Welche Straßen diese Woche in Ludwigsburg gesperrt sind

Verkehrsbericht gültig ab Montag, 23. März

Abelstraße
Es besteht eine Vollsperrung der Abelstraße zwischen dem Schützenplatz und der Kreuzstraße – Anlieger und Andienungsverkehr sind eingeschränkt frei.

Favoritegärten
Es besteht eine Vollsperrung bei den Favoritegärten 19-21. Die Zufahrt über das Heilbronner Torhaus und die Marienstraße ist möglich.

Friedrichstraße
Hier ist stadteinwärts die Fahrbahn auf eine Spur verengt. Die Einfahrt aus der Friedrichstraße in die Danziger Straße in nördlicher Richtung ist gesperrt.
 
Heilbadweg
Es besteht eine Vollsperrung zwischen dem Heilbad und der Uferstraße bis circa Ende April. Der Fahrradverkehr wird über die Marbacher Straße umgeleitet.
 
Heilbronner Straße
Es besteht eine Vollsperrung des Verbindungsweges zwischen der Heilbronner Straße und der Reuteallee entlang des Bahndammes bis etwa Ende März. Die ausgeschilderte Umleitung für den Fußgänger-/Radverkehr verläuft über den westlichen Verbindungsweg.
 
Hochberger Straße
Hier besteht eine Vollsperrung der Straße entlang der Kläranlage zwischen K 1695 und der Kläranlage Poppenweiler bis etwa Ende April. Die Zufahrt zur Kläranlage ist nur nach Abstimmung möglich. Der Fußgängerverkehr ist eingeschränkt möglich.

Kallenberg´sches Areal
Die Leonberger Straße ist zwischen der Solitudestraße und dem Zentralen Omnibus-bahnhof (ZOB) für den Individualverkehr gesperrt. Die Solitudestraße ist halbseitig gesperrt – die Verkehrsführung erfolgt stadteinwärts zwischen der Friedrichstraße und der Leonberger Straße. Die Einschränkungen bestehen bis voraussichtlich April 2021.

Königsallee
Es besteht eine Vollsperrung zwischen der Friedrichstraße und der Königsallee 54 bis circa Anfang April 2020.
 
Lortzingstraße
Hier besteht eine Vollsperrung zwischen dem Brahmsweg und der Schumannstraße
bis voraussichtlich Ende April 2020. Der Kreuzungsbereich Brahmsweg/Lortzingstraße ist in diesem Zeitraum ebenfalls gesperrt.

Muldenäcker
Es besteht bis circa Mitte April 2020 eine Vollsperrung der Straße Muldenäcker – dadurch wird die Schönbeinstraße zur Sackgasse.

Neckarstraße
Hier wird der Verkehr halbseitig geführt wegen des Neubaus zweier Bushaltestellen auf Höhe des Gebäudes Neckarstraße 82.

Osterholzallee
Die Fahrbahnen in der Osterholzallee sind bis voraussichtlich Ende April 2020 zwischen der Schlieffenstraße und der Gänsfußallee halbseitig gesperrt. Es gibt eine Einbahnregelung in Fahrtrichtung Stadtmitte. Eine Umleitung in die Gegenrichtung ist eingerichtet.

Schillerstraße
Die Schillerstraße ist für den Fahrzeugverkehr in Richtung Westen befahrbar. Der Radverkehr bleibt in beide Richtungen aufrecht erhalten. Der Fußgängerverkehr wird über den Gehweg auf der Südseite geführt. Diese Verkehrsregelung gilt für die Dauer der Bauarbeiten bis voraussichtlich Ende 2022.        
                                                                                            
Schlossstraße – B27
Hier werden vorbereitende Arbeiten für die Fahrbahnsanierung in den Osterferien durchgeführt. Dadurch kommt es zeitweise zu Sperrungen.
 
Uferwiesen II
Hier besteht eine Vollsperrung der Anlegestelle. Die Arbeiten sind witterungsabhängig und die Dauer derzeit noch nicht genau absehbar.

Waldäcker III
Hier sind temporäre Einschränkungen bei der Nutzung des Radwegs entlang der Schwieberdinger Straße möglich. Die Arbeiten sind witterungsabhängig und die Dauer derzeit noch nicht genau absehbar.

Meldungen aus dem Landkreis Ludwigsburg

A81: Verkehrsunfall mit zwei Verletzten 

A81 Gemarkung Asperg: Verkehrsunfall mit zwei leichtverletzten Personen Am Samstag, den 21.03.2020, gegen 15:30 Uhr befuhr ein 22 Jahre alter Fahrer eines Audi A3 die A81 von Heilbronn kommend in Richtung Stuttgart. Auf Höhe der Gemarkung Asperg geriet er mit seinem Fahrzeug auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern, prallte gegen die Mittelschutzplanke und unmittelbar danach gegen die rechten Schutzplanken. Dort kam er entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen. Ein nachfolgender 38 Jahre alter Fahrer eines Sattelzuges überfuhr mehrere auf der Fahrbahn liegende Teile des Audis woraufhin der vordere Reifen der Zugmaschine platzte. Infolge des Unfalles kam es weiterhin zu einem Brand im Motorraum des Audis. Der 22 Jahre alte Fahrer des Audis und dessen 19 Jahre alte Beifahrerin wurden durch den Unfall leichtverletzt. Durch den Unfall entstand ein Gesamtschaden von ca. 8000 Euro. An der Unfallstelle waren eine Streife der Autobahnpolizei, zwei Rettungswagen und 7 Fahrzeuge der Feuerwehren Asperg und Möglingen im Einsatz. Der Audi A3 musst durch einen Abschleppdienst von der Unfallstelle geborgen werden.

Großbottwar: Brand in Wohnung

Laptop beginnt im Wohnhaus zu brennen Am Samstag gegen 13:15 Uhr entzündete sich ein Laptop auf Grund eines technischen Defekts und begann zu brennen. Die Anwohner des Hauses wurden durch den ausgelösten Rauchmelder auf den Brand aufmerksam. Vater und Sohn trugen den Laptop ins Badezimmer und versuchten diesen dort zu löschen. Der Laptop befand sich jedoch zuvor auf einem Bett, wodurch auch die Matratze das Kissen und die Decke Feuer fingen und eine starke Rauchentwicklung entstand. Vater und Sohn kamen aufgrund einer möglichen Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus. Die Tochter der Familie stand unter Schock und wurde daher ebenfalls in ein Klinikum verbracht. Die Feuerwehr war insgesamt mit fünf Fahrzeugen im Einsatz.

Ludwigsburger Top-Cop hat Herz und eine kreative Ader: Ludwigsburg24 trifft Burkhard Metzger

Burkhard Metzger ist Polizist mit Leib und Seele und verfügt über fast 40 Jahre Erfahrung sowohl im operativen Geschäft als auch in der Verwaltung. Vom einfachen Streifenpolizisten führte ihn sein Weg über verschiedene Polizeireviere in Pforzheim, Stuttgart, Marbach schließlich nach Ludwigsburg. Seit Juni vergangenen Jahres leitet der 59-Jährige das Polizeipräsidium Ludwigsburg, zuständig für die Landkreise Ludwigsburg und Böblingen. Insgesamt ist er verantwortlich für 1.800 Mitarbeiter, 300 arbeiten in der Verwaltung, 1.500 Mitarbeiter sind Polizisten, 30 Prozent davon Frauen. „Wir sind das Polizeipräsidium in Baden-Württemberg mit dem höchsten Frauenanteil“, sagt Metzger nicht ganz ohne Stolz im Gespräch mit Ludwigsburg24.

Ein Interview von Patricia Leßnerkraus und Ayhan Güneş

Herr Metzger, eine Frage zu Beginn, die fast jeden von unseren Lesern interessiert: Ist der Landkreis Ludwigsburg sicher?
Ja, der Landkreis ist im Großen und Ganzen sicher, die soziale Kontrolle funktioniert. Laut Kriminalitätsstatistik gibt es keine wesentlichen Zunahmen der Kriminalität und nur wenig Themen, denen wir uns intensiver widmen müssen. Je größer eine Stadt ist, umso höher ist die Kriminalität. Verglichen mit anderen Landkreisen in Baden-Württemberg sind wir sicher.

Welches sind die Hauptschwerpunkte im kriminellen Bereich?
Diebstahlskriminalität ist weit verteilt, wirkt sich aber nicht aufs subjektive Sicherheitsgefühl aus. Ein sensibleres Thema sind dagegen beispielsweise die leicht gestiegenen sexualisierten Straftaten bezogen auf Frauen und Kinder, deren Ursachen wir erstmal noch sauber analysieren müssen. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob sich vielleicht aufgrund der MeToo-Debatte jetzt einfach mehr Leute bei der Polizei melden. Oder ob eventuell eine exhibitionistische Tat gegenüber Kindern dahintersteckt, die dann als sexueller Missbrauch eingestuft wird.

In der Wahrnehmung der Menschen gibt es eine Steigerung der Kriminalitätsrate in allen Bereichen durch den hohen Zuzug von Flüchtlingen. Ist das tatsächlich so?
Zwischenzeitlich haben wir in fast allen Kriminalitätsbereichen, in denen Asylbewerber und Flüchtlinge beteiligt sind, Rückgänge zu verzeichnen. Das führe ich darauf zurück, dass sie nicht mehr in Erstaufnahmestellen wohnen, sondern dass sie jetzt zersiedelt sind auf die Kommunen. Dort findet in der Regel eine bessere Integration statt, als wenn 200 junge Männer auf engstem Raum zusammenleben. Dass da mit der Zeit die Aggression und das Gewaltpotential steigt, ist nachvollziehbar und wäre auch so, wenn die jungen Männer alle Deutsche wären.

Ein weiteres Problem dürfte sein, dass die Menschen, die zu uns kommen, zwar arbeiten wollen, aber nicht dürfen. Sie haben aber auch Bedürfnisse und würden gerne das Gleiche kaufen wie wir, den Führerschein machen und viele Dinge mehr, können es aber nicht. Wir brauchen deshalb ein sinnvolles, handhabbares Zuwanderungsgesetz.

Sie glauben also, dass ein vernünftiges Zuwanderungsgesetz nicht nur gut für eine bessere Integration wäre, sondern sich auch positiv auf die Kriminalitätsstatistik auswirken würde?
Ich glaube, dass wir umso weniger Kriminalität haben, je mehr wir den Menschen an Berufs- und Lebensperspektive geben und da gehört Arbeit dazu.

Stichwort Bahnhof: Was ist die Problematik am Ludwigsburger Bahnhof, dass die Menschen so beunruhigt auf dieses Thema reagieren?
Meiner Meinung nach handelt es sich um eine gefühlte Unsicherheit der Bevölkerung bzw. der Menschen, die ihn benutzen. Andere Bahnhöfe sind groß, licht, haben breite Durchgänge, sind belebt mit Geschäften, Restaurants oder Cafés. Der Ludwigsburger Bahnhof dagegen hat volle, sehr enge und fast nur raumhohe Durchgänge unter den Gleisen, was schnell ein Gefühl der Beklommenheit hervorruft. Von einem Wohlfühl-Bahnhof sind wir in Ludwigsburg noch entfernt. Aber prinzipiell gibt es an Bahnhöfen immer und überall mehr Kriminalität als auf dem Marktplatz einer kleinen Kommune oder auf dem Land. Wir haben zwar schon Schwerpunktaktionen gefahren am Bahnhof und versuchen dort immer präsent zu sein. Aber ein ausgemachter Straftatenschwerpunkt ist dort nicht gegeben, der es rechtfertigen würde,  eine Dauerwache einzurichten.

Wenn Sie nachts durch den Bahnhof laufen, haben Sie kein mulmiges Gefühl?
Ich persönlich habe kein mulmiges Gefühl, aber ich bin auch Polizist und weiß natürlich, wie man mit bestimmten Situationen umgeht. Gelegentlich nutze auch ich den Bahnhof. Aber ich wurde bislang weder angepöbelt noch angegriffen. Dennoch verstehe ich, dass dort durchaus jemand Angst haben kann.

Fahren Sie in Uniform mit der Bahn?
Wenn, dann fahre ich in zivil mit der S-Bahn, aber es kommt nicht so häufig vor. Normalerweise komme ich von Bietigheim-Bissingen täglich mit dem Pedelec nach Ludwigsburg ins Polizeipräsidium. Das geht schneller als mit dem Auto und verschafft mir die tägliche Portion Frischluft und Bewegung.

Sie beklagen bei öffentlichen Auftritten in Ihren Reden immer wieder den mangelnden Respekt und die fehlende Wertschätzung gegenüber der Polizei. Ist es wirklich so schlimm?
Als ich in den 80er Jahren hier als junger Polizist anfing, war noch ein gewisser Respekt vor der Polizei spürbar. Heute bekomme ich von meinen Kolleginnen und Kollegen immer wieder erzählt, dass es ihnen gegenüber an Respekt mangelt. Die Kollegen werden angegangen, werden schon bei den einfachsten Dingen beschimpft, sie müssen sich beleidigen lassen. Gewalt gegenüber der Polizei ist nach wie vor leider auf einem sehr hohen Niveau. Das setzt sich dann beispielsweise fort bei schweren Unfällen, wo Polizei und Rettungskräfte nicht durchkommen, weil Gaffer mit dem Handy drumherum stehen und nicht helfen. Die Feuerwehr hat deshalb jetzt aufblasbare Sichtschutzwände angeschafft, die binnen Sekunden auf 20 Meter Sichtschutz bieten. Aber das Thema findet auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft statt. Lehrer klagen, dass sie Erziehungsdefizite in der Schule richten müssen, es gibt ihnen gegenüber Verunglimpfungen im Netz. Bürgermeister sind ebenso betroffen. Sie müssen viel aushalten, werden beschimpft, bedroht, selbst ihre Familien werden bei unliebsamen Entscheidungen in die Verunglimpfungen einbezogen. Das ist nicht der Umgang, den ich mir für unsere Gesellschaft wünsche.

Warum ist dieser Respekt abhandengekommen?
Es ist ein gesellschaftliches Problem, weil bestimmte Werte wie das Miteinander zugunsten einer individuellen, hedonistischen Entwicklung in den Hintergrund getreten sind. Es fängt in der Familie an, geht weiter in Kitas und Schulen. Aus diesem Grund ist in Baden-Württemberg das Projekt „Rechtsstaat mach Schule“ von Justiz und Polizei gestartet. Polizeiliche Jugendsachbearbeiter, Staatsanwälte, Richter gehen in Schulklassen, um unser Rechtssystem zu verdeutlichen. Es wird vom Jugendsachbearbeiter erklärt was bei Diebstahl, Handy abzocken, Cybermobbing etc. abläuft und welche Folgen das für die Betroffenen mit sich bringt. Im nächsten Schritt wird der polizeiliche Prozess dargestellt und die Schüler dabei pädagogisch in Gruppenarbeiten einbezogen. In der nächsten Doppelstunde kommt der Staatsanwalt und erklärt die juristischen Folgen für jugendliche Straftäter. In der darauffolgenden Doppelstunde wird in der Klasse eine Gerichtsverhandlung nachgespielt mit einem echten Staatsanwalt und einem realen Richter, inklusive einer Zeugenbefragung. Damit wollen wir Bewusstsein schaffen.

Sie vermitteln den Eindruck eines sehr überzeugten und leidenschaftlichen Polizisten. War das schon immer Ihr Traumberuf?
Nach dem Abitur war ich wie viele junge Menschen etwas unentschlossen und schwankte zwischen Sozialpädagogik und Polizei. Wegen der besseren beruflichen Perspektive habe ich mich letztlich für die Polizei entschieden. Außerdem dachte ich mir, dass ich als Polizist auch viel Gutes tun kann. Anfangs musste ich aber erst lernen, wie man mit bestimmten Situationen umgeht, in denen man die staatliche Hoheitsgewalt vertritt. Zwischenzeitlich bin ich von der Position her da angekommen, wo es mir tatsächlich möglich ist, innerhalb meines Rahmens das eine oder andere Gute zu tun.

Was tun Sie beispielsweise?
Aktuell bin ich dabei, einen Präventionsverein für den Landkreis zu gründen, dessen Unterstützung auch der neue Landrat Allgaier sofort zugesagt hat. Aber auch die OB’s Keck und Kessing sind mit dabei oder Kreissparkassenchef Dr. Schulte. Wir werben Gelder aus der Wirtschaft oder von Stiftungen für Präventionszwecke ein, mit denen wir dann Projekte fördern, die sich dafür bewerben. Uns geht es darum, der Gesellschaft manches wieder bewusst zu machen, Werte zu vermitteln. Wir reden dabei beispielsweise über einen Preis mit dem man Werte wie Respekt, Toleranz, Zivilcourage in der Öffentlichkeit wiederbelebt. Coronabedingt mussten wir die Gründungsversammlung jetzt leider verschieben.

Geht es um Projekte für bestimmte Zielgruppen wie Jugendliche oder Flüchtlinge?
Projekte für Jugendliche zu fördern, macht schon viel Sinn. Da gibt es zum Beispiel das Projekt „Achtung“, das das Polizeipräsidium ins Leben gerufen hat. Es zeigt jungen Menschen auf, wie man anfällig für Extremismus wird. Dafür referieren wir nicht nur über das Thema in Schulklassen, sondern haben auch ein Theaterstück mit dem Theater „Courage“ realisiert, das in Schulen aufgeführt wird. Es handelt von einem jungen türkischen Mann, der mit einem jungen deutschen Mädchen befreundet war. Der eine wird anfällig für islamistischen Terrorismus, die andere für Rechtsextremismus. Die Akteure auf der Bühne zeigen die Ursachen dafür auf: dass man seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat, dass man Strukturen und Ordnung braucht, dass man anfällig ist für Menschen, die einem genau das versprechen. Die Freunde von früher werden dadurch zu Feinden. Im Anschluss geht man mit den Schülern in die Diskussion zu dem Thema.

Gibt es noch andere Zielgruppen, die sie erreichen wollen?
Bei Projekten für Senioren geht es um falsche Polizeibeamte. Ein Phänomen, das leider immer wieder vorkommt. Diese Zielgruppe erreicht man über die Zeitung. Jetzt planen wir dazu noch eine Aktion als Aufdruck auf Bäckereitüten, um die Senioren zu sensibilisieren, die Echtheit der Polizei zu überprüfen und nicht zu leichtgläubig zu sein. Wir sind auch mit Banken im Gespräch; damit deren Mitarbeitende darauf achten und mit Nachfragen reagieren, wenn ältere Menschen plötzlich hohe Summen abheben. Aber es gibt eine ganze Bandbreite an Themen für die unterschiedlichsten Zielgruppen.

Was hat Sie damals am meisten gereizt am Beruf des Polizisten?
Es war die Möglichkeit, etwas Sinnhaftes und für unsere Gesellschaft Wertvolles zu tun, weil sie Regeln braucht und jemanden, der darauf achtet, dass sie eingehalten werden. Ich fand schon damals, dass es ein abwechslungsreicher Beruf ist, was sich im Laufe meiner Karriere bestätigt hat. Polizei ist facettenreich, hat sehr unterschiedliche Tätigkeitsfelder wie Streifendienst, Tagesdienst, Jugendsachbearbeitung, man kann Hundeführer werden, zur Kriminalpolizei wechseln, man kann in Stabstellen arbeiten, zu Spezialeinheiten gehen oder zur Wasserschutzpolizei. Das ist einfach ein Beruf, der lebt und viele Möglichkeiten bietet.

Wenn Sie Ihre fast 40 Jahre Polizeidienst Revue passieren lassen, würden Sie aus heutiger Sicht diesen Beruf nochmals wählen?
Ja, ich würde mich wieder dafür entscheiden. Das einzige Manko ist, dass man als Polizist nicht unbedingt sehr viel verdient, verglichen mit den Einkommen in der freien Wirtschaft. Aber bei der Polizei erlebt man viele Situationen, die Sie als Normalbürger nie erleben. Manchmal machen sie betroffen und sind schwer zu verarbeiten. Aber es gibt auch viele Situationen, in denen man denkt, das ist toll, das ist schön. Wer die Tiefe nicht kennt, kann die Höhe nicht schätzen. Ich habe von beidem gleichermaßen genug und das motiviert mich.

Sie haben zwei Bücher geschrieben, eines heißt ‚Streiflichter aus dem Leben eines Polizisten“. Haben Sie das Buch geschrieben, um Ihre eigenen Erlebnisse im Dienst zu verarbeiten?
Mir ging es darum, die vielfältige Arbeit der Polizei etwas bekannter zu machen. Das Buch ist entstanden während meiner Zeit als Leiter des Polizeireviers in Marbach. Damals habe ich einen Verleger kennengelernt, der mich zu diesem Buch ermuntert hat. Mit Verarbeiten hatte es nichts zu tun. Verarbeiten kann man am besten, indem man über das Erlebte redet. Da ist die Polizei heute auch so weit, dass man auch über belastende Erlebnisse spricht. Dafür haben wir einen psychosozialen Dienst innerhalb der Polizei, der automatisch verständigt wird, wenn ein Mitarbeiter eine traumatische Situation erlebt, wo beispielsweise ein Mensch in seinen Händen stirbt oder bei Gewalttaten Kinder ums Leben kommen.

Sie haben aber noch weitere Bücher geschrieben…
Während meiner Zeit in Pforzheim sind zwei Werke entstanden. Damals habe ich im Kollegenkreis lustige Geschichten gesammelt und aufgeschrieben, denn auch wir Polizisten lachen gerne. Es passieren im Dienst oft so schöne, witzige Dinge. Eine Begebenheit fällt mir spontan ein. Da wird ein Zirkus vom Bahnhof abgeholt und während der Elefantenparade durch die Stadt begleitet, als plötzlich ein Elefant aus der Herde ausschert und sich auf einen roten PKW setzt. Der Wagen ist platt, der Elefant macht Törö, steht auf und geht weiter. Hinterher stellt sich heraus, dass die alte Elefantendame nicht mehr gut sehen konnte, aber dass sie sich jeden Abend in der Vorstellung auf einen überdimensionierten roten Hocker setzen und die Zuschauer mit einem freundlichen Törö begrüßen musste. Das hat sich wirklich so abgespielt und ist nur eine von vielen Geschichten. Die beiden Bücher heißen ‚Der betrunkene Kauz‘ und der ‚Der betrunkene Kauz fliegt wieder‘. Außerdem habe ich noch diverse Kinderbücher geschrieben. Manche mit Polizeigeschichten, andere mit Feuerwehr- oder Rettungsgeschichten, manche als Benefizbücher für die Kinderhospizarbeit.

Ist Schreiben eine Leidenschaft von Ihnen, schalten Sie dabei vom Alltag ab?
Mir macht es einfach Spaß. Und ich freue mich natürlich, wenn ich auf meine Geschichten eine Rückmeldung bekomme. Daneben habe ich auch die eine oder andere Kinderlieder-CD  zum Thema Prävention und Verkehrssicherheit gemacht.

Wie lange brauchen Sie für so ein Buch oder eine CD?
Das kommt immer darauf an. Ein Kinderbuchbeispiel im Kurzüberblick: zwei Glühwürmchen lernen sich kennen und fliegen gemeinsam über Wälder, Felder und das Meer. Sie bekommen ihr Wunschkind, zeigen ihm die Welt. Dann wird das Kind plötzlich krank, wird immer schwächer. Als es zum letzten Flug ansetzt, begleiten die Eltern es bis zu einem bestimmten Punkt und das Kind fliegt allein weiter und bleibt schließlich als schöner Stern am Himmel stehen. Diese Geschichte hatte ich in zwei Stunden geschrieben und habe sie dann nur immer wieder verfeinert. Sie ist entstanden für die Kinderhospizarbeit, weil mir die Mitarbeiter dort sagten, dass es für die Geschwisterkinder wichtig ist, etwas zu haben, womit man ihnen den Tod von Bruder oder Schwester begreifbar machen kann. Ein Buch zum Thema Gewalt gegen die Polizei -„Es reicht!“- hat etwa ein Jahr gebraucht.

Sie wirken ausgesprochen ruhig und ausgeglichen. Woher nehmen Sie die Kraft, alles Erlebte in 40 Jahren Polizeidienst zu ertragen?
Vielleicht liegt es an der Freude, die mir meine Arbeit bereitet. Ich bin sehr gerne Polizist. Ein hohes Maß an Zufriedenheit bekommt man, wenn man gestalten kann. Und das konnte ich eigentlich schon immer.

Welches war das schlimmste Erlebnis Ihrer Dienstzeit, an das Sie bis heute denken?
Dieser Fall liegt schon weiter zurück. Damals ist in Eglosheim ein drei Monate altes Kleinkind gestorben. Eine Streife wurde hingeschickt, die war unsicher über die Todesursache und holte die Kriminalpolizei dazu. Das Kind wurde obduziert und es kam am Ende heraus, dass das Baby von der Mutter mit einem Kissen erstickt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war meine Tochter ebenfalls drei Monate alt. Damals bin ich ganz oft ans Bettchen meiner Tochter, um zu hören, ob sie noch atmet. Ebenfalls schlimm war es immer, Todesnachrichten zu überbringen. Ich habe da Fälle in Erinnerung, wenn man an der Haustür stand und klingelte, die Ehefrau öffnete und direkt auf einen einschlug, weil sie ahnte, was kommen würde. In solchen Momenten war es schwer, die richtigen Worte zu finden, um dem Menschen das Unglück zu erklären. Damals musste die Polizei solche Situationen allein bewältigen. Heute geht zum Glück die Notfallseelsorge mit und betreut die Menschen im Anschluss weiter.

Als Polizist schauen Sie oftmals in die Abgründe der Menschheit. Schaffen Sie es, abends nach Hause zu gehen und das Erlebte im Präsidium zu lassen?
Heute geht es bei mir weniger um die Abgründe der Menschheit, sondern mehr um die Leitungsaufgaben in einer Dienststelle mit mehr als 1.800 Mitarbeitern. Davon nehme ich schon manches mit heim. Jeder, der seinen Beruf ernst nimmt, kann da nicht einfach abschalten.

Wie schalten Sie am besten ab, wie laden Sie Ihre Akkus auf?
Das beginnt mit der Heimfahrt auf dem Pedelec. Diese 30 Minuten nutze ich, um manches nochmals zu durchdenken und dann loszulassen. Wenn ich daheim bin, bin ich abends zuständig für Essen, weil ich sehr gerne koche. Da bin ich auch gerne kreativ. Sport ist ein Muss, egal ob Joggen, Rad- oder Skifahren. Meine Frau und ich sind kulturell sehr interessiert, gehen gerne in Stuttgart ins Schauspielhaus, unternehmen etwas mit unserem Freundeskreis und beim Lesen komme ich ebenfalls gut in den Abschalt-Modus.

Was lesen Sie gerne? Berufsbedingt Krimis oder bevorzugen Sie ein anderes Genre?
Da bin ich sehr breit aufgestellt. Meine Lektüre beginnt bei Zeitungen und Zeitschriften, geht über Krimis bis hin zu schöner Literatur.

Sind Sie heute noch ins operative Geschäft eingebunden?
Ins operative Geschehen greife ich nur noch bei ganz großen Einsätzen ein. Wenn es jetzt einen Terroranschlag wie beispielsweise in Hanau, irgendwelche Unruhen oder eine Katastrophenbewältigung bei uns gäbe, würde ich den jeweiligen Einsatz leiten.

Über welche Fälle sind sie detailliert informiert, welche landen nicht auf Ihrem Tisch?
Vom Wissen her eingebunden bin ich rund um die Uhr in alle wesentlichen Fälle, die sich aktuell auftun und in das, was ermittlungstechnisch läuft.

Vermissen Sie manchmal das operative Geschäft?
Das operative Geschäft war sehr schön, aber ich vermisse es nicht. Heute geht es um die Leitung der Dienststelle, um Repräsentation. Ich war und bin eigentlich zu jeder Zeit sehr zufrieden mit dem, was ich tue.

Sie haben eben erzählt, dass Sie eine Tochter haben. Gibt es noch weitere Kinder?
Ich habe zwei eigene Kinder und bin in zweiter Ehe verheiratet. Meine Frau hat drei Kinder mit in die Ehe gebracht. Ihr erster Sohn ist mit 36 Jahren der Älteste, er ist Lehrer. Meine Tochter lebt in der Schweiz und arbeitet dort als Psychologin. Die Tochter meiner Frau leitet den hauswirtschaftlichen Bereich in einem Seniorenheim, mein Sohn hat gerade in Villingen-Schwenningen sein Studium an der Hochschule der Polizei beendet. Der jüngste Sohn meiner Frau studiert noch Mathe und Philosophie.

Sind Sie glücklich darüber, dass Ihr Sohn ebenfalls zur Polizei gegangen ist oder haben Sie ihm eher abgeraten?
Mein Vater war Schreiner und ich hätte meinen Sohn auch jederzeit bei einem handwerklichen Beruf unterstützt. Aber er wollte unbedingt zur Polizei und der Beruf macht ihm großen Spaß. Von daher hat er für sich die richtige Entscheidung getroffen. Und das zeigt ja auch, dass ich aus dem Geschäft etwas mit nach Hause gebracht habe, von dem er der Meinung war, dass es erstrebenswert ist.

Haben wir genügend Polizisten für die anstehenden Aufgaben?
Momentan gehen wir personell leider durch ein Tal, weil mehr Polizisten in Pension gegangen als neue eingestellt worden sind. Davon merkt die Bevölkerung aber nichts, was dem Engagement all unserer Polizisten zu verdanken ist. Die Kollegen springen auf tolle Weise füreinander ein und helfen sich gegenseitig.

Hat die Polizei Nachwuchssorgen?
Wir haben keine Nachwuchssorgen, denn Polizei ist ein Beruf, den man jungen Menschen wirklich empfehlen kann. Allein das Land Baden-Württemberg stellt in den nächsten Jahren voraussichtlich 1.500 neue Polizistinnen und Polizisten jährlich ein, die alle aufgrund der anstehenden Altersabgänge gute Beförderungsperspektiven haben. Es gibt eine Einstellung im mittleren Dienst und eine im gehobenen Dienst, bei der man im Prinzip das Studium bei Einstellung schon garantiert hat. Außerdem besteht bei der Polizei eine echte Gleichheit zwischen Männern und Frauen. Wir haben letztes Jahr die Charta der Vielfalt unterschrieben, der fühlen wir uns zu 100 Prozent verpflichtet.

Haben Sie Ihre Kinder aufgrund Ihrer Tätigkeit in Selbstverteidigung ausbilden lassen?
Nein, das habe ich nicht getan. Allerdings habe ich früher an der Grundschule meiner Kinder einen Förderverein ins Leben gerufen, über den wir Kurse zur Selbstbehauptung angeboten haben. Die Kinder sollten spielerisch lernen, nur das zu tun, wobei sie auch ein gutes Gefühl haben. Sie haben einfache Strategien mit auf den Weg bekommen, die ihnen helfen sollten. Wissen meine Eltern wo ich bin? Habe ich ein gutes Gefühl dabei? Wenn man das beide Male positiv beantwortet, ist die Gefahr, in eine schlechte Situation zu kommen, relativ gering. Je selbstbewusster ich auftrete, desto weniger werde ich zum Opfer.

Ein großes Problem ist heutzutage, dass bei Streitereien unter Jugendlichen häufiger das Messer zum Einsatz kommt, manchmal mit tödlichem Ausgang. Was raten Sie Jugendlichen, damit sie keiner Messerattacke zum Opfer fallen?
Kommt es zu Streitereien, sollte der Jugendliche nicht auf Konfrontation zum Täter bzw. Angreifer gehen, er sollte sich gegebenenfalls zurückziehen, Verbindung zu anderen Unbeteiligten aufnehmen und sie ganz konkret um Unterstützung bitten, die Polizei verständigen, Hilfe rufen. Alle Information und Ratschläge findet man unter www.aktion-tu-was.de.

Das Gewaltpotential unter Jugendlich scheint gestiegen zu sein. Ist das nur ein Gefühl oder ist das wirklich so?
Die Zahlen aus dem letzten Jahr bestätigen das nicht, sie gehen im Bereich Gewaltkriminalität eher zurück. Man muss sich jedoch fragen, was die Medien dazu beitragen, dass dieses Gefühl besteht. Je nach Berichterstattung haben sie Mitverantwortung dafür, ob ein Unsicherheitsgefühl entsteht oder nicht. Je reißerischer ein Medium mit einer Straftat umgeht, umso mehr schürt es Ängste. Wir wünschen uns eine seriöse und sachliche Berichterstattung.

1994 hat der New Yorker Polizeichef William J. Bratton gemeinsam mit dem Bürgermeister Rudolph Giuliani die Null-Toleranz-Politik eingeführt. Geben Sie Ihren Polizisten einen ähnlich strengen Leitfaden mit auf den Weg?
Null-Toleranz befürworte ich immer im Bereich Terrorismus und Rechtsextremismus. Da müssen wir konsequent sein und klare Kante zeigen. Im Bereich der Jugendkriminalität dagegen muss man anders agieren. Die ist überall verbreitet, kommt mal vor, geht aber auch wieder vorbei. Der Großteil der Jugendlichen begeht keine Straftaten. Bei den 5 Prozent, die Straftaten begehen, ist es oftmals eine einmalige Angelegenheit. Natürlich gibt es auch einen kleinen Prozentsatz derer, die immer wieder straffällig werden. Aber die meisten lernen daraus. Vor allem wenn sie entdeckt worden sind. Danach verläuft ihr Leben normal weiter. Deshalb halte ich die Null-Toleranz-Strategie als durchgängiges Mittel für die Gesellschaft nicht für vertretbar. In manchen Bereichen muss man Tätern einfach auch die Chance anbieten, ihren Platz in der Gesellschaft wieder zu finden.

Wo sehen Sie die Null-Toleranz-Politik als sinnvoll an?
Die Graffiti-Sprayer sind ein gutes Beispiel. Als ich Polizeichef in Pforzheim war, hatten wir ein Haus des Jugendrechts. Dort wurden straffällige Jugendliche sofort zu Arbeitsauflagen verurteilt. So mussten die Sprayer im gesamten Ort alle Graffiti-Sprühereien entfernen. Mit dieser Strafe ist für die Gesellschaft wieder etwas Gutes entstanden, denn die Geschädigten mussten für die Reinigung nicht selbst aufkommen. Der Bereich Pforzheim war damals das einzige Graffiti freie Autobahnstück in der gesamten Bundesrepublik.

Gibt es so ein Haus des Jugendrechts auch in Ludwigsburg?
In der Tat sind wir gerade dabei, ein solches Haus bis 2021 zu realisieren, wo Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendgerichtshilfe, also Sozialarbeiter, unter einem Dach zusammenarbeiten. Das bringt kurze Wege zueinander, man kann mehrere Institutionen zu einer Fallkonferenz zusammenbringen, um die beste Lösung für den jeweiligen Fall zu finden, die dem Wohl von Tätern und Opfern dient, aber auch sofort einer staatlichen Reaktion, die auf eine Verfehlung folgen muss, gerecht wird.

Sie haben eben das Stichwort Rechtsextremismus gegeben. Welche Rolle spielt der in unserer Region?
Gegen Rechtsextremismus gehen wir hier konsequent und mit aller Härte vor. Leider hat es hier schon vereinzelt Straftaten gegeben, zuletzt vor wenigen Wochen eine antisemitische Farbschmiererei in Marbach. Wenn wir die Täter ermitteln können, werden sie dafür zur Rechenschaft gezogen. Gleichermaßen konsequent gehen wir gegen Reichsbürger vor.

Zum Problem werden mittlerweile die Hochzeitskorsos, auf denen zur Feier des Brautpaares die Autobahnen blockiert werden oder wild in die Luft geschossen wird. Wie können Sie dieses Problem lösen?
Wir kontrollieren, weisen darauf hin, was man darf und was nicht. Selbst in Facebook haben wir eine spezielle Seite mit Piktogrammen dazu erstellt. Wer auf der Autobahn den Verkehr runterbremst, wird wegen Nötigung angezeigt. Wenn dadurch ein Unfall passiert, gibt es eine Anzeige wegen Straßenverkehrsgefährdung oder fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr. Wenn sie mit irgendwelchen Waffen schießen, kommt eine Anzeige nach dem Waffengesetz. Was für die Betroffenen meistens das Schlimmste ist, dass die Hochzeitsfeierlichkeiten meist so verzögert werden, dass sich jeder darüber ärgert. Das ist auch unser Argument, mit dem wir mit Flyern, die in Standesämtern übergeben werden, an die entsprechenden Gruppierungen herantreten und sie zur Vernunft aufrufen.

Es heißt immer, Angst sei ein schlechter Ratgeber. Gab es trotzdem Situationen in Ihrem Berufsleben, in denen Sie Angst verspürt haben, weil es gefährlich war?
Denke ich an operative Zeiten zurück, dann ist Angst in bestimmten Situationen wie bei einer Hausdurchsuchung oder dem Eindringen in ein Haus, in dem sich jemand mit einer Waffe aufhält, ein guter Begleiter, weil sie für Vorsicht sorgt. Solche Momente kamen auch bei mir vor.

Wie gehen Sie mit dieser Angst um?
Als Polizist ist man trainiert, man weiß, wie man vorgehen muss und kann normalerweise darauf vertrauen, dass die mitgegebenen Werkzeuge gut funktionieren. Wir haben ein gutes Einsatztraining, auf das man sich verlassen kann. Aber Angst sensibilisiert einfach für eine gefährliche Situation und das ist gut.

Eine Frage, die nicht fehlen darf: Wie geht die Polizei mit dem Corona-Virus um?
Im Polizeipräsidium gibt es bisher noch keinen bestätigten Infizierungsfall. Wir bereiten uns ohne Panik und Hysterie mit Augenmaß auf Situationen vor, die eine Ausbreitung des Coronavirus mit sich bringen könnte. Im Vordergrund steht die Gesundhaltung der Polizei, damit wir die öffentliche Sicherheit auch in Krisenzeiten aufrechterhalten können.

Dafür treffen wir alle sinnvollen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, stellen mögliche Verdachtsfälle vom Dienst frei, planen Vertretungen in kritischen Bereichen und haben uns mit einem landesweit abgestimmten polizeilichen Eskalationsplan auf das,was kommen könnte, vorbereitet. Momentan befassen wir uns mit Maßnahmen zur Einhaltung der von der Landesregierung erlassenen Corona-Verordnung.

Wir stehen in ständigen Kontakt mit den Gesundheitsbehörden und auf Chefebene mit dem Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration, das wiederum im interministeriellen Krisenstab vertreten ist.

Was meint der Mensch Burkhard Metzger zu Corona? Könnte die Krise auch Gutes mit sich bringen?
Die Coronapandemie bringt neben der Krankheitsgefahr enorme Gefahren für unsere Wirtschaft und damit für unseren Wohlstand mit sich. Ich hoffe, dass der Schutzschirm der Regierung hier positiv wirkt. Die Pandemie könnte aber auch manches bewusst machen, was vielleicht in unserer Gesellschaft etwas in Vergessenheit geraten ist:

Dass es keine Selbstverständlichkeit in der Welt ist, dass Supermarktregale immer so voll sind, wie sie es bei uns gewesen sind.

Dass es uns diesbezüglich sehr gut geht.

Dass eine Landwirtschaft in Deutschland Sinn macht.

Dass Medikamente und Zulieferer aus bzw. im eigenen Land in Krisenzeiten wichtig sind.

Dass – angesichts der Möglichkeit einer Ausgangssperre – Bewegung, Sport und Gesundhaltung einen Wert haben.

Und insbesondere, dass eine Gesellschaft zur Bewältigung derartiger Krisen die Solidarität und den Zusammenhalt der Menschen braucht.

Herr Metzger, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Erstes Todesopfer im Kreis Ludwigsburg

Das Landratsamt in Ludwigsburg hat am Freitagabend (20. März – 19Uhr) bekanntgegeben, dass eine 90-Jährige Patientin an den Folgen von Corona gestorben ist.

Auch die Zahl der Erkrankten steigt laut den Behörden weiterhin an. Insgesamt zählt das Kreisgesundheitsamt 190 bestätige Corona-Erkrankungen im Landkreis Ludwigsburg. Davon sind 14 neue Erkrankungsfälle seit gestern. Laut dem Gesundheitsamt werden derzeit sechs Personen stationär behandelt. Sechs Betroffene sind laut der Behörde inzwischen wieder genesen.

Deshalb gilt Aufforderung der Behörden, die Gefahr ernst zu nehmen und Sozialkontakte auf ein Minimum zu beschränken.

Mann bricht in die Wohnung einer 21-Jährigen und verletzt sie schwer

Laut einer Meldung der Polizei Ludwigsburg drang am Donnerstag gegen 21:10 Uhr ein 22-Jähriger in die Wohnung einer 21-Jährigen in Ludwigsburg-Tamm ein und verletzte die Bewohnerin schwer.

Der Mann beschädigte erst den Rollladen der Erdgeschosswohnung in der Ludwigsburger Straße und gelangte so in die Räumlichkeiten der Frau. Dort kam es dann offensichtlich zur Konfrontation zwischen den Beiden, bei der die 21-Jährige durch Schläge schwer verletzt wurde. Im Anschluss an die körperliche Auseinandersetzung entfernte sich der Tatverdächtige zu Fuß. Die Frau wurde durch den Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht. Zu den Hintergründen der Tat konnte die Polizei noch nichts sagen.

Was in Ludwigsburg und in der Region los war

Ludwigsburg-Poppenweiler: Alkoholisierter 53-Jähriger verursacht Verkehrsunfall und begeht Unfallflucht

Der 53-jährige Tatverdächtige einer Unfallflucht am Donnerstag gegen 13:35 Uhr in Ludwigsburg-Poppenweiler konnte durch die Polizei nach dem Verkehrsunfall ermittelt werden. Ein 30-Jähriger musste verkehrsbedingt mit seinem Lieferwagen auf einer Linksabbiegespur eingeordnet in Poppenweiler im Kreuzungsbereich der Steinheimer Straße und der Straße “Am Ring” warten. Der 53-Jährige fuhr mit seinem Mitsubishi ebenfalls in den Kreuzungsbereich ein, wobei er bei seinem eigenen Abbiegevorgang vermutlich zu weit ausscherte, denn seine vordere Stoßstange streifte hierbei den hinteren Teil des Lieferwagens. Dabei wurde ein Sachschaden von insgesamt circa 6.000 Euro verursacht. Anstatt sich um den Unfallschaden zu kümmern, fuhr der 53-Jährige von der Unfallstelle weg. Die verständigten Polizeibeamten konnten den Tatverdächtigen jedoch ermitteln und noch an seiner Wohnanschrift antreffen. Da der Mann deutliche Anzeichen einer starken Alkoholisierung aufwies, wurde er in einem Krankenhaus einer Blutentnahme unterzogen. Die Beamten stellten den Führerschein noch vor Ort sicher und untersagten ihm die weiteren Nutzung von Kraftfahrzeugen.

Möglingen: Unbekannter wirft mit Gegenstand Windschutzscheibe ein

Ein bislang unbekannter Täter beschädigte zwischen Donnerstag, 16:00 Uhr, und Freitag, 6:10 Uhr, in Möglingen im Roseggerweg einen dort abgestellten Mercedes. Vermutlich warf der Unbekannte einen harten Gegenstand auf die Windschutzscheibe, so dass diese splitterte und auch Teile des Lacks in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es entstand ein Sachschaden von circa 1.500 Euro. Das Polizeirevier Kornwestheim bittet Zeugen sich unter Tel. 07154 1313 0 zu melden.

Schwieberdingen: Jugendliche beim Graffiti sprühen erwischt

Zwei Jugendliche wurden durch einen Zeugen beobachtet, wie sie am Donnerstag gegen 15:40 Uhr in Schwieberdingen im Scheerwiesenweg beim Durchlass unter der Bundesstraße 10 Graffiti an die Wände sprühten. Der Zeuge konnte einen der Beiden bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Der 15-Jährige wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen seinem Vater übergeben. Die Ermittlungen zu seinem Tatgenossen dauern noch an, da dieser zu Fuß flüchtete.

Mundelsheim: Brand auf Baustelle – Kriminalpolizei sucht Zeugen

Auf bisher ungeklärte Weise entstand am Freitag gegen 3:40 Uhr ein Feuer auf einer Baustelle in Mundelsheim in der Karl-Epple-Straße. Zwei Gitterboxen mit Kunststoff-Rohren, sowie dort gelagerte Verkehrsschilder und Warnbarken wurden durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen. Es entstand ein geschätzter Sachschaden von circa 500 Euro. Die Feuerwehr Mundelsheim war mit zwei Fahrzeugen und 15 Einsatzkräften vor Ort. Die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hat die Ermittlungen übernommen und bittet Zeugen sich unter Tel. 07141 18 9 zu melden.

Bietigheim-Bissingen: Vergessenes Essen löst Brandalarm aus

Ein 57-Jähriger schlief vermutlich am Donnerstag gegen 21:45 Uhr ein, nachdem er in Bietigheim-Bissingen in der Eisenbahnstraße sein Essen auf den Herd gestellt hatte. Das Essen im Topf fing in der Folge Feuer, so dass die Feuerwehr Bietigheim-Bissingen mit einem Zug und 22 Einsatzkräften anrückte. Bei Eintreffen der Feuerwehr war das brennende Essen jedoch bereits von selbst wieder ausgegangen. Das Gebäude wurde durch die Einsatzkräfte gelüftet.

RKH Kliniken schließen Tagesklinik in Vaihingen an der Enz und Notfallaufnahme in Marbach

Die RKH Kliniken haben im Rahmen der Corona-Epidemie sich entschlossen, die internistisch-geriatrische Tagesklinik in Vaihingen/Enz vorübergehend zu schließen. Das Klinikum mit Sitz in Ludwigsburg hat das gestern bekanntgegeben. Ältere Menschen mit Mehrfacherkrankungen, die dort behandelt werden, zählen in hohem Maße zur Risikogruppe bei einer Ansteckung mit dem Corona-Virus, heißt es in der Mitteilung als Grund für die Maßnahme. „Wir tun dies, um unsere Patienten vor dem Risiko einer Infektion durch den engen Kontakt mit anderen Patienten zu schützen“, sagt Privatdozent Dr. Daniel Kopf, Ärztlicher Direktor der Klinik für Geriatrie im RKH Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen.

Zudem ist dies eine weitere Maßnahme, das dort eingesetzte Personal vorübergehend freizustellen, um es dann bei der zu erwartenden Mehrbelastung durch die bald zahlreich auftretenden COVID-19-Patienten einsetzen zu können, erklärt das Klinikum. Aus demselben Grund wird nun ab Freitag auch vorübergehend die Notaufnahme im RKH Krankenhaus Marbach geschlossen. „Wir wollen die uns zur Verfügung stehenden Personalressourcen für die kommende Krisensituation schonen, weshalb wir auch die Notfallversorgung an einzelnen Klinikstandorten bündeln müssen“, so der Geschäftsführer der Klinik, Professor Dr. Jörg Martin. Durch die Schließung der Notaufnahme in Marbach können zusätzliche Intensiv- und Personalkapazitäten im RKH Klinikum Ludwigsburg zur Verfügung gestellt werden. Martin: „Wir werden versuchen, die Versorgung der COVID-19-Patienten zunächst in Ludwigsburg und Bietigheim zu konzentrieren“.

Ludwigsburger Unternehmer klagen: Corona legt die Wirtschaft lahm

Jeden Tag erreichen uns im Landkreis Ludwigsburg neue Zahlen über Patienten, die sich nachweislich mit dem Covid-19-Virus infiziert haben. Aktuell sprechen die Verantwortlichen über 176 Infizierte im Landkreis Ludwigsburg, bundesweit von über 15.600 Fällen, Tendenz steigend, 34 Patienten haben die Infektion in Deutschland bislang nicht überlebt. Deutschland, und damit auch der Kreis Ludwigsburg, steckt in einer riesengroßen Krise. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankam“, beschwor Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer TV-Rede zur Nation die Bevölkerung.

Sie appellierte an die Menschen, dass es auf jeden Einzelnen ankäme und die beschlossenen drastischen Maßnahmen von jedem umgesetzt werden müssten, um die Bevölkerung zu schützen und die Ansteckungskette zu unterbrechen. Das bedeutet jedoch, dass das soziale Leben in der gesamten Bundesrepublik auf ein absolutes Minimum heruntergefahren werden musste. Clubs, Discotheken, Kinos, Freizeitparks, Schwimmbäder, Indoor- sowie Outdoor-Spielplätze, Büchereien, eigentlich alles, was bislang für das soziale Leben selbstverständlich war, wurde ebenso dicht gemacht wie Kitas, Schulen und Universitäten. Betrieben schicken ihre Mitarbeiter heim. Wer kann, macht Home Office. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Menschen, die aus gutem Grund um ihre Jobs bangen. Unzählige Betriebe, Selbständige, Freiberufler, fürchten um ihre Existenz, weil sie ihre Firmen und Läden schließen müssen. Ganz zu schweigen von den unzähligen Künstlern, die von einem auf den anderen Moment arbeitslos waren, weil ihre Engagements komplett abgesagt wurden. Die Menschen in diesem Land haben Angst, manche sogar regelrechte Panik. Angst, dass bald gar nichts mehr geht und man auch nichts mehr an Nahrung bekommt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der verordneten Schutzmaßnahmen sind groß und treffen jeden, aber nicht jeden gleich hart.

Ludwigsburg24 fragte bei diversen Unternehmen, Einzelhändlern und Selbständigen, aber auch bei den Stadtwerken nach, wie sie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise spüren und welche Maßnahmen sie ergreifen, um diese Ausnahmesituation zu überstehen. 

„Als kommunaler Versorger sind wir Gasgrundversorger und im Rahmen der Daseinsvorsorge verpflichtet, infrastrukturelle Grunddienste und damit als Netzbetreiberin die Versorgung zu gewährleisten. Daher haben wir bereits schon vor Wochen intern den Krisenplan aktiviert. Täglich sitzt unser Planungsstab zusammen, der sich mit möglichen Szenarien der Ausbreitung des Coronavirus befasst“, gibt Christian Schneider als Chef der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH gleich Entwarnung und versichert, dass sich niemand Sorgen machen muss und der Betrieb der Stadtwerke wie gewohnt weitergeht. „Als Arbeitgeber für rund 450 Mitarbeiter nehmen wir unsere Fürsorgepflicht sehr ernst und haben über frühzeitige Informationen die Belegschaft haben immer wieder in punkto Verhaltens- und Hygieneregeln sensibilisiert, Home-Office für die inSchlüsselbereichen aktiven Mitarbeiter eingerichtet und Mitarbeiter in Schlüsselpositionen separiert.“ Trotzdem musste auch Christian Schneider betriebliche Einschränkungen vornehmen. „Bereits Samstag haben wir die Bäder geschlossen, um Menschenansammlungen über 100 Personen in geschlossenen Räumen zu vermeiden. Am 17.03., folgten die beiden Kundencenter in Ludwigsburg und Kornwestheim. Wir bleiben weiterhin erreichbar für unsere Kunden – über Mail und Telefon. Wir versuchen mit diesen Maßnahmen das Ziel unserer Landesregierung zu unterstützen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Als Betreiberin einer kritischen Infrastruktur bereiten wir uns über verschiedene Szenarien auf die weiteren Entwicklungen vor. Wir sind auf einen möglichen Krisenfall gut vorbereitet, um unsere Kunden zu jeder Zeit zuverlässig die Versorgung mit Energie und Wasser zu gewährleisten. Für unsere Netzgebiete sehen wir aktuell keine Auswirkungen auf die Energieversorgung. Wirtschaftliche Auswirkungen lassen sich derzeit noch nicht ableiten. Wir verfolgen aufmerksam die stündlichen Entwicklungen. Jetzt kümmern wir uns vorrangig darum, dass unsere Versorgung auch weiterhin reibungslos funktioniert.”

Jürgen Pflugfelder von Pflugfelder Immobilien hat schnell gehandelt und seine Mitarbeiter aufgeteilt, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. „Wir haben aus Sicherheitsgründen beschlossen, nur zirka die Hälfte unserer Mitarbeiter im Büro zu beschäftigen, die andere Hälfte arbeitet von Zuhause. Unser Geschäftsbetrieb läuft dadurch normal weiter“, erzählt der Immobilien-Unternehmer. „Allerdings ist das Interesse der Kunden an Besichtigungen extrem zurückgegangen. Im Mietbereich gibt es fast keine Besichtigungen mehr, im Kaufbereich bewegen wir uns bei nur noch rund 10 Prozent gemessen an vorher. Das Interesse im Netz dagegen ist rege. Man merkt, dass die Menschen daheim und entsprechend aktiv sind. Aber natürlich kauft niemand eine Immobilie, die nicht zuvor besichtigt wurde.“ Befürchtungen, dass der Immobilienmarkt einbricht und die Preise rapide fallen, hat der erfahrene Pflugfelder jedoch nicht. „Dass sich die Krise langfristig auf die Preise auswirkt, glaube ich nicht, da sich an den grundsätzlichen Marktbedingungen nichts geändert hat. Wir haben auch trotz Krise nachwievor einen großen Bedarf an Wohnraum, da noch immer zu wenig gebaut wird. Wenn wir in den nächsten sechs bis acht Wochen das Corona-Virus medizinisch in den Griff bekommen, notwendige Impf- und Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind, dann glaube ich nicht, dass sich die Corona-Krise langfristig wirtschaftlich auswirkt.“

Für Kathrin Geringer von Exklusiv Wellness über den Dächern von Ludwigsburg laufen die Geschäfte derzeit noch weiter, doch auch sie und ihr Team verzeichnen bereits leichte Einbußen. Laut aktuellem Stand hat die Wellness-Oase derzeit noch geöffnet, allerdings kann sich das täglich ändern. Sie habe aber Maßnahmen getroffen, um Kunden und Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen, erklärte die Geschäftsfrau auf Nachfrage. „Der Spa-Bereich kann nur noch einzeln gebucht werden. Aktionen wie Junggesellinnen-Abschiede mit mehreren Personen finden nicht mehr statt. Für Behandlungen terminieren wir die Kunden so, dass sie nacheinander kommen und sich somit nicht begegnen. Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst benutzen für Behandlungen einen Mundschutz, reinigen uns schon immer aus hygienischen Gründen intensiv die Hände und desinfizieren Geräte und Oberflächen. Kunden müssen klingeln, bei Anzeichen von Erkältungssymptomen schicken wir sie sofort wieder nach Hause.“ Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sind die Geschäfte auch hier rückläufig. „Einige unserer Kunden sind vorsichtig und bleiben von sich aus lieber daheim. Das ist natürlich aus wirtschaftlicher Sicht nicht schön, aber wir haben uns hier in 5 Jahren eine große Stammkundschaft aufgebaut, so dass wir trotz der strengen Auflagen momentan noch gut aufgestellt sind“, sagt Kathrin Geringer. Aber sie jammert nicht, sondern hofft, dass sie vor einer Komplettschließung verschont bleibt. Ihre Strategie für die nächsten Wochen steht: „Wir reagieren derzeit sehr flexibel und passen uns der Nachfrage unserer Kunden an. Wir sind ja froh, dass wir trotz Corona-Krise Arbeit haben und möchten unseren Kunden bei all den täglichen Einschränkungen noch ein bisschen Freude und Abwechslung ins Leben bringen.“

Für BlüBa-Direktor Volker Kugel hat der Corona-Virus zwar die feierliche Eröffnung mit der Sonderausstellung „Frühlingserwachen“ inklusive Pressekonferenz des Blühenden Barocks verdorben, dennoch öffnet der Park an diesem Freitag wie geplant seine Pforten. „Wir werden den Park für den Saisonstart aufmachen, der Märchengarten sowie der Spielplatz und das Bähnchen aber müssen geschlossen bleiben. Wegen dieser Maßnahme bieten wir unseren Besuchern vorerst bis zum Ende der Osterferien Sondereintrittspreise an. Erwachsene zahlen nur 7 Euro, Kinder von 4 bis 15 Jahren dürfen für 2,50 Euro rein. Die Öffnungszeiten bleiben wie gewohnt bestehen, lediglich die Restaurants müssen sich den gerade gesetzlich vorgeschriebenen neuen Öffnungszeiten anpassen, wobei das Restaurant im Märchengarten sowieso geschlossen bleibt.“ Über finanzielle Einbußen denkt der BlüBa-Direktor derzeit noch nicht nach. Der Ende Februar gestartete Dauerkartenverkauf war bislang erfolgreich und mit dem beginnenden Frühling darf Kugel hoffen, dass es die Menschen nach draußen zieht. „Momentan sind wir finanziell noch in einer eher ordentlichen Situation, aber natürlich werden wir Einbußen verzeichnen. Ich will aber nicht jammern, denn andere trifft es viel schlimmer. “Personelle Konsequenzen wird er keine ziehen. Weder befürchtet Kugel eine Ansteckungsgefahr seiner Mitarbeiter durch die Besucher noch glaubt er, dass es zu Entlassungen kommen muss. „Das Personal an den Kassen steht hinter Glas und kommuniziert über eine Gegensprechanlage und kommt deshalb mit den Besuchern nicht in Kontakt. Alle personalintensiven Bereiche wie Märchengarten, der Bach und die Herzogschaukel sind geschlossen, für diese Mitarbeiter haben wir Kurzarbeit angemeldet. In den gastronomischen Betrieben halten wir uns mit 1,50m Tischabstand und entsprechende Hygienemaßnahmen an die Auflagen und unsere Gärtner müssen ebenfalls normal arbeiten, um den Park und Märchengarten weiter zu pflegen.“

Zu einer der ersten von Schließungen betroffenen Unternehmen gehörten die aus der Veranstaltungsbranche. Wurden zuerst nur große Konzerte und andere Events mit mehr als 1.000 Besuchern abgesagt, trifft es inzwischen den kompletten kulturellen Bereich. Jeder noch so kleine Auftritt musste gestrichen werden, wovon nicht nur die Künstler allein betroffen sind. Ludwigsburg24 sprach mit Übeyit Yilmaz von Best Veranstaltungsdienste: „Wir sind ein Service- und Sicherheitsdienstleister, tätig in der Veranstaltungsbranche. Unseren Hauptsitz haben wir in Berlin, dazu weitere Niederlassungen, eine davon in Ludwigsburg. Die Corona-Tragödie trifft uns zu 100 Prozent, weil alle Veranstaltungen mit Menschenansammlungen unterbunden werden. Damit fallen unsere Haupteinnahmequellen weg. Zum Glück haben wir noch ein zweites, wenn auch kleineres Standbein mit dem Werk- und Wachschutz, mit dem wir für einige Unternehmen den klassischen Pfortendienst übernehmen. Aber das macht nur einen Bruchteil unserer Einnahmen aus. Überwiegend pauschal beschäftigte Mitarbeiter können aufgrund der abgesagten Veranstaltungen momentan nichts bei uns verdienen. Für uns festangestellte Mitarbeiter – bundesweit sind wir fast 150, 6 davon arbeiten in Ludwigsburg – heißt es jetzt Kurzarbeit. Entlassungen wollen wir unbedingt vermeiden. Wir suchen derzeit nach Lösungen, wie wir als Unternehmen mit unseren Rücklagen die Festangestellten zusätzlich zum nicht ausreichenden Kurzarbeitergeld finanziell unterstützen können, damit sie nicht unter eine bestimmte Schmerzgrenze fallen. Unsere Juristen stehen mit den Arbeitsämtern in Kontakt, informieren sich, um alle Möglichkeiten auszuloten.“ 

Einen kleinen Lichtblick gibt es für Sven Seeg, den Niederlassungsleiter vom BMW-Autohaus Rhein in Asperg. Die Werkstatt darf offenbleiben, aber die Verkaufsräume des BMW-Händlers mussten geschlossen werden. „Wir haben zwei Probleme: Die Kundschaft bleibt im Verkauf nicht aus aber wir dürfen sie nicht in den Verkaufsräumen empfangen. Das größere Problem ist jedoch, dass wir die Neufahrzeuge nicht ausliefern können, weil die Zulassungsstellen entweder ganz geschlossen haben oder nur notbesetzt sind. Sven Seeg versucht derzeit, mit allen Mitarbeitern im engen Kontakt zu bleiben und ihnen vor allem die finanziellen Ängste zu nehmen. „Trotz wirtschaftlicher Schieflage ist die Rhein-Gruppe ganz gut aufgestellt. Dennoch haben wir einen Fahrzeugbestand von 2.000 Autos, die natürlich liquide Mittel einschließen, was unsere Mitarbeiter auch wissen. Trotz erschwerter Bedingungen wollen wir, soweit es in unserer Macht steht, noch so viele Neufahrzeuge ausliefern wie möglich.“ In der Werkstatt gehen die Aufträge laut Sven Seeg ebenfalls leicht zurück. Eine Umstellung auf Kurzarbeit sei aktuell nicht geplant, aber dauerhaft nicht auszuschließen, sagte der Niederlassungsleiter. Die Botschaft von Seeg ist aber trotz der Umstände eindeutig. “Das Geschäft läuft weiter. Wer einen BMW oder einen Mini bei uns kaufen will, der bekommt ihn auch. Meine Mannschaft ist per Telefon und Mail jederzeit erreichbar.”

Georges ist ein gut besuchter Italiener in der Wilhelmstraße. Wo vor der Corona-Krise Tisch an Tisch stand und das Restaurant bis auf den letzten Platz gefüllt war, kann man heute nahezu durch die Zwischenräume tanzen. „Wir müssen die Mindestabstände von 1,50m einhalten und dürfen nur noch bis 18.00 Uhr offenlassen“, bedauert Restaurant-Besitzer George Kilinc. Um seinen Betrieb am Laufen zu halten, setzt der Gastronom nun auf den Abholservice. „Bei uns konnte man zwar schon immer Essen für daheim abholen, aber wir werden diesen Bereich nun ausbauen. Auch wenn das Restaurant für die Gäste um 18.00 Uhr schließt, können Hungrige Essen bei uns bestellen, denn die Küche bleibt bis 22.00 Uhr für den Abholservice geöffnet. Personell habe ich abgebaut, aber ohne einen Mitarbeiter zu entlassen. Momentan regeln wir das über Überstunden- und Urlaubsabbau. Man muss halt kreativ sein, und die Möglichkeiten nutzen, die man hat. Schließlich weiß niemand von uns, ob uns nicht bald noch weitere drastische Maßnahmen drohen.“

Getroffen hat es auch Klaus Haidt vom Modehaus Kodweiss. Er musste wie seine Kollegen sein Geschäft Mitte der Woche schließen. Für ihn ist es derzeit nicht absehbar, wann es für ihn und seine Mitarbeiter wieder weitergehen kann. „Wir tun alles, dass wir wirtschaftlich nicht in die Knie gehen. Die Firma ist erfreulicherweise liquiditätsmäßig in einem guten Zustand. Aber alles hängt an der Frage, wie lange wir das Geschäft geschlossen lassen müssen. Es sind von politischer Seite zwar großzügige Hilfen angekündigt, die dann, wenn sie auch gewährt werden, für mich Realität sind. Im ersten Schritt haben wir jetzt versucht, mit unseren Lieferanten Arrangements zu treffen, ebenso mit dem Vermieter, aber noch ist nichts spruchreif. Die Ware für die Frühjahrssaison ist bereits im Hause und schon bezahlt. Die Angestellten erhalten jetzt zunächst die volle Lohnfortzahlung wie im Krankheitsfall und ich trage das volle Risiko dafür. Wir werden auf jeden Fall Kurzarbeitergeld beantragen und die Mitarbeiter zu 100 Prozent in Kurzarbeit schicken während der ganzen Schließungszeit. Wir können nur hoffen, dass sich die Situation bald beruhigt.“

Patricia Leßnerkraus

 

Ludwigsburg: Zahl der Infizierten steigt stark

Laut dem Landratsamt Ludwigsburg ist die Zahl der Erkrankten seit gestern (18. März) erneut stark gestiegen. Das Kreisgesundheitsamt zählte am Donnerstag insgesamt 176 bestätige Corona-Erkrankungen im Kreis Ludwigsburg. Davon 52 neue Fälle seit gestern. Die Altersspanne liegt laut der Behörde zwischen 4 und 93 Jahren, wovon zur Zeit jetzt neun Personen stationär behandelt werden. Einen Tag zuvor waren es noch sechs Patienten.

Gute Nachricht: Inzwischen wurde bekanntgegeben, dass fünf Personen wieder gesund sind.

Der dringende Appell der Behörden lautet daher weiterhin, die Gefahr ernst zu nehmen und Sozialkontakte auf ein Minimum zu beschränken.

red

 

RKH Kliniken: Besucherstop wird auf Väter ausgeweitet

Die RKH Kliniken mit Sitz in Ludwigsburg haben sich zum Schutz ihrer Mitarbeiter entschlossen, den Besucherstop nun auch auf Väter auszuweiten. Kliniken-Geschäftsführer Prof. Jörg Martin gab als Grund für diese Entscheidung die Ansteckung von zwei Hebammen mit Covid-19 in einer Klinik in Baden-Württemberg an. Laut Martin dürfen Väter oder Partner zwar weiterhin zur Geburt und Abholung von Mutter und Kind in die Klinik kommen, aber keine Besuche mehr abstatten. „Wir wollen das Risiko für die Mutter und das Kind, aber auch für die Hebammen und das gesamte Personal minimieren. Ein Ausfall der ohnehin dünn besetzten Hebammen hätte katastrophale Folgen für Mütter, die ein Kind erwarten“, sagte Martin.

Diese Entscheidung fiel laut Kliniken-Chef Martin nicht leicht, wurde aber im Sinne der Risikoabwägung auf Bitte der Frauenkliniken im RKH Klinikverbund getroffen.

red