes Baden- Württemberg in Stuttgart-Feuerbach lag bei 7.510 Quadratmetern.

Öffentliche Hand weiterhin an der Spitze

Mit Flächen von rund 37.900 Quadratmetern blieb die öffentliche Hand auch im Jahr 2020 stärkster Nachfrager. Beratungsunternehmen spielten mit 28.000 Quadratmetern ebenfalls eine große Rolle – bei ihnen war bereits 2019 eine steigende Nachfrage zu erkennen gewesen. Ein ebenfalls vergleichsweise guter Flächenumsatz von rund 15.400 Quadratmetern entfiel auf die kontinuierlich wachsende IT-Branche. Die in der Vergangenheit für große Flächenumsätze verantwortlichen Industrieunternehmen waren durch die Infektionslage und die Umwälzungen in der Branche kaum noch vertreten.

„Gerade aufgrund der vielfältigen Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft investiert die Stadt im aktuellen Etat einige Milliarden Euro in Zukunftsfelder und Schlüsseltechnologien“, sagt Ines Aufrecht, die die Wirtschaftsförderung der Stadt leitet. „Dazu gehören unter anderem nachhaltige Mobilität, Umwelttechnologien,erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz, Informations- und Kommunikationstechnologien, Green IT und intelligente Produkte. So tragen wir dazu bei, dass Stuttgart auch weiterhin so viel Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitsqualität bieten kann wie in der Vergangenheit“, so Aufrecht.

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen im Büromarktbereich: Nicht so sehr die Suche nach neuen Flächen steht derzeit im Vordergrund. Es geht eher darum, wie stark sich die Anforderungen an den Zuschnitt und die Ausstattung von Büroflächen wandeln und welche neuen Dienstleistungen für die Unternehmen und ihre Angestellten ein gutes Angebot umfassen sollte.“, sagt Ulrich Nestel, Leiter Bürovermietung bei E & G Real Estate. „Sharing-Infrastrukturen werden zum Beispiel immer stärker nachgefragt, genauso wie Paketannahmestationen, aber auch Silent Rooms und Telefonboxen oder ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Nebenkostenmanagement.“

Entspannung bei den Flächen

Das Flächenangebot belief sich insgesamt auf 249.000 Quadratmeter, was einer Leerstandsquote von 3,1 Prozent entspricht. In manchen Gebieten war im letzten Jahr eine geradezu explosionsartige Flächenzunahme zu verzeichnen – etwa in Leinfelden- Echterdingen oder in Vaihingen. An beiden Standorten kamen durch die Fertigstellung der Projekte „Vision ONE“ und „Neo“ hochwertige Neubauflächen auf den Markt, in denen Teilflächen bereits vermietet sind. In Feuerbach erhöhte sich das Angebot überwiegend durch Flächenverkleinerungen ansässiger Unternehmen und durch fertiggestellte Neubauten wie zum Beispiel das „MAYOFFICE“, für das gleichfalls schon einige Mietverträge unterzeichnet wurden.

Obwohl es in der Stuttgarter City immer noch an Neubauflächen fehlt, legte das Angebot hier ebenfalls deutlich zu. Auch in der Innenstadt gab es wieder mehr Flächenauswahl. Die Fertigstellung kleinerer Projekte in der City wird in den kommenden ein bis zwei Jahren ebenfalls für das dringend benötigte Anwachsen des Angebots sorgen. Ab 2025 stehen einige Großprojekte an – das Angebot könnte sich dadurch um Flächen im sechsstelligen Bereich erhöhen.

Spitzen- und Durchschnittsmiete steigen wieder

Der Spitzenmietpreis lag mit 25,50 Euro je Quadratmeter rund 6 Prozent über dem Vorjahreswert. In einigen Bestandsobjekten in der City wie zum Beispiel den Königsbau- Passagen oder dem Z-UP wurden teils deutliche Mietpreissteigerungen realisiert, die zu dieser Spitzenmiete geführt haben. Neubauabschlüsse flossen mangels fehlender Projekte in der City nicht in die Berechnung ein.

Über das gesamte Stadtgebiet betrachtet konnte auch die Durchschnittsmiete gesteigert werden: mit nunmehr 16,50 Euro je Quadratmeter um 1,8 Prozent. Im Gegensatz zur City wurden in den umliegenden Teilmärkten zahlreiche Neubauflächen angemietet. In südlicher Randlage waren dies beispielsweise Abschlüsse im fertiggestellten Neubau„Neo“ in Vaihingen sowie im Bürocampus „Vision ONE“ in Leinfelden-Echterdingen.

„In den letzten Jahren war das Flächenangebot des Stuttgarter Büromarkts deutlich zu knapp. Eine Zunahme des Leerstands in gewissem Umfang ist nach wie vor erforderlich“, so Ulrich Nestel. „Die Corona-Pandemie zwingt viele Unternehmen, sich mit flexibleren Arbeitsplatzmodellen auseinanderzusetzen, aus denen mögliche Flächeneinsparungen resultieren könnten. Vor allem die Industrieunternehmen werden wegen der unabhängig hiervon notwendigen Umstrukturierungen, ausgelöst durch technische Umwälzungen und die zunehmende Digitalisierung, in den kommenden Jahren größere Flächen freisetzen. An ihren Standorten muss daher teilweise mit einem Überangebot gerechnet werden, das selbst in krisenfreien Zeiten nur mit längeren Vermarktungszeiten platziert werden kann.“

Quelle: E & G Real Estate / Wirtschaftsförderung Stuttgart

Neue Heizungen braucht das Land

 Heizungsinstallateure können sich in der Corona-Krise über mangelnde Arbeit nicht beschweren. Kunden müssen häufig Tage oder sogar Wochen warten, bis sie einen Termin bekamen. Auch im aktuellen Lockdown können die Handwerker kaum noch Aufträge annehmen. Vor Ostern sei kein Termin mehr frei, heißt es immer wieder.

Tatsächlich ist die Nachfrage nach neuen Heizungen oder Modernisierungen drastisch gestiegen. 2020 kletterte der Absatz von Heizungen um 13 Prozent nach oben, wie der Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH) berichtet. Zum Vergleich: Im Durchschnitt wuchs die Branche seit 2000 gerade mal um zwei Prozent pro Jahr.

Beschleunigt wurde der Trend durch die Förderprogramme. Seit Anfang 2020 zahlt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bis zu 45 Prozent der Kosten für den Austausch einer alten Ölheizung durch eine Anlage, die ausschließlich erneuerbare Energien nutzt. Beim Umstieg auf Gaskessel mit Solarthermie-Anlage, Wärmepumpe oder Holzpellets-Heizung erhalten Kunden immerhin noch 40 Prozent der Kosten.

Hintergrund: Die Mehrheit der deutschen Heizungen gilt als sanierungsbedürftig. Jeder vierte Heizkessel ist laut „tagesschau.de“ älter als 25 Jahre. Noch heizen die meisten Deutschen mit Öl oder Gas. Rund zwei Drittel der insgesamt 21 Millionen Heizanlagen werden mit fossilen Energieträgern befeuert. Am weitesten verbreitet sind Gasheizungen.

Ralf Loweg / glp